Tag 3515 – Kunst.

Die Kinder hatten heute Korpskonzert, das war echt gut. Die Ansammlung eher spezieller Kinder ist ja immer sehr unterhaltsam und man muss auch nur bei den allerkleinsten ein bisschen atmen und sich in einen schalldichten Raum meditieren. Pippi durfte heute zum ersten Mal Pauke spielen. Ich glaube, sie ist in diesem Schlag-zeug/werk-ding für ihr Alter echt gut. Sie war auch sehr stolz. Und dann hat sie noch gesungen, ganz alleine, und das super gemacht. Ich bin sehr stolz. Michel hat ein stark von John Cages 4‘33 inspiriertes, selbst komponiertes Stück aufgeführt und mit seiner Klassenkameradin etwa 5 Minuten sehr intensiv ins Publikum gestarrt. Der Quatschkopf.

Wahrscheinlich bin ich eigentlich nur sehr müde, aber ich friere mir grad furchtbar den Hintern ab. Auch schon seit über einer Stunde und die Kinder haben alle meine Wärmekissen gemopst. Das ist recht ungünstig, aber ich gehe jetzt auch brav gleich ins Bett, dann ist es morgen bestimmt besser. Als Bonus probiere ich meine neue Schlafbrille aus, die ich gestern auspacken durfte. Ich werde dann jetzt zur Pro-Schläferin, ich werde so erfolgreich schlafen, da kann sich der Rest der Welt aber mal umgucken!

Ansonsten war Konacar heute zur „AU/HU“, oder „EU-Kontrolle“ wie sie hier heißt. Überraschenderweise stößt sie weiterhin keinerlei Gase aus. Ist das nicht schön. Jetzt dürfen wir erst mal wieder 2 Jahre damit rumfahren, stets in der Hoffnjng, dass ihr nicht doch plötzlich so ein Verbrennungsmotor wächst.

Tag 3514 – Groß!

Ich habe heute die beste Familie und die besten Kolleg*innen gehabt. Und die besten Bloglesenden auch und die besten online-Freunde ebenfalls.

Nur erwachsen bin ich bisher nicht geworden.

Morgens gab es Geschenke und Kuchen von der Familie. Dann gab es einen vergessenen Turnbeutel zur letzten Stunde Schwimmen dieses Schuljahr und Drama und dann hab ich wegen des Turnbeutels den Zug verpasst.

Bei der Arbeit erwartete mich das. Bekloppte Kolleg*innen.

Dann gab es noch mehr Kuchen und Blumen und Geschenke und sehr sehr liebe Worte von den Kolleg*innen und Chefinnen und, hach.

Das meiste vom Rest vom Tag war wunderbar Routine. Auch das: Hach. Man muss es ja nicht gleich übertreiben mit der Feierei und was hilft besser gegen fünf Stücke Kuchen am Tag als eine Stunde Ballett?

Geschenke!

Meine Chefin (und der Lieblingskollege auch) hat hervorgehoben, dass ich ja immer so farbenfroh sei. Weiß gar nicht, was sie meint.

Meerschweinchen sind ja wohl total seriös. Vor allem Meerschweinchen mit Schleifchen.

Gegenbeweis, ich kann auch schwarz-weiß-hellrosa.

Haare haben jetzt die Farbe Bubblegum, muss dringend mal wieder färben. Aber ist auch eigentlich ganz cool so.

Tag 3512 und 3513 – Erwachsen.

Von gestern auf heute waren die Kinder bei einem Korpsseminar mit Übernachtung und Herr Rabe und ich hatten deshalb kinderfrei. Ich hätte auch gut den Tag auf dem Sofa verbringen können, aber es begab sich, dass unser Freund R. auch Familienfrei hatte und gerne was gutes Essen und danach noch etwas trinken gehen wollte. Also machten wir das. R. kennt sich, im Gegensatz zu uns, in Oslos Restaurants echt gut aus und wir landeten, weil das erste Restaurant bereits komplett voll war und wir sicher 45 Minuten hätten warten müssen, bei Hrímnir Ramen. Auch da mussten wir warten und es war alles doll hipstermäßig mit nur drei Gerichten (natürlich alles Ramen) auf der Karte, aber es war wirklich lecker. Danach gingen wir in eine Art Kneipe, so richtige Kneipen-Kneipen gibt es hier ja nicht, aber es sah immerhin aus wie eine. Da gab es überraschend gute Cocktails zu schwindelerregenden Preisen und überraschend wenige Biere. Aber, also wenn Sie mal da sind, in der Kneipe unterm Nedre Foss Gård (Kronen-irgendwas?): den deutschen Barkeeper nach Hubba Bubba fragen. Das ist ein Cocktail mit Gin, Rhabarbersirup, Blutorange und Dingens und ist echt lecker. Steht aber nicht auf der Karte. Fruchtig und säuerlich. Nehmen Sie auch viel Geld mit. Wir hatten über unseren Getränken sehr nette Gespräche und sind gegen viertel nach neun, wie so Eltern eben, nach Hause gegangen. Es war ein wirklich schöner Abend unter Erwachsenen.

Heute war ein bisschen Kuchen backen und ähnliche Aktivitäten angesagt. Morgen (denn morgen ist erst, wenn man geschlafen hat!) werde ich endlich erwachsen. Bestimmt jedenfalls. Ich erwarte, dass sich das Erwachsensein morgens auf mich herabsenkt und dann irgendeine magische Sache passiert, die Innen- und Außenleben vereint und ich mich nicht mehr fühle wie eine 25-Jährige, die seriöse Inspekteurin und Mutter von halbwüchsigen Kindern spielt.

Für mitlesende Familie: ich bin erreichbar vor neun, zwischen 16 und 17:50, zwischen 18:30 und 19:15 und nach 21 Uhr. