Tag 134 – Bielefeld Tag 10 – Die Ente

Es ist ganz verrückt, was hier und auf Twitter abgeht wegen des Textes von gestern. Und das meine ich im überaus positiven Sinne. Ich war gewappnet für ein Shitstörmchen und bekomme viel Flausch, sachliche und konstruktive Kritik und erfahre, dass nicht nur wir uns eben so durchwurschteln. Das tut sehr gut, gerade vor Weihnachten. Hachz.


 

Was ganz anderes: Ich habe heute online eine Brille bestellt und bin sehr gespannt auf das Ergebnis. Es wurde das Modell, das von allen favorisiert wurde (auch wenn es gegenüber den anderen dreien etwas langweilig rüberkam zunächst, die anderen waren viel bunter und fancyer…), obwohl Herr Rabe zu Recht bemerkte, dass es einen Schatten auf meiner Nase macht. Da ich gehört habe, dass bei Astigmatismus die Positionierung der Gläser im Rahmen total wichtig ist, habe ich den Optiker gezwungen darum gebeten, meine Pupillenposition in dem Gestell auszumessen und hoffe, dass das klappt. Dann noch fix die Gestelle zurückgeschickt und dann sollte Anfang des Jahres die neue Brille zum Spottpreis da sein. Keine Ahnung, wie deren Geschäftsmodell funktioniert, ich hoffe, es ist keine krasse Ausbeutung.


 

Das Kind hat heute auf dem Spielplatz eine imaginäre Ente vor einem imaginären Hai gerettet und passt seitdem darauf auf. Wenn die Ente schläft, werden wir alle angeschnauzt, dass wir leise sein sollen. Fällt die Ente herunter, legt sich das Kind auf den Boden und wartet, bis die Ente wieder auf die Hand gekrochen ist (ja, es ist eine sehr kleine Ente, gerade erst aus dem Ei geschlüpft). Ist die Ente wach, kann man ihr Hallo sagen, „Aber vorsichtig, Mama! Ente Angst sonst!“. Das alles beeindruckt mich ziemlich, das erfordert schließlich einiges an Phantasie und außerdem IST DAS SO UNGLAUBLICH SÜß, DASS MEIN HERZ DIE GANZE ZEIT PLATZT!!1!

Hust. Geht schon wieder. Aber ES HATTE DIE ENTE NOCH NACH DEM EINSCHLAFEN IN DER HAND <3 <3 <3

Tag 131 – Bielefeld Tag 7 – noch einmal schlafen

„Noch einmal schlafen bis Papa kommt.“

Diese Nachricht hält das Kind und mich gleichermaßen bei Laune. 

Dabei hab ich heute schon die Notbremse gezogen und bin freiwillig zu meinen Schwiegereltern gefahren, damit ich wenigstens mal alleine aufs Klo gehen kann. Das Kind weicht mir nämlich keine 2 cm von der Seite und das geht mir tierisch auf den Zeiger. Ich kann NICHTS alleine machen, noch nicht mal mein Handy aus nem anderen Raum holen, es trabt mir sofort hinterher. Meine Fresse, ist das nervig. Da ertrage ich lieber die Kommentare der Schwiegermutter (ist das nicht zu kalt? soll er nicht lieber den Helm aufsetzen, das wärmt wenigstens ein bisschen. Der Wind pfeift ja so.) oder dass sie dreimal in einer Stunde ihren Schlüssel sucht (war davon drei mal in der Hosentasche. Menschen, die sich DEFINITIV nicht im Haus einschließen sollten: meine Schwiegermutter. Wenns da mal brennt, dann wars das.). 

Gestern war ich zwei mal Pinkeln. Ja, meine Blase fasst mehrere Liter, da bin ich ganz sicher. Einmal morgens mit beiden Kindern (das Klo ist auf dem Flur, zu dritt geht die Tür nicht zu, „MAMA AUCH KACKEN???“, Tschüssi Privatsphäre!) und einmal abends als ich dachte, beide Kinder schliefen selig. 

Rabenmutterorden 2015 geht an die Frau, deren Kinder grundsätzlich aus dem Bett fallen, wenn ihr Mann sehr weit weg ist. (Dem Baby geht’s gut, großer Schreck, klar, kleine Beule, aber sonst nix. Wir haben wohl beide gleich viele Tränen vergossen.)

Mann ey, es wird echt Zeit, dass Herr Rabe kommt. Noch ein mal schlafen. 

Tag 130 – Wirres Zeug

Mein Gehirn ist der reinste Pudding, ich kann mich echt kaum noch auf irgendwas konzentrieren. Vermutlich sollte ich mehr schlafen, aber da wir die nächste Runde Rüsselpest von Herrn Paul mitgenommen haben (kein Vorwurf!) ist das im Moment etwas schwierig. Das Baby brüllt nämlich gerne nachts lange und laut und hat eigentlich Hunger, ist aber zu verrotzt zum Stillen, rastet dann beim Geben von Nasentropfen komplett aus und brüllt das Kind wach, das muss dann erstmal aufs Klo und weint dann, weil das Baby so laut ist und so weiter und so fort. 

