Tag 921 – Ein bisschen Fortschritt.

Am Kleid: Rigilene verarbeiten ist gar nicht schwer. Einfach abschneiden, Enden abrunden, mit nem Feuerzeug anschmurgeln (stinkt, ich war selbst überrascht, gar nicht), zwei, drei Sekunden warten, dann mit den Fingern rund drücken. Zwei bis drei Stecknadeln bei dem Versuch, das Band festzustecken, abbrechen. Diesen Schritt kann man aber auch weglassen. Auch sich fies in den Finger stechen ist optional. Das Band dann mit einigen Stichen quer am oberen Ende fixieren. Dann von oben nach unten zuerst eine, dann die andere Seite des Bandes direkt auf den Stoff nähen. Aufpassen, dass man immer zwischen den gleichen Stäbchen bleibt. Fertig.

Ich bin jetzt mit dem Oberteil fertig und zufrieden, die Spitze ist zugeschnitten, morgen geht’s weiter.

Mit den Kindern: bei Michel etwas lockerer, bei Pippi etwas strenger geworden. Die kleinen Individuen brauchen Feinabstimmung meiner grad erst wieder halbwegs aufgefüllten Erziehungskräfte.

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Kleine Anekdote: wenn ich die Kinder ins Bett bringe, sage ich immer „Schlaf gut und träum was schönes, von Sauren Gurken und Zucker und Anis.“ Pippi kommt mir jetzt gerne zuvor, sobald ich gesagt habe „Schlaf gut…“ sagt sie „Ja, däum ssönes, saue Guhke, Zucka, Nis!“ und dann schmilzt mein Herz immer ganz doll.

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Auto-Lobhudelei: Das Kleid wird, glaube ich, echt schön. Ansonsten sind die Kinder bei mir nicht verwahrlost oder verhungert während Herr Rabe auf seinem Skitrip war.

Tag 894 – Ich mach das!

Das ist einer der häufigsten Sätze von Pippi. Sie kann jetzt „Ich“ sagen, statt ihres Namens, und natürlich lässt sie da voll das kleine Geschwisterchen raushängen: „Ich auch!“ und „Das ist MEINS!“ (Vorher sagte sie „das ist Pippi mein seins!“ und das war eigentlich auch sehr sehr niedlich.) sind auch hoch im Kurs. Und halt „Ich mach das!“ in diesem wütenden „Ich brülle gleich alles zusammen, wenn du noch länger versuchst, mir die Schuhe anzuziehen!“-Ton, den auch nur Zweijährige so authentisch drauf haben.

Ansonsten kann sie „Ich“ nur in Verbindung mit „bin“ und zwar auf Norwegisch. „Jeg er“, das hört sich aus ihrem Mund dann wie „Yeah yeah“ an. Und weil sie eben noch keine anderen Hilfsverben kann, wie „wollen“ oder „haben“, kommen da lustige Kombinationen bei raus. Satz Nummer eins: „Ich bin Banane.“. „Yeah yeah Nane.“ „Ich bin Hunger.“, „Ich bin Papa/Mama/Peppa Wutz.“, „Ich bin Joghurt.“, „Ich bin malen.“ und heute neu, der bisher längste Satz: „Ich bin Kaplette Mund nehmen.“ (über ihre abendliche Eisentablette, die sie wie jeden Abend noch im Bett in der Hand hatte).

Weiterhin singt Pippi immernoch sehr gern und, für so ein kleines Kind, echt gut. Sie hat offenbar ein Gehör für Melodien und ein Gespür für Rhythmus. Und neuerdings denkt sie sich selbst Lieder aus und nervt Michel damit zu Tode, wenn sie „Pippi, Matti, Jenni, Bukke Buuuuuse!“ in Dauerschleife trällert, während ich nur denken kann, was für ein tolles, kreatives Kind sie ist. Auch beim vierhundertsten Mal Lille Kattepus/Vader Jakob/Bæ, bæ lille lam/Lille Petter Edderkopp und wie sie alle heißen. Nur beim Tip-Toi-Stift muss ich manchmal ihre Kopfhörer holen, weil mich manche von den Stimmen so nerven, aber nie ihre (wenn sie singt. Wenn sie schreit, schon).

Auch neu heute: ein Witz. Pippi ist eh ein kleiner Clown und tut zum Beispiel seit ein paar Wochen bei jeder Autofahrt so, als sei sie eingeschlafen. Grinsend kneift sie dann die Augen zusammen und macht kleine Schnarchgeräusche. Es ist so niedlich! Heute übernachtete Michel wieder bei seinem besten Freund und Pippi drehte beim Frühstück voll auf. Endlich stahl ihr mal keiner die Show. „Ha-ha-haaa-haaa…Ei!“ machte sie plötzlich. Und schob sicherheitshalber hinterher: „Das war Ei-Hatschi!“.

