Tag 2351 – Ächz.

Müdes High Five, ich bin in dieser einen Sache(TM) jetzt up to date, es warten davon erst mal keine neuen To-Dos auf mich. Dafür ging heute der komplette Arbeitstag drauf. Dafür kann ich jetzt wieder rituell eine To-Do-Liste zerknüllen, die fertig abgehakt ist. Hallelujah.

Morgen scheuche ich dann die 24 anderen Kühe vom Eis, aber es ist schon ganz nett, wenigstens in der einen Sache(TM) mal kurz den Kopf über Wasser zu haben.

Außerdem über die Post geärgert, aber dazu vielleicht wann anders mal mehr.

Tag 2341 – Der neue Alltag.

Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.

Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.

Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.

Tag 2338 – Zuhause!

Mit einer Blase, die so voll war, dass ich Herrn Rabe vom Auto aus bat, zu checken, ob die Tür abgeschlossen ist (die Kinder machen manchmal so Quatsch), kam ich heute um 19 Uhr wieder zu Hause an. Die Reisekostenabrechnung zu machen dauerte eine Stunde. Was für ein Gerödel, jede Autofahrt einzeln anzugeben, jede Mautgebühr (beim Elektroauto ja vernachlässigbar wenig), jeden Parkzettel für die 20 Minuten bis zur kostenfreien Parkzeit screenshotten… ächz, ächz, ächz. Der Treppenwitz dabei ist, dass ich bisher noch keine Reisekostenabrechnung im ersten Versuch richtig gemacht habe. Die kommen immer von der Buchhaltung zurück, wegen irgendwas, Hoteladresse war nicht die Firmenadresse, sondern die tatsächliche Adresse, an der das Hotel steht, und ähnliche Späße. So langsam müsste ich alle Fehler, die man machen kann, mal gemacht haben. Vielleicht mache ich mal Fehler-Bingo. Oder kaufe mir ne Flasche Schampus, wenn eine Reiserechnung beim ersten Mal durchgeht.

Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Was bin ich müde.

Ich kam übrigens auch panisch, weil mit Halskratzen, nach Hause, nachdem bei der Herstellerfirma reihenweise die Personen, mit denen wir wirklich viel gesprochen haben (im Meetingraum, beim Essen, bei der Begehung…) wegen positiver Tests ausfielen. Mein Schnelltest sagt aber, ich sei gesund. Falls das so bleibt, glaube ich, man sollte mal gucken, ob man aus meinem Blut irgendeine Wunderdroge machen kann, so viele super enge Nahkontakte kann man eigentlich nicht haben, ohne sich anzustecken. Immerhin hätte ich dann Herrn Rabe, Michel, meinen Chef, eine Kollegin, sowie mindestens zwei Angestellte der Firma diese Woche „überstanden“. Und mit allen hatte ich die Art Kontakt, die mich eigentlich direkt in die Fieberhölle katapultieren müsste. Stattdessen habe ich bisher gar nichts. Selbst das Halskratzen war spontan am Abend wieder weg. Vielleicht habe ich es mit dem Teststäbchen weggeschabt.

Es ist ein Rätsel.

Tag 2337 – Nix zu erzählen.

Nix, was ich erzählen darf, jedenfalls.

Ehrlich gesagt bin ich ganz schön Brei. Man gewöhnt sich sicher wieder dran, aber hui, ist inspizieren mental anstrengend. Ich versuche es deshalb jetzt mal mit einem frühen Licht aus. Morgen geht’s nach Hause, mit etwas Glück schon am frühen Nachmittag. Das minimiert dann auch die Gefahr, im Auto einzuschlafen.

Bloß jetzt die Schnappatmung unterdrücken, dass ich eine Steuermeldung bekommen habe, in der ganz viel fehlt, das sonst immer automatisch gemeldet wurde, wie Kinderbetreuungskosten. Was ist da los, was ist da schief gelaufen? Am liebsten würde ich natürlich SOFORT alles klären, aber das wird hier eh nicht passieren, nachts in einem Hotelzimmer, und ist ja auch gar nicht nötig, die Frist ist, glaube ich, Ende Mai? Literally ewig hin, und selbst wenn man es verdrabbelt, kann man ja noch beantragen, im Nachhinein die Steuer geändert zu bekommen, das dauert dann nur eben länger.

Was gucke ich sowas auch um zehn Uhr abends an?

Tag 2336 – Mittwoch.

Schon die halbe Woche rum, erst die halbe Woche rum. Faszinierend.

