Tag 3049 – Here we go again.

Tjanun, es geht halt mal wieder rum, wie jetzt vermutlich jeden Herbst. Michel hat Covid. Von nichts auf hohes Fieber und Kopfschmerzen im Laufe des Vormittags. Mit Fiebersenkern geht es ihm ganz ok und immer wenn er sich kurz ganz ok fühlt, steckt er sehr schnell Kalorien in sich rein. Nicht die schlechteste Idee, glaube ich. Abends hatten wir ihm angeboten, einen Film zu gucken, aber als ich ihm Bescheid sagen wollte, dass wir dann jetzt soweit seien, fand ich ihn mit Brille auf und nass geschwitzt eingeschlafen. Als ich ihm die Brille abfummelte guckte er mich kurz sehr orientierungslos an, murmelte etwas unverständliches in Richtung „Meheeeeenee! Ööhnnn.“, drehte sich um und schlief weiter. Also kein Film.

Armer Zwerg. So sehr er ja aus kleinen Wehwehchen ein Drama machen kann, wenn er richtig krank ist, macht er keins mehr und tut mir dann auch tatsächlich sehr doll leid. Da ist er auch gar kein pseudocooler Pre-Teen mehr, sondern eigentlich noch ganz klein. Seufz.

Tag 3047 – Hach.

Sie sind alle sehr lieb. Wirklich. Ich antworte auch, sobald meine rasenden Kopfschmerzen besser sind. Versprochen. Aber nach einem Tag im Büro mit der Schulsituation im Hinterkopf und auf dem Rückweg meine Gedanken und Wünsche zu dem Thema auf Norwegisch semi-geordnet aufschreibend bin ich furchtbar platt. Ich ging mich sogar zu Hause direkt hinlegen, was aber nicht half, im Gegenteil, die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Michel ist auch alle und hat sich vorhin mit Herrn Rabe angeschrien, obwohl Herr Rabe eine Engelsgeduld hat und nur bei schlimmer Provokation laut wird. Vielleicht ist auch Herr Rabe alle, auf jeden Fall ist der erkältet. Bzw. hat seine Erkältung von neulich die Etage gewechselt und sitzt jetzt nicht mehr so sehr tief und schleimig in den Bronchien sondern in den Nebenhöhlen. Wir sind alle ein müder, geschaffter Haufen. Gut dass morgen keine Schule ist, es ist ein beweglicher Ferientag.

Tag 3046 – Leider scheiße.

Das Gespräch mit Michels Lehrerin war ganz und gar nicht gut. Es ist wirklich wirklich schwierig und ich weiß, ich klinge wie so ne „aber MEIN Kind macht sowas nicht“-Mutter und kann mir vorstellen, wie Michels Verhalten in den unangenehmeren Ecken von Lehrer*innen-Twitter durchgehechelt würde und unseres gleich mit und all das macht es noch schlimmer. Ich fühle mich seit dem Gespräch, als hätte man mir den Stecker gezogen. Ich möchte mich schützend vor mein Kind werfen und ich möchte die Lehrerin anschreien, dass er SO NICHT IST, auch wenn ich sehe, wie er ist, wenn er da in der Schule ist, ABER DAS IST NICHT ER! Ich hab keine Ahnung, wie das passiert ist, aber da treten Seiten von ihm zu Tage, die sind sehr unsympathisch. Allerdings hat die Lehrerin ihrer Ansicht nach keinerlei Anteil daran. Ich finde nicht ok, dass sie sehr… herablassend und abwertend über ihn spricht, während er im Raum ist, und nehme an, seine unsympathische Maske ist 1. ein Spiegeln ihres Verhaltens und 2. ein Schutzmechanismus, um das nicht an sich heranzulassen. Ich finde von mir nicht ok, dass ich nicht sofort angesprochen habe, dass ich nicht möchte, dass sie so über und mit meinem Kind (mit egal welchem Kind) spricht. Zu meiner Verteidigung werde ich immer noch beim Gedanken daran so emotional, dass ich große Schwierigkeiten hätte, das sachlich und klar zu kommunizieren. Aber am meisten habe ich Lust, die Lehrerin nachträglich zu schütteln und ich hoffe, sie kriegt in Zukunft jedes Mal explosiven Durchfall, wenn sie sagt, ein Kind sei negativ und solle deshalb lernen, den Mund zu halten.