Hachz. Die ist echt so niedlich. Wenn sie einem nicht grad Sachen an den Kopf haut, weil man sie nicht den Fünfpunktgurt am Kindersitz schließen lässt.

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Auto-Lobhudelei: aus Stoffresten, die jetzt endlich stark dezimiert sind, Mützen, Buffs und ähnliches für die ganze Familie genäht. Es sind nämlich auch -10 Grad draußen.

Tag 833 – Diese Kinder.

„Komm, Pippi!“ schreiflüstert Michel Pippi zu.

„Ja!“ schreiflüstert Pippi zurück.

[Gekruschel aus dem Wohnzimmer, dem Bad, wieder dem Wohnzimmer. Keiner weint.]

[eine halbe Stunde später]

„Papa, Mama, guckt mal, ich hab mich selber angezogen! Und wir haben Zug gespielt.“

Tatsache. Michel ist komplett angezogen und Pippi sitzt glücklich mitten in einer sehr großen Runde aus Brio-Zug-Schienen und lässt Züge fahren.

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Michels Kumpel: „Mama, kann Michel noch mit zu uns kommen?“

„Hmm, du musst noch Hausaufgaben machen und es ist auch schon so spät.“

[traurige Gesichter]

[etwas später]

„Du, H., ich kann dich heute nicht besuchen. Ich muss noch DinoTrux gucken.“

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Wir fahren an einer modernen Kirche mit beleuchtetem Kreuz vorbei.

„Was ist das da für ein falschrummes Schwert?“

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„Pippi Hände waschet.“

„Du hast eben Hände gewaschen, ja.“

„Nein. *fake hustet* da Pippi Hände waschet!“

„Als du Hände gewaschen hast, hast du gehustet?“

(Sehr zufrieden) „Ja!“

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(Schlaftrunken) „Mama? Du sollst einen Schlafi anziehen.“

„Ich soll dir einen Schlafi anziehen? Aber du hast doch einen an!“

„Du sollst DIR einen Schlafi anziehen. Und dann mit mir hier kuscheln.“

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Herr Rabe: „So ein Kardinal oder Bischof, der sagt, er will ein neues Wort für Weihnachten, damit alle feiern können, auch die, die mit Christentum nichts am Hut haben.“

Ich: „Ja, ist mir ja auch total egal, wie das heißt. Wäre ich für, das anders zu nennen.“

Michel, vermeintlich schlafend: „Ich auch.“

Tag 731* – Schrumplige Käfer.

Die zweisprachig aufgewachsenen Kinder reden ja mitunter lustiges Zeug. Also Pippi redet ja eh noch nicht so wirklich viel und das meiste, was sie sagt, sind unsere Phrasen: „Michel, komm etz, Ähnepussäään!“, „Nein, hier lang!“, „Au‘ gehts!“ und „Tüüühüüss! Bis glaaahaaaiich!“. Dann kann sie noch (sehr, sehr gut) alle Varianten von „Pippi sin“/“Meins“ und „Haben! HAAABÄÄÄÄÄÄÄN!“, plus Zeug, dass sie von Michel gelernt hat, wie „Ollääis!“ (Cornflakes), „Klo!“, „Lumpe“ (prompe = pupsen) und (!) „Bittäää!“. Und „Bebi lafen, chchchchrrr pschschsch!“, dazu wird ihre Puppe oder irgendein Bärchen ziemlich unsanft aufs Sofa gedrückt und oft auch mit einem Tuch erstickt zugedeckt. Sonst redet sie nicht viel, aber wozu auch, sie kommt ja gut zurecht.

Michel hingegen redet umso mehr, phasenweise vom Aufwachen bis zum Einschlafen nonstop, sodass uns irgendwann die Ohren bluten. Aber auch außerhalb dieser Extremphasen ist er ein gesprächiges und geselliges Kind, das auch gerne fremden oder halb fremden Menschen den einen oder anderen Schwank aus seiner Jugend erzählt. Manchmal führt das halt aufgrund der zwei Sprachen zu lustigen Misverständnissen und kreativen Übersetzungen, Verhörer tun ihr übriges. Heute zum Beispiel machten wir Sandwiches, dazu hat unser Toaster so eine Art Klammer, da kommt das Sandwich rein, wird zusammengequetscht und dann damit in den Toaster geschoben. 

