Tag 3651 – Grüße vom Zwischenstopp!

Heute sind wir etwas über sechs Stunden Auto gefahren. Jeder drei. Das ist ja mal ganz schon anstrengend. Laut Routenplaner waren fünfeinhalb Stunden geplant, aber dann war natürlich Stau und das übliche, außerdem fahren wir nur noch sehr ungern schnell und schnell geht bei 110 los. Zu 120 lassen wir uns noch hinreißen, aber dann ist auch echt gut und, seien wir mal ehrlich, schneller kann man eh meistens nicht fahren, wenn es halbwegs voll auf der Autobahn ist. Außer dem Stau bekamen wir auch noch eine Rundfahrt durch Hamburg, weil das Navi unbedingt den Elbtunnel umfahren wollte. Und ich habe Angst, anders zu fahren, als das Navi will, wenn ich mich nicht wirklich gut auskenne. Naja. Das nächste Mal weiß ich, dass die Hamburg-Tour nervig und verwirrend ohne Ende ist und ich lieber ne Weile im Stau stehe, als die ganze Zeit Angst zu haben, dass ich mich verfahre.

Anyway, jetzt sind wir im Hotel in Downtown Essen Kettwig. Das hatte ich über Google Maps gefunden und es ist, wie die Google Rezensionen gesagt hatten. Urig, aber gemütlich, sauber und der Service ist sehr entgegenkommend für Leute, die nicht gern mit Leuten reden. Also, viele würden das sicher total schlimm finden, aber ich finde das super, wie das gelaufen ist. Heute Morgen bekam ich eine Nachricht über WhatsApp, ob wir Frühstück möchten und ob wir einen Parkplatz brauchen. Als wir ankamen, lag der Schlüssel an der beschriebenen Stelle für uns bereit, mit einem Zettel „Liebe Familie Rabe“. Ein Parkplatz mit Lademöglichkeit war für uns reserviert (mit Nummernschild). Das Familienzimmer war bereit und im Zimmer waren weitere Zettel mit Empfehlungen für Restaurants, wo Supermärkte sind, wo Apotheken etc.

Jetzt haben wir inzwischen, nach einem Spaziergang durch den historischen Ortskern und über die Ruhr, lecker gegessen und das Auto hat auch schon wieder fast die Reichweite bis nach Frankreich geladen. Morgen gibt es Frühstück, wir werden noch ein bisschen was einkaufen und dann weiter nach Frankreich.

Ich bin bisher recht zufrieden mit der Reise.

Tag 3650 – Grüße vom Boot!

Mal wieder Fähre. Es hat alles gut, wenn auch nicht stressfrei, geklappt. Alle Schlangen sind pappsatt, die Fische* haben einen Fütterungsautomaten bekommen, unser ehemaliger Nachbar kommt hin und wieder zum nach allen Tieren schauen und Blumen gießen. Wir haben jetzt Urlaub und das ist auch echt nötig, wenn auch komplett bescheuert und unnötiger Luxus und alles. Tjanun, ne?

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*haben auch grad sehr, sehr viel Nachwuchs. Ich hätte mir um den Nachwuchs beim Umzug gar nicht so Sorgen machen müssen, da wurde einfach mal noch so das Fünffache nachgelegt. (Aber auch davon abgesehen haben tatsächlich viele der da schon vorhandenen Babyfische den Umzug erstaunlich gut überstanden. Rausfangen war unmöglich, also mussten sie etwa eine Stunde lang in einer Pfütze aus brackigem Wasser klarkommen. Nur die Babies, die größeren Fische haben wir alle rausgeholt, aber die kleinen sind einfach zu klein. Aber im Gegensatz zu Guppys sind Platys quasi Ironman. Ironfish. Die machen all sowas klaglos mit.)

Tag 3649 – Plötzlich Jugendlich.

Heute war ich, statt für den Urlaub zu packen, mit Michel beim Friseur. (Herr Rabe hat statt für den Urlaub zu packen Johannisbeeren mit Pippi gepflückt, also stehen wir morgen sehr früh auf.) Michel wollte schon länger seine Haare kürzer haben und ich habe das natürlich wie eine gute, bedürfnisorientierte Mutter gehandhabt und nein gesagt. Ich musste mich erst eine Weile an den Gedanken gewöhnen, dass Michel seine Haare abschneiden will. Aber ich habe das dann doch irgendwann überwunden und ihm einen Termin beim Friseur gemacht, und zwar einem ordentlichen, da, wo Herr Rabe auch hingeht. 45 Minuten und 650 Kronen später hatte ich dann ein ganz neues Kind, das jetzt aber sehr, sehr zufrieden ist.

