Tag 3023 – Keine Worte.

Ich bin diffus angepisst von allem. Vermutlich einfach zu viel durch die Gegend gerödelt, zu viel gemacht, zu wenig für mich getan, das nicht daddeln am Handy war. Bügeln zähle ich nicht als „für mich“, ich hasse Bügeln und bügele meine Sachen echt nur, weil ich muss. Heute musste ich, ich hatte keine einzige gebügelte Business-Hose mehr und morgen ist Inspektion, hoppala. Ich würde niemals auf die Idee kommen, beispielsweise und total hypothetisch versteht sich, Sweatjacken oder T-Shirts zu bügeln. Ich finde auch daran nichts entspannend, ich habe mühsam unterdrückte Angst vor allem dem heißen Bügeleisen, besonders in Verbindung mit Kabeln und dergleichen, die nun mal dazu gehören. SHE-mäßig müsste Bügeln ein untragbares Risiko darstellen. Ich argwöhne, dass das Patriarchat irgendwie dran schuld ist, dass Bügeln immer noch nicht sicherer ist als 1970 und nicht wesentlich sicherer als 1870 (immerhin müssen wir das Bügeleisen nicht mehr mit glühenden Kohlen füllen, voll der Gewinn).

Anyway. Schlechte Laune. Im Werk alle bekloppt.

Aber beste Kinder, vor allem Michel, der heute sehr erwachsen und ganz ohne Rumschreien seinen Missmut über die Schule einerseits (Grund und Anlass für einen Teil der schlechten Laune auch da, leider) und andererseits die von ihm wahrgenommene Untätigkeit seiner Eltern in Haustierfragen an mich kommunizierte. Punkt für Punkt aufgezählt und dargelegt, mit Lösungsvorschlägen. Vielleicht haben wir doch einiges richtig gemacht, auch wenn wir offenbar für ihn nicht deutlich genug über seine Haustierpläne nachdenken.

Werde in Zukunft versuchen, sichtbarer zu denken.

Tag 3020-3022 Wochenende, Freitag bis Sonntag, in den 3000er Tagen – Bereit…

… für Winterschlaf. Jedenfalls nicht für das hier:

Und auch nicht für Arbeit und routinemäßiges Lunch zu Hause vergessen:

Und auch nicht für Tschüss zu Pølse sagen, auch wenn ich für sie heute ein neues Zuhause gefunden habe, wo sie zwei neue Freundinnen bekommt (wenn sie sich mit ihnen verträgt). Sie wird wohl Freitag oder Samstag abgeholt. Seufz.

Das hier war ihr Bewerbungsfoto, eingewickelt in ein Handtuch, damit sie sitzen bleibt. Die Hupe ist sonst nämlich schneller weg als das Handy zoomen kann und dann hat man nur einen unscharfen Po auf dem Bild.

Ansonsten habe ich dieses Wochenende eigentlich nur Lego gebaut*. Das war auch mal nötig.

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* und Haushalt, Einkaufen, Wäsche waschen und so. Das übliche.

Tag 3016 – Leberwurst.

Leberwurst ist ja so etwa eins der ekligsten Nahrungsmittel überhaupt. Farbe, Konsistenz, Geruch – wäh. Grob oder fein, egal – wäh. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren, wäh. In Norwegen erfreut sich die Leberwurst größter Beliebtheit, vor allem als Eisenquelle für Kleinkinder. Was sicherlich überhaupt nichts damit zu tun hat, dass die mit einem fröhlichen Kindergesicht von anno AlsAllesNochWieFrüherWar und in großen Lettern den grandiosen Eisengehalt anpreisend beworben wird. Neulich dann aber Skandal! Leberwurst für Kinder (ja, es gibt offenbar noch mal extra Kinderleberwurst, auf der nicht das fröhliche Kind ist! Oder vielleicht ein noch fröhlicheres Kind? Man weiß es nicht) enthält voll viel „Müll“, Wasser und Gewürze! Und sowas gibt man Kindern!!! Große Aufregung. Währenddessen waren Herr Rabe und ich einigermaßen verwirrt, denken die denn echt, Leberwurst sei nur pürierte Leber in Dosen? Ist das nicht allgemein bekannt, dass das in erster Linie zur Unkenntlichkeit vermantschte Schlachtabfälle mit eben Gewürzen sind, also (billige) Wurst generell, aber Leberwurst besonders? Mal abgesehen davon, dass Leber ja nun auch nicht sonderlich gesund ist. Hmm lecker, die Müllhalde des Körpers essen, in der sich all die unausscheidbaren Stoffe sammeln. Ich mag übrigens Leber generell auch nicht. Merkt man kaum, ne? Meine Kinder sind glücklicherweise auch ohne Leberwurst beide über 1,30 m groß geworden. Bisher, Trend weiter steigend.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: der Lieblingskollege macht seit nunmehr einer Woche einen auf beleidigte Leberwurst und benimmt sich wie ein Kleinkind, dem man seine Grinsekinddosen-Leberwurst-Stulle weggenommen hat. So langsam fällt mir nichts mehr dazu ein, als hart mit den Augen zu rollen. Ich fürchte, Erziehungstipps fruchten bei Ü50-Jährigen auch nicht mehr, auch nicht, wenn die sich benehmen, als wären sie höchstens 1/10 so alt. Lebensziel: den Kindern ein vernünftiges Konfliktverhalten beibringen.

