Tag 2269 – Autschn.

Als Tagesabschluss erst mal vorm Hotel volle Möhre hingelegt. Ist irgendwie auch schon egal, nur etwas peinlich. Die Hotelangestellten kamen rausgestürzt und dachten bestimmt, ich hätte gesoffen, dabei bin ich einfach nur heillos überarbeitet und müde und hab eine Stufe nicht gesehen, weil ich damit beschäftigt war, die heutigen 15 Stunden Arbeit in die Zeiterfassungsapp zu töckeln. Mein Hirn ist totaler Brei und mir graut aus Gründen schon vor den nächsten Wochen und Monaten. Und jetzt hab ich halt auch noch einen aufgeschürften Ellenbogen und eine kaputte Strumpfhose.

Morgen noch, dann kann ich hoffentlich erst mal einfach schlafen. Schlafen wäre super.

Tag 2268 – Spontane Nicht-Aussicht.

Bekam Ja zu meinem Hotelaufenthalt, habe bereits heiß geduscht und liege jetzt im Bett. Morgen klingelt der Wecker um viertel vor sieben, dann muss ich die Augen weit genug aufkriegen, um meine Tablette zu schlucken und dann kann ich noch ein bisschen dösen. Im Vergleich zu heute früh wird das also ein Fest.

Dahinter ist zwar sowas wie ne Aussicht (auf einen nicht betretbaren Innenhof), aber auch eine Spiegelung und naja, das ist dann doch zu privat.

Tag 2266 – So. Müde.

Ich bin noch dabei, von der Arbeit nach Hause zu kriechen. Bei der nächsten Inspektion in Oslo, die abends so ewig lang zu werden droht, frage ich mal vorsichtig an, ob ich nicht in Oslo in ein Hotel kann.

Immerhin muss ich morgen erst eine halbe Stunde später los, weil ich heute viel (und ich meine VIEL) zu früh da war, und das trotz zehnminütiger Verspätung des Zuges. Seltsame neue Ruter-App ist seltsam.

Tag 2259 – Platt aber happy.

Der Ausflug in die Großstadt war schön, sehr schön, ich hab sehr produktiv gearbeitet, fühlte mich sehr professionell und all das, danach wie so ne Supermutti Pippi pünktlich abgeholt, alle Kinder zu Freizeitaktivitäten gefahren und wieder abgeholt und mit Michel Post abgeschickt, und danach noch mit selbstgebackenem (!) Kuchen zum politischen Treffen. Das klingt jetzt wirklich alles sogar in meinen Ohren, als wär ich irgendsoein Übermensch, aber ich liege jetzt im Bett und bin so müde wie seit langem nicht mehr.

Ab und zu so ein Tag ist bestimmt trotzdem gut fürs Selbstwertgefühl. Vielleicht ist es doch ne gute Idee, sich auf 2 Tage Büro die Woche einzustellen und an den Tagen dann zwischen den Meetings all den Kleinscheiß wegzuschaffen, der mit seinen 5 Minuten hier, 15 Minuten da die To-Do-Liste verstopft.

Tag 2253 – Vom übern Tisch ziehen.

Für die Grünen in Norwegen (und die homophoben Christen) hat es nicht ganz gereicht, sie haben jetzt (jeweils) drei Sitze im neuen Storting. Hätten sie es über die Hürde geschafft, hätten sie (je) vier Ausgleichsmandate bekommen. Tjanun. Nächstes Mal dann, wenn auch alle gemerkt haben, dass sich manch eine Partei nur für den Wahlkampf schnell noch grün angemalt hat, aber Klimaschutz dann doch nicht sooooo wichtig findet, wenn es anfangen würde, auch nur ein minibisschen weh zu tun. [Wir erinnern uns kurz daran, dass nichts tun und das Klima havarieren lassen teurer werden wird und mehr wehtun wird.] Looking at you, SV, die schon sagt, man werde sich mit der Sp schon einig, was das Klima angeht, Hauptsache sie lassen sie mit regieren. Bin ich gespannt, wie man „mehr Öl!!!“ mit „weniger Öl!!!“ übereinander bekommen will. [Alles bleibt wie‘s ist reicht nicht.]

Well, well. Hilft ja nix, sich aufzuregen. Muss man anpacken.

Weiterhin habe ich mich heute über das Werk aufgeregt, und zwar sehr. Da saufen einige die wirklich billigen Lösemittel, direkt aus der Distille, ohne Qualitätskontrolle. Aber auch da hilft aufregen nichts, in diesem Fall hilft Standhaftigkeit, da ist jetzt endgültig mal Schluss mit nettem Mädchen. Später (also in ein paar Wochen) dazu vielleicht mehr.

Tag 2249 – Allein, buhuhuuu.

Herr Rabe ist SCHON WIEDER auf einem Wochenendtrip, empörend! Nein, Quatsch, es sei ihm sehr gegönnt.

Ich bin heute morgen ordentlich erkältet aufgewacht, das kommt von den Kindern und bei niemandem von uns ist es Corona. Was gut ist, auch wenn erkältet sein ziemlich saugt.

Weiterhin habe ich heute viel zu lange gearbeitet, aber so ist das leider öfter mal bei uns. Wir bekommen eine*n weitere*n Inspektør*In nach Ausschreibung und Bewerbungsrunde plus Kündigungsfrist, sowie eine Consultant im Herbst und Winter, weil unser Corona-Backlog plus Backlog von vorher plus IT-Projekt leider machen, dass wir sonst absaufen. Mein Arbeitstag zum Beispiel wurde so lang wegen des IT-Projektes. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Prognosen passen und wir bis Ende des Jahres damit fürs erste durch sind, aus verschiedenen Gründen.

