Tag 146 – Bielefeld Tag 23 – Schreeeeemaaaamm!

Gemischte-Gefühle-Tag heute.

Was blöd war:

  • Zahnarzttermin um 09:00 Uhr morgens
  • Den Termin muss ich selber bezahlen
  • wegen plötzlichem Schneefall (ca. 2 cm, nahezu überall schon längst weggetaut) verloren ca. 80 % der Autofahrer ihr Autofahrt-Selbstbewusstsein und krochen in Zeitlupe durch die Gegend
  • Ultra langsame Familie, dadurch nicht mehr geschafft, shoppen zu gehen (für die Kinder haben wir ja alles, da dachte ich mir, ich könnte vielleicht noch was für mich kaufen. Tja, nee.)
  • Meine Brille wird es wohl nicht mehr rechtzeitig hierherschaffen
  • Nicht mit meiner Mutter telefoniert, also nichts abgemacht wegen Babysitten damit wir Koffer packen können ohne dass uns das Kind die ganze Zeit in die selbigen springt
  • Ultra krasser Heultobschreianfall vom Kind, weil Schneemänner im Auto schmelzen würden und sein 15cm-Schneemännchen deshalb im Park bleiben musste. Nach 10 Minuten unartikuliertem Gebrüll und Gekreisch wenigstens mal den Grund der Sorge dem Kind aus der Nase gezogen: „Schreemamm *schluchzschluchz* ga-ha-hanz doll *schnief* Hunger hat!!!“. Hm ja. Was sagt man da?
  • Blöde Webseite vom norwegischen Mobilfunkanbieter ist blöd (und eines Tages werde ich Javascript anzünden)
  • Blöde Webseite vom Trondheimer Busticketverkauf ist auch blöd
  • Wie kann man eigentlich zweimal im Jahr aufs Neue vergessen, wie man als Doktorand den Semesterbeitrag bezahlt?

Was gut war:

  • Meine Zähne sind soweit völlig ok, die dunklen Punkte sind hart und solange nicht gefährlich, das Zahnfleisch ist gereizt, das wird morgen bei einer Zahnreinigung (hoffentlich) ursächlich bekämpft, aber die Zähne sind supidupi, nich mal Zahnstein
  • Der Termin kostet 23,63 €, was ungefähr 1/5 dessen ist, was ich dafür in Norwegen berappen müsste
  • Auch dass das Kind mit den Zähnen knirscht ist nicht weiter schlimm und auch sehr häufig bei Kleinkindern
  • Herr Rabe hat einen Mauskalender gekauft
  • Ganz liebe Leute besucht, die ich sehr lieb habe weil sie so lieb sind (und die ich auch sehr doll vermissen werde)
  • Ein Bild von zwei badenden Kleinkindern bekommen, die scheinbar sehr viel Spaß mit sehr buntem Badegedöns haben
  • Irgendwie doch geschafft, sowohl Handydatenpaket als auch Busticket zu kaufen
  • Mail an den Studentenservice geschrieben, dass ich eine Rechnung für den Semesterbeitrag brauche (dabei einfach die vom letzten Mal (31.07.15) kopiert)
  • Beim Nachschauen wie das noch mal ging mit dem Semesterbeitrag gesehen, dass ich den Statistikkurs bestanden habe (hier Fanfaren einfügen) (Gesehen hatte ich das schon früher, aber in der Weihnachtshektik glatt verdrängt)

Ich würde sagen, es hält sich die Waage. Gefühlsmäßig auch. Hmtja. Und morgen können Sie sich dann auf WMDEDGT freuen: Wie ich um 08:00 Uhr eine Zahnreinigung bekomme. Leben am Limit.