Das werde ich natürlich nicht sagen. Ich werde das sagen, dass ich nicht möchte, dass sie ihn so abwertet, werde sie bitten, zu versuchen, Persönlichkeit und Verhalten getrennt zu betrachten, werde sie bitten, zu sagen, welche positiven Seiten sie an ihm sieht, werde sie bitten, ihn in Momenten, wo sie sich wünscht, er würde den Mund halten, stattdessen aufzufordern, genauer zu sagen, was ihn stört und ihn dann ausreden zu lassen und ihm zuzuhören, und zu guter Letzt werde ich sie auffordern, Vorschläge zu machen was sie machen könnte, damit Situationen nicht eskalieren. Vorher. Nicht nachher.

Und ich werde nicht heulen und ich werde das Thema Klasse bestrafen weil 1 Kind Mist baut oder frech ist nicht ansprechen, weil Herr Rabe sagt, dass ich das zu wörtlich genommen habe.

Vielleicht werde ich aber, das muss ich auch mit Herrn Rabe noch mal besprechen, darum bitten, dass die Stufenkoordinatorin (die wenigstens ein bisschen Empathie für und Kenntnis über neurodiverse Kinder hat) und die Schulsozialpädagogin beim nächsten Gespräch dabei sind. Schon allein damit die viele sind, falls ich der Lehrerin doch ins Gesicht springe.

Ja, war leider wirklich richtig scheiße. Und ich muss mir das nur alle paar Wochen so direkt geben. Michel hat das jeden Tag. Ich verstehe jetzt, weshalb er sagt, Schule sei die Hölle.

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Von „Schule ist super, ich liebe alle Lehrer*innen, nur Hausaufgaben sind Scheiße“ zu „Schule an sich ist die Hölle“ in grade mal 3 Monaten. Aber hat alles nichts mit dem Verhalten der Lehrerin zu tun, sondern ist in seiner Persönlichkeit begründet. Ist klar.

Jetzt bin ich doch wieder emotional und sarkastisch geworden. Man stelle mich an den Twitter-Pranger für die überbeschützenden Eltern, die ihren kleinen Schneeflöckchen den Arsch pudern.

Hups, immer noch emotional.

Gute Nacht.

Tag 3044 – Sticheln.

Michel ärgert seine Lehrerin weiterhin. Die geht damit nicht sooo toll um und reagiert nicht soooo super erwachsen, und dann eskaliert es halt wieder. Michel erzählt mir das wenigstens relativ entspannt, was ich schamlos als Beleg unserer herausragenden Elternfähigkeiten deute. Ich sage ihm dann schon auch, dass ich nicht gut finde, dass er die Lehrerin bewusst auf die Palme bringt, und dass das dann eben bei ihr Reaktionen hervorruft, die er ja so langsam auch abschätzen können müsste, die Muster sind ja immer gleich. Zur Sicherheit gehe ich die vorhersehbaren möglichen Reaktionen dann noch mal für ihn durch. Aber wir bestrafen ihn da nicht, das finden ich und Herr Rabe nicht zielführend. Konsequenzen sind noch mal was anderes, aber wir können ja keine logischen Konsequenzen für Dinge, die in der Schule passieren, durchsetzen. Aber Mittwoch in das Elterngespräch mit der Lehrerin möchte ich schon gerne einen Boxsack oder so mitnehmen, für alle Beteiligten. Ich glaube nämlich auch, dass die Lehrerin das mit Konsequenzen und Strafen komplett anders sieht.

Tag 3041 und 3042 – Shopping.

