Tag 750 – „Mama?…

… warum bist du so traurig?“ 

„Ach, weil mein Chef blöd ist.“

„Warum ist der blöd?“

„Weil der will, dass ich noch mehr arbeite, dabei arbeite ich doch schon so viel und mehr kann ich nicht.“

„Hmm. Das verstehe ich… Willst du einen neuen Chef haben?“

„Chrchrchr, ja, ich hätte sehr gerne einen neuen Chef.“

„Oder vielleicht gar keinen Chef?“

„Nee, einfach einen anderen.“

„Ja. Einen, der dich nicht stört in deinem Büro.“

Tag 742 – Fauler Sonntag und Erklärung. 

Wir haben heute den ganzen Tag quasi nix gemacht, war auch mal schön. (Echt sehr, vor allem hatte ich mal wieder ein bisschen Zeit mit Michel alleine, das passiert selten und ist… wunderbar. Was er mit einem Mal alles so erzählt! Zum Beispiel, dass er Pippis Geschrei nicht gut haben kann, weil er dann nichts machen kann, sich aber verantwortlich fühlt. Er ist ja der große Bruder. Das nervt dann. Das löste bei mir so eine Mischung aus Ach! und Oh je! aus, die ich ihm hoffentlich verständlich gemacht habe. Dass es nämlich natürlich nicht seine Verantwortung ist, Pippi zu beruhigen und dass es uns auch nervt, wenn sie krank ist und nur brüllt und getragen werden will. Aber wir können da ja auch nichts machen, nur uns aufteilen und einer ist für Michel da, einer lässt sich anbrüllen.)

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Gestern stolperte ich bei meinen Recherchen zum komischen Western Blot* über einen kürzlich veröffentlichten Artikel zu einem Protein, über das ich *hust* grad ziemlich viel weiß, weil ich *hust* ja auch daran herumforsche und *hust, hust* grade erst viel Zeug darüber gelesen und geschrieben habe. Das Protein macht bestimmte Arten von DNA-Veränderungen rückgängig, nämlich Methylierungen an bestimmten Positionen an bestimmten Basen (Aas et al. 2003, Falnes et al. 2002, und so weiter und so fort). Einer der reparierten Schäden ist Methylierung an der N3-Position von Cytosin (3meC). Diese Base würde, wenn sie unrepariert bliebe, mutagen wirken. Das Enzym von dem wir hier reden, macht die Methylierung einfach** ab, dann ist da wieder ein normales C und alle sind happy. Die Fieschergruppe, die den gestern von mir entdeckten Artikel geschrieben hat, hat nun herausgefunden, dass das Gen für das Enzym, das 3meC repariert, bei manchen Brustkrebspatientinnen*** vom Tumor still gelegt wird, durch epigenetische Promoter-Methylierung an der C5-Position von Cytosin. Solche Methylierungen sitzen am Anfang eines Gens und machen, dass das Gen nicht mehr abgelesen werden kann, das heißt, es wird kein Protein mehr nach diesem Gen hergestellt. Die Zelle hat also kein Enzym mehr, das 3meC repariert, also sammelt sich 3meC im Genom an und wirk,t ja genau, mutagen. Krebszellen mutieren die ganze Zeit, weil bei denen viele solcher Reperaturmechanismen völlig aus den Fugen geraten, entweder werden die abgestellt oder einzelne Teile total hochgefahren, sodass sich (mutagene) Zwischenprodukte ansammeln und, ach, also am Ende hat man halt Krebs, ne? Die Arschlochkrankheit, die öfter als nicht gegen Therapien resistent wird, weil sie eben dauernd mutiert. Entsprechend fand die Gruppe mit dem Artikel auch, dass eine starke Promotermethylierung für dieses Reperaturenzym mit einer schlechten Prognose einhergeht. So weit, so gut. 

Und dann kam der Punkt, an dem ich herzlichst lachen musste. Nämlich der Punkt, an dem sie 3meC in Zellen „quantifiziert“ haben. Per… Immunfluoreszenz.

