Tag 2865 – Sommerlich.

Der freie Tag wurde zum Aufräumen und Aussortieren genutzt. So langsam sieht es wieder mehr so aus, wie ich mir das wünsche und nicht so wie es normalerweise hier aussieht. Der Witz ist ja, dass wir alle eigentlich lieber aufgeräumt leben, aber ein paar von uns es einfach nicht schaffen. Der Witz ist ein schlechter, denn die Aufräum-Schlagzahl ist genau umgekehrt proportional zur Chaosmach-Schlagzahl bei den Bewohnenden des Rabenhauses (Vierbeiner ausgenommen).

Um uns zu belohnen, gingen wir Erwachsenen dann noch ganz allein ein Eis essen. Ganz romantisch an der Tanke. Aber man kann da gut etwas über 10 Minuten hin spazieren und dann wieder zurück, dabei schien die Sonne, es herrscht explosionsartiger Frühling, die Vögel singen und eine knappe halbe Stunde nervt niemand. Das war sehr schön.

Derweil machte wohl Michel im Ort Mist, gefährlichen Mist, den er auch nicht noch mal machen wird, weil er 1. eingesehen hat, dass das gefährlicher Mist war (japp, durch Schmerz) und ihn 2. eine unbekannte ältere Dame im Ort deshalb rund gemacht hat. Das rund machen hätte sie vielleicht respektvoller machen können, es schien sie auch (von der Erzählung her) nicht sonderlich interessiert zu haben, ob sich irgendwer weh getan hat, aber in der Sache hatte sie durchaus recht. Ich glaube, Michel hatte sich erhofft, dass ich ihm uneingeschränkt recht gebe, aber mein Mitleid wegen des Anschisses hielt sich doch sehr in Grenzen und meine Reaktion war auch eher „war doof, merkste selbst, ne?“.

Kinder, ey.

Tag 2853 – Vierzig.

Herr Rabe hat heute (hatte kalendarisch gestern, aber es ist ja erst ein neuer Tag, wenn man mindestens 4 Stunden geschlafen hat) Geburtstag. Ein runder Geburtstag um den herum sich Männer gerne Motorräder kaufen und Sekretärinnen… ja. Herr Rabe hat keine Sekretärin und ich kann bezeugen, dass er schon länger immer mal wieder darüber nachdenkt, sich wieder ein Motorrad zuzulegen, und das auch schon länger immer wieder verwirft. Auch ansonsten gefällt mir die 40er-Version von Herrn Rabe mindestens genauso gut, wie die Version, die ich vor vielen Jahren kennengelernt habe und die, die ich vor minimal weniger vielen Jahren geheiratet habe. Das ist ja schon viel wert, das so sagen zu können. Wir sind nach wie vor ein gutes Team, auch (oder weil?) wenn wir ziemlich unterschiedlich sind. Zum Beispiel werde ich ja eher gleichmäßig meliert weiß, während Herr Rabe sich eine Mr. Sheffield-Strähne wachsen lässt. Was ich im Übrigen sehr attraktiv finde, mein graue-Haare-Herz schlägt gleich höher.

Wir hatten alle einen recht schönen, wenn auch recht normalen, Tag. Keine große Party, sondern ein Ausflug nach Oslo mit gutem Essen und der eingeflogenen Schwägerin. Kinder, die sich zum Teil eifrig aufs an-der-Laterne-ausgesetzt-werden bewarben, Sonnenschein, Füße in den Fjord halten (die Kinder, zum Teil), ein Besuch in der Deichman-Bibliothek in Bjørvika, was wohl die krasseste öffentliche Bibliothek ist, die ich je gesehen hab. Sechs Etagen, alle offen, ein Spielplatz mitten drin, überall Lese- und Arbeitsecken, gut besucht von Menschen allen Alters und trotzdem unglaublich angenehm ruhig. Die müssen eine meisterhafte Schalldämpfung haben. Das ist wie eine Oase mitten in der Großstadt.

Abends noch lange mit der Schwägerin auf dem Sofa gesessen, auch das sehr schön. Morgen gibt es Geburtstagskuchen – das ist die logische Konsequenz aus zu spät mitgeteilten Kuchenwünschen.

Tag 2846 – Kultur und andere Qualitätszeit.

