Tag 2486 – Fast Vierzig.

Herr Rabe hat Geburtstag und nimmt Glückwünsche gerne entgegen. Ich muss gestehen, ich finde ihn immer noch einen der attraktivsten End-30er die ich so kenne, auch wenn heute spontan ein neuer Anzug angeschafft werden musste. Wir werden halt alle weicher mit der Zeit.

Ich wollte einen Geburtstagskuchen backen und habe das voll verkackt, weil sich Butter und Rest nicht verbinden wollten und am Ende überall* Butter war und der Kuchen war eher ein sehr großer, frittierter Schokokeks. Hoppla. Es war dann keine Zeit mehr für einen neuen Versuch und morgen macht Herr Rabe Java-Sachen, deshalb werde ich erst Sonntag einen neuen Kuchen backen. Im Zweifel lieber ein Eigelb mehr, weiß ich jetzt. Herr Rabe hat schwedischen kladdkaka verdient und wird ihn bekommen. So.

Abends waren wir essen und jetzt ist Fresskoma sondergleichen, ich gehe einfach schlafen.

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*wirklich überall, ich musste danach den Fußboden wischen, weil butterige Fußspuren bis ins Bad verteilt waren

Tag 2485 – Zu spät.

Ich sagte ja gestern bereits, dass demnächst 17. Mai ist. Genau genommen in 11 Tagen. Wir vom Schulelternrat hatten deshalb doch heute schon ein Meeting zur Detailplanung. Dafür gleich drei Stunden und jetzt brummt mein Kopf und ich muss mich morgen drum kümmern, anzuleiern, dass 45 Erstklässlerfamilien Kuchen backen. Awesome.

Der Fehler ist zwischen Tag 2403 und 2304 passiert. Ich werde das beizeiten korrigieren, wenn ich mal ein langweiliges Meeting habe oder so. Aber nicht mehr heute Abend.

Tag 2384 – Noch 49 Tage.

Maximal 49 Tage müssen Sie mein Genörgel, Geheul und frustriertes Waszurhölle-n ertragen, dann ist der Tag an dem wir entscheiden, ob in 116 Tagen das IT-Projekt live geht. Also ich nicht, an dem Tag mache ich ja einen Langstreckenflug. Aber 49 Tage. Das ist aushaltbar. Wir müssen da jetzt alle zusammen durch und das beste draus machen, nicht wahr.

Noch 64 Tage bis Urlaub und noch 66 Tage bis in-den-Urlaub-fahren. Mindestens ich werde es bis dahin sehr nötig haben, denn bis dahin sind noch Herr Rabes Geburtstag, 17. Mai, 1 Inspektion (die wegen Magen-Darm verschobene), 1 LAN-Party für die 5.-7. Klassen, an 1 Wochenende, an dem Herr Rabe nicht da ist, Acceptance testing für das IT-Projekt, diverse Sommerfeste und Gedön, 1 Inspektion auf 1 anderem Kontinent mit 1 anderen Inspektor aus 1 anderen Land (Hilfe!), 1 Sommertour für Michel mit 2 Übernachtungen und 0 Menschen, die er dort kennt (er wollte das!) und Packen für den Urlaub.

Was sagte meine Kollegin heute? Ich müsse auch an mich denken. Ich denke ja an mich, zum Beispiel werde ich in 53 Tagen ganz allein in New York sein. Und heute habe ich immerhin 45 Minuten Geige gespielt, hatte sowas wie einen Durchbruch/eine Erleuchtung bei Markov-Scales in D-Dur und hab sogar endlich meine längst gewaschene Wäsche wegsortiert und damit etwas Platz im Hirn geschaffen. Wenn das nicht selfcare ist.

Noch 64 Tage.

Tag 2382 – Karma is a b*tch.

Heute warf ich einen Blick in den reichlich, äh, nicht durchdachten Plan für den Abnahmetest im IT-Projekt und wie soll ich sagen. Sie hören nicht zu. Doppelt nicht. Denn nicht nur hatten sie mich für das Ende der Testphase eingeteilt (ich kann. Da. Nicht. Ab dem Mittwoch in der dritten von drei Wochen sitze ich in einem Langstreckenflug und dann bin ich auf einem anderen Kontinent, ich kann. Also. Wirklich. Einfach. Nicht. Und das hab ich auch vor Monaten schon gesagt, und vor ein paar Wochen nochmal gesagt und alle immer so ‚jaja da nehmen wir natürlich Rücksicht drauf‘.) sondern sie hatten auch ab dem ersten Tag Tests eingetragen, ignorierend, obwohl ich auch das schon mal gegenüber den selben Leuten gesagt hatte, dass das Pfingstmontag ist. (Wahrscheinlich müssen wir dann jetzt trotzdem arbeiten oder so, well, gerne, das kostet 100% Überstundenzuschlag an Sonn- und Feiertagen, also doppelte Bezahlung.)