Gestern war Nix. Ich habe Hogwarts fertig gebaut (gut, aber auch ein bisschen doof, weil was baue ich denn jetzt? Puzzeln geht nicht, der Tisch ist voller Lego). Der Lieblingskollege hat Covid (doof) redet aber wieder mit mir (gut). Michel hat nicht die Lehrerin angeschrien (gut). Ich habe abends eine Master Class zu Vivaldi angeschaut und bemerkt, dass ich leider eine komische Version runtergeladen hatte. Habe jetzt eine, die richtig(er) ist. Zumindest entspricht sie dem, was in der Master Class besprochen wurde. Vivaldi selbst kann man ja schlecht fragen.

Heute waren wir mit den Kindern Wintersachen kaufen. Das war eigentlich ok, aber anstrengend wie Sau, weil Shoppingcenter halt Shoppingcenter sind und ich wahrscheinlich nie einsehe, dass ich da kaum eine Hilfe bin, sondern eher so ein überforderter Klotz an Herrn Rabes Bein. Am besten geht es noch, wenn ich einen konkreten Auftrag habe, wie „diese Hose in 146 finden“. Aber „wir brauchen eine Jacke“, uff. Heute war viel „Wir brauchen Jacken, Wollsocken und Handschuhe“. Irgendwann musste Pippi aufs Klo, Herr Rabe machte einen zielstrebigen Eindruck, wir rannten alle hinter ihm her, Michel mir einen Knopf an die Backe labernd, ein Kleinkind bekam irgendwo nicht was es wollte und eskalierte lautstark, und Herr Rabe sehr plötzlich sichtlich gestresst so „RENANA hast du ein Klo gesehen?“. Da ging mein Gehirn einfach aus und aus meinem Mund kam nur Näää. Zu viel Input, kein Output möglich. Die Antwort wäre „Nein“ gewesen, möglicherweise mit dem Nachsatz „Ich dachte, du weißt, wo du hinläufst“. Pfft, Klo, ich hab nach dem Einkaufen nicht mal unser eigenes Auto gefunden! Orientierungssinn, eh schon nicht toll, geht auch immer als erstes kaputt. Tja. (Vielleicht ist das wie wenn einem Zehen abfrieren. Unwichtige kognitive Prozesse werden bei Stress als erstes abgeschaltet.)

Wir fanden dann doch recht schnell ein Klo, aßen ungesunden, aber nicht überraschenden Kram beim Restaurant Zur Goldenen Möwe und fuhren zurück. Philip Glass‘ ewige Arpeggios holten mich im Auto so weit wieder runter, dass ich kurz eindöste, während Herr Rabe durch das klebrig-nasse Schneetreiben fahren musste. Das Auto hat nämlich auch sofort keinen Orientierungssinn mehr, sobald es schneit, denn dann sind die Sensoren vereist. Den Rest der Anspannung erledigte Vivaldi (die neu runtergeladene Version) und ein Spaziergang.

Das nächste mal nehme ich Herrn Rabes Angebot, zu Hause zu bleiben, lieber an.

Tag 3040 – Sorgen, große und kleine.

Oder bei Großen und Kleinen. Michel rasselt immer wieder mit seiner neuen Lehrerin aneinander. Ich bin heute mit einer Ärztin aneinander gerasselt. Es führt bei uns beiden zu ähnlichen Reaktionen: erst Wut, dann Tränen und zum Schluss einem Hyperfokus darauf, der Gegenseite zu beweisen, dass man Recht hat.

Michel macht das schon echt gut und kann, wenn Wut und Tränen einigermaßen unter Kontrolle gebracht sind, sehr gut ausdrücken, was ihn stört und warum. Und was er mir heute erzählt hat – ja gut. Das würde mich auch sehr irritieren. Das habe ich in der Deutlichkeit nicht zu Michel gesagt, sondern erst mal nur seine Wahrnehmung und seine Gefühle validiert und ihm erklärt, dass auch Erwachsene, selbst wenn sie „auf eine Schule gegangen sind, wo man lernt, Lehrer zu sein“, wie er es ausdrückte, manche Dinge noch lernen müssen und man ihr die Chance schon auch geben muss. Das beinhaltet natürlich aber auch, dass man auf einer sachlichen Ebene kommuniziert, was zu Konflikten geführt hat. Ich hoffe, Michel kriegt das auch hin (und zündet nicht einfach alles an). Und dann hoffe ich noch mehr, dass die Lehrerin vernünftig und wie eine erwachsene Person reagiert.

