Tag 3551 und 3552 – Laune, leider.

Ich habe heute, nach langem Hadern, das Choreografieprojekt erst mal dran gegeben. Ich schaffe es nicht, zur Zeit. Ich habe tausend Ideen, aber keinen Antrieb, sie umzusetzen, mit dem Ergebnis und mir und überhaupt allem bin ich eh nicht zufrieden und ganz generell hätte ich beim Planen meinen Zyklus berücksichtigen müssen. Habe ich nicht und jetzt will ich nur Schokolade essend mich selbst bemitleiden, aber auf gar keinen Fall möchte ich kreativ sein, meinen Körper zeigen, oder eine lustige Nummer vorführen. Nein. Komplette Verweigerung auf allen Ebenen.

Jetzt geht es mir etwas besser, wo ich mir immerhin das eingestanden habe. Die Küche habe ich auch schon umgeräumt, dann können morgen Herr Rabe und Pippi auch wieder nach Hause kommen. Michel ist schon wieder da. Der hatte eine gute Zeit bei seinem Kumpel, ist aber auch froh, wieder sein eigenes Bett zu haben.

Tag 3549 und 3550 – Ganz allein.

Gestern hatte ich große Mühe, in Gang zu kommen, Tjanun. Dafür hat man ja auch Ferien, nicht wahr. Bestimmt.

Heute war besser, erstens war die Putzhilfe da und deshalb mussten wir zumindest schon mal aufstehen und uns anziehen und das zu einer normalen Uhrzeit. Danach war das Haus auch sauber. Außerdem wollte Michel dann bittedanke gerne zu seinem Kumpel gebracht werden, um da zu übernachten. Und seitdem bin ich hier ganz allein in einem sauberen Haus. Das ist sehr ungewohnt. Ich habe dann, um nicht nur rumzugammeln, wie ungefähr ganz Øvre Romerike den Gartenabfall zur Entsorgungsstation gefahren (da war es gerammelt voll, und alle kippten massenweise Gartenabfälle auf den Mount Kompost, der da schon auf wirklich imposante Größe angewachsen ist) und dann war ich ausgiebig im Second-Hand-Laden bummeln. Ich habe brutal hohe Stöckelschuhe gefunden (in denen ich mit ein bisschen Übung aber erstaunlich gut laufen kann. Halt so für 5 Minuten, dann schlafen meine Zeigezehen ein, da wird wohl was eingeklemmt. Aber mehr braucht es ja auch nicht für eine Burlesque-Nummer) und ein paar alberne Kleider, sowie eine „Biker“-Jacke aus Paillettenstoff, ein Traum der gender-nonkonformität. Der Second-Hand-Laden ist neu und wirklich sehr schön gemacht. Das Konzept ist eher Flohmarkt-ähnlich, man kann da „Stände“, eher so Regalmeter, mieten und dann sein Zeug da anbieten. Nur Kleidung, Schuhe und Assessoires. Für die Kund*innen ist es wie ein leicht unaufgeräumter Klamottenladen, wobei die Stände beschriftet sind mit wenigstens Größen und einige Kleidungsstücke hängen auch thematisch zusammen in Ecken, zum Beispiel Abendkleider oder Winterjacken. Es gibt ein großes Schuhregal und vernünftige Umkleidekabinen. Wie in nem Laden hängt man nach dem Anprobieren alles was man nicht haben will auf einen Ständer und die Angestellten räumen das anhand der Strichkodes wieder zurück an die richtigen Stände. Ich bin wirklich angetan von dem Konzept. Woran sie arbeiten könnten, ist, dass es offenbar Leute gibt, die sowas als Geschäftsmodell haben. Da hängt dann drei mal das gleiche Stück, mit dem Händler-Etikett noch dran, also komplett neu. Aber vielleicht bin ich da auch nur empfindlich, weil das meiner Vorstellung von Second Hand nicht entspricht. Anyway, ein schöner Ausflug.

Dann habe ich die Küche leergeräumt, die Rollläden runtergelassen und dann zunehmend verzweifelt versucht, mir eine Choreografie auszudenken, von der ich bis dahin überzeugt war, dass sie eigentlich schon fertig in meinem Kopf ist. Stellt sich raus: nein. Einfach nein, einfach gar nicht. Ich bin jetzt so halb fertig, ich musste nämlich auch noch einkaufen und das wurde alles knapp plötzlich. Hmmhmmhmm, mal gucken, was ich mit diesen Plänen so mache. Vielleicht muss ich auch ein paar Darlings killen, wie man so schön sagt, aber das fällt mir immer sehr schwer, egal bei was.

