Tag 3249 – Schildkröte.

Zu viel gearbeitet, ansonsten nichts zu erzählen. Von Michel gedrückt worden, als ich endlich nach Hause kam, einfach so, ohne dass er was wollte. Das war schön, er ist ja immer noch ein bisschen mein Baby.

Ich habe den Beweis, dass Greg eigentlich eine Schildkröte ist. (Monty liegt in einem Versteck auf der warmen Seite und verdaut, ich glaube hen hat sich seit Samstag höchstens mal auf die andere Seite gedreht. Wenn man ganz leise ist, hört man es aus dem Terrarium vielleicht ab und an mal rülpsen oder schnarchen.)

Bild von Greg weiter unten.

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Tag 3242 – Fertig.

Ich jetlagge immer noch ein bisschen herum und wollte heute genauso wenig aufstehen, wie die liebreizenden Kinder. Aber ich wollte/musste ja ins Büro, und nach dem Büro wollte ich in Oslo noch drülf Dinge tun. Dann war das Büro doof zu mir, da waren zu viele Meetings und zu hell und überhaupt und danach die drülf Dinge liefen auch nicht wie geplant und das war alles doof und ich danach total platt. Nun ist es so, dass ich tatsächlich seit Donnerstag einen Zettel habe, der bestätigt, dass ich mir nicht einbilde, dass manche Dinge, die für andere kein Problem sind, mich völlig auspumpen, aber da muss ich erst mal selbst irgendwie Worte für finden. Bald, sicher.

Nach dem Arbeitstag war ich jedenfalls erst mal zwei Stunden im Bett und ausgeknockt von allem, dann migränig und Kinder ins Bett steckend und müde und jetzt bin ich trotzdem wieder wach, ächz. Pippi hat übrigens, das ist mir beim ins Bett komplimentieren wieder aufgefallen, beeindruckend dreckige Füße in beeindruckend kurzer Zeit, auch diesen Sommer wieder. Riesengroße, dreckige Füße. Da Pippi ja auch schnell braun wird, weiß man an anderen Stellen ihres Körpers im Sommer oft nicht, ob das alles vielleicht nach einem Bad ganz anders aussieht, aber bei den Füßen kann man da ja schon recht sicher sein. Und irgendwie finde ich gut, dass sie so ein Dreckfußkind ist, vorm Fernseher bleiben die Füße nämlich gemeinhin sauber.

Abends habe ich ein bisschen die Danger Noodles hantiert, damit die daran halbwegs gewöhnt bleiben. Monty zieht sich eigentlich zuverlässig jetzt jede Woche eine Ratte rein, die Greg aber standhaft verschmäht. Deshalb ist Monty jetzt auch deutlich größer als Greg. Das wird sich schon irgendwann geben, der Hunger wird’s schon irgendwann auch bei Greg reintreiben. Vielleicht taue ich noch mal ne Maus im selben Wasser auf und versuche Greg eine mausduftende Ratte unterzujubeln, aber erst mal bleibe ich recht entspannt. Dünn ist Greg noch nicht, und Monty hat ja irgendwann den Hungerstreik auch beendet und seither läuft es eigentlich gut. Das Terrarium ist offenbar auch angenommen, beide liegen an den unterschiedlichsten Stellen immer mal wieder rum und so soll es ja auch sein, dafür gibt es ja verschiedene Zonen da. Etwas wärmer, etwas kühler, etwas feuchter, etwas trockener. Bester Platz tagsüber scheint hinterm Farn zu sein, alternativ liegt Monty auch gerne in der Höhle auf der warmen Seite. Greg hat heute noch mal versucht, sich unter die Kokosnuss zu quetschen, aber das passt inzwischen dann doch nicht mehr und es sieht eher aus, als würde Greg die Kokosnuss auf dem Rücken herumtragen, wie so ein Einsiedlerkrebs seine Muschel.

Tag 3235 – 3238 – Inspektionstunnel, Heimreise, MÜDE.

Von der Inspektion darf ich ja eh nichts erzählen, aber drum rum gäbe es einiges, theoretisch. Aber dann kam es so dass ich mich in den viel zu kurzen Stunden im Flugzeug nur rumwälzte und gar nicht schlief, praktisch also seit 32 Stunden wach bin, und ich gleich einfach ins Koma falle. Also eigentlich jetzt schon, ich muss nur auf jeden Fall noch dafür sorgen, in mein eigenes Bett zu komme – noch liege ich bei Pippi.

Tag 3240 – Bloß nicht hinsetzen.