Tag 3014 und 3015 – Alleinschwein.

Der Tag lief nicht so ganz wie geplant. Denn während ich mit einer Freundin telefonierte und Herr Rabe Wäsche aufhängte und kein Kind zu Hause war, sagte Herr Rabe plötzlich: Warum liegt denn das Schwein auf dem Rücken?

Tja.

Meerschweinchen liegen normalerweise nicht auf dem Rücken. Marshmallow, die gestern noch wie immer war und über die ich noch lachte, weil sie, zusammen mit Pølse, demonstrativ mit den Forderpfoten auf dem Futternapf stand, einen langen Hals machte und mich anquiekte (gefräßige Speckels), lag aber auf dem Rücken, mit Augen auf und einer Körpertemperatur, die ziemlich genau der Umgebungstemperatur entsprach. Sie muss einfach tot umgefallen sein. Was ja irgendwie gut ist, wenigstens kein Siechtum wie bei Muffin. Aber trotzdem einfach sehr plötzlich. Es gab keinerlei Anzeichen, keinen Gewichtsverlust, sie fraß normal und war normal aktiv, ich hab normal viele und normal geformte Köttel gefunden. Können Meerschweinchen Herzinfarkte oder ähnliches haben? Ich hoffe es irgendwie.

Als Pippi nach Hause kam, flossen natürlich erst mal einige Tränen bei ihr, aber sie war froh, dass wir Marshmallow noch nicht beerdigt hatten. Michel trug es mit augenscheinlich größerer Fassung, sagte aber sofort, was ich auch gedacht hatte: jetzt ist Pølse alleine, und das geht nicht, sie muss Gesellschaft haben, sie ist ein Rudeltier.

Was wir jetzt machen, wissen wir noch nicht so ganz. Es gibt zwei Möglichkeiten: wir holen wieder weitere Schweinchen dazu oder wir suchen für Pølse ein neues Zuhause mit anderen Schweinchen. Sie ist halt für ein Meerschweinchen langsam ziemlich alt (ca. 6 Jahre), so alte Meerschweinchen habe ich noch nie in den Kleinanzeigen (bei Finn, leider der einzige Ort, wo man überhaupt Meerschweinchen außerhalb von Zoohandlungen und von Züchtern bekommt) gesehen. Wenn wir jetzt also 2-3 jüngere Meerschweinchen dazu holen würden, hätten wir erst mal 3-4 Meerschweinchen, aber über kurz oder lang wieder 2-3. Die Frage ist, wie lange wir das so rausschieben wollen.

Ach, es ist schwierig.

(Ja, ein bisschen war es auch vorhersehbar, aber ich hab die Augen davor verschlossen, weil es so schwierig war, ein drittes, älteres Meerschweinchen zu bekommen. Pølse und Marshmallow waren immer schon zusammen gewesen und kamen so gut miteinander aus, dass ich einfach so getan habe, als würden sie eines Tages einfach beide gleichzeitig tot umfallen. Asche auf mein Haupt, war doof, merke ich selbst, ja.)

Marshmallow wurde am Abend noch standesgemäß beigesetzt, in einem Pappkarton unter dem Kirschbaum. Pippi half kräftig mit, Michel wollte nicht.

So ist halt das Leben mit Kleinnagern, am Ende hat man einen kleinen Pappkartonfriedhof im Garten. Ich werde das hübscheste aller Schweinchen jedenfalls vermissen.

Tag 3012 und 3013 – Freitag der 13.

Wegen meiner Trotteligkeit habe ich Tag 3000 verpasst. So ärgerlich, ey. Ich bin aber schon bei Ende Juli mit dem Korrigieren angekommen. Das mache ich immer mal so nebenbei, das braucht keine Gehirnzellen sondern eigentlich nur Daumen.

Michel ist das Wochenende über weg. Mit seinem besten Freund auf der, Sie ahnen es, Hütte. Alle unsere Kinder waren jetzt also vor uns Erwachsenen auf Hüttentour. Ungerecht. Aber das wichtigste ist, dass sich Michel das überhaupt zutraut und das mitmacht und sicher eine gute Zeit hat. Trotzdem komisch mit nur einem Kind, genau wie letztes Wochenende.