Exkurs: Immunfluoreszenz. Man hat Zellen, hier Krebszellen, die züchtet man direkt auf nem Objektträger. Dann fixiert man die da drauf, dann sind sie sozusagen wie eingefroren, die einzelnen Bestandteile sind alle noch da, wo sie sein sollen, sehen auch (mehr oder minder) auf molekularer Ebene noch normal aus, aber bewegen sich nicht mehr. So sind die Zellen auch einigermaßen haltbar. Dann kann man einzelne Bestandteile der Zellen anfärben, dazu nimmt man erst einen Antikörper, der genau das**** erkennt, was man sehen will, also zum Beispiel ein einzelnes Protein. Oder 3meC. Der Antikörper kann dann wiederum mit einem anderen Antikörper, der fluoreszenzmarkiert ist, sichtbar gemacht werden. Man hat dann also *Ding, was ich sehen will*-Antikörper1-Antikörper2-Fluoreszenztag. Die Markierung kann dann mit einem speziellen Mikroskop mit allerlei Lasern und Filtern und Tralala sichtbar gemacht werden. In der Zelle. Und wenn man das geschickt kombiniert, kann man durchaus mehrere Dinge gleichzeitig anfärben, also zum Beispiel zwei Proteine, die vermutlich interagieren, und vielleicht noch ein Compartment*****, in dem sie das vermutlich tun. Dann beleuchtet man eine Zelle – die gleiche! – mit verschiedenen Wellenlängen und schaut durch die verschiedenen Filter und kann dann sehen, ob die Proteine immer an derselben Stelle sind, oder immer da sind, wo das Compartment ist. Klingt easy, kann manch einer aber auch nach neun Monaten völlig verkacken. 

Ja, da konnte ich nicht mehr. Denn, was auch immer die da gesehen haben, es war nicht 3meC. Oder nicht nur. 

Denn es ist so: ich habe *alle* verschissenen  Antikörper gegen 3meC, die man kaufen kann, in meinem Gefrierfach. Und sie funktionieren alle nicht. Die Firmen behaupten das zwar, aber: die sind alle nicht spezifisch. Die erkennen nämlich alle auch – hauptsächlich! – 5meC. Ich nehme an, dass die das mit reinen Basen testen, und dann einen Dot-Blot machen: also einmal nur 5meC und einmal nur 3meC auf eine Membran tropfen und dann mit dem Antikörper drüberwaschen, um zu gucken, welche von den Spezies erkannt wird. Und auf diesen Blots ist dann alles hübsch, es wird nur 3meC erkannt, Hurra, schreib 400 USD pro 10 Mikrogramm dran. In echt, im Genom, in einer Zelle, sieht der Kontext aber natürlich ganz anders aus. 3meC zum Beispiel ist unfassbar selten. Selbst wenn die Krebszellen dann, sagen wir mal, das Zehnfache ansammeln, ist es immernoch total selten. 5meC ist total häufig. Wir reden hier über einen Unterschied von hundert- bis tausendmal so viel 5meC, wie 3meC******. Schon allein deshalb ist es nicht plausibel, dass deren Zellen bei 3meC-Detektierung so dermaßen doll leuchten. Außerdem ist 3meC etwas „versteckt“ in der DNA-Struktur, während 5meC eher prominent außen dran sitzt. Das alles macht einen Riesenunterschied, wenn man komplette, klein geheckselte Genome auf den angeblich 3meC-spezifischen Antikörper haut. So wie ich das gemacht habe. Ich bekam *nur* 5meC. 3meC war nicht detektierbar, so wenig war das. Und das mehrmals. Das was da also leuchtet, das ist 5meC. Vielleicht auch ein minibisschen 3meC. Aber das meiste, sorry, ist 5meC. Weshalb der Vergleich mit den unteren Bildern, wo 5meC zu sehen sein soll, auch sinnlos ist, weil, naja, also 5meC ist auch da, wo 5meC ist, na so eine Überraschung aber auch. 