Nach einem eigentlich doch normalen Arbeitstag (einem Inspektions-Arbeitstag on Site, also 8 Stunden) bin ich ziemlich Pudding und, was mich mehr erstaunt, meine Kollegin auch. Sie sagte sogar, das sei ja doch nach der ganzen Homeofficezeit sehr ungewohnt und anstrengend, plötzlich den ganzen Tag mit Menschen in 3D zusammen zu sein. Vielleicht ist das doch gar nicht so selten. Blöd ist, dass wir nach dem on Site Teil ja noch weiterarbeiten. Gut ist, dass es diesmal alles recht smooth läuft und wir nicht mehr so viel weiterarbeiten müssen.

Ich schlafe im Hotel so gut, dass es mir fast peinlich ist. Ich mag Mann und Kinder ja schon sehr, aber…

Tag 2327 – Lachs.

Neue Sitzplatzordnung (aka „feste Base, freie Platzwahl“) ausprobiert. War so geht so. Technische Schwierigkeiten, ich will meinen Stuhl wirklich WIRKLICH gerne behalten, und permanentes Umstellen des PC von lautlos (im Großraumbüro) auf Ton (in Gesprächen über Teams) nervt und wird dauernd vergessen. Wir werden sehen, was das für eine neue Routine wird.

Dafür aber gut: kein Gemecker wegen normalen Gesprächen zwischen Kolleg*Innen. Ich hege die leise (no pun intended) Hoffnung, dass Atmen und gelegentliches Frustschnauben über die Technik auf unserer neuen Etage erlaubt sein wird. Auch gut, dass ich den ganzen Tag über produktiv war, unter den Augen der Kolleg*Innen.

Die Lieblingskollegin hat Covid und es geht ihr schlecht. Wir haben nächste Woche Inspektion zusammen geplant, da weiß ich jetzt auch nicht so ganz, was ich machen soll. Die Lieblingskollegin hat es außerdem entweder aus dem Büro oder vom Weg ins Büro, weil sie sonst niemanden trifft. Das ist natürlich extra bitter. Immerhin war es nicht ich, weil ich ja letzte Woche aus Trotz gar nicht im Büro war.

Zu Hause erwartete mich mein neuer Pass. In einer Farbe, die ich irgendwie nicht erwartet hatte. Aber man kann wohl kaum den Pass (und alles damit zusammenhängende) zurückgeben, weil einer die Farbe nicht gefällt?

Auf dem Bild kommt es nicht so ganz rüber, aber die Farbe ist die von ordentlich mit Farbstoff gefüttertem, norwegischen Zuchtlachs.

Von der Farbe abgesehen: wie effizient ist bitte die norwegische Passproduktion? Von Antrag bis ID-Karte im Briefkasten waren es 4 Werktage, bis zum Pass 6 Werktage. Man muss halt erst mal nen Termin kriegen, aber da ist es ja fast echt eine Option, in irgendeine Distriktskommune zu gurken, statt mehrere Monate auf einen Termin in Oslo zu warten. Das soll jetzt nicht heißen, dass Hamar ein Kaff ist! Von uns aus gesehen ist Hamar eine große Stadt. Hat immerhin mit seinen 31500 Einwohnenden fast 1/5 mehr als wir und es hat eine Uni! Quasi eine Metropole.

Tag 2314 – Das Großraumbüro-Paradox.

Unser Direktor hat bestimmt: wir sollen drei Tage die Woche ins Büro. Weil Büro ist wichtig, wir haben ja schließlich alle unsere Kollegen vermisst, Homeoffice ist nicht ergonomisch* und wir müssen schließlich wieder eine Arbeitsplatzkultur und eine Gemeinschaft aufbauen. Sagt er. Beziehungsweise sagte er das am Freitag und es kostete mich da schon einiges an Energie, nicht laut zu protestieren. Durch gründliches In-mich-Gehen habe ich beschlossen, dass ich einfach nur bockig bin, weil ich es absolut hasse, wenn mir irgendwas mit derart fadenscheinigen Argumenten befohlen wird. Ich hab ja gar nichts gegen das Büro an sich. Davon überzeugte ich mich über das Wochenende.

Heute fuhr ich also ins Büro. Gemeinschaft, Kultur usw. Ich hatte den heutigen Tag mit dem Lieblingskollegen entschieden, weil es wirklich ein immenser Anreiz ist, zu wissen, dass man im Büro nette Menschen treffen wird. Außerdem macht die Lieblingskollegin grad Inspektion vom Büro aus, Mittagessen zu mindestens viert war also gesichert.

Im Büro ist es nach wie vor leer. Die 3-Tage-die-Woche-Regel tritt erst übernächste Woche in Kraft. Diese Woche sind außerdem Winterferien und einige haben frei. Auf unserer Etage waren (außer dem Labor, die können naturgemäß nicht so gut Homeoffice machen wie andere) vielleicht so 10 Leute da. Plus Labor also vielleicht so 20, auf einer Etage mit 80 Arbeitsplätzen, gut verteilt. Ich sprach ein paar mal mit dem Lieblingskollegen, über dies und das, Reisebuchung zum Beispiel, oder ob er ISO-Standards auf Papier, von denen es inzwischen neue Revisionen gibt, behalten oder wegwerfen soll. Clean Desk, alles muss raus.