Tag 145 – Bielefeld Tag 22 – Beikost, ick hör dir trapsen

Wir waren heute nochmal bei Flavius und Brutus. Das war soooo schön, obwohl alle Kinder irgendwie etwas drüber waren, dabei und auch danach. Aber neue nette Leute hier kennenlernen macht es nicht einfacher, bald wieder ins trübe und kontaktarme Trondheim zu fahren. Seufz. (Btw: Monstro hat noch einen neuen Fan: Herr Rabe war ziemlich arg begeistert und jetzt hab ich ein bisschen Angst, dass er demnächst einen Hundewelpen anschleppt…)


Das Baby geht so ab dieser Tage. Nicht nur, dass es während der letzten drei Wochen einfach mal aus fast allen mitgeschleppten Klamotten rausgewachsen ist. Es rollt jetzt auch richtig rum, manchmal jedenfalls, wenn ihm der Untergrundhärtegrad zusagt. Dann aber exzessiv: Rücken-Bauch-Rücken-Bauch-Rücken-Seite… Außerdem hat es heute, wahrscheinlich angespornt durch Kind, Flavius und Brutus, die fröhlich auf die Regale kraxelten, angefangen sich in den Vierfüßlerstand zu drücken und dann mit dem Po nach vorne und hinten zu rocken. Das Rückwärts-rutschen hat es nebenbei perfektioniert, auch das Propellern auf der Stelle beherrscht es seit ca. einer Woche. Alle Hunde des Yoga klappen ja eh. Fast will ich dem Baby zurufen: Ey, lass das, du bist erst fünfeinhalb Monate! Da krabbelt man noch nicht! Was für mich aber noch etwas schwerer zu verdauen ist, als dass das Baby vielleicht demnächst noch mobiler sein wird: Es will definitiv langsam was anderes essen als immer nur Muttermilch. Man kann mit Baby auf dem Schoß kaum noch essen, weil es ständig die Hände im Essen hat. Es greift nach allem, was wir uns in den Mund schieben. Jeder Happen wird genau verfolgt. Krümel, die auf dem Boden gefunden werden, werden glücklich schmatzend verzehrt. Das Größte für das Baby ist es, wenn wir ihm während unseres Essens ein Stück Maiswaffel in die Hand drücken, die ist in Nanosekundenschnelle im Mund und wird frenetisch belutscht. Alternativ kann man sich einen Babyhändefreien Teller auch dadurch erkaufen, dass man dem Baby einen Teelöffel gibt, den es in den Mund schieben kann. Tja. In Norwegen werden wir wohl mal die Broschüre über Babyessen im ersten Lebensjahr herauskramen, lesen, lachen, verbrennen und dann doch machen, was wir wollen und wie wir das für richtig halten. Trotzdem bin ich etwas wehmütig, wenn ich so deutlich sehe, wie rasant das Baby sich entwickelt. Seufz. Und dass, wo ich das Stillen grade so gut und praktisch und kuschelig finde. Andererseits sind es ja auch nur noch vier Monate bis das Baby tagsüber mit Herrn Rabe allein sein wird. Und da es Flaschen bisher komplett ablehnt, wäre es schon gut, wenn es bis dahin innerhalb dieser acht, neun Stunden ernährungsmäßig von mir unabhängig wäre. Ach ja. Sie werden so schnell groß…


Apropos schnell groß: Das Kind hat seine Zeit bei Oma in vollen Zügen genossen und hat auch gut geschlafen, wenn auch erst um elf.

 

 

 

Tag 144 – Bielefeld Tag 21 – Apfelmus fehlt auch noch

Müde, satt und faul gerade. Das Kind schläft bei Oma, das wollte es so, wir sind aufgeregt deswegen und haben das Alleinsein mit Quatschessen (Pizza, Pommes, Ketchup en masse) und Apfelschorle gefeiert. Dabei das Sherlock Special von gestern geguckt. Wieder mal gemerkt, dass ich so Gruselsachen nicht mehr gut abkann: mir standen die meiste Zeit die Haare zu Berge.  