Dazu kommt ausgeprägte A-Phase beim Kind, Heimweh/Papa-Vermissen beim Kind, Warum-kann-ich-nicht-krabbeln-Frust beim Baby und ständig auslaufende Windeln (vier Sorten probiert von ganz billig bis ganz teuer, Größe 3 und 4, nix bringt den Durchbruch, haha, oder eben genau doch) und akutes Warum zur Hölle bin ich hier weggezogen??? bei mir. 

Jetzt sagen Sie: aber da sind doch jetzt die Großeltern und alle vor Ort, ich seh das Problem nicht. Naja, das würde alles supi helfen, wenn die Großeltern hier mal übernachten und das Baby stillen könnten. Muhahaha. Das Baby. Das brüllt, sobald ich den Raum verlasse. Außer bei meiner Mutter. Da brüllt es auch wenn ich da bin sofort los. Meh. 

Bei Twitter und auf dem Blog von Frau Chamailion zunächst mit Interesse und dann mit wachsendem Unverständnis die hitzige Diskussion über Attachment Parenting verfolgt. Leben und Leben lassen ist ja scheints out als Lebensmotto, aber AP ist ja fast so schlimm wie Impfen als Thema. Und schon habe ich keinen Bock mehr auf AP, wenn das so ne Ideologie ist. Hab ich auch letztens schon gedacht, als Frau Mierau auf ihrer Facebookseite im Shitstorm landete, weil sie geschrieben hatte, dass ihr Sohn bei der Verabschiedung im Kindergarten manchmal weint, und dass sie ihm dieses Gefühl zugesteht. Und da war dann Susanne Mierau (!!!) die schlimmste Mutter der Welt. Ganz schrecklich. Wie man sein Kind so brechen könne. Alter!!!1! Zu Leuten, die sowas sagen, will ich nicht mal entfernt zugeordnet werden. 

(Rabenmuttergeständnis: das Kind wurde mit 13 Monaten im Kindergarten eingewöhnt. Nicht nach Berliner Modell. Die Eingewöhnung dauerte drei Tage, wurde vom Herrn Rabe begleitet, der sogar noch viel länger Zeit gehabt hätte und war überhaupt kein Problem. Aber auch nach zwei Jahren im Kindergarten ist das Kind manchmal morgens traurig, wenn ich gehe. Und ich finde das normal und ok, gehe dann aber trotzdem.)

Trotzdem ist vieles am Attachment Parenting auch gut. Vieles mache ich auch aus Faulheit AP-mäßig (Stichworte Tragen und Familienbett). Aber diese Dogmata, die da zu herrschen scheinen, nee. Da bin ich irgendwie allergisch gegen. 

Irgendwann sortiere ich mal meine Gedanken zum AP. Aber nicht heute. Zu müde, zu wirr in der Birne. 

Tag 128 – Bielefeld Tag 4 – Reisebericht Teil 3

Hier der dritte Teil des Reiseberichts ins schöne Bielefeld, heute hauptsächlich Ankunft.

Im ICE angekommen stellte ich erst mal das Kind ruhig, indem ich ihm Cars anmachte. Laser Scream (Lightning McQueen) verfehlt seine Wirkung nie. Dann versuchte ich circa 5 Minuten, das Gepäck irgendwie sinnvoll in dem Abteil unterzubringen. Dies scheiterte an körperlicher Kraft und räumlichem Vorstellungsvermögen, sodass ich irgendwann genervt aufgab und die sperrigen Gegenstände sperrige Gegenstände sein ließ. Nach ungefähr einer halben Stunde kam ein Mann in unser Abteil und fragte ob die Plätze da noch frei seien. Ich antwortete dass sie das selbstverständlich seien, sofern er sich den Weg dorthin bahnen könne. Der Mann machte sich dann daran die Gegenstände anders sinnvoll im Abteil zu verteilen, auf diese Weise schuf er sich immerhin einen Sitzplatz. Die von ihm angekündigte Familie erschien allerdings nie.

