Tag 2384 – Noch 49 Tage.

Maximal 49 Tage müssen Sie mein Genörgel, Geheul und frustriertes Waszurhölle-n ertragen, dann ist der Tag an dem wir entscheiden, ob in 116 Tagen das IT-Projekt live geht. Also ich nicht, an dem Tag mache ich ja einen Langstreckenflug. Aber 49 Tage. Das ist aushaltbar. Wir müssen da jetzt alle zusammen durch und das beste draus machen, nicht wahr.

Noch 64 Tage bis Urlaub und noch 66 Tage bis in-den-Urlaub-fahren. Mindestens ich werde es bis dahin sehr nötig haben, denn bis dahin sind noch Herr Rabes Geburtstag, 17. Mai, 1 Inspektion (die wegen Magen-Darm verschobene), 1 LAN-Party für die 5.-7. Klassen, an 1 Wochenende, an dem Herr Rabe nicht da ist, Acceptance testing für das IT-Projekt, diverse Sommerfeste und Gedön, 1 Inspektion auf 1 anderem Kontinent mit 1 anderen Inspektor aus 1 anderen Land (Hilfe!), 1 Sommertour für Michel mit 2 Übernachtungen und 0 Menschen, die er dort kennt (er wollte das!) und Packen für den Urlaub.

Was sagte meine Kollegin heute? Ich müsse auch an mich denken. Ich denke ja an mich, zum Beispiel werde ich in 53 Tagen ganz allein in New York sein. Und heute habe ich immerhin 45 Minuten Geige gespielt, hatte sowas wie einen Durchbruch/eine Erleuchtung bei Markov-Scales in D-Dur und hab sogar endlich meine längst gewaschene Wäsche wegsortiert und damit etwas Platz im Hirn geschaffen. Wenn das nicht selfcare ist.

Noch 64 Tage.

Tag 2382 – Karma is a b*tch.

Heute warf ich einen Blick in den reichlich, äh, nicht durchdachten Plan für den Abnahmetest im IT-Projekt und wie soll ich sagen. Sie hören nicht zu. Doppelt nicht. Denn nicht nur hatten sie mich für das Ende der Testphase eingeteilt (ich kann. Da. Nicht. Ab dem Mittwoch in der dritten von drei Wochen sitze ich in einem Langstreckenflug und dann bin ich auf einem anderen Kontinent, ich kann. Also. Wirklich. Einfach. Nicht. Und das hab ich auch vor Monaten schon gesagt, und vor ein paar Wochen nochmal gesagt und alle immer so ‚jaja da nehmen wir natürlich Rücksicht drauf‘.) sondern sie hatten auch ab dem ersten Tag Tests eingetragen, ignorierend, obwohl ich auch das schon mal gegenüber den selben Leuten gesagt hatte, dass das Pfingstmontag ist. (Wahrscheinlich müssen wir dann jetzt trotzdem arbeiten oder so, well, gerne, das kostet 100% Überstundenzuschlag an Sonn- und Feiertagen, also doppelte Bezahlung.)