Jetzt liege ich im Bett und habe mir, da unsere Bettdecke in der Waschmaschine ist, Michels Gewichtsdecke ausgeliehen. Wenn ich jetzt nicht schlafe wie ein Stein weiß ich auch nicht.

Tag 3548 – Erster Ferientag schon rum.

Herr Rabe und Pippi sind gut in Deutschland angekommen. Jetzt ist es hier schon viel stiller als normalerweise. Michel war heute mit seinen Schulfreunden schwimmen, was fast glatt gelaufen ist, nur eine vergessene Badehose und generelle Verwirrung wegen Eintritt bezahlen, die Kinder sind allesamt nicht so fokussiert, glaube ich. Ich war derweil in Oslo zu einer Geigenstunde. Die war soweit ganz ok. Bach ist schon eher anspruchsvoll, selbst die einfachen Stücke. Aber so schön dabei. Hach.

Ansonsten habe ich Sport gemacht, gebadet, Michel und ich haben Sushi gegessen und ich habe abends Kleider anprobiert, die lange gar nicht mehr zugingen. Aber jetzt gehen sie zu und ich kann dann auch noch atmen. Nachdem mir meine Inspektionshosen (von denen ich ja drei identische habe) nämlich jetzt alle nicht mehr passen, dachte ich, ich könnte diese heiß geliebten Kleider mal wieder anprobieren. Ich weiß, von Größe 42 abzunehmen ist Meckern auf sehr hohem Niveau und es ging (und geht) mir ja auch nicht zentral ums abnehmen (sonst würde ich weniger essen und das möchte ich gar nicht). Aber mehr generelle Fitness, mehr machen können, weniger Wehwehchen haben, besser schlafen und weniger weich überall sein, hat inzwischen zwei Kleidergrößen weniger als Nebenwirkung gehabt. Was eben nur heißt, dass mir jetzt meine Klamotten von vor Covid und diesem phasenweise immer wieder ungesunden Job wieder passen. Ich bin da sehr stolz drauf, das habe ich nämlich ganz allein so durchgezogen. Und ziehe weiter durch. Und ohne weniger essen. Oder irgendwas nicht mehr essen. Tragisch, übrigens, dass ich am Samstag keine Biscoff-Creme bekommen habe, ich hoffe inständig, dass der Laden, wo ich die kaufe, die nicht dauerhaft aus dem Programm genommen hat. Das wäre wirklich ein großer Verlust für mich.

Tag 3546 und 3547 – Wieder zu Hause.

Ich bin gestern nach der Inspektion ziemlich problemlos wieder nach Hause gekommen. Trotz Anfang der Osterferien, was meine Kollegin und ich nicht so ganz auf dem Schirm hatten, als wir gebucht haben. Aber abgesehen davon, dass wir ein bisschen länger als üblich auf unser Gepäck warten mussten, lief alles glatt. Ich machte nur am Flughafen den Fehler, in meine Mails zu schauen und regte mich daraufhin sehr über meine Chefin auf. Tja.

Jetzt ist Urlaub. Für alle. Herr Rabe und Pippi fahren morgen nach Deutschland und sind dann da bis Karfreitag. Michel und ich rödeln hier zu Hause vor uns hin. Ich glaube, das ist so gut für alle. Ich hab nach Ostern direkt die nächste Inspektion und verreisen wäre mir grad echt zu viel.

Für Michel ist gut, Ferien von der Lehrerin zu haben. Pippi vermisst ihre Lehrerin und ihre Klassenkameradinnen jetzt schon und war auch kurz neidisch, weil sie dachte, am Dienstag sei Korps, wo Michel dann hin gehen könnte, aber sie nicht. Was aber ja Quatsch ist, in den Ferien ist kein Korps und auch sonst nichts. Lediglich Ostermontag ist Tanzen, weil es das letzte reguläre Training vor der Show ist.

Wir haben gestern noch einiges Haarsträubendes über die Lehrerin von Michel erfahren, das will ich hier gar nicht breittreten, aber das geht zum Teil echt auf keine Kuhhaut mehr. Da sind wir schon im illegalen Bereich, bei manchen Dingen. Und das weiß die Schule auch und trotzdem passiert irgendwie nichts außer Meetings mit einzelnen Eltern und der Schulleitung. Immer wieder in neuen Runden und Konstellationen, zwischendurch kündigt dann noch kurz die Schulleitung. So kann da halt auch nichts bei rum kommen.

Immerhin sagt Michel, die Lehrerin hätte gesagt, an der neuen Schule (die barneskole zieht in den Sommerferien in das neue Gebäude um) würde sie Werken unterrichten. Das heißt, sie bekäme dann keine Klassenleitung. Das wäre sehr schön für Pippi.

