Tag 1239 – Schwuppdiwupp!

Heute um viertel vor Acht bei der Arbeit gewesen. Wann ich dann aufstehen muss, möchten Sie gar nicht wissen. Aber dafür echt einiges getan, trotz meiner etwas begrenzten Möglichkeiten. Zum Beispiel die Mailbox sortiert und Termine abgemacht und schon mal einiges gelesen, und auch die Zeiterfassungsapp geht nun. Das war ein wenig komplizierter als geplant, weil ich mich da mit meiner Bank-ID anmelden musste, aber erst meine Bank-ID auf dem neuen Handy einrichten und dafür brauchte ich meinen TAN-Generator und auf dem, stellte ich heute morgen fest, hat irgendein Kind mindestens fünf mal die falsche PIN eingegeben und ihn damit gesperrt. Ich hatte dann schon befürchtet, dass ich den TAN-Generator einschicken muss oder so, aber ein Anruf bei der Hotline der Bank und viele Fragen später konnte mir der Bankmensch dann die Bank-ID doch einfach so direkt am Handy einrichten, ohne TAN-Tralala. Nun kann ich also einfach per Klick ein- und ausstempeln oder auch Homeoffice* oder freie Tage oder wasweißich eintragen.

Überhaupt. Arbeitszeit. Ich hatte heute auch ein sehr (sehr!) langes Gespräch mit meiner Patin, über das Arbeiten in der Behörde im Allgemeinen und als Inspektør im Besonderen. Im Anschluss an das Gespräch gab sie mir den Plan für die kommenden sechs Monate, in dem die Inspektionen vorgemerkt sind. In der Einarbeitungsphase soll ich auf so viele Inspektionen mitgehen, wie möglich, in diesem ersten halben Jahr wären dass dann… 9 glaube ich, bevor ich im Juni das erste Mal nicht mehr nur Anhängsel in der Einarbeitung wäre sondern so richtig heruminspizieren würde. Zwei dieser Inspektionen dieses Jahr sind mit echten Reisen verbunden (es geht unter anderem auf die Lofoten!), der Rest ist in und um Oslo. Es ist also sehr gut, dass wir unseren Wikinger-Babysitter gefunden haben und auch die Haushaltshilfe hat heute sehr schön zum ersten Mal geputzt, ich werd viel nicht hier sein. Darauf war ich schon eingestellt, auch auf das, was meine Patin dann sagte: ich werde an diesen Tagen schnell Überstunden anhäufen, denn Inspektionstage sind mindestens 10-Stunden-Arbeitstage. Nicht so ganz eingestellt war ich auf die nächste Nachricht: ich darf maximal 50 Überstunden haben, dann fangen Chefs an, auf Abfeiern zu drängen und wenn ich das dann nicht ganz schnell tue, verfallen weitere Überstunden. Ich darf aber gleichzeitig nur 25 Tage pro Jahr abfeiern und (und das ist der Knackpunkt) jede Nicht-Erfüllung des Stunden-Solls an einem Tag wird von der Zeiterfassung als kompletter abgefeierter Tag gerechnet. Ich habe also zum Beispiel gestern schon einen meiner 25 Abfeiertage verbraten, weil ich erst um neun angefangen habe, aber um vier gegangen bin. Meine Patin gab mir den Rat, das dringend mit meiner Chefin (aus verworrenen Team- und Hierarchiegründen ist ihre Chefin nicht meine Chefin) zu besprechen, und da hat sie sehr Recht mit. So nett ich komplett freie Tage finde: die Absprache mit Herrn Rabe und mein eigenes Bedürfnis, nicht jeden Tag zur Bahn zu rennen, damit ich’s grade noch so zum Abholen in die KiTa und zum Hort schaffe sehen eher vor, dass ich die Überstunden zeitnah als Randstunden abfeiere. Und da sind dann 25 Tage sehr wenig, wenn ich auf der anderen Seite 60 Inspektionstage habe. Natürlich weiß ich auch, dass es, vor allem in der Einarbeitungszeit, noch schwierig sein wird, überhaupt irgendwas abzufeiern, denn solange ich noch mehr Klotz am Bein als voll einsatzfähige Mitarbeiterin bin, verringert sich ja der Workload meiner (überlasteten) Kolleg*Innen nicht und ich trippele halt hintendrein. Aber dann irgendwann sollte sich der Workload ja auf ein Paar Schultern mehr verteilen und dann wäre es sicher gut, schon klare Absprachen getroffen zu haben. Huff. (Das ordnet sich. Sicher. Kein Grund schon wieder zu grübeln, Frau Rabe!)