Die letzten Sachen für Norwegen eingekauft. Wir sind verhältnismäßig sparsam geworden und kaufen nur noch Sachen, die es in Norwegen gar nicht gibt, oder die sehr sehr sehr sehr teuer sind. Heute kaufte ich:

  • Zwei Nachfüllpacks Gemüsebrühe Hefefrei
  • Drei mal Deo Salbei Limette
  • Zwei mal Elmex Kinderzahnpasta
  • Zahnbürsten für die Kinder fürs ganze nächste Jahr
  • Hygienespüler für Wäsche
  • Eine Feuchttücherspendebox
  • Rübenkraut
  • Katjes

…und wie ich so aufschreibe merke ich: da fehlt noch das obligatorische Glas Kirschen. (Herr Rabe wird auch sicherlich noch Whiskey kaufen, aber das macht der schön selbst und auch sicher nicht im Rewe.)

Der Mann bemerkte grade, dass das Baby schon seiner Polypen-OP* entgegenschnarcht und durch mein Lachen wäre es fast aufgewacht. 

* hatte das Kind im Frühjahr, weil es schnarchte wie ein Sägewerk, Atemaussetzer hatte und außerdem bei jeder Erkältung ne Mittelohrentzündung gleich mit bekam

Tag 143 – Bielefeld Tag 20 – Katertag

Wenn ich gestern gesoffen hätte, könnte ich ja noch verstehen, wieso ich heute so müde, schlecht gelaunt, fahrig und mit leichter Übelkeit den Tag bestreiten durfte. Muss wohl an einer Kombi aus viel zu viel Koffein und zu wenig Schlaf gelegen haben. Ächz. Ich fühl mich heute als wär ich 80. 

Den Onkel/Patenonkel von Herrn Rabe plus Frau besucht. War. 

Rote Beete-Nudeln bei der besten Freundin gegessen. Eins meiner Lieblingsessen. Mjammi. Außer ihr noch da: ihr Freund (nett und witzig und kann gut mit Kindern) und ein Freund von Freund, der gaaaaaaanz viel zu sagen hatte über die Erziehung von Kindern. Er weiß das alles voll gut, weil er selbst hat, ja, genau, Null Kinder. Man könnte es so formulieren: ich habe wie so ein Thesaurus alle mir bekannten Variationen von „Jedem das Seine, ne?“ abgespult und war dann sehr dankbar, als es Essen gab. Ich war auch sehr dankbar, dass das Baby super toll Vorzeigemäßig seine Decke aufgefressen und sich so selbst beschäftigt hat. Und dass das Kind das Baby ganz liebevoll mit einer Nudel gefüttert hat (das Baby fand die Nudel nicht weich genug, hat aber gerne dran rum gelüllert). Nicht ganz so dankbar war ich, dass der Typ dem Kind ungefragt ein Stück Schoki gegeben hat, kurz bevor wir losfahren wollten, woraufhin das Kind nochmal ordentlich aufdrehte und auf Zuckerschock herumsprang wie irre. Mann ey. Danke, du Wurst. 

Ab ins Bett, Schlaf nachholen. 