Aber die lustigen Menschen mit dem Artikel, die glauben das echt. Niedlich.*******

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*Membran mit Proteinen drauf. Es fing an mit Southern Blot – Membran mit DNA drauf, benannt nach Herrn Southern, dem Erfinder. Dann war wer voll witzig und nannte seine Membran mit RNA drauf „Northern Blot“ und dann ist das alles etwas eskaliert. KEIN WITZ.

**natürlich ist es nicht so einfach, aber den Vortrag dazu geb ich mir für die Defense auf. 

***generisches Femininum, und ja, ich weiß, dass auch Männer Brustkrebs bekommen können. 

**** genau das, nur das, aber das bitte auch immer. Das kommt einem Lottogewinn gleich, wenn man so einen Antikörper auf Anhieb findet. 

*****Zellteil, Organell, Manchmal auch nur kleine Minibubbels oder so. Ich gucke nach minibubbels. 

******seriöse Leute wie wir *hust* messen sowas per quantitativer Massenspektrometrie. Und nach drölfzig Messungen kann man die groben Zahlen dann auch auswendig. 

*******Nur: was mache ich jetzt? Das Journal anrufen und in den Hörer lachen? Den corresponding Author anrufen und ihm anbieten, 3meC in seinen Proben zu quantifizieren (also das würde dann wohl nicht ich machen, sondern die Core Facility, aber die freut sich auch über das Geld)? Nüx? 

Tag 741 – Piep. 

Ich habe zwar nichts bahnbrechendes zu sagen heute, aber ich muss nach dem Gemecker von gestern doch loswerden, dass es mir viel besser geht, die Heuli-/Aggressionsphase ist weg. Wie immer beim PMS bei mir, es geht halt nur einen Tag. Aber dafür so stark, dass es langsam mehr als nervt. 

Ansonsten… war nicht viel heute, sorry. Naja, ich war arbeiten und weiß jetzt, dass mein Antikörper eigentlich ganz gut funktioniert, uneigentlich aber ein bisschen was von irgendwas detektiert, was ich nicht so genau weiß, was es ist. Wir hatten Besuch von Michels bestem Freund, das war… ganz ok, aber man merkt halt, dass er wegen des Schulanfangs echt durch ist. Weshalb dann auch Michel nach dem Besuch erstmal wegen Nix* einen Heulanfall haben musste. Pippi hat schon wieder Fieber und sonst nix. Ich habe nach dem sensationellen Erfolg der Zimtschneckenwaffeln vom letzten Wochenende heute Pizzaschnecken im Waffeleisen gemacht und das war auch leider geil. 

Das übliche halt. Nur mit Brötchen und Eis**. 

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*Herr Rabe hat bei einem von fünf Klebetattoos vergessen, die Plastikfolie abzuziehen, das Tattoo klebte dann an der Folie  statt am Arm. WELTUNTERGANG!

**Brötchen gibt es Samstags und Sonntags, Eis Freitags und Samstags. 

Tag 737 – Nur schnell Hallo sagen.

Hallo!

(Ich muss ins Bett, Pippi meckert, die möchte glaube ich gerne Gesellschaft haben, nachdem sie heute im Kindergarten von der Schaukel gefallen ist und sich derbe auf die Zunge gebissen hat. Also so, dass es sichtbare Bissspuren auf ihrer Zunge hinterlassen hat und sie leider beim Essen von wirklich allem trotz Riesenhunger nach ein paar Sekunden anfing zu weinen. Dieses Kind kann ja unfassbar vorwurfsvoll (dass wir ihr das antun! Essen! Also bitte!) und enttäuscht (Essen ist doch ihr bester Freund und ihre Lieblingsbeschäftigung!) gucken, es ist fast niedlich, wenn es nicht so offensichtlich wäre, dass sie wirklich große Schmerzen hat. Ich setze auf das gute Heilfleisch von Kindern generell und im Mund insbesondere, das sollte morgen schon viel besser gehen. Aber irgendwie ist gerade bei vielen Kindern der Wurm ein bisschen drin – Michel ist im Moment oft sehr wütend und auch sein bester Kumpel, zu dem er heute nach dem Kindergarten mitgehen sollte, ist nach den ersten zwei Wochen Schule, was hier ja nicht mit Schule anfängt, sondern mit Hort, etwas… durch. Weshalb auch heute das Treffen dann in letzter Minute geplatzt ist. Weshalb Michel dann bei einem anderen Kumpel war. Äh. Alles wirr. Andere Geschichte, aber related: wenn ich es morgens nicht schaffe, mich zu schminken, bevor die Kinder wach sind, liefere ich am Ende zwei glitzernde Kinder im Kindergarten ab. Weil „Ohhhh, Mama, was hast du da? Ist das so Glitzer? Mit GOLD? Ich will das auch! Und so Wimpern-schwarz! Und die Haare müssen so schick* sein!“. Naja und auf die Wutausbrüche kann ich morgens echt verzichten und wenn dann Michel glitzert dann muss natürlich Pippi auch und… tjanun. Hübsche Kinder wie meine können halt auch alles tragen ;) 

Vor allem mit Zahnpasta im Gesicht 😂


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* Heute: Rockabilly-Tolle. Hatte er sich so ausgedacht und mit Wasser in Form gekämmt, ich hab dann mit ein bisschen Wachs für einen etwas dauerhafteren Stand gesorgt, es sah einfach zu bezaubernd aus.)

Tag 731* – Schrumplige Käfer.

Die zweisprachig aufgewachsenen Kinder reden ja mitunter lustiges Zeug. Also Pippi redet ja eh noch nicht so wirklich viel und das meiste, was sie sagt, sind unsere Phrasen: „Michel, komm etz, Ähnepussäään!“, „Nein, hier lang!“, „Au‘ gehts!“ und „Tüüühüüss! Bis glaaahaaaiich!“. Dann kann sie noch (sehr, sehr gut) alle Varianten von „Pippi sin“/“Meins“ und „Haben! HAAABÄÄÄÄÄÄÄN!“, plus Zeug, dass sie von Michel gelernt hat, wie „Ollääis!“ (Cornflakes), „Klo!“, „Lumpe“ (prompe = pupsen) und (!) „Bittäää!“. Und „Bebi lafen, chchchchrrr pschschsch!“, dazu wird ihre Puppe oder irgendein Bärchen ziemlich unsanft aufs Sofa gedrückt und oft auch mit einem Tuch erstickt zugedeckt. Sonst redet sie nicht viel, aber wozu auch, sie kommt ja gut zurecht.

Michel hingegen redet umso mehr, phasenweise vom Aufwachen bis zum Einschlafen nonstop, sodass uns irgendwann die Ohren bluten. Aber auch außerhalb dieser Extremphasen ist er ein gesprächiges und geselliges Kind, das auch gerne fremden oder halb fremden Menschen den einen oder anderen Schwank aus seiner Jugend erzählt. Manchmal führt das halt aufgrund der zwei Sprachen zu lustigen Misverständnissen und kreativen Übersetzungen, Verhörer tun ihr übriges. Heute zum Beispiel machten wir Sandwiches, dazu hat unser Toaster so eine Art Klammer, da kommt das Sandwich rein, wird zusammengequetscht und dann damit in den Toaster geschoben. 