Eine weitere IT-Geschichte aus dem Haus, das Verrückte macht, ist, dass wir seit Wochen an verschiedenen Fronten am laufenden Band IT-Probleme haben. Die EMA hat was upgedated und seitdem ist es ziemlich kaputt. Das Werk hat diverse Dinge in die Cloud verfrachtet, und seitdem sind auch da alle möglichen Dinge kaputt. Das wird gefühlt jedes Wochenende häppchenweise geflickt und montags ist immer etwas spannend, wenn man rausfindet, was diesmal kaputtrepariert wurde. Zum Beispiel haben einige von uns alle ihre Einstellungen inklusive Ordnern und Regeln in Outlook verloren. Andere haben alle Mails, die älter als 3 Monate waren, verloren. Letzte Woche kam man in einem unserer wichtigsten Programme nur in eine Test-Version. Da kann man schon mal leichtes Augenzucken kriegen. Kollegin K-M startete heute die montägliche Klageorgie, was wieder alles nicht geht, woraufhin der Lieblingskollege anfing herumzutönen, ER habe ja nie solche Probleme, weil ER mache immer alle seine Updates. Die automatischen Updates hat nach der Pandemie nämlich niemand wieder angeschaltet, so scheint es zumindest, man muss also selbst daran denken, ab und zu mal zu gucken, ob Updates gemacht werden könnten. Und ER mache das ja immer und habe NIE Probleme, das führe er darauf zurück. Und dann war nachmittags plötzlich sein Ordner, in dem alles ist (ALLES. 39.000 Dateien, gesammelt seit 2002), weg. Einfach vom Server verschwunden. Tadaaaa! Ich zog ihn ein bisschen damit auf, dass MIR sowas ja NIE passieren könnte, weil ICH immer alle meine Updates mache UND meinen Ordner schon lange in die Cloud verfrachtet habe. Dann stand ich ihm bei, während er den IT-Support anrief um seinen Alles-Ordner aus den Untiefen des Back-Ups wieder herzustellen. Hehehehe.

Tag 2379 – Protesthaltung.

Ich bin auf der Palme, wegen Arbeit und wegen Tanzen. Arbeit ist das IT-Projekt, in dem schon wieder alle Lack saufen. Und zwar keinen auf Wasserbasis. Tanzen – wir hatten heute Generalprobe und da waren ziemlich viele Muttis, die auf die ganzen Gruppen aufpassten, und eine davon hatte nicht ganz auf dem Schirm, dass „Ballett für Erwachsene“ eher aus 37-jährigen als aus 7-jährigen besteht und schiss uns an, weil wir 1. uns was zu essen gekauft hatten (wir waren alle direkt von der Arbeit gekommen), wir hätten nämlich was von zu Hause mitbringen sollen; 2. dies auch verzehrt haben und das 3. ohne unsere Kostüme vorher auszuziehen. Man könnte vielleicht mit Vorbildfunktion argumentieren, aber wir waren mit anderen Erwachsenengruppen in einem Raum allein. Alls zwei von uns auf dem Bildschirm in der „großen Umkleide“ (wo alle Gruppen außer den Erwachsenen und den sehr fortgeschrittenen Gruppen sind) den Jazz-Auftritt der anderen anschauen wollten, wurden wir von der selben Dame ebenfalls angeschissen, wir sollten zurück in unseren Raum gehen, bis wir geholt werden „den Gang runter und dann rechts, einfach da warten“. Da konnte ich nicht mehr an mich halten und teilte der Dame mit, dass ich weiß, wo unsere Garderobe ist. Leuten, die so mit minimaler Macht umgehen, sollte niemand Macht geben.

Tag 2351 – Ächz.

Müdes High Five, ich bin in dieser einen Sache(TM) jetzt up to date, es warten davon erst mal keine neuen To-Dos auf mich. Dafür ging heute der komplette Arbeitstag drauf. Dafür kann ich jetzt wieder rituell eine To-Do-Liste zerknüllen, die fertig abgehakt ist. Hallelujah.

Morgen scheuche ich dann die 24 anderen Kühe vom Eis, aber es ist schon ganz nett, wenigstens in der einen Sache(TM) mal kurz den Kopf über Wasser zu haben.

Außerdem über die Post geärgert, aber dazu vielleicht wann anders mal mehr.

Tag 2341 – Der neue Alltag.

Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.

Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.

Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.

Tag 2338 – Zuhause!