Tag 139 – Bielefeld Tag 16 – Von Pferden und Blumen

Heute war ein sehr schöner und nach dem ganzen Familientrara auch sehr erholsamer Tag. Nach dem Aufstehen und Frühstücken bekamen wir Besuch von meiner Studienfreundin C. samt Mann und Kind (nämlich des Kindes allerbester Superkumpel M.) und Herrn Rabes Schulfreundin S. samt Mann und zwei Kindern: L. und N. L. ist genauso alt wie das Kind, M. wird jetzt bald drei und N. ist 1, kann grade so an der Hand laufen und ordentlich stinkende Windelinhalte produzieren, war aber ansonsten am Vormittagsprogramm noch uninteressiert: Ponyreiten. Meine Schwägerin hat nämlich Shetlandponys. Die Jungs waren total wild drauf, die Pferde zu sehen und zu füttern und zu streicheln und als es dann hieß, wir könnten die sogar reiten und auf einen Ausflug mitnehmen, war natürlich die Freude groß. Das Kind ließ sich am kürzesten bitten und wollte sofort auf das Pony, das erstaunte mich ehrlich gesagt ein bisschen, die letzten Konfrontationen mit echten Pferden liefen nämlich eher so mittelgut, weil das Kind einfach noch Angst hatte. Aber jetzt stimmte wohl das Verhältnis von seiner zu der Körpergöße des Pferdes und es war hellauf begeistert. L. Wollte erst kurz nicht und dann doch auf das zweite Pony und M. traute sich nicht recht, was dann aber ja sogar ganz gut war, so gab es wenigstens keinen Streit. Und dann machten wir einen Spaziergang über Feldwege und an Bauernhöfen entlang, das Baby und N. schliefen in ihren Gefährten, M. wurde von seinem Vater getragen und pflückte zwischendurch eine Blume für das Kind, das Kind und L. ritten und alle hatten eine schöne Zeit. Nach dem Spaziergang verteilte M. Bananen an die Kinder, darauf waren auch die Pferdchen ganz scharf, aber die hatten wir ja am Halfter. Das Kind bat mich, seine Blume kurz zu halten, zu Gunsten des Banane essens. In dem Moment versuchte das eine Pony ziemlich frech nach der Banane zu schnappen, die zog ich weg und hielt ihm gedankenverloren die Blume als Ersatz hin, Zack, Blume weg. Die darauffolgende Krise und große Verzweiflung über die zerstörte Blume ließ sich nur durch das Finden eines Spielzeugtraktors auflösen. (Und die anderen Muttis so: „Schön, dass sie doch irgendwie alle gleich sind.“)

Danach waren wir noch im Tierpark mit C. und A. und M. und danach essen und ich schätze, das Kind und M. werden mal heiraten. Immerhin ist M. das erste andere Kind, das vom Kind aus freien Stücken und auf eigene Initiative hin gedrückt wurde, das muss einfach ein Zeichen sein!

Was ganz anderes: die hoch verehrte Frau Brüllen hat mich in ihrem Jahresrückblick (ich trau es mich kaum zu schreiben) als ihren Lieblingsblog des Jahres auserkoren und seitdem muss ich beim Blick in meine Statistiken immer hysterisch lachen. Falls auch Sie hier neu sind: Willkommen! Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause und entschuldigen Sie das Chaos, so sieht es in meinem Kopf eben aus. 

Tag 134 – Bielefeld Tag 10 – Die Ente

Es ist ganz verrückt, was hier und auf Twitter abgeht wegen des Textes von gestern. Und das meine ich im überaus positiven Sinne. Ich war gewappnet für ein Shitstörmchen und bekomme viel Flausch, sachliche und konstruktive Kritik und erfahre, dass nicht nur wir uns eben so durchwurschteln. Das tut sehr gut, gerade vor Weihnachten. Hachz.


 

Was ganz anderes: Ich habe heute online eine Brille bestellt und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Es wurde das Modell, das von allen favorisiert wurde (auch wenn es gegenüber den anderen dreien etwas langweilig rüberkam zunächst, die anderen waren viel bunter und fancyer…), obwohl Herr Rabe zu Recht bemerkte, dass es einen Schatten auf meiner Nase macht. Da ich gehört habe, dass bei Astigmatismus die Positionierung der Gläser im Rahmen total wichtig ist, habe ich den Optiker gezwungen darum gebeten, meine Pupillenposition in dem Gestell auszumessen und hoffe, dass das klappt. Dann noch fix die Gestelle zurückgeschickt und dann sollte Anfang des Jahres die neue Brille zum Spottpreis da sein. Keine Ahnung, wie deren Geschäftsmodell funktioniert, ich hoffe, es ist keine krasse Ausbeutung.


 

Das Kind hat heute auf dem Spielplatz eine imaginäre Ente vor einem imaginären Hai gerettet und passt seitdem darauf auf. Wenn die Ente schläft, werden wir alle angeschnauzt, dass wir leise sein sollen. Fällt die Ente herunter, legt sich das Kind auf den Boden und wartet, bis die Ente wieder auf die Hand gekrochen ist (ja, es ist eine sehr kleine Ente, gerade erst aus dem Ei geschlüpft). Ist die Ente wach, kann man ihr Hallo sagen, „Aber vorsichtig, Mama! Ente Angst sonst!“. Das alles beeindruckt mich ziemlich, das erfordert schließlich einiges an Phantasie und außerdem IST DAS SO UNGLAUBLICH SÜß, DASS MEIN HERZ DIE GANZE ZEIT PLATZT!!1!