Von der Ärztin erwarte ich beim nächsten mal einfach Quellenkritik, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch mal zu der hingehe, ist aus meiner Sicht grad eher gering. Es ist sehr schön, erwachsen zu sein. Da kann man sich zumindest bei bestimmten Personen aussuchen, ob man mit ihnen Kontakt haben will oder nicht. Recht habe ich trotzdem, im Gegensatz zu ihr verlasse ich mich nämlich nicht auf bunte Broschüren sondern lese Beipackzettel SPCs (die ausführliche Version des Beipackzettels für Gesundheitspersonal und speziell Interessierte).

Als Erwachsene kann man sich außerdem nach dem Tanzen selbst und ohne fragen müssen ein Eis kaufen, dem Geigenlehrer sagen, dass man Bach grad sehr scheiße findet und der Ballettlehrerin, dass Kostüme, die den Po nur unzureichend bedecken, nicht in die Tüte kommen. Es ist ja wirklich auch nicht alles schlecht.

Tag 3037 und 3038 – In fremden Betten.

Morgens, viertel nach sieben in Norwegen, ein dunkles Zimmer, ein Wecker klingelt und wird ausgestellt. Kinderstimme: „Warum liegst du da, Mama?“ „Weil Papa so hustet, da kann ich nicht schlafen. Und hier war Platz und dein Gästebett bezogen*.“ „Das ist schon ok, du darfst da liegen.“ „Danke.“ „… Ist Papa traurig, dass du bei mir geschlafen hast?“ „Das weiß ich nicht, das musst du Papa fragen.“ „Ich finde schön, dass du hier liegst. Du kannst das öfter machen. Ich bin ja schon ein bisschen zu groß, um in euer Bett zu kommen, wenn ich schlecht träume. Aber so bin ich nicht alleine!“

Gut, ich habe also eventuell meinem mindestens todkranken Ehemann das Herz gebrochen, aber dafür meine Tochter sehr glücklich gemacht. Man kann nicht alles haben, ne? (Ich wollte echt nur schlafen, das war in der Nacht davor viel zu kurz gekommen.)

Ansonsten tut mir alles weh. Der Rücken weil ich alt bin oder so, ich hab’s seit Tagen im Kreuz. Es ist aber die Sorte Schmerz, die durch Bewegung besser wird, deshalb tun mir auch noch die Arme weh, weil ich die Arme, Schultern (die rechte Schulter tat letzte Woche wieder mal weh) und den oberen Rücken gestern trainiert habe. Der linke Arm tut extra weh, der ist nämlich obendrein ein Impfarm (seit gestern). Dieses Mal war ich schlauer und habe davor trainiert und nicht danach. Heute das Ballett half gegen die Rückenschmerzen enorm gut, bis die großen Sprünge kamen und alles mit dem Arsch wieder runter rissen. Tja, dann schlafe ich halt auch mit meinem wollenen Rückenwärmer an. Der verwächst wahrscheinlich bald einfach mit mir.

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*mit Peppa Pig-Bettwäsche, aber trotzdem besser als das Sofa. Mit Rückenschmerzen. Hurz.

Tag 3036 – Bis irgendwann, tschüssi und hallo.

First things first: Michel ist wieder da und er hatte ein gutes Wochenende. Herr Rabe ist krank, hat aber kein Covid. Pippi hat inzwischen ein ganzes Papierhaus für ihr Papierfigürchen gebastelt und füllt das mit einem kompletten Haushalt voller Papiergegenstände. Es würde mich nicht verwundern, wenn sie demnächst einen winzigen Papier-Stabmixer oder eine Papier-Weichspülerflasche* bastelt.