Irgendwann hatte das Baby tatsächlich in seiner Trage ausgeschlafen und wurde wach und hatte Hunger. Danach war es mal wieder Zeit eine Windel zu wechseln, allerdings fand ich kein WC mit Wickeltisch. Also versuchte ich das Baby auf dem zugeklappten Toilettensitz zu wickeln, was dem Baby allerdings zurecht eine Heidenangst einjagte, worauf es wie am Spieß brüllte. Nach dieser Erfahrung wechselte ich in die nächste Windel (die natürlich schon nach ungefähr 20 Sekunden fällig war) einfach auf dem Schoß, was mir einen pikierten Blick und dem Baby ein „Na, hast du einen Stinker gemacht?“ von dem fremden Mann einbrachte. Ich ignorierte das, was mir leicht fiel weil in dem Moment Herr Rabe anrief. Und seine Eltern. Und meine Mutter. Herr Rabe und vor allem seine Eltern wollten wissen, in welchem Abteil beziehungsweise in welchem Zugteil ich denn säße, damit sie uns optimal vom Bahnhof abholen konnten. Meine Mutter wollte wissen wann sie endlich vorbeikommen kann. Also erklärte ich mit sehr schlechtem Empfang meinen Schwiegereltern die Sache mit dem Zugtausch und dass wir direkt hinter dem Bordbistro säßen. Meiner Mutter gestattete ich kampfesmüde noch am selben Abend vorbeizukommen.

In Hannover erschien tatsächlich noch ein weiterer Fahrgast mit seinem Sohn in unserem Abteil und fragte ob die zwei Plätze da noch frei sein. Wieder sagte ich sinngemäß dass wenn er fliegen könne er sich da gerne hinsetzen könne. Woraufhin der Vater kurzerhand das 1000 Tonnen wiegende PramPack mitsamt Kinderwagen darin ganz oben auf die Ablage wuchtete. Es passte millimetergenau. Der große Koffer landete auf der gegenüberliegenden Ablage. Ich informierte den Mann darüber dass ich schon aufgrund meiner Körpergröße keine Chance hätte die Koffer da jemals wieder herunter zu bekommen, er mir also in Bielefeld bitte helfen müsse. Der Mann war allerdings so dankbar, überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen, dass ihm wahrscheinlich alles recht gewesen wäre. So hatte ich dann in Bielefeld angekommen noch einen Kofferträger, und der Mann half mir wirklich sehr nett die 1000 Gepäckstücke plus Kind in den 2 Minuten Halt auf den Bahnsteig zu wuchten. Das größte Problem war dabei, dass meine Schwiegereltern und mein Schwager bereits auf dem Bahnsteig warteten und unbedingt dem Kind beim Aussteigen „helfen“ mussten. Im Endeffekt zerrte meine Schwiegermutter ungeschickt am Kind herum, machte es damit komplett nervös und hielt den ganzen Betrieb auf.

Natürlich wollte meine (Spindeldürre) Schwiegermutter dann auch am liebsten das Kind auf den Arm nehmen, oder zumindest auf dem Trunki ziehen. Mein Schwager nahm die beiden großen Koffer, mein Schwiegervater den kleinen und ich hatte das Baby in der Trage. Meine Schwiegermutter stellte sich als zu klapprig heraus um das Kind effizient auf dem Trunki zu ziehen. Das Kind allerdings schob schon wieder Panik, weil ja jemand, denn es kaum kennt, schon wieder mit unseren Koffern von dannen zog. Kaum aus dem Bahnhof heraus eskalierte die Situation, als Schwager und Schwiegervater sich nicht auf einen Weg zum Auto einigen konnten, unterschiedliche Wege nahmen und das Kind zum kompletten Ausrasten brachten. Meine Schwiegermutter (die von Erziehung auf Augenhöhe noch nicht so sonderlich viel gehört hat) versuchte das am Boden liegende und tobende Kind hoch zu zerren („Ihhhhh, da ist es doch nass, Pfui!“) und auf den Arm zu nehmen, was das Kind natürlich noch wütender machte, bis es schließlich um sich schlug. Als ich aus ihm raus hatte, was das Problem war, ließ sich die Situation recht schnell entschärfen indem ich das Kind auf den Arm nahm und dem Schwager mit den Koffern hinterher ging. Meine Schwiegermutter meint ja sowieso immer das ich mindestens so klapprig bin wie sie und wollte mir unbedingt das Kind abnehmen. Als sie dann allerdings feststellte das es ganz schön schwer ist (15 Kilo) überließ sie mir doch beide Kinder, konnte es allerdings nicht lassen mich am Arm zu zerren. ICH HASSE DAS!!1! Aber ich sagte nichts. Nicht gleich am ersten Tag wieder mit meiner Schwiegermutter verscherzen. Außerdem: zu müde.

Am Auto angekommen zweifelte ich lautstark an dass der Kindersitz richtig im Auto befestigt war. Ich studierte das Piktogramm mit der Anleitung, konnte den Fehler jedoch nicht finden und musste mich mit der irgendwie merkwürdigen Konstruktion abfinden*. Das Baby hatte einen Maxi-Cosi geliehen bekommen und ich setzte es darein, schnallte es fest („Ist das nicht viel zu fest?“) und schnallte danach den Maxi Cosi im Auto an. Dabei ignorierte ich die Anleitung meines Schwiegervaters, sondern machte es einfach genau so wie ich gefühlte 100 mal die Woche Maxi Cosis in Autos anschnalle. Als endlich alle saßen fuhren wir in unsere Wohnung, die wir die nächsten Wochen bewohnen. Natürlich schliefen beide Kinder bei Ankunft.