Hust. Geht schon wieder. Aber ES HATTE DIE ENTE NOCH NACH DEM EINSCHLAFEN IN DER HAND <3 <3 <3

Tag 131 – Bielefeld Tag 7 – noch einmal schlafen

„Noch einmal schlafen bis Papa kommt.“

Diese Nachricht hält das Kind und mich gleichermaßen bei Laune. 

Dabei hab ich heute schon die Notbremse gezogen und bin freiwillig zu meinen Schwiegereltern gefahren, damit ich wenigstens mal alleine aufs Klo gehen kann. Das Kind weicht mir nämlich keine 2 cm von der Seite und das geht mir tierisch auf den Zeiger. Ich kann NICHTS alleine machen, noch nicht mal mein Handy aus nem anderen Raum holen, es trabt mir sofort hinterher. Meine Fresse, ist das nervig. Da ertrage ich lieber die Kommentare der Schwiegermutter (ist das nicht zu kalt? soll er nicht lieber den Helm aufsetzen, das wärmt wenigstens ein bisschen. Der Wind pfeift ja so.) oder dass sie dreimal in einer Stunde ihren Schlüssel sucht (war davon drei mal in der Hosentasche. Menschen, die sich DEFINITIV nicht im Haus einschließen sollten: meine Schwiegermutter. Wenns da mal brennt, dann wars das.). 

Gestern war ich zwei mal Pinkeln. Ja, meine Blase fasst mehrere Liter, da bin ich ganz sicher. Einmal morgens mit beiden Kindern (das Klo ist auf dem Flur, zu dritt geht die Tür nicht zu, „MAMA AUCH KACKEN???“, Tschüssi Privatsphäre!) und einmal abends als ich dachte, beide Kinder schliefen selig. 

Rabenmutterorden 2015 geht an die Frau, deren Kinder grundsätzlich aus dem Bett fallen, wenn ihr Mann sehr weit weg ist. (Dem Baby geht’s gut, großer Schreck, klar, kleine Beule, aber sonst nix. Wir haben wohl beide gleich viele Tränen vergossen.)

Mann ey, es wird echt Zeit, dass Herr Rabe kommt. Noch ein mal schlafen. 

Tag 130 – Wirres Zeug

Mein Gehirn ist der reinste Pudding, ich kann mich echt kaum noch auf irgendwas konzentrieren. Vermutlich sollte ich mehr schlafen, aber da wir die nächste Runde Rüsselpest von Herrn Paul mitgenommen haben (kein Vorwurf!) ist das im Moment etwas schwierig. Das Baby brüllt nämlich gerne nachts lange und laut und hat eigentlich Hunger, ist aber zu verrotzt zum Stillen, rastet dann beim Geben von Nasentropfen komplett aus und brüllt das Kind wach, das muss dann erstmal aufs Klo und weint dann, weil das Baby so laut ist und so weiter und so fort. 

Dazu kommt ausgeprägte A-Phase beim Kind, Heimweh/Papa-Vermissen beim Kind, Warum-kann-ich-nicht-krabbeln-Frust beim Baby und ständig auslaufende Windeln (vier Sorten probiert von ganz billig bis ganz teuer, Größe 3 und 4, nix bringt den Durchbruch, haha, oder eben genau doch) und akutes Warum zur Hölle bin ich hier weggezogen??? bei mir. 

Jetzt sagen Sie: aber da sind doch jetzt die Großeltern und alle vor Ort, ich seh das Problem nicht. Naja, das würde alles supi helfen, wenn die Großeltern hier mal übernachten und das Baby stillen könnten. Muhahaha. Das Baby. Das brüllt, sobald ich den Raum verlasse. Außer bei meiner Mutter. Da brüllt es auch wenn ich da bin sofort los. Meh. 