Ansonsten hatte ich heute Geigenstunde und habe meinem Lehrer mutig mein Leid geklagt und gesagt, ich brauche eine Pause von dem Sch*** Bach Presto, weil ich es inzwischen ein bisschen hasse und das nicht gut ist für das Problem, was macht, dass ich es hasse: stellenweise sehr angespannte linke Hand (Weils halt auch einfach sehr seltsam und unbequem ist von den Fingersätzen her und dabei in gnadenlos immer gleichem, schnellem Tempo ohne Pause. Und das ist noch eins der eher einfacheren Stücke. Bach hat wahrscheinlich ganz einfach Musiker*Innen gehasst.) die ich nach dem Stück, wenn ich denn mal ganz durch komme, ausschütteln muss und die sich dann anfühlt, als sei ich auf den Fingern einen Kilometer gesprintet. Ich glaube das soll nicht so. Der Lehrer war darin sehr einig und ich mache jetzt eine kleine Bach-Pause. Mein anderes Stück, Chanson Triste, habe ich in den letzten zwei Wochen soweit poliert, dass ich zufrieden war (und bekanntlich will das was heißen) und in der Stunde habe ich dann noch den Entscheidenden Letzten Tipp(TM) bekommen. Danach habe ich es noch ein Mal gespielt (und den Tipp umgesetzt) und dann meinte der Lehrer sinngemäß, gut, reicht, fertig damit. Tchaikovsky wandert also in die Schublade**. Dvorak Humoresque hatte ich mir vor zwei Wochen ausgesucht, als Kontrast zu sowohl Tchaikovsky als auch Bach. Das ist fast ein bisschen einfach und der Lehrer war heute schon ziemlich happy damit, ein paar Kleinigkeiten noch, aber ich kann ja nicht nur das üben, da langweile ich mich ja zu Tode, also drucke ich morgen neue Noten aus und gehe zurück zu Vivaldi, Violinkonzert, diesmal in a-Moll. Hurra. Neues Futter.

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*Nicht dass Sie jetzt sonstwas von uns denken: der Weichspüler sammelt bei uns immer sehr viel Staub, weil wir den nur für zwei der Sofadecken benutzen. Die waschen wir so… zwei mal im Jahr vielleicht? Oder wenn irgendwas ist eben, was drauf ausgelaufen oder so. Alles andere wird ohne Weichspüler gewaschen. Handtücher kommen für den Flauschfaktor in den Trockner.

**Oder, mal sehen. Ich kann das ja nicht einfach so weglegen. Und ich ärgere mich darüber, dass insbesondere YouTube scheinbar voll ist von Menschen, die eigentlich auf viel höherem Niveau spielen (Lehrpersonen z.B.), die dann „Schüler*innen-Stücke“ spielen. Nichts daran ist relatable für mich, ehrlich gesagt. Also, ja, nett, dass ich mir 26 Versionen zwischen super und perfekt anhören kann, aber ich hätte gerne mehr normale Leute, die halt auf dem Niveau sind, dass die Stücke noch eine Herausforderung darstellen und wo man das auch sieht und hört. Und dass man auch deutlich über 6 Jahre alt sein kann und das trotzdem nicht so aus dem Ärmel schüttelt. Kinder sind nämlich die einzigen, die man so findet, bei denen deutlich ist, dass sie noch lernen. Ich muss das mal überlegen, was ich damit mache. Bei Gelegenheit.

Tag 3032 und 3033 – News vom IT-Projekt.

Kurz erklärt: weiterhin alle komplett bekloppt da. Wenn ich (ich!) schon Wogen glätte, damit Leute sich nicht in Gruppenchats an die Gurgel gehen, sind Dinge definitiv entgleist.

Ansonsten hab ich bei der Arbeit tatsächlich durch Gemecker positive Entwicklungen bewirkt. Hilft nur nicht gegen den Frust, der sich einstellte, als ich gestern das Ergebnis der Gehaltsverhandlungen erfahren habe, denn in meinem Fall ist das – wieder – ein schlechter Witz, was dabei rausgekommen ist.