Apropos Einarbeitung: ich habe den Eindruck, das soll alles möglichst zackig über die Bühne gehen. Das liegt mir ja eh, ich freue mich drauf, viel neues zu lernen und einiges altes aufzufrischen. Aber erste Inspektion als Anhängsel in drei Wochen schon ist… ambitioniert. Verständlich ist es ja auch, ich soll halt nicht lange Klotz bleiben. Entsprechend motiviert stürze ich mich in den vierseitigen Plan und stolpere hier und da über technische Schwierigkeiten, die in so einer Behörde nicht mal so eben zu beheben sind. Denn „nur K. kann dir helfen!“. Blöd, dass K. nur eine 40%-Stelle hat und dementsprechend nur zwei Mal die Woche da ist. Aber wenn mir K. dann geholfen hat, dann werd ich – schwuppdiwupp – Inspektørin. So richtig. Gnihihi. (Ich freue mich immer noch sehr.)

Etwas abgekämpft, aber immer noch sehr glücklich.

Ein bisschen Feedback habe ich heute auch bekommen: ich sei sehr offen und gehe auf die Leute zu, extrovertiert sei ich sicher? Ich gab zurück, dass ich das ganz und gar nicht per se sei, aber mich so willkommen fühle und mich gleichzeitig so auf die neuen Aufgaben und Leute freue, dass es mir leicht falle, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Das meinte ich auch so, war aber trotzdem hinterher überrascht über meine einigermaßen geschliffene Antwort. Ich bin mal gespannt, wann ich nicht mehr dauernd das Gefühl habe, in einem einzigen großen Assessmentcenter oder fortlaufenden Bewerbungsgespräch zu sitzen.

___

*Homeoffice ist eher unüblich aber grundsätzlich möglich. Muss halt immer genehmigt werden und ist eh nichts, was ich ab Tag 1 sofort machen würde.

3 Gedanken zu “Tag 1239 – Schwuppdiwupp!

  1. Das mit der Zeiterfassung und dem Abfeiern, wird sicher nicht so heiss gegessen wie es aussieht.
    Ich würde da mal ruhig die Ohren offen lassen, meist geht es, in direkter Absprache mit dem Vorgesetzten, gut, dies ein bischen zurechtzubiegen. Dann müssen Sie halt noch Schatten Buchhaltungen führen, ich habe heute auch grad meine ergänzt, denn so Systeme, Anforderungen zu Buchungsschlüssen und die Arbeitslast passen Nie aufeinander, dann braucht es halt noch Excel ;-)

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  2. FrauC schreibt:

    Schon spannend, wo es welche Überstundenregeln gibt. Und ob die einen anderwn Hintergrund haben als „der Bestimmer will es halt so“.
    Hier z. B. ist Abfeiern in ganzen oder halben Tagen sehr unerwünscht, obwohl das für mich sehr hilfreich wäre: Kinderbetreuung zu aus beliebig vielen Gründen, kein Nachmittagsunterricht aus beliebig vielen anderen Gründen (in einer sogenannten Ganztagsschule…), da wären schnell ein paar Stunden weg…
    Ich drücke die Daumen, dass sich das schnell ordnet!

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