Michel: „Was ist das für ein Ding, Mama?“

Ich: „Das ist wie so ein Käfig, damit kommt das Toast da in den Toaster.“

Michel: „Ich will auch ein Toaster-Käfer! Kann ich auch ein Toaster-Käfer haben?“

Oder neulich, als es im Auto von der Rückbank ohne irgendeine Überleitung schallte: „Ich kann jetzt malen, ohne schrumpeln. Jetzt kann ich zur Schule gehen.“** Es brauchte eine ganze Weile, bis mir klar wurde was er meint: „Michel, du meinst ‚übermalen‘. ‚Skumple‘ heißt auf deutsch ‚übermalen‘. ‚Schrumpeln‘ ist… was ganz anderes.“ 

Aber mal ehrlich: es ist schon einfach niedlich so. Ich will’s nicht anders haben.

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*365 + 366 = 731, das hat mich ja letztes Jahr schon verwirrt, aber nein, ich habe das nachgeschaut: morgen ist Bloggeburtstag. Ganz sicher.

**Das mit dem „Zur Schule gehen“ ist grade ein ganz großes Thema und auch für ihn nicht ohne, aber das muss ich mal gesondert ausführen.

Tag 713 – Zwei Jahre. 

Meine liebe kleine Pippimaus,

Jetzt bist du schon zwei Jahre alt. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Eigentlich warst du gestern noch ein neugeborenes Minibaby, und vor fünf Minuten hab ich dich noch gestillt. Jetzt bist du so groß! Und so klein. Und so groß! (Wenn man sagt „bist du groß?“ reißt du übrigens die Hände nach oben und schreist „Jaaaaa!“, das ist sehr niedlich.)

Eine typische Unterhaltung mit dir ist ungefähr so:

„Pippi? Hörst du bitte auf, Sand zu essen?“ – „Nein.“

„Hörst du jetzt auf, Sand zu essen?“ – „Nein!“

„Hör jetzt auf, Sand zu essen!“ – „NEIN!!! *streckt Zunge raus und prustet – wie ein Minion*“

Du weißt was du willst. Immer. Du willst Sand essen und keine Eltern der Welt werden dich davon abhalten. Du willst keine Windel anziehen, oder das T-Shirt nicht, dafür den Schlafanzug. Die Schuhe müssen so rum. Du willst aufs Klo, drei mal in fünf Minuten. Auf der Nudel ist zu viel Ketchup. Wie, nur drei Mausclips? Nicht mit Pippi!

Meistens bin ich wegen deinem kleinen, hübschen Dickkopf sehr sehr stolz auf dich. Manchmal macht es mich auch ein kleines bisschen wahnsinnig, zum Beispiel wenn du, wie heute, nicht einschlafen willst. Aber dann, irgendwann, liegst du zusammengerollt im neben dem Bett und schläfst und seufzt manchmal „Hand, Mama“ und dann ist auch schon wieder fast alles vergessen. Und dann sehe ich da nur dich, und ich denke, es passt schon. Du willst viel mehr selbst bestimmen und kannst auch viel mehr selbst bestimmen, als ich das von deinem Bruder gewohnt bin. 

Überhaupt, dein Bruder. Dein größter Held. Du willst, was er hat, isst, tut. Manchmal macht ihr Quatsch zusammen. Dann platzt mein Herz. Er hat dich sehr lieb, das zeigt und sagt er auch ganz offen. Trotzdem gehst du ihm natürlich ganz oft ganz schön auf den Zeiger, wenn du ihm wieder irgendwas wegnimmst oder seine Zugbahn kaputt machst. Dabei willst du doch auch nur damit spielen. Dann ist das Geschrei auf beiden Seiten groß. Im Gegensatz zu dir würde er dich aber nicht hauen ;)

Wenn du mit anderen Kindern zusammen bist, bist du ein kleiner Clown. Der vermutlich niedlichste Clown aller Zeiten. Die „großen“ Kinder im Kindergarten sind dir allesamt verfallen, was mich unglaublich erleichtert, weil ich nach der grauenvollen Eingewöhnung vor knapp einem Jahr wirklich Angst hatte, dass niemand ein Kind mag, das den ganzen Tag motzt und brüllt und an der Erzieherin klebt. Aber nein, seit du da wirklich angekommen bist, nennen sie dich „Søtnos“ und wollen dich auf ihre viertenfünftensechsten Geburtstage einladen. M. möchte eine kleine Schwester, die ist wie du, also genau so. Eine Kopie. Du magst auch die größeren Kinder und jedes mal, wenn es an der Tür klingelt, rufst du freudestrahlend den Namen von Michels bestem Kumpel.