Zu Hause ist alles wie immer, das eine Kind schreit den Computer an (bzw. sein Telefon, wo er mit seinem Kumpel spricht, nur dass sie bei der Lautstärke eigentlich gar kein Telefon bräuchten) und das andere Kind bastelt sehr fitzelige und detailreiche Spielzeuge aus Papier, kleine Figürchen mit ihren eigenen winzigen Zahnbürsten, Schlafmasken und Bubble-Tea-Bechern, mit Schuhen zum Wechseln und einem Bett zum drin schlafen. Natürlich kann man alles abnehmen und miteinander kombinieren, wie bei diesen Anzieh-Bildchen aus Pappe früher, nur viel kleiner und mit viel mehr Kram. Wir finden nach so Bastelexzessen manchmal kleine Artefakte und freuen uns.

Morgen ist den ganzen Tag und bis abends soziales HalliGalli bei und mit der Arbeit, vielleicht kann ich deshalb zur Vorbereitung schon mal nicht schlafen. Es wird schon gehen, schon klar, ich habe auch bereits Maßnahmen(TM) angekündigt, damit ich nicht hinterher (wieder) komplett tot bin, aber Lust habe ich offen gestanden nicht darauf. Einfach gar nicht.

Tag 3028 – Gemischtes.

Die Kinder hatten heute Korpsseminar, das war natürlich im Vorhinein Kinderfolter und hinterher aber super gut. Ich beantworte Michels Fragen „warum muss ich [Aktivität] machen?“ inzwischen meist nur noch mit „weil wir Monster sind“ und hoffe, dass er es bevorzugt zeitnah, spätestens aber so in 20 Jahren versteht. Über was soll er denn auch sonst in seiner Therapie reden?

Pippi ging nach dem Korpsseminar zur Halloweenparty der Tanzschule. Ich schminkte sie dafür, sie wollte das Gesicht weiß und die Augen schwarz, aber „nur so Striche, wie Erwachsenenschminke“, und die Lippen schwarz. Wann ist mein Baby denn so groß geworden? Aber dafür hier noch eine Perle, die sie im Schminkprozess äußerte: „Mama, das ist nicht schlimm, wenn du was falsch machst, dann sieht man, dass es selbst gemacht ist.“*

Kann man im Internet posten, da Kind nicht wirklich erkennbar.

Die Party war super und Pippi sehr zufrieden mit ihrem Tag.

Ich war, nachdem ich Pippi bei der Party abgeliefert hatte, noch kurz einkaufen und habe gruselige Gemüsepreise gefunden.

72 Kronen für ein Kilo Sellerieknolle?!?

Das sind über 6€ für… Sellerie. Ich dachte bisher immer, Sellerie sei eins dieser Wurzelgemüse, die sich auch in Norwegen gut anbauen lassen und deshalb quasi nichts kosten. Der hier ist ja auch von hier. Verkniffen hab ich ihn mir dann trotzdem, so dringend muss der dann doch nicht in die Bolognesesauce.

Ansonsten habe ich die traurige Nachricht zu vermelden, dass Pølse heute abgeholt wurde. Das war nicht so einfach für mich, weshalb ich es bis fünf Minuten vorher ignorierte und hinterher ziemlich durch den Wind war. Jetzt haben wir also gar keine Haustiere mehr.

Am Vormittag habe ich außerdem sichtbar gedacht und muss jetzt Michel schonend beibringen, dass wir keine Schildkröte(n) anschaffen werden. Auch wenn die cool sind. Ich kann und will nicht leisten, was Schildkröten brauchen und die haben es in Griechenland wesentlich besser als hier, selbst wenn wir uns ein Bein dafür ausreißen. Es ist ja immer noch Norwegen hier, wir können kein Tier haben, das zwar draußen wohnen soll, aber bei unter 15 Grad in Winterruhe geht. Das würde ja von spätestens Ende September bis frühestens Anfang Mai im Kühlschrank wohnen müssen. Neenee. Nope. Einfach nein.

All das… ein bisschen viel. Eine muss viel Lego bauen um das auszugleichen.

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*jaha, nämlich nicht wie so Industrieschminke, die man am Fließband ins Gesicht gestempelt kriegt! Bei der sind zwar die Augen symmetrisch, aber dafür war meins mit Liebe gemacht!