Eine weitere IT-Geschichte aus dem Haus, das Verrückte macht, ist, dass wir seit Wochen an verschiedenen Fronten am laufenden Band IT-Probleme haben. Die EMA hat was upgedated und seitdem ist es ziemlich kaputt. Das Werk hat diverse Dinge in die Cloud verfrachtet, und seitdem sind auch da alle möglichen Dinge kaputt. Das wird gefühlt jedes Wochenende häppchenweise geflickt und montags ist immer etwas spannend, wenn man rausfindet, was diesmal kaputtrepariert wurde. Zum Beispiel haben einige von uns alle ihre Einstellungen inklusive Ordnern und Regeln in Outlook verloren. Andere haben alle Mails, die älter als 3 Monate waren, verloren. Letzte Woche kam man in einem unserer wichtigsten Programme nur in eine Test-Version. Da kann man schon mal leichtes Augenzucken kriegen. Kollegin K-M startete heute die montägliche Klageorgie, was wieder alles nicht geht, woraufhin der Lieblingskollege anfing herumzutönen, ER habe ja nie solche Probleme, weil ER mache immer alle seine Updates. Die automatischen Updates hat nach der Pandemie nämlich niemand wieder angeschaltet, so scheint es zumindest, man muss also selbst daran denken, ab und zu mal zu gucken, ob Updates gemacht werden könnten. Und ER mache das ja immer und habe NIE Probleme, das führe er darauf zurück. Und dann war nachmittags plötzlich sein Ordner, in dem alles ist (ALLES. 39.000 Dateien, gesammelt seit 2002), weg. Einfach vom Server verschwunden. Tadaaaa! Ich zog ihn ein bisschen damit auf, dass MIR sowas ja NIE passieren könnte, weil ICH immer alle meine Updates mache UND meinen Ordner schon lange in die Cloud verfrachtet habe. Dann stand ich ihm bei, während er den IT-Support anrief um seinen Alles-Ordner aus den Untiefen des Back-Ups wieder herzustellen. Hehehehe.

Tag 2381 – Elfengleich.

Pippi und ich haben schön getanzt, finde ich. Es war auch ansonsten einiges Schönes zu sehen bei der Show, allerdings war es halt bis auf die ganz Kleinen (Pippi) und die ganz Großen (mich) zweimal exakt die gleiche Show, was gelinde gesagt suboptimal für Michels Geduld und unsere Familienkasse war. Das und der unmögliche Ton der Tänzerinnenpolizei-Trulla werd ich so mal als Feedback zurückgeben, auch wenn niemand um Feedback gebeten hat.

Allerdings war es ein langer und aufregender Tag, und nicht nur die Kinder waren am Ende alle. Für Pippi war es natürlich seeeehr aufregend, für Michel war es aus anderen Gründen sehr anstrengend und zwischen den beiden Shows musste das bei ihm auch raus, was für alle unschön war. Dadurch wird es dann auch für die Eltern anstrengender als es sein müsste. Hoffentlich finden wir eine für alle annehmbare Lösung für solche Situationen, bald wäre wünschenswert.

Jetzt Bett. Morgen ist schon wieder eine neue Woche. Die Motivation, in den Lacksaufladen zurückzukehren, ist bei mir noch unter der Nachweisgrenze.

Tag 2380 – Ding, Ding, Ding…

Dingdidelding Ding Ding Ding Ding Ding Ding Ding.

Das ist der Anfang vom Teil der Choreo der gestern einfach mal so gar nicht geklappt hat. Ich hab mir das heute noch ein paar mal angeschaut und jetzt hoffe ich für morgen aufs beste. Es ist nicht streng rhythmisch und man kann es nicht gut zählen, sondern muss auf die Melodie tanzen, deshalb Ding Ding. Habe einen heftigen Ohrwurm davon.

Ansonsten war heute nicht viel. Ich habe sehr viele weitere Pflanzen umgetopft und bin jetzt soweit durch damit, abgesehen von den Pflanzen, die ich als Herr Rabes respektive Michels betrachte. Michel hat ja eine kleine Kakteenherde angelegt, aber in der Erde leben auch keine Erdmücken, die ist ja viel zu trocken.

Ich hab auch länger Geige gespielt. Das war schön. Abends mit Herrn Rabe auf dem Sofa abgehangen, das war auch sehr schön.

Tag 2379 – Protesthaltung.