Du liebst es zu singen und zu tanzen und ich glaube in deinem kleinen Kopf geht viel mehr vor, als du verbal ausdrücken kannst.   Ich freue mich wirklich darauf, wenn du mehr sprechen kannst, dein Sturkopf und deine Niedlichkeit verheißen wunderbare Kleinkind-Diskussionen. Und später, ganz sicher, auch noch Großkind-Diskussionen.

Bei allem Wunsch des größer-Werdens möchte ich doch vor allem eins: dass du dir dein Wesen bewahrst. Meine große, kleine, willensstarke, schlaue, quatschige Rübennase. 

Ich hab dich lieb.

Deine Mama

Nur echt mit Rotznase und Erdbeerflecken. <3

Tag 712 – Ein paar Gedanken.

Die letzten zwei Wochen waren ja mehr oder minder verrückt. Eigentlich die letzten fünf, und eigentlich sogar das ganze letzte halbe Jahr, aber ich wollte doch mal die letzten zwei Wochen irgendwie gefühlsmäßig sortieren. Das wird vielleicht etwas wirr, wie eben auch die letzten Wochen waren.

Also das erste: direkt nach ner Stressphase in den Urlaub starten ist gleichzeitig sehr schlau und unfassbar dämlich. Auf der Con-Seite ist da vor allem die zeitliche Unmöglichkeit, Dinge vernünftig vorzubereiten. Wenn man sowas dann nicht auf den letzten Drücker erledigt bekommt oder allzu hochtrabende Pläne notfalls einfach fahren lassen kann, sollte man das lassen. Auf der Pro-Seite ist da aber die Deadline: Bis daundda muss alles fertig sein, UND DANN IST URLAUB. Muss man der Typ für sein, denke ich. Ich bin der Typ für sowas, das reduziert aber den damit verbundenen Stress nicht wirklich.

Dann: Leute aus dem Internet in echt kennen lernen ist ne ganz großartige Sache. Alle, die ich getroffen habe, sind in echt genau so, wie ich sie mir anhand von Tweets und Blogs und DMs (und Skype und Hangout und Telefon…) vorgestellt hatte. Außer Frau Brüllen. Die ist ein bisschen größer ;)

Dann ist auch noch so eine Sache, und das mag jetzt überraschend für Sie sein, aber: ich bin gar nicht so ne schlechte Mutter. Ich war eine sehr sehr gestresste Mutter, die sehr wenig Zeit für ihre Kinder hatte und so gefalle ich mir nicht, das macht mich dünnhäutig und dann reicht der normale Kinderlärm schon aus um mich aus der Haut fahren zu lassen. Wenn ich halbwegs entspannt bin, komme ich damit und mit viel mehr viel besser zurecht und siehe da: Ich kann mich an den kleinen und großen Rübennasigkeiten oft sogar erfreuen. Manchmal halt erst im Nachhinein, wie das eben so ist mit Kindern. Ich hoffe, dass ich ein bisschen von dem Entspannungsgefühl in den Alltag mitnehmen kann. Vielleicht wenigstens die Erkenntnis, dass meine gelegentlichen mütterlichen… Aussetzer eben nur gelegentlich sind und mit weniger Stress drumrum fast komplett wegfallen.