Pippi hat sich schon länger einen „Vater-Tochter-Abend“ gewünscht. Das beinhaltet in ihrer Vorstellung, dass Michel und ich uns irgendwie verflüchtigen. Letzte Woche hatte ich dann den nahezu spontanen* Einfall, das Konzert des Korpes der Janitsjar des Lieblingskollegen anzuschauen, weil ich eh Geigenunterricht in Oslo hatte und da könnte man ja danach da vorbei. So dachte ich. Herr Rabe schlug vor, dann doch Michel mitzunehmen, dann könne er mit Pippi Vater-Tochter-Dinge tun. Michel war erst so semibegeistert, fand die Idee nach einiger Bedenkzeit dann aber doch gut und so traf ich heute die ganze Familie nach dem Geigenunterricht** in Oslo. Wir kauften Michel ein neues weißes Hemd (17. Mai is coming und die Kinder wachsen ja wie Unkraut, sein altes Hemd kann Pippi nahtlos erben…) und Pippi für ihre Tanzshow am Montag eine neue schwarze Leggins ohne Löcher und Hochwasser. Danach war ich eigentlich gar, weil ein Einkaufzentrum in Oslo an einem Samstag die totale Hölle ist, aber ich hatte diesen Konzertbesuch angekündigt und brauchte außerdem für morgen noch eine richtige (schweinchenrosa) Ballettstrumpfhose. Der Weg zum Ballettladen war dann ganz gut zum Runterkommen, ich wählte auch den wenig besuchten Weg, statt mitten durch die Innenstadt zu stiefeln. Die Strumpfhose war schnell gekauft und dann fuhren Herr Rabe und Pippi nach Hause, während Michel und ich in den Stadtteil fuhren, wo der Lieblingskollege wohnt. Schon auf dem Weg taute Michel auf und fing an, einen Vortrag über Schlangen zu halten, weil er immer noch gern eine Schlange hätte und sich da mit den verschiedenen Arten, die man so halten könnte, wirklich viel auseinandergesetzt hat. Wenn Michel Vorträge hält, ist er einigermaßen ausgeglichen, das ist schön und ich höre die Vorträge gerne, einfach weil ich ihn gerne über irgendwas abnerden höre.

Das Konzert war in einer Kirche, einer dieser architektonisch ungewöhnlichen, modernen Kirchen, mit sehr viel Holz innen und sehr viel Licht und Raum, so vom Gebäude her wirklich schön. Ansonsten bin ich ja keine Kirchgängerin, das ist nicht meine Welt und ich bin froh, keinem der verfügbaren Vereine je angehört zu haben. Komm ich halt in die Hölle, ist ja gut, das vorher zu wissen, ich bin gern vorbereitet. Michel stellte jedenfalls zu der Kirche (an der außen deutlich Kirche dransteht) fest: es ist eine Kirche, aber es sieht nicht aus wie eine Kirche.

Innen musste Michel erst mal die Räumlichkeiten erkunden (auch das Kind ist gern vorbereitet) und dann begrüßte uns schon der Lieblingskollege, ungewohnt ganz in schwarz, leicht nervös, aber sichtlich erfreut, uns zu sehen. Michel war nicht gesprächig, was sich vielleicht auch dadurch erklären lässt, dass ihm das mit dem Lieblingskollegen irgendwie entgangen war. Die haben sich ja schon oft im Teams gesehen, insofern kennt er ihn so ein bisschen. Heute war Michel aber erschrocken, ihn plötzlich in 3D zu sehen (und den ganzen Körper, in Teams sieht man ja meist nur bis zur Brust). Ehrlich gesagt war es auch für mich ein bisschen seltsam, den Lieblingskollegen komplett außerhalb jeglicher Arbeit am Wochenende zu treffen. Der Lieblingskollege setzte sich dann auch zu Anfang des Konzerts zu uns, denn zuerst sang ein Chor einige Stücke und die Janitsjar hatte „frei“. Der Chor sang sehr schön aus einem vielfältigen Repertoire***. Dann war Zeit für die Janitsjar (zu diesem Zeitpunkt war Michels Fähigkeit, auf dem Po zu sitzen bereits aufgebraucht und ich gab ihm meine Glitzerflasche zum Spielen) und auch die Stücke waren wirklich richtig gut. Kein Vergleich zum (sorry) popeligen Schulkorps. Auch die Janitsjar spielte sehr diverse Stücke, von Marsch bis Bossa Nova. Ein Stück war ein Solostück für 2 Marimbas, das hätte bestimmt auch Pippi gefallen. Ich hoffe, es ist für sie bald Zeit für melodisches Schlagwerk. Jedenfalls war das ein sehr schönes Gesamterlebnis und Michel gefiel die Musik der Janitsjar auch. Wir verabschiedeten uns vom Lieblingskollegen**** und Michel plapperte mich sofort weiter voll mit allem möglichen, wanderte an der Haltestelle hin und her und wünschte sich dann Sushi, Running Sushi genau genommen, das gibt es in Oslo am Bahnhof. Das sollte mir recht sein, Sushi ist immer gut, und so konnten Michel und ich noch ein bisschen Zeit miteinander verbringen. Auch das Sushi essen war dann echt schön, Michel wartet da geduldig auf Lachs-Nigiris, während ich mich durch alles mögliche andere schlemme. Ich hatte sogar, weil ich so gute Laune hatte und überaus entspannt war, Lust auf ein kleines Bier. Das erste seit… wir in England waren und die Alkoholeinheiten der letzten 6 Monate kann ich immer noch an 1 Hand abzählen. Das war eine gute Entscheidung, übrigens, mir geht es sehr viel besser, seit ich kaum noch Alkohol trinke*****.