Derweil war Herr Rabe heute Abend (zufällig, vorher kannten die sich nicht) mit einem der potentiellen neuen Klassenlehrer von Michel auf einem Konzert und Bier trinken. Das ist hier wirklich ein Dorf.

Tag 3543 und 3544 – Müde af.

Ich habe von gestern auf heute Ultra schlecht geschlafen, war so um drei Uhr wach, konnte bis 5 nicht mehr einschlafen und um halb sechs musste ich aufstehen. Da kriege ich dann auch mal Migräne von, ja. Besonders schön, wenn man irgendwie inspizieren soll, nebenher. Der Hersteller ist jetzt auch nicht unbedingt einer, wo es nicht ganz so schlimm ist, wenn man mal 5 Minuten nicht ganz dabei ist. Solche haben wir durchaus auch, aber hier ist es nicht so.

Gestern Abend hatten wir ein konspiratives Treffen mit anderen Eltern aus Michels Klasse und jetzt sind wir erst recht sauer. Da hat die Schule uns einfach mal allen erzählt, dass nur unser Kind, als allereinzigstes, total schlimm ist. Alle anderen Kinder kommen total supi mit der Lehrerin klar. Alles ist rosig, nur mit unserem Kind stimmt was nicht. Gemacht wird auch nichts, auch für die anderen Kinder werden die hart erkämpften Maßnahmen, die den Kindern den Schulalltag leichter machen sollen, in einer Form umgesetzt, die sich für die Kinder wie Strafen anfühlen. Einer muss immer in Mathe in einem anderen Raum sitzen, weil er weiter ist, als der Rest. So als Beispiel. Michel wird rausgehängt und vor der ganzen Klasse wird betont, dass er den Computer benutzen darf, während die anderen mit der Hand schreiben, WEIL ER JA ADHS HAT UND SO EINE SCHLECHTE HANDSCHRIFT. Ein anderes Kind wird rausgehängt, weil seine Eltern auf regelmäßigen Treffen mit eben jener Lehrerin bestehen. Generell ist bei allen der Eindruck da, dass es für die Kinder immer schlimmer wird, je mehr wir Eltern intervenieren. Der Frust darüber wird dann an den Kindern ausgelassen. Aber nur an den Jungs. Ich bin wirklich keine Männerrechtlerin, die ständig von der schlimmschlimmschrecklichen Benachteiligung von Jungen im Schulsystem erzählt, aber in diesem Fall ist sehr deutlich, dass die Lehrerin Kinder im allgemeinen nicht und Jungs ganz besonders wenig mag. Es tut mir echt leid für das Ranten, aber die Situation ist geprägt von Willkür und Machtdemonstrationen und das alles ist echt Kacke, vor allem für die Kinder. Wie man es macht, ist es jetzt verkehrt. Mein Verständnis für die Lehrerin ist langsam auch am Ende, die letzte Eskalation kann sie sich komplett alleine auf die Fahne schreiben. Wir haben uns wirklich bemüht, zu Hause nicht schlecht über die Schule oder die Lehrerin zu reden, aber das ist langsam nicht mehr möglich, ohne direkt zu lügen.

So, Rant ende.

Falls Pippi diese Lehrerin im nächsten Jahr als Klassenlehrerin bekommen sollte, wechselt sie die Klasse am ersten Schultag. Das tue ich ihr nicht und uns nicht noch mal an.

Tag 3541 und 3542 – Ächz.

Oha, Hormone. Plötzlicher Abfall von irgendwas, quasi ins Bodenlose, und meine Laune geht direkt mit. Ich will nicht mit meiner Kollegin streiten (muss aber, weil sie Quark gemacht hat), ich will nicht mit meinem Arzt streiten (muss aber, wegen Schilddrüse, die nicht mehr da ist, und anderen Hormonen), ich will nicht mit Michels Lehrerin streiten (muss aber, aus Gründen). Speziell letzteres möchte ich nicht, es sind noch 2 Monate an dieser Schule, herrgottnochmal. Kann man da nicht vielleicht einfach sein lassen, wieder alles anzuzünden? Also die Lehrerin. 12-Jährige sind halt 12-Jährige, da ist manchmal nicht so sehr viel Selbstreflexion und nur rudimentäre Impulskontrolle vorhanden, dass die das nicht so raus haben, die Streichhölzer im Rucksack zu lassen, finde ich relativ normal. Wir arbeiten dran, aber das gleiche erwarte ich auch von einer Lehrerin meines Alters.