  
Die Wohnung ist im Haus meines Schwagers, hier hat seine Oma gewohnt, die leider inzwischen verstorben ist. Seitdem ist die Wohnung eine Gäste-Wohnung, hat allerdings nichts von ihrem Oma-Charme eingebüßt. Die Mutter meines Schwagers (nicht meine Schwiegermutter, schwierige Familienverhältnisse und so) hatte netterweise die Wohnung weihnachtlich dekoriert. Mit zerbrechlichen Englein, Weihnachtsmann-Kerzen und weißen, Silberbestickten Tischdecken. Das frisch erwachte, sowieso schon aufgekratzte Kind erforschte erst mal die neue Umgebung und all die vielen zerbrechlichen Dekogegenstände, die ich kaum in dem Tempo retten konnte, wie sie gefunden wurden. Während dessen tanzte meine Schwiegermutter um Kind und Baby herum, wedelte mit Micky Mäusen, Keksen, Nüssen, Mandarinen, Schokolade, und was weiß ich nicht noch alles. Ich war mittlerweile so müde, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, was ich dem entgegen halten sollte. Als das Baby Hunger hatte, wäre ich fast inmitten all der Leute beim Stillen mit eingeschlafen. Als meine Schwiegereltern endlich nach Hause fuhren, war ich dafür dankbar wie selten in meinem Leben. 

Doch leider war auch da an ins Bett gehen noch nicht zu denken, weil ja noch meine Mutter vorbeikommen sollte. Immerhin hatte ich inzwischen einen WLAN-Schlüssel bekommen und konnte dem Kind Maus anmachen, sodass ich wenigstens einen Koffer auspacken und die dreckigen Babysachen zusammensammeln konnte. Meine Mutter hatte für uns etwas eingekauft und außerdem versprochen etwas zu Essen mitzubringen. Sie kam um sechs, mitten in der Maus, mit einem riesigen Topf Grünkohl. Total überraschend kam für sie, dass das Kind keinen Grünkohl mag. Ebenfalls total überraschend kam für sie, dass das Baby sich nicht sofort pudelwohl bei ihr fühlte, sondern genau genommen sofort anfing zu brüllen. Trotzdem ließ ich das Baby nach dem Essen bei ihr damit ich die Koffer fertig auspacken konnte. Das Baby brüllte wie am Spieß, das Kind war enttäuscht weil Oma kaum Augen für es hatte, und ich war komplett genervt. Als meine Mutter dann auch noch mit einem ihrer Ticks anfing, nämlich die ganze Zeit ein und dieselbe Melodie zu summen – sehr laut! – war ich kurz davor ihr Gewalt anzutun. Stattdessen stopfte ich mich und das Kind sehr schnell in Schlafanzüge, putzte uns die Zähne, wickelte in einem Affenzahn das Baby, und verabschiedete mich von meiner Mutter in der Schlafzimmertür. Da war es Acht. Um Viertel vor Neun schliefen wir alle. Bis zum nächsten Morgen um acht.

*heute herausgefunden, wie es wirklich geht. War tatsächlich sehr falsch. Dafür überraschend fortschrittlicher Kindersitz aus den 90ern, der sich bis 13 kg rückwärts gerichtet nutzen lässt. Ich und mein Schwager hatten beide aufs falsche Piktogramm geschaut: der Sitz war quasi angebracht, als würde er rückwärts gerichtet genutzt. Nun ja. Das nächste Mal höre ich auf meine Intuition. Es sei denn, ich bin wieder so müde. 

Tag 127 – Bielefeld Tag 3 – Reisebericht Teil 2

Wie versprochen geht es weiter mit der Beschreibung unserer Reise ins schöne Bielefeld.
Wir waren ja von Herrn Paul am Flughafen abgeholt worden, dieser schnappte sich auch gleich gentlemanlike die zwei wirklich großen Koffer, und wir gingen zum Bus. Der Bus stand auch schon bereit und sollte in 2 Minuten abfahren. Ich musste noch den Trolley loswerden bevor ich in den Bus steigen konnte, während Herr Paul mit den beiden Riesenkoffern bereits einstieg. Dies veranlasste das Kind zu kurzer Panik, dass der komische Mann mit Bart unsere Koffer klauen wolle. Als es danach aber die Plätze im Bus aussuchen durfte (ganz hinten natürlich wo die coolen Kinder sitzen) war alles wieder gut. So fuhren wir mit dem Bus zu Herr Paul, wo Herr Pauls bezaubernde Frau Jott schon das Frühstück bereitet hatte. Das Kind forderte im Bus das Schicksal und sein Immunsystem heraus indem es die Fensterscheibe ableckte. 