Michel: „Was ist das für ein Ding, Mama?“

Ich: „Das ist wie so ein Käfig, damit kommt das Toast da in den Toaster.“

Michel: „Ich will auch ein Toaster-Käfer! Kann ich auch ein Toaster-Käfer haben?“

Oder neulich, als es im Auto von der Rückbank ohne irgendeine Überleitung schallte: „Ich kann jetzt malen, ohne schrumpeln. Jetzt kann ich zur Schule gehen.“** Es brauchte eine ganze Weile, bis mir klar wurde was er meint: „Michel, du meinst ‚übermalen‘. ‚Skumple‘ heißt auf deutsch ‚übermalen‘. ‚Schrumpeln‘ ist… was ganz anderes.“ 

Aber mal ehrlich: es ist schon einfach niedlich so. Ich will’s nicht anders haben.

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*365 + 366 = 731, das hat mich ja letztes Jahr schon verwirrt, aber nein, ich habe das nachgeschaut: morgen ist Bloggeburtstag. Ganz sicher.

**Das mit dem „Zur Schule gehen“ ist grade ein ganz großes Thema und auch für ihn nicht ohne, aber das muss ich mal gesondert ausführen.

Tag 629 – Waffelfest.

Meine Kollegin K. ist eigentlich gar nicht richtig meine Kollegin. Sie arbeitet auf dem selben Flur am selben Institut, aber sie ist Bioinformatikerin und macht Bioinformatikerinnensachen. Und wir machen meistens zusammen Mittagspause, in einer Gruppe aus lauter Bioinformatikerinnen und mir. Das ist eine nette Runde und wir schnacken über dies und das, manchmal Kinder, meistens aber nicht (auch wenn diese Neuerung immer noch nicht im Weihnachtslied angekommen ist, aber Schwamm drüber). Jedenfalls lud Kollegin K. uns letzte Woche alle zum Waffelfest bei sich zu Hause ein. Es gäbe Waffeln für lau, man könne an den Sportverein was spenden und vielleicht auch auf ihren Pferden eine Runde drehen, das käme darauf an, ob die zwei Teeniemädchen, die die Pferde manchmal gegen Reiten dürfen versorgen, da sind. Ich fand, das klänge schon alles sehr nach großem Spaß für die Kinder und so fuhren wir heute Nachmittag da hin.

Erstmal verfuhren wir uns, am südlichen Stadtrand von Trondheim wird nämlich wie verrückt gebaut und Google maps kannte all die neuen Straßen noch nicht und wurde etwas hektisch mit seinem „Richtung Nordosten. Danach – links abbiegen. Richtung Nordosten. Danach – im Kreisverkehr dritte Ausfahrt nehmen.“ Währenddessen kurvten wir auf der Karte im Nichts herum und es dauerte etwas, sich aus dem Baustellenlabyrinth wieder herauszuwurschteln. Irgendwann hatten wir es dann aber geschafft und Zack – waren auf dem platten Land. Nur mit Hügeln. Byneset halt, die Bauern-Halbinsel. Aber naja, K. hat ja auch Pferde, dachte ich, da ist ländlich gar nicht mal schlecht.

Als wir ankamen, staunte ich wirklich nicht schlecht: K. hat nicht nur Pferde, sondern einen richtigen Hof. Freilaufende, äh, Flauschhühner begrüßten uns, Pippi geriet total aus dem Häuschen und rief erst „Gagagei!“ und dann nach Aufklärung „Kikiki!“ und „Pook, pook, poooook!“. Michel freundete sich mit Sara, dem Minischwein an und fütterte es mit Waffeln (das durfte er, wir haben gefragt). K. zeigte alles den Kindern, Michel durfte sogar auf dem einen Pferd sitzen (die Teeniemädchen waren nicht da) und das totale Highlight war, als es aus dem Hühnerhaus plötzlich laut und ausdauernd zu gackern anfing und K. zu Michel sagte „Weißt du, was jetzt passiert ist? Jetzt hat ein Huhn ein Ei gelegt!“ und ihn mitnahm, das Ei zu holen. Michel war unglaublich beeindruckt, es waren sogar zwei Eier und er bekam die Eier geschenkt, weil er so toll mitgeholfen hatte. Stolz wie Oskar trug er seine Trophäe herum und passte wirklich gut drauf auf, dass den Eiern bloß nichts passiert. Pippi lernte ein paar neue Worte, nämlich „jaukeln“ (schaukeln), „Hahn“, „Huhn“, Fääät“ (Pferd) und „hest“ (norwegisch für Pferd), „grisen“ (norwegisch für Das Schwein) und natürlich „Waffen“ (Waffeln). Und das ganze bei strahlendem Sonnenschein und 17 Grad. Ehrlich, es war so schön, dass mir vor lauter Harmonie lauter Schimpfwörter im Kopf herumirrten, als Kompensation sozusagen. „Scheiß die Wand an, ist das schön hier.“ Vielleicht war ich zu lange in Westfalen. 

Gagagei?


Jaukeln.


Kleinpferd. Island-Pony.





Auch sehr beeindruckend für Michel: des Teenies Reich. Der baut ganz offensichtlich sehr gerne Lego. Es standen sicher 4 bis 6 große (riesige!!!) Lego-Expert-Sets aufgebaut herum, in der Mitte des Raums (der Teenie bewohnt quasi den ganzen „Heuboden“, der aber als Wohnraum ausgebaut ist) steht ein sehr großer Tisch mit dem aktuellen Projekt: dem Simpsons Quick-e-Mart. Aber: alles nicht zum Anfassen gedacht.


Die Chefin. Also, eine davon.


Michel und seine Eier. (Da ist er noch wach. Später schlief er im Auto ein, hielt aber nach wie vor die Eier fest.)


Was für ein wunderbarer Tag. 

(Ach so, ja, die Waffeln waren auch lecker.)

Tag 612 – Die supersten. 

Meine Kinder sind die allerbesten. So. Warum?

Pippi hört meinem Opa andächtig beim Mundharmonika spielen zu, am Ende klatscht sie, ruft „Yeah!“ und fordert mehr. 

Michel ist der Held des Osterfeuers, hilft den Großen dabei, Holz und Zeug aufs Feuer zu schichten und nickt jedes Lob einfach cool ab. 

Pippi will die ganze Zeit das Auto meines Onkels angucken. Sie sagt dazu abwechselnd „Dino“ (warum auch immer*) oder „Porsche“. „Porsche. Gucken. Komm!“ (Ich habe ihr daraufhin beigebracht, Tesla zu sagen, weil halt. Und auch „Tesla“ klingt aus ihrem Mund unglaublich niedlich.)

Michel erzählt allen und jedem von Dinotrux. Auf Norwegisch. Aber von der Begeisterung kann man sich nur mitreißen lassen. 

Mein Opa hat Michel einen Geldschein zugesteckt. Michel (bargeldlos aufwachsendes Norwegerkind) kam daraufhin an und sagte „Uropa hat mir so einen Zettel gegeben. Weil der nett zu mir ist.“ (Ich hab den Zettel vorerst konfisziert, mit Feuer daneben war mir das zu heikel.)

Michel hat gestern ein Paar Sandalen bekommen, für den Sommer. Er wird sie nie wieder ausziehen. Mit den Sandalen an kann man auch prima in der feuchten Wiese Kopsterbolter (Purzelbaum) üben. 

Und erst das Geschnaufe nachts…

* möööööglicherweise guckt sie bei Michel zu viel Dinotrux mit. 

Tag 567 – Knoten geplatzt.

Pippi lernt im Moment in einem rasenden Tempo neue Wörter und Sprechen im Allgemeinen. Was sie jetzt kann:

  • Mama, Papa, Michel*, Pippi*
  • Ja, Jaaaa!, nein, neineinein, Oh neiiiin!
  • Blablabla
  • Hallo!, Ha det! (Tschüss)
  • Mjamjam, Omnomnom
  • Chhhrrrrpschschsch (Fake-Schnarchen)
  • Uiuiuiui
  • Yeah!
  • Okay.
  • fals (falsch)
  • heiß
  • Eis
  • Kaffee
  • Ahne (Sahne)
  • Guga (Kuchen)
  • Det er (das ist)
  • Aua
  • litt Aua (kleines** Aua)
  • vent litt (warte kurz)
  • ryddetid (Aufräumzeit)
  • Bäbi (Bärchen)
  • Gocka (Socken)
  • Gua (Skoa, Schuhe)
  • Gagagei (Papagei)

Außerdem diverse Lieder oder Teile davon, aber erstaunlich Melodie- und Rhythmussicher (viel mehr als Michel):

  • Bææ, bææ lille lamm
  • Mikkel rev
  • Her er jeg (Fingerspiel)
  • Hjulene på bussen (the wheels on the bus)
  • Lille Petter edderkopp
  • Juba, juba

Die kleine Maus wird groß, wie schön <3

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*natürlich sagt sie die richtigen Namen

**=nonexistentes, das hat sie sich von Michel abgeguckt