Tag 2000 – Ferien ohne Kinder.

Juhu, ich hab noch Urlaub und die Kinder nicht! Das ist ganz wunderbar, selbst mit Michel abholen mitten am Tag.

Den Tag nutzte ich zum Putzen und Meerschweinchen sauber machen, wiegen, Krallen schneiden und Haare (Muffin) kürzen. So langsam fühle ich mich wieder wohler zu Hause, das meiste Chaos ist beseitigt und es stört mich nicht mehr der Staub auf dem Schrank, auch wenn ich ihn nicht sehe.

Related: Ich habe festgestellt, dass die Beutel-Füllgrad-Anzeige am Staubsauger nicht besonders gut ist, und dass der Staubsauger viel besser saugt, wenn er einen frischen Beutel und neue Filter bekommen hat. So eine Überraschung aber auch!

Auch related: wir wissen nicht so ganz, was wir mit der Putzhilfe machen. Im letzten Lockdown kam sie nicht, wir haben sie aber trotzdem weiter bezahlt. Diese Woche geht es ja auch noch alles, aber wenn das hier wieder länger dauert, wird’s halt blöd mit dem Putzen. Man gewöhnt sich ja doch sehr an den Luxus, eine Putzhilfe zu haben. Richtiger wäre es, ihr abzusagen, keine Frage. Verboten ist es nicht, es ist ja eine Geschäftsbeziehung, kein „Besuch“. Ach mann, alles blöd.

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Die Menschen, die in Gjerdrum tot geborgen wurden, sind nun alle identifiziert worden. Es sind immer noch 3 vermisst. Wer jemals wieder in die Häuser zurückkehren kann, und wann, ist noch völlig unklar. Zur Zeit ist neben der Suche nach den Vermissten die größte Sorge, dass durch den Erdrutsch die Abwasserkanäle „abgerissen“ sind, und das nun alles einfach… naja. Sie können sich das vorstellen.

Tag 1999 – Weiter geht’s.

Also, da nimmt eine sich mal feste vor, das Doomscrolling* sein zu lassen und ist ein paar wenige Stunden nicht dauernd am Handy, schon gibt’s ne Pressekonferenz der Regierung, dass Norwegen wieder verstärkt zumacht. So ein Glück, dass es Silvester noch erlaubt war, so zu feiern, wie wir gefeiert haben (und es sich auch sicher anfühlte), weil wir jetzt *gar keinen* mehr treffen dürfen. Niemanden. Nur die Kinder dürfen in ihrer Freizeit noch andere Kinder aus derselben Schul- oder Kindergartenkohorte treffen.

Für uns heißt das konkret:

  • Michel geht erstmal nicht zum Sport-Hort. Der macht zwar weiter wie bisher und darf das auch, aber da werden ziemlich viele Kohorten gemischt und ich finde das nicht richtig, wenn die Regierung genau das empfiehlt, sein zu lassen
  • Die Frage nach „was machen wir mit Pippis (und meinem) Tanzen“ erübrigt sich vorerst (Auch da würde es sich falsch anfühlen, aber das ist Pippi schwer zu vermitteln und auf die Tanzschule kann man da nicht bauen – die machen, was erlaubt ist)
  • weiter Homeoffice
  • Keine Treffen, auch nicht mit den Corontänefreunden, anderen Freunden, den Nachbarn oder sonst irgendwem
  • Unser Inspektionsplan wurde quasi soeben angezündet
  • Seufz

Ich habe keine Lust mehr auf dieses Coronagehampel, aber es hilft ja alles nix, wir müssen da wohl weiter durch, bis wir es entweder alle hatten** oder bis wir alle geimpft sind.

Ich hab ja noch drei Tage Urlaub, die werde ich wohl mit Putzen, Nähen, Streichen und Schulweg mit Michel üben*** verbringen.

SEUFZ!

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Ein sehr trauriges Update: in Gjerdrum sucht man nun nur noch nach drei Menschen. Man hat sieben gefunden, aber bisher nur eine Person identifizieren können. Die Rettungskräfte geben aber die Hoffnung nicht auf, die drei Personen lebend zu finden. Wieviel Realismus dabei ist, kann sich bei -9 Grad nachts jede*r selbst überlegen. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Vermissten und Verstorbenen.