Leider hab ich die Vermutung, dass ich nicht die einzige bin, die ziemlich rotiert, sondern dass das quer durch die Organisation geht.

Heute wurde der Plan für die Sitzplatzorganisation im Büro vorgestellt, den ich ja sozusagen mit ausgeheckt habe. Ich hoffe, es kündigen jetzt nicht gleich alle. (Liebe Arbeitgeber*Innen, überlegen Sie sich wirklich, WIRKLICH gut, ob es sich nicht vielleicht doch rechnet, mehr Platz zu mieten, wenn man dadurch sehr großen Unmut, ein paar Kündigungen und Produktivitätsverluste (wegen viel Unruhe, Umstellung, etc.) vermeiden kann. Besonders wenn Sie keine hippe Designbude sind, sondern eine leicht staubige Behörde.)

So, jetzt muss ich sehr dringend schlafen, begleitet vom Schnurcheln der Kinder geht das bestimmt gut. Hach, hach.

Tag 2245 – Zurück im Homeoffice.

Es fühlt sich an, als hätte ich zwei Jobs. Inspektion – so wie letzte Woche – und „der ganze Rest“. Heute zum Beispiel: 1 Dialog um kommende Inspektion, 2 Dialoge um vergangene Inspektionen, 1 Inspektion formell abgeschlossen, diverse Archiviererei, 1 Rechnung approved (die Flüge letzte Woche), Einarbeitungspläne für mich und zwei Kolleg*Innen an den richten Stellen in SharePoint speichern, IT-Projekt, GMDP-Meeting, Meeting wegen Inspektion letzter Woche, 1 langes Draft Document zum Kommentieren gelesen (und nichts zum Kommentieren gefunden, alle meine Kommentare aus der letzten Runde waren bereits aufgenommen worden), diverse (so… 20, ich hatte länger nicht mehr reingeschaut, ähäm. Ich geb mir selbst ein Finding dafür) interne SOPs gelesen bzw. die Änderungen zur vorherigen Version angeschaut. Nebenher noch Bankkram, den ich gerne in der Öffnungszeit der Bank erledigt haben wollte. Uff, Ja. Weiß auch nicht, wie das in sieben Stunden Arbeitszeit im Sommer passen soll.

Ach ja, um ein neues Handy hab ich auch gebeten, nachdem meines unglücklich beim Aussteigen aus dem Auto aus der Hosentasche fiel und der Bildschirm trotz Bumper drum und extra Glas drauf seither von einem (neuen) Extraglas festgehalten werden muss. Man muss aber auch dazu sagen, dass ich bereits vor neun Monaten und die meisten anderen Angestellten vor knapp einem Jahr neue Handys hätten kriegen müssen, aber CovidhomeofficekeinGeldhomeofficeCovid das verhindert hat. Ich fühle mich deshalb also nicht unverschämt.

Ansonsten hab ich mal wieder festgestellt, dass Michel mit seinen fast neun Jahren im Schlaf immer noch fast aussieht, wie er als Baby ausgesehen hat. Mein Baby, hach.

Mein Baby hat sich mit dem Fahrrad langgelegt und sich das Kinn fies aufgeschürft, sodass es sowohl mit als auch ohne Pflaster gemein brennt. Armes Baby. Das andere Baby hat sich die Knie auf der Kunstrasenbahn aufgeschürft. Beides arme Babies. Herr Rabe hat heute seine zweite Imfdosis bekommen. Armer Gatte. Ich muss demnächst ne kleinere Bank ausrauben, um die ganzen Pflaster finanzieren zu können. Arme Frau Rabe.

Tag 2242 – Voll.

Herr Rabe bezeichnete mich als „voll“, und meinte damit nicht betrunken, sondern von allem anderen voll. Ich bin wieder zu Hause, habe alle Kinder gedrückt und eines in den Schlaf gekuschelt, habe mit Herrn Rabe geknutscht und dann lief ich ein bisschen über nach der Woche. Emotional übervoll und ausgelutscht, Überdosis Menschen, kalter Entzug von der Familie, lieben Worten und ständigem Körperkontakt, Überdosis Arbeit und das sehr verwirrende Gefühl, das alles sehr gerne genau so zu machen, und trotzdem nach einer Woche [ok, es waren 2 Inspektionen und, weiß nicht, so 70 Arbeitsstunden?] komplett durchgenudelt zu sein.

Es ist wirr und ich muss jetzt sehr dringend schlafen. Am Wochenende möchte ich nur in Notfällen mit Menschen außerhalb meiner Familie reden, das erscheint mir als Sofortmaßnahme ratsam.

Tag 2241 – Piep.

Ja hmm das war nichts mit dem nahezu normal langen Arbeitstag, danken wir alle meiner Excel-Clumsyness und der der Kollegin, was eine Scheiße, aber jetzt wenigstens behoben.

Die Pandemie lässt man in Norwegen weiter durch die Kinder eskalieren, es gibt exakt null Maßnahmen dagegen, wurde heute durch die Pressekonferenz bestätigt. Als Trostpflaster sollen jetzt aber die 12-15-Jährigen eine Impfung angeboten bekommen. Aber nur eine Dosis, weil man weiß ja nicht*, vielleicht sind zwei Dosen ja gefährlich** und eine Dosis reicht ja auch***.

Zum Heulen. Alles einfach nur noch zum Heulen. Nicht mal Fische hab ich gesehen.

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*doch

**nein

***nein