Bei Twitter und auf dem Blog von Frau Chamailion zunächst mit Interesse und dann mit wachsendem Unverständnis die hitzige Diskussion über Attachment Parenting verfolgt. Leben und Leben lassen ist ja scheints out als Lebensmotto, aber AP ist ja fast so schlimm wie Impfen als Thema. Und schon habe ich keinen Bock mehr auf AP, wenn das so ne Ideologie ist. Hab ich auch letztens schon gedacht, als Frau Mierau auf ihrer Facebookseite im Shitstorm landete, weil sie geschrieben hatte, dass ihr Sohn bei der Verabschiedung im Kindergarten manchmal weint, und dass sie ihm dieses Gefühl zugesteht. Und da war dann Susanne Mierau (!!!) die schlimmste Mutter der Welt. Ganz schrecklich. Wie man sein Kind so brechen könne. Alter!!!1! Zu Leuten, die sowas sagen, will ich nicht mal entfernt zugeordnet werden. 

(Rabenmuttergeständnis: das Kind wurde mit 13 Monaten im Kindergarten eingewöhnt. Nicht nach Berliner Modell. Die Eingewöhnung dauerte drei Tage, wurde vom Herrn Rabe begleitet, der sogar noch viel länger Zeit gehabt hätte und war überhaupt kein Problem. Aber auch nach zwei Jahren im Kindergarten ist das Kind manchmal morgens traurig, wenn ich gehe. Und ich finde das normal und ok, gehe dann aber trotzdem.)

Trotzdem ist vieles am Attachment Parenting auch gut. Vieles mache ich auch aus Faulheit AP-mäßig (Stichworte Tragen und Familienbett). Aber diese Dogmata, die da zu herrschen scheinen, nee. Da bin ich irgendwie allergisch gegen. 

Irgendwann sortiere ich mal meine Gedanken zum AP. Aber nicht heute. Zu müde, zu wirr in der Birne. 

Tag 128 – Bielefeld Tag 4 – Reisebericht Teil 3

Hier der dritte Teil des Reiseberichts ins schöne Bielefeld, heute hauptsächlich Ankunft.

Im ICE angekommen stellte ich erst mal das Kind ruhig, indem ich ihm Cars anmachte. Laser Scream (Lightning McQueen) verfehlt seine Wirkung nie. Dann versuchte ich circa 5 Minuten, das Gepäck irgendwie sinnvoll in dem Abteil unterzubringen. Dies scheiterte an körperlicher Kraft und räumlichem Vorstellungsvermögen, sodass ich irgendwann genervt aufgab und die sperrigen Gegenstände sperrige Gegenstände sein ließ. Nach ungefähr einer halben Stunde kam ein Mann in unser Abteil und fragte ob die Plätze da noch frei seien. Ich antwortete dass sie das selbstverständlich seien, sofern er sich den Weg dorthin bahnen könne. Der Mann machte sich dann daran die Gegenstände anders sinnvoll im Abteil zu verteilen, auf diese Weise schuf er sich immerhin einen Sitzplatz. Die von ihm angekündigte Familie erschien allerdings nie.

Irgendwann hatte das Baby tatsächlich in seiner Trage ausgeschlafen und wurde wach und hatte Hunger. Danach war es mal wieder Zeit eine Windel zu wechseln, allerdings fand ich kein WC mit Wickeltisch. Also versuchte ich das Baby auf dem zugeklappten Toilettensitz zu wickeln, was dem Baby allerdings zurecht eine Heidenangst einjagte, worauf es wie am Spieß brüllte. Nach dieser Erfahrung wechselte ich in die nächste Windel (die natürlich schon nach ungefähr 20 Sekunden fällig war) einfach auf dem Schoß, was mir einen pikierten Blick und dem Baby ein „Na, hast du einen Stinker gemacht?“ von dem fremden Mann einbrachte. Ich ignorierte das, was mir leicht fiel weil in dem Moment Herr Rabe anrief. Und seine Eltern. Und meine Mutter. Herr Rabe und vor allem seine Eltern wollten wissen, in welchem Abteil beziehungsweise in welchem Zugteil ich denn säße, damit sie uns optimal vom Bahnhof abholen konnten. Meine Mutter wollte wissen wann sie endlich vorbeikommen kann. Also erklärte ich mit sehr schlechtem Empfang meinen Schwiegereltern die Sache mit dem Zugtausch und dass wir direkt hinter dem Bordbistro säßen. Meiner Mutter gestattete ich kampfesmüde noch am selben Abend vorbeizukommen.