Vorher
Erst mal die Längen ab.
Da kann man sich auch nen zweiten Michel draus basteln.
Nachher.

Jetzt sieht er plötzlich aus, wie ein Jugendlicher. Ein ausgesprochen gut aussehender obendrein (gute Gene, ähäm, natürlich alle nur vom Vater!), ich sehe ihn schon rechts, links, oben und unten Herzen brechen, weil er einfach bisher so gar nicht an Romanzen interessiert scheint.

Vor allem ist aber Michel happy ohne Ende und tanzt seither durch die Gegend. Er behauptet, das ginge jetzt besser, weil „mindestens drei Kilo!“ Haare ab sind. Ich durfte schon zeigen, wie man Salzwasserspray benutzt (Michel musste zu Hause noch ein paar Härchen abduschen) und jetzt friemelt er ständig an seinen Haaren. Das ist sehr schön zu sehen.

Da gewöhne ich mich bestimmt auch schnell dran, dass er anders aussieht.

Tag 3647 und 3648 – 10!

Pippi ist seit heute 10 Jahre alt. Wie die Zeit vergeht… 10 ist schon echt groß. Und noch manchmal recht klein. Aber meistens groß. Wir haben den Tag nach Pippis Wünschen gestaltet, zumindest zum größtmöglichen Teil. Pippis Wünsche waren: Frühstück und Geschenke ans Bett bringen, um 8, mit Kerze. Schwimmen gehen, am besten ins Schwimmbad. Und abends Käsespätzle essen.

Naja, um 8 waren wir noch nicht so ganz fertig, was hauptsächlich daran lag, dass wir gestern bis nach Mitternacht das alte Haus geputzt haben. Das ist jetzt aber dafür auch fertig. Michel hat mitgeholfen und war sehr süß dabei, er hörte Musik und sang dabei laut (und schief) mit. Hach. Pippi brachte sich selbst (früh) ins Bett. Auch Hach. Naja, aber als wir mit putzen fertig waren, mussten wir ja noch Muffins backen (Kuchenformen sind *irgendwo*) und Geschenke einpacken. Herr Rabe machte das alles, ich verräumte Putzmittel und -utensilien. Meine Güte, haben wir viel Zeug auch in diesem Segment. Deshalb war es gestern spät und heute dann etwas nach acht und wir etwas weniger wach als wünschenswert. Außerdem war auch die Dose mit den Geburtstagskerzen *irgendwo*, sicher irgendwo schlau weggepackt, aber nicht auf die Schnelle auffindbar. Also improvisierten wir mit zwei Teelichtern, die in irgendeiner Kram-Kiste aus der Küche aufgetaucht waren.

Pippi hat sich trotzdem sehr gefreut. Und Apropos klein und groß und mittendrin: sie bekam einen wilden Mix aus Make-Up (bunte Eyeliner, einen Blush von Michel), Süßkram, Stiften und einer Super-Soaker Wasserpistole.

Mittags bekam Pippi Besuch von ihrer besten Freundin. Die Zeit nutzten Herr Rabe und ich um im Schlafzimmer und Kellerwohnzimmer ein bisschen umzuräumen und Kisten zu sortieren. Da tauchte auch die Geburtstagsdeko-Kiste wieder auf. Die hatte ich extra damit und mit WICHTIG! beschriftet. Naja. Man muss dazu sagen, dass es gewitterte und in Strömen goss, als die Möbelpacker die zweite Fuhre ausluden, da wurde einfach alles irgendwo hin gestellt und nicht mehr in den Raum wo es hingehörte. Tjanun.

Am späten Nachmittag fuhren wir dann zu Fløyta, zum Schwimmen. Nicht ins Schwimmbad, bei 28 Grad muss das ja nicht sein. Fløyta war wie immer herrlich.

Ich war auch schwimmen, einmal zur Plattform und zurück. (Plattform ist nicht im Bild, da waren andere Kinder drauf). Das Wasser war nicht kalt. Pippi war bestimmt eine Stunde lang im Wasser und tauchte nach hübschen Steinen, hüpfte von der Plattform, machte Wettschwimmen mit Herrn Rabe und powerte sich ordentlich aus. Das merkten wir später, als wir sie zum Abendessen wecken mussten. Sie war, nach einer Dusche, einfach eingeschlafen.

Das war der erste einigermaßen entspannte Urlaubstag. Sehr nötig. Und für Pippi glaube ich ein nahezu perfekter Geburtstag. Perfekt hätte er nur sein können, wenn alle ihre Freundinnen zur Übernachtungsparty hätten kommen können. Aber die meisten sind eh gar nicht da.