Mit einer Blase, die so voll war, dass ich Herrn Rabe vom Auto aus bat, zu checken, ob die Tür abgeschlossen ist (die Kinder machen manchmal so Quatsch), kam ich heute um 19 Uhr wieder zu Hause an. Die Reisekostenabrechnung zu machen dauerte eine Stunde. Was für ein Gerödel, jede Autofahrt einzeln anzugeben, jede Mautgebühr (beim Elektroauto ja vernachlässigbar wenig), jeden Parkzettel für die 20 Minuten bis zur kostenfreien Parkzeit screenshotten… ächz, ächz, ächz. Der Treppenwitz dabei ist, dass ich bisher noch keine Reisekostenabrechnung im ersten Versuch richtig gemacht habe. Die kommen immer von der Buchhaltung zurück, wegen irgendwas, Hoteladresse war nicht die Firmenadresse, sondern die tatsächliche Adresse, an der das Hotel steht, und ähnliche Späße. So langsam müsste ich alle Fehler, die man machen kann, mal gemacht haben. Vielleicht mache ich mal Fehler-Bingo. Oder kaufe mir ne Flasche Schampus, wenn eine Reiserechnung beim ersten Mal durchgeht.

Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Was bin ich müde.

Ich kam übrigens auch panisch, weil mit Halskratzen, nach Hause, nachdem bei der Herstellerfirma reihenweise die Personen, mit denen wir wirklich viel gesprochen haben (im Meetingraum, beim Essen, bei der Begehung…) wegen positiver Tests ausfielen. Mein Schnelltest sagt aber, ich sei gesund. Falls das so bleibt, glaube ich, man sollte mal gucken, ob man aus meinem Blut irgendeine Wunderdroge machen kann, so viele super enge Nahkontakte kann man eigentlich nicht haben, ohne sich anzustecken. Immerhin hätte ich dann Herrn Rabe, Michel, meinen Chef, eine Kollegin, sowie mindestens zwei Angestellte der Firma diese Woche „überstanden“. Und mit allen hatte ich die Art Kontakt, die mich eigentlich direkt in die Fieberhölle katapultieren müsste. Stattdessen habe ich bisher gar nichts. Selbst das Halskratzen war spontan am Abend wieder weg. Vielleicht habe ich es mit dem Teststäbchen weggeschabt.

Es ist ein Rätsel.

Tag 2337 – Nix zu erzählen.

Nix, was ich erzählen darf, jedenfalls.

Ehrlich gesagt bin ich ganz schön Brei. Man gewöhnt sich sicher wieder dran, aber hui, ist inspizieren mental anstrengend. Ich versuche es deshalb jetzt mal mit einem frühen Licht aus. Morgen geht’s nach Hause, mit etwas Glück schon am frühen Nachmittag. Das minimiert dann auch die Gefahr, im Auto einzuschlafen.

Bloß jetzt die Schnappatmung unterdrücken, dass ich eine Steuermeldung bekommen habe, in der ganz viel fehlt, das sonst immer automatisch gemeldet wurde, wie Kinderbetreuungskosten. Was ist da los, was ist da schief gelaufen? Am liebsten würde ich natürlich SOFORT alles klären, aber das wird hier eh nicht passieren, nachts in einem Hotelzimmer, und ist ja auch gar nicht nötig, die Frist ist, glaube ich, Ende Mai? Literally ewig hin, und selbst wenn man es verdrabbelt, kann man ja noch beantragen, im Nachhinein die Steuer geändert zu bekommen, das dauert dann nur eben länger.

Was gucke ich sowas auch um zehn Uhr abends an?

Tag 2336 – Mittwoch.

Schon die halbe Woche rum, erst die halbe Woche rum. Faszinierend.

Nach einem eigentlich doch normalen Arbeitstag (einem Inspektions-Arbeitstag on Site, also 8 Stunden) bin ich ziemlich Pudding und, was mich mehr erstaunt, meine Kollegin auch. Sie sagte sogar, das sei ja doch nach der ganzen Homeofficezeit sehr ungewohnt und anstrengend, plötzlich den ganzen Tag mit Menschen in 3D zusammen zu sein. Vielleicht ist das doch gar nicht so selten. Blöd ist, dass wir nach dem on Site Teil ja noch weiterarbeiten. Gut ist, dass es diesmal alles recht smooth läuft und wir nicht mehr so viel weiterarbeiten müssen.

Ich schlafe im Hotel so gut, dass es mir fast peinlich ist. Ich mag Mann und Kinder ja schon sehr, aber…