Gut vollgefuttert fuhren wir mit dem Zug nach Hause, während wir Unterhaltungen über Phasenunterschiede verschiedener, nicht ineinander löslicher Flüssigkeiten diskutierten, ein bisschen Strömungsdynamik war auch dabei, Dichte von Kleber, Wasser und Glitzer und so weiter. Sag noch jemand, Glitzerflaschen seien reine Beschäftigungstherapie für schnell überreizte Gehirne!

Ein paar Seiten in Eragon und dann schnorchelte Michel auch ziemlich schnell ein, angekuschelt an mich, wie immer (wenn ich ihn ins Bett bringe). Hach. So entspannt könnte es von mir aus immer sein.

Herr Rabe hat übrigens mit Pippi Frozen 2 geguckt und die beiden hatten ebenfalls einen schönen Nachmittag und Abend.

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* der Einfall an sich war, wie jeder Einfall, tatsächlich spontan, aber es kostete mich albern viel Überwindung und Überlegung, den Lieblingskollegen um entsprechende Veranstaltungsdetails zu bitten, damit ich das auch in die Tat umsetzen konnte.

**Geigenunterricht war diesmal richtig gut. Ich soll mehr Raum nehmen und präsenter sein, die Technik ist eigentlich (bis auf Kleinigkeiten) recht gut, ich zeige es nur nicht. Wir haben über recht fortgeschrittene Konzepte gesprochen wie Grounding und Phrasierung, und ich wurde entlassen mit der Aufgabe, selbst mit ein paar Techniken zur Ausmerzung der Kleinigkeiten zu spielen, mir den 2. Satz vom Vivaldi-Concerto zu erarbeiten und mich zu melden, wenn ich eine Stunde haben möchte – ich sei fortgeschritten und selbständig genug um das selbst gut einschätzen zu können. Außerdem sehe er, dass ich sehr gut umsetze, was er mir sagt, und mit den Stücken tatsächlich arbeite. Yeah.

*** ich hab mit Kirche nichts am Hut, aber Kirchenmusik finde ich mit zunehmendem Alter immer besser.

**** das klingt jetzt als hätten wir einfach Tschüss gesagt, haha. Wir standen noch bestimmt 20 Minuten im Foyer rum, bis Michel ungeduldig neben mir herumtrippelte und „Hunger!!!“ sagte.

***** das wiederum klingt, als hätte ich vorher krass viel getrunken, so war es nun auch nicht. Aber jedes Mal, wenn ich was getrunken hab, selbst wenn es nur 1 kleines Bier war, war ich danach krank und da beschloss ich, das mal ne Weile sehr stark zu reduzieren. Das war, wie gesagt, bisher eine sehr gute Idee.

Tag 2832 – No tschingderassabum.