Wir waren wirklich nicht laut. Wir haben eine Bürokultur, die auch schon vor der Pandemie Unterhaltungen maximal in sehr gedämpfter Lautstärke, am besten Flüstern, noch besser in einem Meetingraum vorsah. Weil in diesem Großraumbüro halt alle alles mithören und, surprise, gar nicht mal alle sich optimal konzentrieren können in so einer Schreibtischfabrik. Wir haben alle Bose-Kopfhörer, aber die sind einigen unangenehm auf den Ohren. Wir haben auch noch anderthalb Wochen die Möglichkeit, einfach nach Gutdünken zu Hause zu bleiben, wenn einen die potentiell im Büro anwesenden 10 Menschen stören. Wir haben ebenfalls drei weitere Etagen und es ist bereits ok, sich einfach irgendwo einen freien Platz zu suchen.

Trotzdem kam zwei mal jemand und psch-te uns an. Es war offenbar schon zu viel, dass wir uns flüsternd kurz unterhielten. Das sei sehr störend, wurde gesagt, mit Verweis auf die superwichtige Konzentrationsarbeit die man zu leisten habe. Wir rollten ein bisschen mit den Augen, ich ging an meinen Schreibtisch zurück und wir machten superwichtige Konzentrationsarbeit, bis der Kollege kam und Hilfe bei Computerdingen brauchte, wo sich unglückliche Umstände verketteten und am Ende gar nichts mehr ging, worauf ich ein bisschen lachen musste. Wir lösten das Problem trotzdem, keine Computer kamen zu Schaden. Plötzlich stand aber unser Chef neben uns. Er habe eine Mail bekommen, er solle uns sagen, wir seien zu laut.

Tja, und jetzt weiß ich auch irgendwie nicht. Wir sollen also ins Büro kommen, um uns da anzuschweigen. Bürokultur aufbauen ohne hörbare Kommunikation. Ich schrieb mit dem Lieblingskollegen Chat-Nachrichten über eine Distanz von 5 Metern statt, wie sonst, 70 km, auf einem Stuhl sitzend, der nicht so gut ist, wie der zu Hause, auf einer Tastatur tippend, die nicht so gut ist, wie die zu Hause. Machte identische Arbeit zu dem, was ich sonst zu Hause gemacht hätte. Einziger Unterschied: ich hatte keine Jogginghose an und habe 274 Kronen** ausgegeben, um ins Büro zu kommen. Plus 46 für die Salatbar, die immerhin langsam wieder voll bestückt ist nach Monaten des Covid-Sparangebots.

Ich frage mich da wirklich, was ich da soll. Mich anranzen lassen, dass ich dort bin? Spitzenmäßige Gemeinschaft! Zusammenarbeit ja, aber bitte nur in absoluter Stille oder hinter fest geschlossenen Türen. Und bloß nicht lachen, dann wird beim Chef gepetzt***.

Wahrscheinlich bin ich eigentlich nur beleidigt oder fühle mich ertappt oder so. Wir hätten wirklich nicht miteinander reden sollen. Hätten uns woanders hinsetzen sollen, wo wir niemanden stören (bisschen schlecht dass der Kollege seinen Arbeitsplatz noch Clean Desk-fertig machen muss). Oder nen Meetingraum suchen, jedes Mal, für „haben wir jetzt eigentlich gar kein Adobe Pro mehr?“ „Nee, glaub nicht, ist schon ne Weile weg.“ Aber die ganze Bockigkeit kommt mit geballter Kraft zurück, ich möchte mich nur noch beleidigt hinsetzen und sagen „So! Dann mache ich jetzt gar nichts mehr! Macht euren Gemeinschaftsscheiß doch alleine, ich bleib zu Hause!!!“

Mache ich natürlich nicht, aber vielleicht schreibe ich morgen zumindest an meinen Chef (an den gepetzt wurde), dass ich aufgrund dieses Erlebnisses bis die 3-Tage-Regelung offiziell in Kraft tritt nicht mehr ins Büro komme.

Und dann gebe ich dem ganzen zwei, drei Wochen, und wenn dann immer noch Gemecker kommt, obwohl zwischen uns und der superwichtigen Konzentrationsarbeit mehrere Etagen liegen werden, schreibe ich ne Mail an weiter oben.

(Irgendwas mit besserer Zusammenarbeit und Kommunikation im Großraumbüro.)