Ich bin auf der Palme, wegen Arbeit und wegen Tanzen. Arbeit ist das IT-Projekt, in dem schon wieder alle Lack saufen. Und zwar keinen auf Wasserbasis. Tanzen – wir hatten heute Generalprobe und da waren ziemlich viele Muttis, die auf die ganzen Gruppen aufpassten, und eine davon hatte nicht ganz auf dem Schirm, dass „Ballett für Erwachsene“ eher aus 37-jährigen als aus 7-jährigen besteht und schiss uns an, weil wir 1. uns was zu essen gekauft hatten (wir waren alle direkt von der Arbeit gekommen), wir hätten nämlich was von zu Hause mitbringen sollen; 2. dies auch verzehrt haben und das 3. ohne unsere Kostüme vorher auszuziehen. Man könnte vielleicht mit Vorbildfunktion argumentieren, aber wir waren mit anderen Erwachsenengruppen in einem Raum allein. Alls zwei von uns auf dem Bildschirm in der „großen Umkleide“ (wo alle Gruppen außer den Erwachsenen und den sehr fortgeschrittenen Gruppen sind) den Jazz-Auftritt der anderen anschauen wollten, wurden wir von der selben Dame ebenfalls angeschissen, wir sollten zurück in unseren Raum gehen, bis wir geholt werden „den Gang runter und dann rechts, einfach da warten“. Da konnte ich nicht mehr an mich halten und teilte der Dame mit, dass ich weiß, wo unsere Garderobe ist. Leuten, die so mit minimaler Macht umgehen, sollte niemand Macht geben.

Tag 2378 – Ausflug nach früher.

Man kann ja nicht immer Mahler hören.

Das war mein Weihnachtsgeschenk für Herrn Rabe und ich durfte sogar mitkommen.

Schön war das. Die Ohren sind gut durchgepustet und klingeln jetzt etwas, wie früher. Anders als früher liegen wir aber frisch geduscht in einem Hotelbett und die Kinder, die wir früher ja gar nicht hatten, schlafen bei der Babysitterfamilie. Anders als früher waren das Publikum irgendwie lauter Leute um die 40 und aufwärts, seltsam, wie kommt denn sowas. Anders als früher finde ich im Namen des Punkrock hingeworfene Mikrofonständer mitten auf der Bühne (bei der Vorband) total gefährliche Stolperfallen und will sie am liebsten augenrollend wegräumen. Hinterher bricht sich noch wer was.

Aber wir hatten Spaß wie früher und die Band hatte offenbar auch großen Spaß, nach zwei Jahren Zwangspause.

Tag 2377 – Atmen und morgen schreien.

Da man mit der Schule nicht wie mit normalen Menschen über Mail kommunizieren kann, sondern ein Portal nutzen muss, das am Handy (unter iOS 15 Dingens, in Safari, jaja ich könnte sicher noch x Browser und n devices probieren, aber ich kann mich auch einfach über die steinzeitliche IT-Lösung der Kommune aufregen) unbenutzbar ist, muss ich meine Wut über die Administration der Schul-iPads vorerst veratmen und morgen am PC an die Lehrerin der 1. Klasse und die Rektorin schreiben, dass ich es nach wie vor UNMÖGLICH finde, dass die Kommune nichts, aber auch wirklich gar nichts an den Geräten sperrt, AUSSER parental controls, die können wir nicht einstellen. Browserverlauf und Cookies löschen, in der verzweifelten Hoffnung, YouTube möge vergessen, was es der 6-Jährigen zuletzt für einen Schrott (aber mit Anime-Figuren und princess und rosa) angezeigt hat? Nein, wo kommen wir da hin! DAS kann nur die Kommune, nur tut sie es nicht. Ich glaube, da sitzen nur Leute ohne Kinder in der IT-Firma, die die Kommune da hat. „Wir haben alle Seiten gesperrt, die sich selbst als adult content registriert haben! Ansonsten setzen wir auf guten Dialog zwischen der Schule und dem Zuhause.“ Übersetzt: es gehen nur noch die richtig ekligen Pornoseiten, die sich nen scheiß drum scheren, sich irgendwo zu registrieren und das zu moderieren ist bittedanke Verantwortung der Eltern.

Für nur 49 Kronen im Monat kann man bei unserem Internetanbieter einen Router mieten, der parental controls kann. Der Markt regelt das.

(Kapitalismus anzünden.)

Wir haben eine Lösung, die lautet, Geräte, die wir nicht selbst verwalten können, werden eingezogen, sobald die Kinder das Haus betreten. Auf allen anderen ist YouTube gesperrt. YouTube Kids können sie gucken. Die paar Stunden zwei, maximal drei mal die Woche, in denen Michel nachmittags allein zu Hause ist, regeln wir über den Router, irgendwie. Aber das geht so einfach nicht weiter, es wird eskalierend (dank Algorithmen) irgendein nicht altersangemessener Scheiß geguckt, den sie dann nicht verstehen und unkritisch nachplappern und dann ist das Geheul groß, wenn niemand mit den total vulgären Kindern spielen will.

Hasse alles, besonders schlecht administrierte iPads.

(Und wenn noch einmal so eine Lehrerin sagt „Ja also WIR sagen das den Kindern ja immer, dass die iPads nur für die Hausaufgaben sind!“ muss ich wirklich schreien.)