Aber auch die Erkenntnis ist interessant, dass Michel so eine Art „Sozial-Akku“ hat. In der Woche in Frankfurt hatte ich ein ganz zauberhaftes Kind, ganz offen und fröhlich und es sprach so gut deutsch wie nie! Ich hatte da schon die Vermutung, dass sich das rächen würde und so kam es auch. Zwischen Frankfurt und Bergen ließ Michel, ich kann es nicht anders sagen, die Sau raus. Suchte Streit (mit uns), rastete aus, schrie und schlug und warf Dinge. In Bergen dann wieder: Vorzeigekind. Nach Bergen, genau genommen am Abend der Fahrt von Høyanger nach Dønfoss, sprach Herr Rabe aus Verzweiflung  über die Ausraster from hell iPad-Verbot für den letzten Fahrt-Tag aus. Das führte zwar erstmal zu mehr Geschrei und dann auch am Morgen nochmal zu einem mittleren Terz, aber nach einer Stunde Fahrt und mit vielen phantasievollen Geschichten vom Rücksitz piepste er unvermittelt „Papa? Ich hab mich benehmt.“ Die message war also angekommen. Und das Kind kann seine Ausraster tatsächlich ein Stück weit kontrollieren. Hurra. (Nach nochmal einer Dreiviertel Stunde Fahrt und einer längeren Pause wurde das Verbot dann aufgehoben.) Ich bin maöl gespannt, wie es nächste Woche wird, wenn Herr Rabe und die Kinder Michels Tante in England besuchen.

Insgesamt bleibt noch das Fazit: Ferien mit Kindern sind toll. Ungleich anstrengender, das ganze drumrum, man schleppt plötzlich nen fast Fünfjährigen in Bergen einen Berg runter (davon bekommt man übrigens zornigen Muskelkater in Waden und Hüften), man balanciert zwei Kinderkoffer und ein schlafendes Kleinkind durch enge Flugzeuggänge, während man das nicht lesefähige Kind zur richtigen Reihe zu lotsen versucht, ganz abgesehen von „Ich muss ganz ganz dringend aufs Klo, jetzt sofort“ in den unmöglichsten Momenten, klar, das wäre alles viel einfacher, reiste man nur mit anderen Erwachsenen. Aber Urlaub mit Kindern, das ist schon prima, wie die die Welt sehen. Nur mit Erwachsenen würde man vielleicht mehr auf Berge steigen, aber vermutlich auch weniger in Aquarien gehen. Und dabei finde ich doch Axolotl und Schlangen und Frösche (alles klassische Aquarientiere, *hust*) selbst auch ganz schön toll. (Wandern dann halt später wieder, das, haha, läuft ja nicht weg.)

So, und jetzt ist es so spät, es ist mehr als Zeit, zu schlafen. Morgen wird Pippi zwei. Das mit dem Großwerden geht auch manchmal ganz schön schnell.

Tag 709 – Tja. 

Wir müssen wohl nach Basel ziehen. 

  1. Wir haben jetzt einen Wickelfisch. Wo sonst soll ich den benutzen?*
  2. Ich hab vergessen, Frau Brüllen den extra mitgereisten (und beide Tage mitgeschleppten) Lidschatten zu geben. 
  3. Michel ist schwer beeindruckt von Little L. 
  4. Ich bin schwer beeindruckt von Offline-Vikingpedia Little Q.
  5. Herr Rabe und der Hübsche können dann Ihr Fotografie-Fachsimpeln vertiefen. 
  6. Das allerwichtigste: Pippi ist heute mit Frau Brüllen ohne uns Eltern aus dem Restaurant gegangen, wir konnten so aufessen und sie (also Pippi. Frau Brüllen auch, aber die quietschte dann doch nicht ganz so laut) hatte augenscheinlich Mordsspaß. DAS GAB ES NOCH NIE!!!

Bester Moment: Erwachsenenunterhaltung „Blablabla Chemtrails blabla.“ Little Q.: „Was sind denn Chemtrails?!?“ Frau Brüllen, mit ohne Pokerface: „Ach, es gibt so Leute, die meinen, die Kondensstreifen von Flugzeugen wären irgendwas, was da versprüht wird, mit dem unsere Gedanken kontrolliert werden sollen…“ Little Q., auch kein Pokerface: „??? Bwwaaaahahahaha!“

Sieht so aus, als hätten wir da jetzt Freunde. Echte, greifbare, Real-Life Freunde. (Verrückt, dieses Internet.)

