Tag 3431 und 3432 – Mittwoch.

Gestern hatte ich meine Geige bei der Arbeit dabei. Ich schiebe ja eine ruhige Kugel und hatte mir deshalb mitten in den Tag eine Geigenstunde gelegt. Ne Woche vor Weihnachten kann man das ja mal machen. Womit ich nicht gerechnet hatte, was, dass ich komplett verwirrt sein würde, und das für mindestens zwei Tage, weil ich sonst ja seit ein paar Monaten immer Mittwochs meine Geige dabei hatte. Zwischen Burlesque-Kurs und Arbeit habe ich nämlich im Übungshotel geübt, schon allein, damit ich nicht bis 19 Uhr bei der Arbeit rumhänge. Aber wegen dieser Gewohnheit dachte ich gestern den ganzen Tag über, es sei Mittwoch. Und da gestern ja Mittwoch war, musste heute Donnerstag sein. Mal sehen, wann ich wieder in normaler Zeitrechnung ankomme. Die Geigenstunde war jedenfalls sehr interessant, wie immer war das Feedback total unerwartet, in alle Richtungen. Eine Sache, die mich ärgert, nämlich, dass ich beim Martelé immer die anderen Seiten treffe, fand der Lehrer überhaupt nicht schlimm. Er meinte, das sei nur ein Zeichen, dass ich jetzt so viel Gewicht im Bogen habe und so tief in der Saite spiele, dass es halt nen Tacken zu viel ist, aber was wieder rauszunehmen was jetzt zu viel ist, ist kein großes Ding. Dafür dachte ich, ich hätte einen lyrischen Teil total schmalzig gespielt und er so „du klingst wie ein Roboter, alle Töne gleich“. Ja okeeehhh. Aber er ist ja ein guter Lehrer, und deshalb hat er mir ganz viele Tipps gegeben und gezeigt, wie ich beides behebe, also das Martelé-Problem und das Roboter-Problem. Letzteres ist wie ein Showgirl sein: man muss es überziehen, damit es wirkt. Also noch viel viel mehr Schmalz. (Kreisler ist aber schon auch nicht einfach. Muss man auch dazu sagen.)

Aber der Lehrer ist nicht nur gut, sondern auch unglaublich nett und hat mir Freikarten für den Grieg-Chor aus Bergen geschenkt. Das habe ich mir dann heute angehört, mit dem Lieblingskollegen, weil Herr Rabe mit Pippi beim Klettern war. Das Program war ausschließlich Musik der letzten 100 Jahre.

Der Grieg-Chor ist ein professioneller Solisten-Chor aus Bergen, das künstlerische und technische Niveau ist extrem hoch. Schon allein, um mal einen wirklich, WIRKLICH tollen Chor zu hören, hat es sich absolut gelohnt. Das Programm war… halt modern. Aber nicht moderne Popsongs, sondern so Weber und Schönberg-modern. Ein Stück war geschrieben für 16 Solostimmen, in Mikrotönen. Komplett dissonant zur Person daneben, zum Teil wirklich schrill schmerzhaft in den Ohren (bestimmt gewollt so), zum Teil kaum menschlich klingend. Das muss man schon auch mögen, ich bin dafür bestimmt einfach zu banausig, auf Spotify würde ich das jedenfalls jetzt nicht unbedingt suchen. Ein Stück war wunderschön, von Schmitzke (?). Ich mag Weber lieber als Schönberg. Und verstehe das Gedicht von Hölderlin, auf dem das Lied mit den Mikrotönen basiert, nahezu genauso wenig, wie das Lied. Britten sollte man mehr hören (auch wenn das nur die Zugabe war, ein Lied aus einer Adventsmesse (?) ). Es war wirklich ein spannendes und auf eine ungewöhnliche Art auch schönes Konzert. Gute Chöre sind schon was sehr berührendes und schönes. Und wenn schon Mikrotöne, dann von Profis gesungene. Ich überdenke meine Einstellung zu moderner „Klassik“ eventuell, aber ein paar Vorurteile wurden halt auch bestätigt (looking at you, Schönberg).

Und morgen ist Donnerstag. Nicht Freitag.

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