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* Sich wissentlich und willentlich schlechten Nachrichten aussetzen, vor allem in Social Media, aber auch in Zeitungen und co.

** Wobei da ja auch nicht geklärt ist, warum sich manche neu infizieren und in welchem Umfang das passiert.

*** Er kann den ja, ist aber schrecklich aufgeregt.

Tag 1997 – Rumschlunzen.

Manche haben schlecht und alle zu wenig geschlafen, weshalb wir den ganzen Tag seeeehr langsam waren und viel Kaffee getrunken haben. Das ist schon ein okayer Start ins neue Jahr.

Jetzt sind wir wieder zu Hause, haben die Schweinchen, die uns empört anquiekten, als wir zur Tür rein kamen, versorgt, haben lecker gegessen, Pippi ist beim Maus gucken am Abend eingeschlafen und wir Erwachsenen gehen gleich auch ins Bett.

Ein guter, ruhiger Tag, mit schalem Beigeschmack. https://www.nrk.no/norge/dette-er-de-savnede-etter-skredet-i-gjerdrum-1.15309985 (ich kenne keine der Personen. Aber ich hatte ganz kurz Hoffnung, dass man sagen könnte „Ach, die Familie! Die sind doch immer über Weihnachten und Silvester auf Gran Canaria!“)

Es ist 1996…

Bitteschön, 1. Ohrwurm des Jahres 2021.

Ich liege hier bei den Kindern im Matratzenlager, während eines wunderbaren Silvesterfestes.

Wir haben mit den Corontänefreunden gebührend ins neue Jahr gefeiert und 2020 ein herzliches f*ck you, tschüss und komm nie wieder mit auf den Weg gegeben.

Es war so schön, dass ich bisher noch nicht mal ein Foto gemacht hab.

Ich wünsche Ihnen allen, ach was, uns allen, dass 2021 nicht noch mal so ein Abfuck wird. Es kann eigentlich nur noch bergauf gehen!

So, jetzt schläft auch Michel, Pippi schnarcht schon. Zwei der drei besten Menschen, die ich um mich haben darf, ganz friedlich. Hach.

Ich wünsch Ihnen was. Vor allem: Frohes Neues!

Tag 1995 – Umme Ecke.

Bevor Sie sich sorgen – und geht’s gut. Der Erdrutsch ist nicht bei uns. Der Erdrutsch ist zwar, wie wir, in „Øvre Romerike“, aber immerhin ca. 30 km entfernt. Wir haben heute auch gelernt, dass wir nicht auf Quickton wohnen, nur auf „Matsch auf Fels“, was ja eine viieeeel sicherere Grundlage ist, Ähäm.

Morgen werde ich das, was wir mit dem Verkauf der Möbel vor grad mal zwei Wochen eingenommen haben, plus ein bisschen was, an eine gemeinnützige Organisation spenden, die die Familien unterstützt, die nun nicht mehr dort wohnen können, weil ihr Haus in einen Abgrund gefallen ist oder noch könnte oder sonstwie beschädigt wurde. Ich nehme an, selbst wenn ein Haus noch steht, ist es nicht mehr so stabil, wenn ein paar Meter weiter sich plötzlich ein riesiges Loch aufgetan hat.

Ich denke außerdem an die Angehörigen der noch 10 vermissten Menschen, an die selbst, und ich werd den total beknackten Gedanken nicht los, dass Leute da ihre Haustiere in einstürzenden Häusern zurücklassen mussten und was würden wir mit den Meerschweinchen machen. Die armen Meerschweinchen. (Ja, mir ist schon klar, dass das Copingmechanismen sind, die mir ermöglichen, mich nur Häppchenweise mit dem zu beschäftigen, das eine halbe Stunde Autofahrt von hier, in dem Ort, in dem wir vor ein paar Monaten noch eine Konfirmation gefeiert haben, passiert ist und weiter passiert.)

Tag 1994 – Bilder gemacht.