Die Kinder sind nicht da! Beide! Beide Kinder haben dieses Wochenende Korpsseminar und übernachten in der Turnhalle der Schule. Heute Mittag lieferte Herr Rabe sie da ab, dann marschierten und spielten sie eine Weile, dann gab es Abendessen und seit etwa einer Stunde kriegen wir auch keine Bildschirmzeitanfragen mehr. Herr Rabe und ich haben den Tag dazu genutzt, gemeinsam (und in Ruhe! Und ohne dass wer nölt oder Eis/Chips/Spielzeug will!) einzukaufen, zu überlegen, was wir im Garten pflanzen und abends essen zu gehen. Wir waren in der Hauptstadt und haben sehr lecker indisch gegessen. Wenn wir essen gehen, fällt die Wahl irgendwie oft auf indisch… aber es war auch einfach sehr lecker. Wir waren entscheidungsfaul und haben einfach das „Probiermenü“ mit Happen von allem möglichen in vegetarisch genommen und ich hätte mich in fast alles einfach reinlegen können. Vielleicht nicht ins Dessert, da war ich nämlich eigentlich schon kurz vorm Platzen. Auf dem Rückweg saßen wir romantisch nebeneinander im Zug, mit Kopfhörern und Duolingo (Herr Rabe lernt jetzt Französisch, Michel Japanisch und Pippi Ukrainisch, dieser Familienaccount muss ja genutzt werden und wir haben halt alle so Schwammgehirne, die gern neues lernen), nach Kräften die Gruppe stark angeheiterter Mitt-50er post Theaterbesuch ignorierend. Die waren friedlich, nett und überaus gut gelaunt, aber laut, meine Güte. Jetzt ist auch schon Bettzeit, Herr Rabe hat sich breitschlagen lassen, von drei bis sieben Uhr morgens (!!!) die Nachtwache in der Turnhalle mit den übernachtenden Kindern zu übernehmen. Bis dahin genießen wir einfach noch ein bisschen die Stille.

Tag 2821 – Frühlingsgefühle.

Bin grad voller Hachz, weil hier alles so schön grün ist. Die Bäume zwar noch nicht, aber Rasen und Ähnliches ist grün, Blumen (vor allem Narzissen) blühen, die Sonne scheint und es ist warm (für uns). Ich habe das Gefühl, meine Augen saugen die Farben auf, wie ein Schwamm Wasser. Endlich nicht mehr nur grau- und brauntöne, wie wir sie in Norwegen noch ca. einen Monat lang haben. Das hat sogar einen gewissen Entspannungseffekt, heute bin ich sogar ohne Sonnenbrille draußen rumgelaufen und habe es erst nach einer Stunde bemerkt. Wir waren in einem der hier überall verstreuten National Trust-Gärten, die einfach wunderschön sind. Pippi hat eine Ostereisuche mit allerlei Aktivitäten mit großer Hingabe mitgemacht, Michel hatte die ganze Zeit seine Nase in seinem Naruto-Manga. Wir Erwachsenen haben Blumen und alte Häuser angeguckt. Zwischendurch überkam mich der Wunsch, eine Fotoserie „Menschen machen Fotos von Narzissen und Magnolien“ zu machen, aber dem habe ich widerstanden. Die Narzissenmeere und riesigen, voll blühenden Magnolien waren aber auch wirklich fotogen. Das war schon alles wirklich schön.

Morgen passen Schwägerin, Schwager und Schwiegervater (ok, letzterer vielleicht nicht so sehr, der hat die Batterien an seinem Hörgerät ausgetauscht und seither geht irgendwas nicht mehr und so ein Hörgerät hat man ja nicht aus Spaß…) auf die Kinder auf und Herr Rabe und ich gehen ins Kino und vielleicht noch was Essen oder so. Wir gehen in einen Film, der nichts für Kinder ist und ich möchte in ein Restaurant, in dem keine Pommes auf der Karte sind und man komisch angeguckt wird, wenn man Nudeln ohne Soße bestellt. Müssen nur noch eins finden, aber das wird schön. Hach!

Tag 2816 – Mitten in London.

Wir sind angekommen. Alle haben die Reise überstanden. Mit den Kindern reisen ist wie mit zwei tauben Säcken Flöhen, die seit Tagen nur Red Bull saufen, reisen. Ich bin jetzt fix und alle, ehrlich gesagt. Die zwei haben ein super Gespür dafür, immer gleichzeitig und immer, wenn der Lärmpegel von außen eh schon auf Anschlag ist, irgendwas ganz dringendes von mir zu wollen. Wenn ich allein heute für jedes „Mama“ 10 Kronen bekommen hätte, könnten Herr Rabe und ich davon vermutlich recht nett essen gehen.