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*witzig, ich erinnere mich, präpandemisch unterschrieben zu haben, dass mein Arbeitsplatz zu Hause, den ich natürlich nur gelegentlich nutze, ergonomisch eingerichtet ist. Da bisher auch nichts neues zum Unterschreiben gekommen ist, gilt das wohl noch. Genau genommen haben wir ja auch 2020 gar nicht mal wenig Geld investiert, um hier zu Hause vernünftige Arbeitsplätze zu haben. Wenn irgendwer knausrig war mit Ausrüstung, dann der werte Arbeitgeber, der z.B. maximal 1 „großen“ Bildschirm stellt. Also, nicht wirklich groß, wäre meiner so groß wie der von Herrn Rabe, würde ich überhaupt nicht meckern und ich komme ja zurecht, aber…!

**2 x Ruterticket alle Zonen, 1 x Parken am Bahnhof. Wenn man 1 oder 2 mal die Woche fährt, ist das die günstigere Variante. Danach lohnt sich das Monatsticket, weil man dann auch ein Pendlerparkticket kaufen kann. Aber mir wird schon ein bisschen schwindelig, wenn ich dran denke, dass wir zugunsten von Arbeitsklima und Gemeinschaft und weil Direktoren das so bestimmt haben demnächst wieder knapp 5000 Kronen im Monat fürs Pendeln hinblättern sollen. Für die wir dann nicht mal Pendlerpauschale kriegen, weil wir mit drei Tagen die Woche nicht oft genug pendeln, auch wenn es das Gleiche kostet, wie 5 mal die Woche zu fahren. Es ist alles so… Arrrgh!

***wo sind wir eigentlich, im Kindergarten?

Tag 2307 – Die hochgezogene Augenbraue.

Michel sprang heute herum wie ein Flummi, es geht ihm definitiv besser und die mangelnde Auslastung wird überdeutlich spürbar. Er macht dann auch alle möglichen Geräusche, immer. Danken wir einfach den Noise cancelling Kopfhörern dafür, dass wir ihn heute nicht an die Wand getackert haben.

Am Freitag sollen wir uns eineinhalb Stunden lang unser neues free seating präsentieren lassen. Ich glaube, die haben Lack gesoffen, anderthalb Stunden? Aber was mir dabei einfällt: ich habe heute aus dem Intranet ein Bild heruntergeladen, das uns Angestellten das Konzept „Feste Basis und empty desk“ schmackhaft machen soll. Schauen Sie einfach selbst.

Hygge, koselig, nordisches Design!

Ich bin irritiert davon, dass die Bildschirme fehlen. Wir haben eigentlich Bildschirme. Sie haben sich außerdem offenbar Mühe gegeben, wenigstens zwei gleiche Stühle zu finden. Die Ausziehtürme bleiben stehen, auch wenn wir sie nicht benutzen, weil zwar zusammen arbeiten und Kommunikation fördern sollen, aber bitte ohne direkten Blickkontakt. Außerdem fehlen im Bild die Spuckschütze zwischen den sich gegenüberliegenden Tischen. Die dienen dazu, den Abstand zwischen diesen Tischen von ca. 80 cm auf einen Meter zu erhöhen. Plexiglas krümmt bekanntermaßen im Arbeitskontext das Raum-Zeit-Kontinuum.

Ich glaube, so Architekturpsychologen (das ist ein Ding, habe ich neulich gelernt) würden instantan in Tränen ausbrechen. Ich hab aber beschlossen, keine Energie darauf zu verwenden, mich drüber aufzuregen.

P.S. Wir haben ne Stelle offen, aber bitte überrennt uns jetzt nicht alle wegen unseren attraktiven Büroräumen.

Tag 2402 – Ein mal inconclusive, bitte.

Herr Rabe fühlt sich nicht so gut und hatte jetzt einen „uneindeutigen“ PCR-Test. Was es nicht alles gibt. Der Rest von uns testet weiterhin eindeutig negativ, was ja irgendwie beruhigend ist. Wahrscheinlich sind unsere Immunsysteme inzwischen aus Stahl und unsere Schleimhäute verhornt und da kann sich kein Virus mehr ansiedeln. Oder so.

Die gegenwärtige Inspektion ist auch wieder auf einem anderen Level interessant. Ich habe schon ganz viel gelernt, hauptsächlich über Zeitpläne und Projektmanagement und wie das alles mit Produktionsqualität Zusammenhängen kann. Mehr kann ich nicht sagen.

Im Büro ist weiterhin tote Hose. Auch das beruhigend, mit einem uneindeutigen Mann zu Hause. Ich frage mich allerdings schon ein wenig, ob es daran liegt, dass die alle gut im Homeoffice klar kommen und gar keine Notwendigkeit sehen, ins Büro zu kommen, oder ob alle mit Covid flach liegen. Wahrscheinlich stimmt ein bisschen von beidem.

So, ab ins Bett, morgen ist der letzte Tag.