Vor zehn Jahren um diese Zeit bekam ich glaube ich grade einen Joghurt und ein paar Scheiben Brot serviert, bevor Herr Rabe, Mini-Pippi und ich vom Kreißsaal ins „Wochenbetthotel“ umgezogen wurden. Hach ja.

Tag 3646 – Bergauf.

Möglicherweise werde ich überleben. Es tut schon weniger weh als gestern und auch als heute Morgen und ich fühle mich auch nicht mehr ganz so Kacke.

Außerdem habe ich die ganze obere Etage im alten Haus jetzt fertig geputzt. Man sollte meinen, das ginge bei einem leeren Haus schnell, aber wenn man jeden Schrank von innen putzt und Decken und Wände erst staubsaugt und dann gegebenenfalls noch mal feucht reinigt, dauert das eben alles.

Aber dafür ist es oben jetzt verkaufsfertig. Da muss man, wenn noch mal Leute zum Gucken kommen, hinterher noch mal durchwischen, aber ansonsten ist alles zum Verkaufsstandard klinisch rein.

Tag 3645 – Au.

Bitte keine Tipps. Wirklich keine. Es gibt das, was Sie vorschlagen möchten, eh nicht hier. Und alles andere mache ich schon, oder kann ich nicht machen weil ich dann Nasenbluten bekomme oder weil ich schon beim Gedanken daran, Wasser in meine Nase laufen zu lassen, Panik bekomme.

Meine Kieferhöhle auf der rechten Seite ist entzündet. So richtig. Das tut sehr weh. Zum Arzt geht „man“ damit hier eher nicht und selbst wenn man das vorhätte, ist ja Samstag. Dampfbad hilft, allerdings hauptsächlich währenddessen. Der Effekt verpufft schnell. Paracetamol hilft ein bisschen gegen die Schmerzen (ich habe das Gefühl von Zahnschmerzen im kompletten rechten Oberkiefer). In meiner Verzweiflung habe ich mir das einzige Zeug besorgt, dass man hier rezeptfrei bekommt. Es ist ein Nasenspray mit Primelextrakt, das quasi für eine mechanische Reinigung sorgt. Es reizt nämlich die Nase und Schleimhaut so dermaßen, dass man minutenlang Niesen muss. Danach läuft alles für über eine Stunde. Und ja, das funktioniert, aber Spaß ist das auch nicht. Und auch da klingt der Effekt nach einer Weile wieder ab und alles ist wieder dicht. Mehr als ein Mal am Tag soll man das Nasenspray aber auch nicht nehmen. Es ist wirklich nicht lustig alles.

Dass ich trotzdem heute vier Stunden im alten Haus geputzt habe, bei 30 Grad, verdient, wie ich finde, einen Orden.

Tag 3643 und 3644 – Piep 3.

Es ist warm! Richtig warm. Morgen werden 31 Grad, das sind, nach einigen Jahren Norwegen, keine Temperaturen, bei denen ich mich noch bewege.

Allerdings habe ich ja auch keine Wahl, ne? Heute habe ich deshalb Badezimmerkram ausgepackt und verräumt. Gestern war es die Küche, plus meine Kleidung (in Teilen). In der Küche sind so viele Schränke, dass die Hälfte immer noch sehr luftig eingeräumt ist (vor allem, weil wir jetzt ja auch einen Vorratsraum UND einen Waschraum haben, also vieles muss gar nicht mehr in der Küche stehen). In den Kinderschlafzimmern sind große Einbauschränke. Aber unser Schrank ist viel zu klein. In unserem Bad ist auch zu wenig Platz. Das müssen wir alles noch ein bisschen hinpuzzeln. Aber das wird schon, ich habe schon verschiedene Ideen.

An der Erkältungsfront geht es gleichzeitig auf- und abwärts. Der Peak der eigentlichen Erkältung war wohl am Mittwoch und nachdem ich jetzt wieder schlafen kann, geht es mir eigentlich auch viel besser. Allerdings sind alle Nebenhöhlen zu. Ich bin immer mal wieder halb taub, bis es wieder knackt, dann geht es für kurz. Die rechte Kieferhöhle ist so verschleimt, dass es sich anfühlt, als würde mir der Phantomzahn (dessen Wurzel sehr nah an dieser Kieferhöhle verläuft) einfach bald mit einem lauten „PLOPP“ ausfallen. Zusammen mit dem Wetter macht diese Nebenhöhleninfektion das Arbeiten nicht einfacher. Alles mit Kopf runter geht nicht, alles im Hocken geht auch nicht. Ganz toll, spitzen Timing,

Genug gemeckert. Ab ins Bett. Gute Nacht!