Es ist 19 Uhr. Ich bin sehr gut hier angekommen, der Flug war problemlos, die Passkontrolle war problemlos. Gut, es gab einen Zwischenfall als wir alle am Gepäckband standen und darauf warteten, dass das Koffer ausspuckt, es gab nämlich einen Feueralarm und das war brutal laut und mit Lichtblitzen. Und natürlich überall, es gab keinen Ort, wo kein Feueralarm war. (Nimm das, Brandschutzschulung der Uni Bielefeld 2004 „Wenn’s brennt, geht erst mal irgendwo hin wo‘s nicht brennt.“) Selbst mit AirPods auf Noise Cancelling war es kaum zu ertragen, so laut war es. Gehen konnten wir aber auch nicht, wurde uns über die Lautsprecher gesagt. Es war am Ende falscher Alarm, aber da 10 Minuten im schrillen Alarm mit Lichtblitzen sitzen, war unschön. Danach ging es immerhin problemlos weiter, ich bekam sofort ein Taxi und war exakt 12 Stunden, nachdem ich zu Hause aufgebrochen war, im Hotel.

Ich habe wieder das gleiche Zimmer wie 2022, das ist etwas kurios. Also auch das Zimmer. Die Klimaanlage darf hier auch nur tagsüber rumlärmen, heute Nacht wird die eiskalt ausgestöpselt.

Ich habe dann ausgepackt, einen Spaziergang zum Supermarkt gemacht, Wasser gekauft, geduscht und mich sogar geschminkt, um meinem Körper zu signalisieren: es ist noch nicht Bettzeit. Es ist TAG! Ich warte auf die deutschen Inspektoren, damit wir Essen gehen können, aber so langsam wird es hart, mich wach zu halten. Das Bett sieht verlockend aus und wäre ich nicht auch furchtbar hungrig, könnte das hier übel ausgehen. Ich will ja auch nicht morgen früh um 4 Uhr senkrecht im Bett stehen.

Die deutschen Inspektoren sind jetzt wohl gerade eingetrudelt, kriegen es gleich mit hungriger und müder Frau Rabe zu tun, naja naja, das werden sie wohl überleben.

Man kann hier Gerolsteiner kaufen. Voll günstig auch. Nur 4 Dollar der Liter, oder 6 Dollar für 2 Liter.

Tag 3238 – Dies und das.

War im Büro, dort waren nur absurd wenige Menschen, die meisten streiken ja. Die, die nicht streiken, haben super kritische Funktionen oder sind der Direktor. Oder gehen eh bald in Rente oder sind nicht in einer Gewerkschaft, das sind aber die wenigsten. Draußen waren Kolleg*innen mit Westen und streikten so herum. Es war mir etwas unangenehm, mich da durchzumogeln und normal arbeiten zu gehen. Allerdings taten mir die streikenden Kolleg*Innen auch aufrichtig sehr leid, als wir vom trockenen, kuscheligen Büro aus einem massiven Gewitter mit Wolkenbruch und Hagel zuschauen konnten. In Oslo ist ja dann auch immer sofort ein Problem, dass das Wasser nicht ablaufen kann. Folgerichtig standen die bis zu den Knöcheln im Wasser. Genau, was man sich dann obendrein noch wünscht.

Ansonsten: ich habe freudig feststellen dürfen, dass knappe eineinhalb Jahre Geigenunterricht sich tatsächlich auszahlen. Und wahrscheinlich auch nahezu tägliches Üben. Ein Stück, das ich vor zwei Jahren ziemlich schwer fand, ist… ok. Machbar, gib mir ein paar Wochen und ich krieg die 6 Seiten ansprechend hin. Ein schneller, unaufgeräumter Durchlauf um Fingersätze zu überlegen hörte sich tatsächlich schon echt ok an, ich spiele inzwischen sehr sauber (noch sauberer als vorher und das war nie mein größtes Problem) und mit einem guten, robusten Ton. Ich war selbst überrascht.

Morgen muss ich packen. Und zur Apotheke. Und aufräumen. Und arbeiten. Wahhh!

Tag 3236 – Yeah!

Ich muss nächste Woche nicht streiken. Ich habe eine Ausnahme bekommen. Der Weg dahin war etwas holprig und involvierte auch heute noch einige Nachrichten und einiges Durchhängen. Aber am Ende des Tages kam dann die Nachricht. Jetzt ist die HR-Dame – man muss ihr lassen, dass sie sehr wohl am Wochenende arbeitet, wenn ihre halbe Organisation streikt – aber noch ein bisschen panisch, weil die Ausnahme für die nächste Woche gilt statt für den Zeitraum der Inspektion. Das ist mir allerdings grad recht wurscht um ehrlich zu sein. Denn begonnene Dienstreisen ins Ausland dürfen wie geplant beendet werden. Ich schätze, das Direktorat will nur wissen, ob sie mir die IT-Zugänge Montag und Dienstag sperren müssen oder nicht.

Mit der Nachricht zeitgleich bekam ich eine nahezu explosive Migräne. Das war so anstrengend alles die letzten Tage.