Anbei noch die einzigen paar Fotos, die ich heute gemacht habe. Herr Rabe hat sicher mehr, aber die müssen eben in Trondheim dann erst von der Kamera auf den Computer und dann machen wir hier Dia-Abend. 

Bergen von oben. Ich war so froh, überhaupt an der Bahn zu sein, dass das Adrenalin eh schon auf Maximum war und ich die Fahrt in einer sehr vollen Glasbahn einen steilen Hang hoch quasi entspannt durchstand.

Steintürmchen-Buddies. (So schön, wie unsere Kinder da im Wald aus Gefundenem ein Spiel erschaffen, nicht wahr? Gestern spielten sie noch mit einer Nasenspray-Verpackung und Alufolie.)

Suchbild mit Norwegischer Waldkatze.


*neineinein, die gehen NUR im Rhein und auch NUR in Basel, alles andere will ich auch nicht hören!

P.S. Augen-Update: es wird. Gestern war’s schlimm, sowohl optisch als auch schmerzmäßig, heute schon besser, jetzt ist es halt ein deutlich fühl- und sichtbarer Pickel innen am Lid. Ich bin mir nicht sicher, ob’s das Antibiotikum ist, das wirkt, oder einfach die Zeit, aber die Augenklappe wird vielleicht doch nicht nötig.

Tag 702 – „Für Papa, damit der weiß, was wir gemacht haben.“

Das sind die Hochhäuser, das zweite von rechts ist der „Stift“. Unten die klitzekleinen Leute und Autos.


Rest* bei Little B., der allerbesten Gastgeberin und Fremdenführerin und Kindträgerin, die man sich vorstellen kann. 

Hui. Aber lecker. Aber: Hui!


*Update verdächtig warmes Kind: tja. Krank halt. Fieber, etwas Husten, der sich wenn dann aber fies anhört. Überaus unleidlich, wenn das Fieber grade wieder besonders fies ist. Ließ sich mehr oder weniger schlafend durch Frankfurt tragen, was mir vermutlich noch Muskelkater bescheren wird. 

Tag 701 – Wauwia, wahhh!

Wir trafen heute – nach einem sehr ruhigen Morgen mit viel Herumgehänge und Duplo und Büchern und Pinguinlatschen (die Michel vom Midimonsieur übernimmt und so getauft hat) und latent nörgeliger Pippi – Freundin C. mitsamt Familie im Senckenbergmuseum. Und weil der Herr Rabe mir ja aufgetragen hat, viele Fotos zu machen, habe ich… zwei, auf denen nicht meine oder C.s Kinder frontal drauf sind. Tjanun. Es war jedenfalls wirklich super. 

Pinguinlatschen. Der dazugehörige Schnorchel mit Taucherbrille wurde heute Abend schon in der Badewanne ausprobiert.

Leider wurden wir dann um fünf schon fast aus dem Museum gekehrt und Pippi baute auch immer mehr ab. Die schlief dann sich verdächtig heiß anfühlend beim Essen auf meinem Schoß ein, kippte nach einem zweistündigen Nickerchen einen Becher Milch auf die Couch* und jetzt sitze ich hier schon geraume Zeit neben dem sich weiterhin verdächtig heiß anfühlenden Kind und es kann nicht einschlafen. Weggehen darf ich aber auch nicht. Aber das trübt meine total entspannte Grundstimmung jetzt auch nicht, genauso wenig wie Arbeitsemails mit „Äh, das muss Frau Rabe machen, aber die ist nicht da, schlümmschlümmschlümm…“-Inhalt. 

Doch, genau richtig gewesen, herzukommen. Auch wenn es sich vor ner Woche noch komplett bekloppt und vollständig unmöglich anfühlte. 

*Auch noch mit Ansage, aber nicht von ihr.