Bei Herrn Paul angekommen freundete sich das Baby direkt mit Herrn Schnuffke, der bunten Spielmatte und dem einen Ende eines langen Babyspielzeugs an. So besabberten die Babys fröhlich den Fußboden, und ich hatte Zeit mit dem Kind aufs Klo zu gehen. Das Kind zeigte große Begeisterung für den Seifenschaumspender, zur Abwechslung musste ich es deshalb mal nicht zum Hände waschen zwingen. Dann gab es sehr leckeres Frühstück für alle mit leckerem Kaffee für die Großen. Das Kind wollte erst mal nur ein halbes Brötchen mit Schokocreme essen, dann war es sehr viel spannender, mit Jott ein Bild für Opa zu malen und zu kleben. Jott zeigte dabei ungeahntes Talent beim Zeichnen eines Elches, Respekt! Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, und ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe Herrn Paul um dieses Treffen zu bitten. Dieses Internet ist eben doch gar nicht so unpersönlich wie man meinen könnte ;) Das Baby bekam dann noch eine frische Windel und einen sauberen Body angezogen, ich packte einen weiteren sauberen Body als Ersatzbody in meinen Rucksack und die versifften Klamotten in den Koffer. Dann war es schon wieder Zeit zum Bahnhof aufzubrechen, wir zogen uns umständlich an, das Kind schaffte es irgendwie noch Jott eine kleine Elsafigur abzuluchsen, der kleine Charmeur, und dann machten wir uns auf den Weg. 

Dank Schienenersatzverkehr mussten wir erst mal den Bus nehmen, wo es uns zunehmend schwer fiel, das Kind vom einschlafen abzuhalten. Als das Kind dann jedoch hörte, dass wir gleich mit der S-Bahn weiterfahren würden, waren seine Lebensgeister wieder geweckt. Dafür stellte es dann auf dem Bahnsteig fest, dass es dringend aufs Klo müsse. Netterweise durften wir im Kontrollhäuschen schnell pullern gehen. Dann fuhren wir mit der S-Bahn zum Ostkreuz, wo wir umsteigen mussten. Das Kind war ziemlich aufgekratzt, und rannte mehr als das es ging. Als wir aus dem Fahrstuhl ausstiegen konnte ich ihm gerade noch hinterherbrüllen, dass es nicht so schnell rennen solle, als es die wartende S-Bahn entdeckte. Das Kind rannte aber weiter auf die Bahn zu und schaffte es exakt in dem Moment, als die Türen der S-Bahn sich zu schließen begannen, in den Schuhgröße 25 großen Spalt zwischen Bahn und Bahnsteigkante zu treten. Das Resultat war: Oberkörper in der Bahn, Bein bis zur Hüfte im Spalt, die Türen im Schließen begriffen. Ich Beamte mich die drei Meter vorwärts, packte das Kind im Nacken an seiner Weste und riss es nach oben und hinten. Irgendwie glückte mir das Wunder, alle Körperteile aus dem Spalt und der Tür heile herauszubekommen, bevor die Bahn abfuhr. Danach musste das Kind vor Schreck ziemlich doll weinen, und auch mir stand die Pippi sehr weit oben in den Augen. Ich darf mir immer noch nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können. Verkehrserziehung ÖPNV steht auf jeden Fall auf meiner inneren To-Do-Liste! 

Wir fuhren dann mit der S-Bahn ziemlich käsebleich zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg freute sich das Kind: „Ein Leuchtturm!“. Den meisten ist dieser Leuchtturm besser bekannt als der Fernsehturm am Alex. 

Am Hauptbahnhof waren wir dann früh genug, um dem riesigen Weihnachtsbaum noch einen Besuch abzustatten. Das Kind war sichtlich beeindruckt und wir machten ein paar Fotos von uns und dem Baum und uns vor dem Baum. Dann gingen wir zum Gleis, immer noch sehr zeitig, und entdeckten eine Anzeige, die Wagenreihung sei aufgehoben und die Platzreservierung werde nicht angezeigt. Meine schöne mitten in der Nacht getätigte Reservierung im Kleinkindabteil war damit zum Teufel. Wegen des vielen Gepäcks blieb uns allerdings nicht viel anderes übrig, als uns rücksichtslos und mithilfe von Herrn Paul einen Weg in das erste Abteil zu bahnen, um uns dort augenblicklich mit unserem Gepäck sehr breit zu machen. Dann musste Herr Paul leider aussteigen (das Kind fand das sehr schade und wollte gerne dass Herr Paul mit nach Bielefeld fährt) und los ging die Fahrt. 