In Hannover erschien tatsächlich noch ein weiterer Fahrgast mit seinem Sohn in unserem Abteil und fragte ob die zwei Plätze da noch frei sein. Wieder sagte ich sinngemäß dass wenn er fliegen könne er sich da gerne hinsetzen könne. Woraufhin der Vater kurzerhand das 1000 Tonnen wiegende PramPack mitsamt Kinderwagen darin ganz oben auf die Ablage wuchtete. Es passte millimetergenau. Der große Koffer landete auf der gegenüberliegenden Ablage. Ich informierte den Mann darüber dass ich schon aufgrund meiner Körpergröße keine Chance hätte die Koffer da jemals wieder herunter zu bekommen, er mir also in Bielefeld bitte helfen müsse. Der Mann war allerdings so dankbar, überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen, dass ihm wahrscheinlich alles recht gewesen wäre. So hatte ich dann in Bielefeld angekommen noch einen Kofferträger, und der Mann half mir wirklich sehr nett die 1000 Gepäckstücke plus Kind in den 2 Minuten Halt auf den Bahnsteig zu wuchten. Das größte Problem war dabei, dass meine Schwiegereltern und mein Schwager bereits auf dem Bahnsteig warteten und unbedingt dem Kind beim Aussteigen „helfen“ mussten. Im Endeffekt zerrte meine Schwiegermutter ungeschickt am Kind herum, machte es damit komplett nervös und hielt den ganzen Betrieb auf.

Natürlich wollte meine (Spindeldürre) Schwiegermutter dann auch am liebsten das Kind auf den Arm nehmen, oder zumindest auf dem Trunki ziehen. Mein Schwager nahm die beiden großen Koffer, mein Schwiegervater den kleinen und ich hatte das Baby in der Trage. Meine Schwiegermutter stellte sich als zu klapprig heraus um das Kind effizient auf dem Trunki zu ziehen. Das Kind allerdings schob schon wieder Panik, weil ja jemand, denn es kaum kennt, schon wieder mit unseren Koffern von dannen zog. Kaum aus dem Bahnhof heraus eskalierte die Situation, als Schwager und Schwiegervater sich nicht auf einen Weg zum Auto einigen konnten, unterschiedliche Wege nahmen und das Kind zum kompletten Ausrasten brachten. Meine Schwiegermutter (die von Erziehung auf Augenhöhe noch nicht so sonderlich viel gehört hat) versuchte das am Boden liegende und tobende Kind hoch zu zerren („Ihhhhh, da ist es doch nass, Pfui!“) und auf den Arm zu nehmen, was das Kind natürlich noch wütender machte, bis es schließlich um sich schlug. Als ich aus ihm raus hatte, was das Problem war, ließ sich die Situation recht schnell entschärfen indem ich das Kind auf den Arm nahm und dem Schwager mit den Koffern hinterher ging. Meine Schwiegermutter meint ja sowieso immer das ich mindestens so klapprig bin wie sie und wollte mir unbedingt das Kind abnehmen. Als sie dann allerdings feststellte das es ganz schön schwer ist (15 Kilo) überließ sie mir doch beide Kinder, konnte es allerdings nicht lassen mich am Arm zu zerren. ICH HASSE DAS!!1! Aber ich sagte nichts. Nicht gleich am ersten Tag wieder mit meiner Schwiegermutter verscherzen. Außerdem: zu müde.