Ansonsten habe ich heute nicht viel geschafft. So in der Schwebe sein bekommt mir gar nicht. Das einzige was ich gemacht habe, war nach Råholt zu fahren mit dem Vorsatz, einen neuen Sommerblazer und „Chub Rub Shorts“ zu kaufen. Einen neuen Blazer habe ich nicht, es sind grad grausliche Oversized-Schnitte in, und das finde ich wirklich furchtbar, nicht nur an mir, sondern unabhängig von der Person, die drin steckt. Warum will man aussehen, wie ein Kind, das sich als Erwachsene verkleidet hat? Aber ich habe mehrere Shorts gekauft. Das deutsche Wort will mir ums Verrecken nicht einfallen, den ganzen Tag schon nicht. Hier heißen sie „Biker“, so eng anliegende Hosen bis ca. eine Handbreit überm Knie. Die die ich gekauft habe sind aus Unterhosenstoff und High Waist und sollen eben verhindern, dass ich mir – RADLERHOSEN! So heißen die. Ja. – sollen verhindern, dass ich mir einen Wolf an den Oberschenkeln laufe, wenn ich im Sommer Kleider trage. Also wunde Stellen, wo die Oberschenkel aneinander reiben. Eine von diesen Radlerhosen hatte ich seither auch an und bin sehr zufrieden. Auch damit, dass ich nicht weit über das doppelte für „Bauch weg“ als Zusatzfunktion ausgegeben habe.

Tag 3234 – Dreieinhalb Dinge.

Der Kurs war gut! Hurra! Alles überlebt. Kann mir da auf die Schulter klopfen, finde ich.

Vor dem Kurs jedoch totale Schreckensnachricht: ab Montag muss ich eventuell streiken. Ich kann dann nicht in die USA auf die Inspektion, es sei denn, ich bekomme eine Ausnahmegenehmigung meiner Gewerkschaft. Die ist beantragt (hoffe ich), das muss die Direktion höchstpersönlich beantragen. Ich hatte ja heute keine Zeit, mich um irgendwas zu kümmern, ich war vier Stunden damit beschäftigt, Leuten zu erklären, wie sie ihren (sehr wichtigen) Job machen sollen. Ich verstehe denn Sinn von Streik, ehrlich, ich streike auch gerne Montag und Dienstag, aber ab Mittwoch… halt nicht. Und wenn, muss ich bitte irgendwas schriftlich haben. Ich schreibe da dann nicht Dienstag Abend ne SMS (weil das Direktorat mir wohl auch meinen PC abnehmen wird) „Surprise, ich komme übrigens morgen nicht, ich streike! Beste Grüße, viel Spaß in USA-Land!“. Diese ganze Streiksache macht mich ehrlich gesagt komplett irre. Nicht zu wissen, was passieren wird, alles kann sich innerhalb von 5 Minuten ändern… Ich will nur noch schreiend und Haare raufend im Kreis rennen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, und um einen gemachten Plan durchzuziehen, war ich nach dem Kurs beim Ballett und danach noch beim Krafttraining. Es sind wieder Sommerkurse und dieses Mal ist das Ballett deutlich machbarer, da kann ich dann noch Krafttraining dranhängen. Dachte ich. Dann starb ich halb, mein Beckenboden weinte, ich war hinterher in Schweiß gebadet inklusive Body und Hose, aber zufrieden war ich auch. Besonders schön: weil Pippi die Stunde vor mir hat und dann da auf mich wartet, hat sie beim Krafttraining ein bisschen mitgemacht, das war sehr niedlich.

Rekord!

Halbe Sache: innerhalb von 5 Wochen haben jetzt drei Leute mein Norwegisch (gegenüber dritten aber in meiner Anwesenheit) als respektive „sehr, sehr gut mit kaum Akzent“, „exzellent“ und „unglaublich gut“ bezeichnet. Gestern hat eine Norwegerin, die selbst über 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und die mit einem Deutschen verheiratet ist, gefragt, wo ich herkomme, sie konnte den Akzent nicht heraushören. Das macht mich schon ein bisschen stolz. Ok, das macht mich sehr stolz. Da ist dann auch nicht so schlimm, wenn mir in vier Stunden Kurs mal „genau“ rausrutscht.

Tag 3233 – Superflink!

Arbeit, Arbeit und am Ende noch socializen mit mir unbekannten Personen, nämlich den anderen Vortragenden von dem Kurs der grad läuft. Arbeit: Meeting mit den deutschen Inspektoren mit denen ich nächste Woche in den USA bin (meine Güte, wie jung die sind!) und dann auch noch Verabschiedung einer Kollegin in den Ruhestand.

Ich bin jetzt echt gar, zu 1000% gar, aber ich war auch den ganzen Tag vorbildlich normal. Zu allem Überfluss (oder weil ich so gar bin, sodass sich mein Gehirn plötzlich an sowas aufhängt?) ist mir auf dem Heimweg eine Ungenauigkeit in der Präsentation eingefallen. Ich werde noch bekloppt.

Aaaaaaber die Aussicht vom Restaurant war wunderbar.

Bei Ankunft, da unten links baden Leute. Rechts das Munch-Museum, dahinter die Oper.
Bei Abfahrt.
Kunst in Abendsonne
Müde in Abendsonne.