Andererseits – die sind schon so groß, dass sie selbständig aufs Klo gehen, sich nicht mehr mit halbverdauter Milch vollkotzen und die allerschlimmste Pupshumorphase (die, wo es einfach schon irre lustig ist, wenn man Pups sagt) ist auch vorbei. Das bekommt man in so einem Flugzeug ja auch gern mal wieder vor Augen gehalten. Was sie aber immer noch machen, ist, mit großer Begeisterung Maiswaffeln (!) essen. Ich war davon ausgegangen, dass die mein Snack sein würden, aber stattdessen mampften die zwei innerhalb kürzester Zeit die ganze Packung weg und verschmähten Schokoriegel und Cracker.

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Ich habe keine Ahnung, wie unser Gepäck bei der Schwägerin ins Auto passen soll. Not gonna happen, würde ich sagen. Also das Gepäck würde schon gehen, aber nicht mit 5 Personen dabei.

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Aus Fehlern lernend habe ich dieses Mal, auch wenn wir nur anderthalb Wochen weg sind, die Spülmaschine nicht auf dem Weg aus der Haustür noch schnell angestellt. Stattdessen habe ich gestern schon das Sieb sauber gemacht, sie heute noch mal laufen lassen und danach noch mal mit so einer Reinigungstablette laufen lassen. Die über den Tag angefallen Gläser und Co. habe ich mit der Hand gespült. Jetzt können wir uns auf die Rückkehr zu einer blitzsauberen Waschmaschine (gestern noch mal mit einem Spülmaschinentab laufen lassen) und Spülmaschine freuen.

Tag 2812 – Strohwitwe.

Herr Rabe brach am frühen Mittag nach London auf, ich bin jetzt also bis Donnerstag Abend allein für alles zuständig. Heute Abend war schon mal super, denn keins der Kinder wollte mein mit Liebe zubereitetes Essen (Fischstäbchen und Pommes) essen. Ich würde mich da ja gerne von lossagen, aber ich hab dann doch zu viel davon selbst gegessen, weil mir Essen wegwerfen irrational stark widerstrebt.

Der Rest vom Tag war aber ok. Die Kinder sind ja auch schon ziemlich groß und einigermaßen verständig. Morgen werde ich dann für spektakuläre 6 Stunden oder so ins Büro fahren, weil Montag ist (also sein wird) und aber ja auch Nachmittagsaktivitäten und allgemeiner Abhol-Stress stattfinden. Wirklich keine Ahnung, wie man sowas macht, wenn man nicht nur sporadisch mal allein ist.

Immerhin kann ich mit offenem Fenster schlafen, hehehehehe.

Tag 2781 – Weiter Ferien!

Das Puzzle ist fertig, deshalb ist es auch schon so spät. Ich bin es am Ende systematisch angegangen und habe die übrigen Puzzleteile nach Form sortiert und dann nach bestimmten Teilen gesucht. Das Motiv ist sehr schön, aber das waren viele sehr gleich aussehende Teile zum Schluss. (Nicht schwarz übrigens, sondern ganz dunkles grün/blaugrün.)

Ich muss endlich das mit den Fotos fixen.

Heute habe ich aber gar nicht so viel gepuzzelt, sondern wir haben alle vier einen Ausflug nach Oslo gemacht. Michel hatte sich nämlich gewünscht, dass wir mal zum House of Nerds gehen und alte Nintendospiele ausprobieren. Das haben wir gemacht und Michel fand es auch „ein bisschen gut“, was mehr ist, als ich erwartet hatte, weil er eigentlich erst gar nicht rein wollte und dann die ganze Zeit unruhig herumtigerte, weil wir da ja nicht allein waren. Menschen! Fremde! Gruselig. Ich würd ihm da so gern helfen, aber da hilft ja nichts, außer der Erkenntnis, dass den anderen Menschen da ziemlich egal ist, wer man ist, wie man aussieht und was man macht. Wenn man nicht interagieren will, lässt man es eben, ist ja total ok. Dass wir ihn dann aber gezwungen haben, in der Mathalle sein Essen an einem Tisch, an dem auch die Jacken von zwei anderen Personen lagen (die Personen selbst waren nicht zu sehen und der Tisch auf 6-8 Personen ausgelegt und es einfach brechend voll) zu essen, war glaube ich in seinen Augen kurz vor Folter. So schnell hat er noch nie gegessen, vor lauter Angst, die Jackenbesitzenden könnten wieder kommen.