Tag 3640 – 3642 – Piep 2.

Wir sind angekommen.

Das war sehr anstrengend. Zudem bin ich inzwischen sehr erkältet, da will man alles, aber nicht bei 30 Grad umziehen. Deshalb auch nur piep, ich muss so so dringend schlafen. Seit Tagen habe ich so vier, viereinhalb Stunden am Tag geschlafen, das reicht hinten und vorne nicht und dazu diese Erkältung… Aber jetzt ist das schlimmste geschafft. Wir sind da, die Betten stehen, der grüne Schrank steht, Fische und Schlangen haben alles gut überstanden, soweit wir bisher wissen, ist nichts zu Bruch gegangen. Natürlich war es viel mehr als gedacht (hoppla) und dafür zahlt man dann halt Lehrgeld beim Umzugsunternehmen. Für‘s nächste Mal: so 70 Kubikmeter kommen schon zusammen, wenn man dem Glauben schenkt, dass ein so ein Wagen 20 Kubikmeter fasst.

Dafür, dass ich mich fühle, als wäre ich vom Umzugslaster gleich mehrmals überrollt worden, finde ich das ganz beachtlich. Die eine inaktive Stunde war da, wo ich auf dem Sofa eingeschlafen bin, weil ich mich kurz mal hingesetzt habe.

Tag 3638 und 3639 – Piep.

Michel ist wieder da, schon seit gestern, und die Kinder haben ein wirklich beeindruckendes Konzert zum Abholen gespielt. Michel hatte die beste Zeit und ist total zufrieden, ein wesentlich ausgeglicheneres Kind.

Abends waren wir bei den Nachbarn eingeladen und da haben wir (alle Erwachsenen, fürchte ich) viel zu viel Weißwein getrunken und hatten aber wirklich einen schönen Abend. Heute war ich dann etwas langsamer als erwünscht.

Ansonsten Panik, wir ziehen ja quasi sofort schon um, Hilfe.

Eieieieiei Hilfe.

Tag 3637 – Zurück zum Kisten packen.

Langsam wird das mit dem Umzug konkreter. Es werden Verträge und Versicherungen gekündigt und neue abgeschlossen, ich habe mir den Termin vom Umzugsunternehmen noch mal bestätigen lassen und die Verkäuferin hat ein paar mal angerufen, ob wir diverse Möbel und Dinge behalten wollen oder sie die wegschmeißen sollen. Ich schwanke ehrlich gesagt zwischen „geht schon alles“ und totaler Überforderung hin und her. Leider werde ich immer sehr langsam, wenn ich überfordert bin, bis zu dem Punkt, an dem ich dann panisch einfach irgendwo anfange und mehr oder eher weniger strukturiert alles gleichzeitig erledige. Und dann bin ich am Ende zu Tode erschöpft, weil ich in diesem Panik-Modus viel mehr Energie lasse, als sein müsste (und Wege drei mal so oft gehe, wie ich eigentlich müsste, weil ich dann fahrig und unkonzentriert werde und dauernd irgendwas irgendwo vergesse oder liegen lasse). So ist das leider in meinem Gehirn, ich wünschte, ich könnte das abstellen und Dinge einfach machen ohne dieses Rumgeeier vorher, aber nein. Und Herr Rabe ist krank.

Heute habe ich immerhin drei Kisten gepackt und mich von meiner Sammlung von 2 Jahren Nature-Heften getrennt. Als ich das Taj Mahal eingepackt habe, ist mir leider die Kuppel runtergefallen und zerschellt, ich hoffe, ich habe alle Teile gefunden und nichts ist zwischen die Terrassenplanken gefallen, weil die Terrassentür offen stand. Wir werden es sehen. Und wir werden einiges an Lego aus größeren Stücken wieder zusammen setzen können im neuen Haus. Wir haben ECHT viel Lego. Das heute war ja auch nur ein Teil, einiges ist bereits im Lager.

Heute wurde außerdem das Geld für das neue Haus an die Maklerin überwiesen. Das ist also auch unterwegs jetzt. Jetzt haben wir erst mal ganz viele Schulden, bis das alte Haus verkauft ist. Dann haben wir wieder nur noch normal viele Schulden.

Michel meldet sich gar nicht, vielleicht ist sein Telefon kaputt? Oder er hat die beste Zeit seines Lebens. Oder beides. Ich hoffe zumindest, dass er einfach zu beschäftigt mit anderen Dingen ist, um seiner Mama zu schreiben.