Außerdem war Tanzen und wir haben die Choreografie gefühlt 35 mal durchgetanzt, davon 4 oder 5 mal im großen Saal (der immer noch kleiner ist, als die Bühne). Jetzt fühlt sich mein linkes Bein an, als würde es heute Nacht einfach abfallen, unter dem großen Zeh hat sich eine richtig miese Blase gebildet und ich bin so platt und weinerlich und generell unpässlich.

Jaja, ich nehm ja meine Pillen schon.

Tag 3538 – 3540 – Viel.

Hier ist ein bisschen viel los und zusammen mit der Zeitumstellung von letzter Woche, die immer noch mit sich bringt, dass ich viel zu spät ins Bett komme, ist das alles nicht so gut.

Donnerstag war ich im Büro, dann da beim Sport und dann wollte ich mir noch kurz die Haare schneiden lassen, was dann aber länger dauerte wegen Wartezeit und dann war es nicht mal gut. Was mir aber erst heute so richtig auffiel, dass zum Beispiel um die Ohren rum nicht richtig geschnitten wurde, sodass da noch lange Haare abstehen. Jedenfalls war es Donnerstag dann am Ende spät.

Gestern habe ich einige Überstunden gemacht, damit ein Report eventuell Montag fertig werden kann. Das ist langweilig für Sie zu hören. Das interessanteste, was passiert ist, war, dass ich bei einem Zuhör-Meeting erfahren habe, dass manche Männer sich Eigenfett an ihren Willy transplantieren lassen, damit der dicker wird. Ja. The more you know.

Heute habe ich Michel und seine Kumpels ins Kino gebracht, die haben den Minecraft-Film angeschaut. Das war wohl gut. Danach bin ich mit Pippi nach Oslo gefahren (wo Herr Rabe heute einen Workshop hatte) und habe viel Geld ausgegeben. Pippi hat jetzt „Marschschuhe“, die ihr passen, also komplett schwarze, bequeme Turnschuhe mit guter Sohle, um damit am 17. Mai den ganzen Tag zu marschieren. Aus der Damenabteilung, weil Pippi für eine Neunjährige enorm große Füße hat. Außerdem hatte die Damenabteilung ein viel größeres Angebot. Ich habe jetzt richtige Laufschuhe, für meine gelegentlichen Joggingtouren. Mit Laufbandanalyse und Fußabdruck-Analyse und allem. Wenn man da hin geht und sagt „Ich hasse laufen, aber ich mache es halt und die Schuhe sollten mich vielleicht nicht auch noch daran hindern“ verstehen die das erstaunlich gut und jetzt habe ich einen soliden Hobbyschuh mit guter Dämpfung, der breit und stabil ist und mit dem man keine Rennen gewinnt, aber der die Gelenke nett behandelt. Das war auch ein relativ günstiges unter all den absurd teuren Modellen.

Pippi hat in Oslo ein Dubai-Eis gegessen, das ihr gar nicht mal so gut geschmeckt hat. Aber wenn man neun ist, muss man das grade trotzdem haben.

Danach war ich ziemlich gar und bin im Zug nach Hause eingeschlafen. Anstrengend, dieses draußen sein.

Tag 3536 und 3537 – Müde.

Mir fallen die Augen zu, deshalb nur ein kurzes Piep. Und wenn mir wer erklären könnte, was der Satz „Neujahrskinder werden im April geboren“ heißen soll, wäre ich sehr dankbar, ich schnalle das nämlich beim besten Willen nicht.

„Dass das Neujahrskind im April geboren wird, ist nicht nur etwas das man sagt, das ist Realität.“

So, Licht aus.

Tag 3534 und 3535 – Zurück im Werk.

Da sind immer noch alle irre. Wer hätte es gedacht. Ich mag hin und her nicht und da ist grad so viel hin und her, ich möchte schreien.

Vielleicht bin ich auch einfach schon wieder Urlaubsreif. Gut, dass bald Ostern ist.

Gestern war hier nicht so viel los. Da Michel Samstag die zweite Dosis der HPV-Impfung bekommen hatte, hing der ein bisschen durch und beschwerte sich zwischendurch immer mal wieder ausdauernd über seinen schrecklich schmerzenden Arm. Wir Erwachsenen machten so sexy Sachen wie Herr Rabes Steuererklärung. Pippi und ihre Freundin wanderten im Regen einmal zur Tankstelle und mit Eis wieder zurück.

Über Regen bin ich ganz froh, denn erstens ist Regen kein Schnee und zweitens ist es hier zur Zeit so furchtbar staubig, dass es eine Wohltat ist, das mal der ganze Staub gebunden wird, wenigstens für kurz.