Der Haussegen wurde wieder gerade gerückt, Hurra. Kommunikation ist halt alles (und schrecklich anstrengend, von Zeit zu Zeit).

Ich habe endlich Bilder von den Kinderzimmern gemacht. Nur Lampen müssen wir noch tauschen, aber ich habe unsere neue Schlafzimmerlampe erst heute gekauft, deshalb ging das noch nicht.

Michels Zimmer
Michels Zimmer – mit „Tagesdecke“ auf dem Bett.
Michels Schrank. Die Türen und Griffe wollte er so haben. Die Schubladen sind noch leer, dieses Kind ist ja eher minimalistisch veranlagt. Hinter den schwarzen und grünen Türen verbergen sich herausziehbare Körbe, statt Schubladen.
Pippis Schrank. Deutlich voller.
Ob sie die Gardine wirklich behält, ist noch nicht entschieden.

Morgen geht es ein bisschen weiter und ein bisschen Einkaufen für Silvester. Der Plan ist, tatsächlich richtige Menschen zu treffen. Mal schauen, ob wir das noch können.

Tag 1993 – Hrmpf.

Der Haussegen hängt schief.

Ich liege schon wieder in einem Kinderbett. Letzte Nacht habe ich im Bett des anderen Kindes geschlafen (zu kurz und zu schlecht), nachdem selbigem Kind in unserem Bett (natürlich, macht ja sonst keinen Spaß) der Nachtisch vom Abendessen wieder hoch kam.

Das alles ist mistig nach einem eigentlich guten Tag. Mist.

Gute Nacht.

Tag 1992 – Meilensteine.

Michel kann jetzt Kaffee kochen. Also, nein, anders: Michel kann einen Kaffee Latte machen, an einer Siebträgermaschine und mit Dampfdüse ohne „Cappucinator“ und ohne Thermometer. Das macht er sogar freiwillig und bringt ihn uns ans Bett. „Davon habe ich nichts, Mama, nur glückliche Eltern.“ Ja, mein Spatz, überglückliche und vor Stolz platzende Eltern. Hachz hachz.

Wir haben die Kinderzimmer endlich, endlich so weit fertig. Und auch in unserem Arbeitszimmer ist wieder halbwegs Fußboden erkennbar. „Umziehen“ ohne Umziehen ist wie diese Schiebespielchen, wo man Plättchen mit nur einem freien Raum hin- und herschieben muss, bis sie ein Bild ergeben. Inklusive „ich hab mein Glas auf die Kommode gestellt – aber wo ist die Kommode hin?“. Uffz. Bilder morgen, heute war ich zu alle und die Kinder hatten auch schon ein Zimmer voll Lego gerödelt und in einem gebastelt. So wird das nix mit der Instagramability.

Ehrlich gesagt freue ich mich auf einen normalen Montag. Wir haben keinen Knoblauch mehr, nachdem die letzte Knolle zur Hälfte nicht mehr gut war – was wir an Heiligabend nachmittags bemerkten. Ich habe zwar auch zu morgen einen Einkauf bestellt, aber den Knoblauch vergessen. Gnah. Aber so habe ich eine Ausrede, wieso ich dringend das Haus verlassen und in den Ort gehen muss. Gehen, weil sich für eine Knoblauchknolle ja auch nicht lohnt, das Auto zu nehmen. Außerdem ist es eh sauglatt (morgen hoffentlich nicht mehr, es gab heute mehrere Unfälle in unserer Gegend und die Norweger*Innen sind ja Schnee, Schneematsch und Glätte eigentlich gewohnt). So.

Jetzt ab ins Bett, morgen geht ein Wecker, gegen die Versumpfung.

Tag 1991 – Kurz gut.

Heute hat es endlich geschneit. Kurz. Ein wenig. Grade genug für einen Schneeausflug mit Schlitten.

Das war auf dem Rückweg, als wir losgingen, war es noch hell, ehrlich!

Das war sehr schön und es zieht mich total runter, dass es jetzt schon wieder regnet und die nächsten Tage auch wieder Kackwetter sein wird, wie die ganzen letzten Monate auch schon. 2020 soll jetzt echt endlich weg gehen und all das mitnehmen.