Ich war gestern und heute im Büro. Gestern, weil ich nachmittags Geigenunterricht hatte. (War echt gut, ich kam um Bach herum, spielte aber dafür ca. hundert mal die ersten 4 Ds von Chanson triste [Tchaikovsky] bis der Lehrer einigermaßen zufrieden war.) Heute, weil ich mitten am Tag in die Philharmonie ging, da gab es ein Mittagskonzert mit Janine Jansen, Sibelius Violinkonzert und danach noch Sibelius Symphonie Nr. 5. Es war ganz wunderbar, Janine Jansen ist eine tolle Performerin, die alle Stimmungen in diesem recht vielschichtigen Stück hervorragend rüberbringt, ohne zu routiniert dabei zu wirken. Und Symphonie Nr. 5 ist immer toll. Ich hatte ja mal erwähnt, dass mich Sibelius immer irgendwie an Zugvögel erinnert. Heute las ich im Programmheft, dass die 5. Symphonie das sogenannte Schwanenthema hat, zu dem Sibelius angeblich inspiriert wurde, als er von einem See abhebende Schwäne sah. Ich sag mal so, 1. lag ich mit Gänsen gar nicht so weit daneben und 2. was für ein krasser Komponist muss man sein, damit eine random Person 100 Jahre später an große, fliegende Vögel denkt, wenn sie die Musik hört.

Jedenfalls war das super. Über den Rest des Tages breiten wir gnädig den Mantel des Schweigens. Es ist halt auch schon wieder kurz vor Zyklusanfang, dieses Mal mal wieder mit plötzlichem und anlasslosen Nasenbluten. Hoffentlich bald vorbei, der Zyklus.

Freitag der 13.-mäßig ist gar nicht passiert. Langweilig. Ich hab noch nicht mal ne Katze gesehen, geschweige denn eine schwarze in der Nähe von Leitern.

Tag 3010 – Müde Geburtstagsvorbereitungen.

Uff, schon wieder so spät. Aber so ist das, wenn man nach dem Ballett noch einkaufen muss und dann, nachdem Pippi schläft, noch glutenfreien* Brownie backt und die nicht glutenfreien Cupcakes frostet – was nicht so funktioniert hat wie geplant und zusammen mit PMDS und dem Arschloch, das mir fast in die Karre gefahren wäre, weil ein einspuriger Kreisverkehr natürlich der optimale Ort zum Überholen ist, und das mich danach dafür auch noch angeschrien hat, ist das echt ein bisschen viel für meine müden Nerven. Deshalb einfach Bett jetzt. Lieber morgen noch mal mit über Nacht gekühltem Frosting probieren. Sonst ist es halt eher so ne Glasur, auch nicht schlimm.

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*Michel hat 3 Freunde eingeladen und informierte mich heute Mittag darüber, dass einer davon kein Gluten verträgt und der andere allergisch auf Nüsse ist. Wie meine Chefin sagte „Klassiker – hast du deinen Kindern noch nicht beigebracht, dass man mit solchen Kindern nicht befreundet sein sollte?“. Sie ist selbst Gluten- und Laktoseintolerant und darf deshalb diese Sorte groben Witz reißen. Und nein, im Gegenteil, ich habe eben eine glutenfreie Backmischung und glutenfreie Hotdogbrötchen gekauft, ansonsten gibt es Chips und Eis (das Schokoladeneis kann Spuren von Nüssen enthalten, aber das Kind war schon ein paar mal hier und kann ganz gut selbst einschätzen, ob irgendwas zu riskant ist) und eben Hotdogs und für den Notfall eine große Tüte Haribo ohne irgendwelches Zeug gegen das irgendwer allergisch ist, dafür mit Gelatine. Aber die Würstchen sind auch aus mit Fleisch, Michel mag vegetarische Würstchen nicht, die Konsistenz** ist falsch.

**Heute habe ich in eine Birne gebissen, festgestellt, dass sie unerträglich weich ist und mich nicht gezwungen, sie trotzdem aufzuessen. Das fühlte sich sehr empowert an, Essensabfall hin oder her. Ehrlich gesagt ist meine Go-To-Lösung für vermutet weiche Birnen sonst auch einfach warten, bis sie von selbst auf den Komposthaufen klettert, also dort gelandet wäre sie über kurz oder lang eh. Dieses Mal halt ehrlicher, und mit dem festen Vorsatz, das nächste Mal eine gekaufte und sorgsam als steinhart ausgesuchte Birne einfach direkt aufzuessen.