Michel weiß jetzt auch, dass Röhrenfernseher (die alten Super Nintendos und N64 kann man scheinbar nicht an moderne Fernseher anschließen) hochfrequent sirren/fiepen und findet das komplett inakzeptabel. Die Bedienung per Knopf am Gerät kam ihm auch sehr altertümlich vor. Vielleicht hätte ich noch routiniert in die Spielkassette pusten sollen, um ihn ganz aus dem Konzept zu bringen, aber ich will ihn ja auch nicht unnötig kirre machen.

Michel ist nach außen hin auffälliger seltsam als ich. Ich kriege nur Kopfschmerzen und bin nach so einem Nachmittag (Kinder, die sich völlig erratisch konstant bewegen, Pippi, die die ganze Zeit erzählt und Geräusche macht und Großstadt ist für mich keine optimale Kombination) so fertig, dass ich im Zug einschlafe. Und danach spiele ich ne Stunde lang Bach (weiterhin sehr schwer, aber es hilft, die Stücke so oft gehört zu haben, dass man sie auswendig kann) und puzzle noch anderthalb Stunden, zum Runterkommen.

Tag 2777 – Ferienkinder (und arbeitende Erwachsene).

Die Kinder haben nächste Woche Winterferien, das heißt, Michel wird wohl sehr viel PlayStation spielen (Hogwarts Legacy, das hat er seit letzter Woche und macht eigentlich wenig anderes seither) und dabei den Fernseher anschreien. In seinem braunen Pulli und ohne Hose, wie sich das für einen mittelgroßen Sesselpupser gehört. Pippi geht zum Sport-Hort, wo sie alles mögliche an Aktionen machen. Zum Beispiel, und das dürfte an einigen Orten noch mehr schockieren als dass Michel Hogwarts Legacy spielen darf, feiern sie nächsten Freitag Karneval. FREVEL!

Pippi hat heute schon den ganzen Tag mit ihrer Freundin N. verbracht, sie haben zusammen die Oma von N. besucht, was ich sehr begrüße, weil unseren Kindern im Leben ja irgendwie alte Leute total fehlen. Am Abend bekamen wir hier zwei total aufgekratzte Mädels abgeliefert (Omas scheinen auch in Norwegen die Enkelkinder gerne mit Süßkram zu füllen) und jetzt schläft N. bei uns. Das haben wir zugesagt, bevor wir erfuhren, dass N. gerne mal um halb fünf aufsteht. Aber da wir beide morgen arbeiten müssen, ist das vielleicht auch gar nicht so dramatisch? (DOCH!) Ich hoffe, sie schlafen wenigstens bis sechs… ansonsten können wir Pippi auch morgen Abend vergessen, die wird das heulende Elend, wenn sie zu wenig geschlafen hat. Jedenfalls wird Herr Rabe die Mädels dann morgen zum Sport-Hort bringen und wir fahren beide ins Büro – Michel kann auch alleine PlayStation spielen. Es wird aber ein kurzer Büro-Tag für beide von uns.

Michel hat mir aufgetragen, aus Oslo einen Tacker mitzubringen. Er hat heute im Probenraum von Herr Rabes neuem Musikkumpel nämlich einen Tacker gefunden und war hellauf begeistert, aber der Uralt-Tacker, den ich von meiner Oma geerbt hab, entspricht nicht ganz seinen Vorstellungen. Ich glaube, wir haben im Büro noch welche, die niemand braucht, falls die nicht alle weggeworfen wurden. Das Kind ist manchmal seltsam, aber wenn es einen Tacker begehrt, soll es einen Tacker bekommen.

Tag 2738 – Lieber schlafen.

Michel hat es grad irgendwie schwer. Scheinbar ist es schwierig, in der 5. Klasse zu sein. Jedenfalls wollte ich gern, dass er weiß, dass ich da bin, und so wurde aus GEH WEG!!! Vorlesen, neben ihm im Bett liegen ohne berühren, dann ein knochiger Po und Füße, die sich zu mir schoben, dann kuscheln und dann bin ich eingeschlafen. Michel wohl auch.

Naja, heute dann kein Sport, man kann nicht alles haben.

P.S. Ich möchte irgendwo beantragen können, dass mein Körper diesen Zyklus beendet. Alles tut weh und ich mag nicht mehr und mein Antrieb ist auch nicht wirklich existent.