Am Auto angekommen zweifelte ich lautstark an dass der Kindersitz richtig im Auto befestigt war. Ich studierte das Piktogramm mit der Anleitung, konnte den Fehler jedoch nicht finden und musste mich mit der irgendwie merkwürdigen Konstruktion abfinden*. Das Baby hatte einen Maxi-Cosi geliehen bekommen und ich setzte es darein, schnallte es fest („Ist das nicht viel zu fest?“) und schnallte danach den Maxi Cosi im Auto an. Dabei ignorierte ich die Anleitung meines Schwiegervaters, sondern machte es einfach genau so wie ich gefühlte 100 mal die Woche Maxi Cosis in Autos anschnalle. Als endlich alle saßen fuhren wir in unsere Wohnung, die wir die nächsten Wochen bewohnen. Natürlich schliefen beide Kinder bei Ankunft.

  
Die Wohnung ist im Haus meines Schwagers, hier hat seine Oma gewohnt, die leider inzwischen verstorben ist. Seitdem ist die Wohnung eine Gäste-Wohnung, hat allerdings nichts von ihrem Oma-Charme eingebüßt. Die Mutter meines Schwagers (nicht meine Schwiegermutter, schwierige Familienverhältnisse und so) hatte netterweise die Wohnung weihnachtlich dekoriert. Mit zerbrechlichen Englein, Weihnachtsmann-Kerzen und weißen, Silberbestickten Tischdecken. Das frisch erwachte, sowieso schon aufgekratzte Kind erforschte erst mal die neue Umgebung und all die vielen zerbrechlichen Dekogegenstände, die ich kaum in dem Tempo retten konnte, wie sie gefunden wurden. Während dessen tanzte meine Schwiegermutter um Kind und Baby herum, wedelte mit Micky Mäusen, Keksen, Nüssen, Mandarinen, Schokolade, und was weiß ich nicht noch alles. Ich war mittlerweile so müde, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, was ich dem entgegen halten sollte. Als das Baby Hunger hatte, wäre ich fast inmitten all der Leute beim Stillen mit eingeschlafen. Als meine Schwiegereltern endlich nach Hause fuhren, war ich dafür dankbar wie selten in meinem Leben. 

Doch leider war auch da an ins Bett gehen noch nicht zu denken, weil ja noch meine Mutter vorbeikommen sollte. Immerhin hatte ich inzwischen einen WLAN-Schlüssel bekommen und konnte dem Kind Maus anmachen, sodass ich wenigstens einen Koffer auspacken und die dreckigen Babysachen zusammensammeln konnte. Meine Mutter hatte für uns etwas eingekauft und außerdem versprochen etwas zu Essen mitzubringen. Sie kam um sechs, mitten in der Maus, mit einem riesigen Topf Grünkohl. Total überraschend kam für sie, dass das Kind keinen Grünkohl mag. Ebenfalls total überraschend kam für sie, dass das Baby sich nicht sofort pudelwohl bei ihr fühlte, sondern genau genommen sofort anfing zu brüllen. Trotzdem ließ ich das Baby nach dem Essen bei ihr damit ich die Koffer fertig auspacken konnte. Das Baby brüllte wie am Spieß, das Kind war enttäuscht weil Oma kaum Augen für es hatte, und ich war komplett genervt. Als meine Mutter dann auch noch mit einem ihrer Ticks anfing, nämlich die ganze Zeit ein und dieselbe Melodie zu summen – sehr laut! – war ich kurz davor ihr Gewalt anzutun. Stattdessen stopfte ich mich und das Kind sehr schnell in Schlafanzüge, putzte uns die Zähne, wickelte in einem Affenzahn das Baby, und verabschiedete mich von meiner Mutter in der Schlafzimmertür. Da war es Acht. Um Viertel vor Neun schliefen wir alle. Bis zum nächsten Morgen um acht.

*heute herausgefunden, wie es wirklich geht. War tatsächlich sehr falsch. Dafür überraschend fortschrittlicher Kindersitz aus den 90ern, der sich bis 13 kg rückwärts gerichtet nutzen lässt. Ich und mein Schwager hatten beide aufs falsche Piktogramm geschaut: der Sitz war quasi angebracht, als würde er rückwärts gerichtet genutzt. Nun ja. Das nächste Mal höre ich auf meine Intuition. Es sei denn, ich bin wieder so müde.