  
Morgen geht die Geschichte unserer Reise dann mit der Bahnfahrt und der Ankunft im schönen Bielefeld weiter. Freuen Sie sich auf meine aufgeregten Schwiegereltern, meine noch aufgeregtere Mutter, sowie drei komplett übermüdete Raben.

Tag 126 – Bielefeld Tag 2 – Reisebericht Teil 1

Wie versprochen hier der ausführlichere Reisebericht. Dies ist ein Fortsetzungsroman wegen Überlänge der Geschichte (und des Tages), meiner Unfähigkeit mich kurz zu fassen, und der späten Uhrzeit. 

Hier Teil 1: Zu Hause bis Berlin

Der Tag fing mit 4:00 Uhr Jahr zu einer wirklich unchristlichen Zeit an. Natürlich klappte es auch überhaupt nicht, sich aus dem Bett zu schleichen während die Kinder noch schlafen. So waren beide Kinder mit uns zusammen wach und aufgekratzt wie nie. Trotzdem schaffte ich es irgendwie zu duschen und Herr Rabe machte Kaffee und bespaßte dabei die Kinder. Dann packte ich den Rest und schon allein um mir das Kind vom Hals zu halten räumte Herr Rabe mit dem Kind gemeinsam den schon fertig gepackten Kram ins Auto. Durch diese grandiose Teamarbeit schaffen wir es tatsächlich nur 9 Minuten nach der angepeilten Abfahrtszeit loszufahren.

Am Flughafen angekommen mussten wir noch das PramPack abholen. Die Security-Angestellten waren dabei unheimlich langsam, was Herr Rabe zunehmend nervös machte. Nach abholen des PramPacks packten wir den Kinderwagen rein, noch das Kickboard und den Helm dazu, und machten uns daran unser Gepäck aufzugeben. Durch die Dödeligkeit der Security-Angestellten hatten wir das Gepäck genau 5 Minuten vor Abschluss des Check-Ins abgegeben. Gut, dass am Flughafen sowieso noch nichts aufhatte, so gingen wir einfach direkt durch die Sicherheitskontrolle. Auch gut, dass das Kind noch ziemlich müde war, so fiel der „Papa-bleibt-hier“-Protest ziemlich mild aus. Nach der Sicherheitskontrolle gingen wir direkt zum (am weitesten entfernten) Gate zum Boarding. Noch einmal schnell die Wasserflaschen aufgefüllt, und schon hörten wir die „letzter Aufruf“-Durchsage. Also direkt ins Flugzeug, irgendwie das Handgepäck ins Gepäcksfach gestopft, und umringt von sichtlich genervten Passagieren Platz genommen. 

  
Das Kind war total aufgeregt und konnte überhaupt nicht schlafen, guckte aber glücklich Cartoons auf dem kleinen Bildschirm ohne Ton. Das Baby hatte zuerst Hunger, schlief dann ein bisschen, wurde wach und drückte sich brummend die Hose voll. Zum schlafen hatte ich das Baby in die Trage gesteckt, was ich jetzt als fataler Fehler herausstellte. Denn in der Trage wird gewissermaßen die Windel komprimiert und hat dann so ungefähr gar kein Fassungsvermögen mehr. Und natürlich wollte auch das Kind nicht alleine auf dem Platz sitzen bleiben, so dass ich auf der super engen Flugzeugtoilette versuchte das Baby komplett umzuziehen (dabei hatte ich extra die super niedlichen Anziehsachen  ausgesucht), während das Kind sich auf den verbleibenden 20 Quadratzentimetern in die Toilette quetschte. Nach vollendeter Tat setzten wir uns wieder hin, weiterhin von genervten Fluggästen umringt. Nach 10 Minuten musste das Kind aufs Klo. Also machten wir uns wieder auf dem Weg aufs Klo, das Kind pieselte ein bisschen, und wieder hingesetzt. Da waren wir dann auch schon fast gelandet und mussten uns wieder anschnallen. Das Baby war irgendwie unruhig, aber ich schob das auf den Druckausgleich, was sich wenig später als Trugschluss herausstellte, als es zum zweiten Mal mit viel Gebrumm in die Hose machte. Mit einiger Verzweiflung weil kein zweiter Wechselbody zur Hand war, wechselte ich in Windeseile dem Baby die Windel, während die Passagiere langsam das Flugzeug verließen. Ja, auf dem Sitz. Ja, ich hatte etwas untergelegt. Ja, ich wurde von einem Steward angepampt. 

Als wir endlich fertig waren und unsere Sachen anhatten, raffte ich schnell unseren Kram zusammen und wir liefen als letzte aus dem Flugzeug. Dann mussten wir nur noch gefühlte 500 m über das Rollfeld laufen, durch Kälte und Nieselregen, und schon waren wir im Terminal. Die Gepäcksausgabe war so schnell, dass unsere Koffer schon an uns vorbei fuhren, so schnell konnte ich leider nicht reagieren, was das Kind zu einem kleinen Ausraster brachte. Als unsere Koffer wenig später wieder auf dem Band auftauchten war das Kind allerdings beruhigt, ich packte die Koffer auf einen Trolley, das Kind obendrauf und raus aus dem Terminal. Den eingepackten Kinderwagen zog ich dabei, und das war genau so schlimm wie ich mir das ausgemalt hatte. Und aus genau dem Grund hatte ich auch im Vorfeld Herrn Paul angefragt ob der uns nicht vom Flughafen abholen könne bzw. vor allem wolle. Der hatte nicht nur zugesagt sondern kam überpünktlich quasi zeitgleich mit uns in der Vorhalle an. Ich war nie so dankbar, einen nahezu völlig fremden Menschen zu treffen. Er war tatsächlich gekommen, mein Retter in der Gepäcknot. Uffz.  

Morgen dann Teil 2: Berlin und Familie Herr Paul-Schnuffke

Tag 123 – Füße in die Luft!

Hallo! Hallo, Sie! Ich hab Ihnen doch schon mal was erzählt, da war ich ziemlich angepisst, aber jetzt bin ich total fröhlich, wissen Sie, wieso?

Ich kann jetzt voll die Sachen. Also richtig richtig tolle Sachen. Ich kann Sachen in eine Hand nehmen und dann in die andere Hand tun. Ich kann auch Sachen in die Hand nehmen und dann in den Mund stopfen. Also, wenn die Sachen lose sind. Mit Mamas Nase funktioniert das nicht, das ist doof. Ich will die so gerne mal in den Mund nehmen, die sieht lecker aus! Ich kann auch an meinen Fingern lutschen und ich krieg auch richtig viele davon gleichzeitig in den Mund, nur manchmal muss ich dann kotzen, das ist eklig. Dann weine ich. Letztens hab ich Kartoffel gegessen. Die war zu groß, da musste ich auch kotzen, aber bis dahin war sie lecker gewesen. Obwohl mir Milch immer noch am allerliebsten ist, das andere Essen, das ist interessant da zuzugucken, wenn die Großen das essen, man scheint das kauen zu müssen, das sieht lustig aus, aber das lass ich nach dem Kartoffelunfall glaub ich erst noch ne Weile.
Ich kann mich jetzt auch auf den Bauch drehen wenn ich will, egal, was mir die Großen um den Po gebunden haben. Ist das nicht toll? Und ich hab auch schon ein paar mal geschafft, mich wieder zurück zu drehen. Aber irgendwie ist mir das unheimlich, den Kopf so nach hinten ins nichts zu legen, bis der dann auf dem Boden ist, das ist so weit, verstehen Sie? Meistens überleg ich es mir deshalb kurz vorher noch mal anders und bleib einfach auf dem Bauch. Das ist ja auch ganz toll eigentlich, da kann ich mich hochdrücken und an den Querstreben vom Spieltrapez saugen, das ist auch lustig. Oder ich guck mir das Bärchen mal aus der Perspektive an. Oder ich drücke mich nur auf einem Arm hoch, dann kann ich mich drehen, also wie ein Propeller. Ich versuche auch manchmal, vorwärts zu kommen, ich hab das gesehen, wie das geht, da muss man so den Po hochkochen und die Knie dann so… Aber das geht irgendwie noch nicht. Naja, später. Erst mal ist es voll cool, so rumgucken zu können, sieht alles ganz anders aus. Mamas Füße zum Beispiel, die sehen ganz anders aus als meine.
Ja, genau, das hab ich ja noch gar nicht erzählt, dabei ist das doch das allerbeste! Ich kann jetzt nämlich auch meine Füße in die Hände nehmen und festhalten. Dann kann ich die auch mit den Händen bewegen. Füße sind eh das alleecoolste auf der ganzen Welt. Papa sagt, meine sehen lustig aus, wie aufgepumpt. Ich finde, die sehen lecker aus. Und lustig. Da hat Papa schon recht. Ich freue mich immer, wenn meine Füße da sind. Meistens sind die irgendwie versteckt, dann sind die nicht so toll, aber wenn man die richtig sehen kann sind die witzig! Wenn dann noch Mama da dran pupst, freue ich mich immer total, auch wenn Mama immer sagt, dass die nach Käse riechen. Weiß ich auch nicht, wie das kommen soll, ich kann ja gar nicht laufen, und wenn, würd ich wahrscheinlich nicht auf Käse laufen, aber das kann man ja auch wieder nicht wissen, Große Leute machen viele komische Sachen, vielleicht laufen die ja auch auf Käse.
Meine Mama und meinen Papa versuche ich auch immer davon zu überzeugen, dass ich schon stehen kann. Ehrlich, in Echt kann ich das total gut! Glauben Sie mir das auch nicht? Menno! Ich kann das echt! Ok, Sie müssen mich vielleicht ein bisschen festhalten. Ja, vielleicht auch ein bisschen mehr. Aber ich schaff das schon! Und eigentlich kann ich sogar tanzen. Ja, da staunen Sie jetzt, ne? Aber kann ich echt! Wenn mich einer unter den Achseln festhält. Dann tanze ich. Und weil das so witzig ist, dass ich schon tanzen kann, lache ich mich dabei kaputt. Und dann muss ich meine Hände in den Mund stecken, dann kann ich zwar nicht mehr so gut lachen, aber sonst wird das zu aufregend.

Das wars erst mal von mir, ich muss jetzt Milch trinken, sehr viel, sehen Sie, wenn man so viele tolle Sachen kann, dann muss man auch sehr viel Milch trinken. Außerdem ist das ja auch schön, da kann ich meine Mama immer bei angucken und das ist total gemütlich. Am besten fände ich ja, wenn meine Mama einfach den ganzen Tag nackig wäre, aber irgendwie findet die das nicht so gut. Versteh ich nicht.

Bis bald mal –

Das Baby

Tag 121 – Julegrøt

Wir waren heute beim besten Freund (sofern man das bei Dreijährigen sagen kann) des Kindes Julegrøt essen. Das ist Milchreis mit einer Mandel drin, wer die findet bekommt eine Überraschung. Bei Erwachsenen wäre das Schnaps gewesen. Bei Kindern eher nicht. Zufällig *hier riiieeesiges Augenzwinkern vorstellen* waren zwei Mandeln im Milchreis, und beide (!!!) waren in den zuvor für die Kinder bereitgestellten Tellern. Verrückt, nicht wahr? So ein Zufall. 

Jedenfalls hatte ich eine Vorahnung, dass es möglicherweise zu einem Geschenkeaustausch kommen könnte und habe in Windeseile heute Mittag eine Mütze genäht. Und eingepackt*. Und ein Kärtchen geschrieben. Und das alles, während das Baby wach war! Aber dafür können die Jungs beim nächsten Mal die Bude im mützenmäßigen Partnerlook auseinandernehmen. 

Ich bin jetzt reif fürs Bett. 

*und danach hab ich dann dran gedacht, das man ja auch mal ein Foto hätte machen können. Nun gut. Roter Jersey mit blauen Sternen, zum Wenden. Müssen Sie sich jetzt eben vorstellen. 

Tag 116 -300 mL Milch auf ein Babyvollbad

Heute nur sehr kurz, weil das Baby ins Bett möchte. Beziehungsweise wissen wir das nicht so genau, das Baby ist seit ein paar Tagen total angepisst dauernd und von allem, ob das jetzt von der Erkältung kommt weiß der Himmel, aber die macht es sicher nicht besser. Super nervig ist allerdings, dass es 1. keinen Bock auf Stillen hat und oft erst nach Jahrmarktartigem Unterhaltungsprogramm trinken mag (und dann aber auch fix wieder brüllt und sich wegbiegt und so) oder eben im Halbschlaf, was aber auch schwierig ist wegen 2. nicht einschlafen kann. Einschlafstillen ist ja eh so ein Mythos an den das Baby nicht glaubt und im Moment (also seit ein paar Tagen eben) müssen wir für jedes Einschlafen das Baby herumschleppen oder auf dem Pezziball hüpfen bis wirs am Kopf kriegen. Das mag nachmittags um drei noch ganz ok sein, nachts um eins ist es das dann nicht mehr. Zumal das Baby auch bis es endlich schläft meckert, sich die Finger zu weit in den Hals schiebt, würgt, hustet, röchelt, kneift und kratzt. Deswegen probieren wir heute mal ein alternatives Einschlafprogramm: Früh mit Baby ins Bett und dann da bleiben, damit es nicht durchs „Wir Großen gehen dann jetzt auch mal ins Bett“ nochmal so aufdreht.

Ach so, ja, Baden in Muttermilch hat ganz gut geklappt, wenigstens gab’s nicht die ganze Zeit Gebrüll. Danach wollte das Kind auch mit Milch baden, ich hab es ein bisschen verarscht um Konflikte zu vermeiden habe ich Kuhmilch in den Muttermilchbeutel gefüllt und die durfte es dann in sein Badewasser kippen. Merke: Wenn man mit Milch im Wasser badet, wird die Haut nicht so schrumpelig wie sonst. Das heißt, das Kind kommt überhaupt gar nicht mehr aus der Wanne raus. Nienieniemals.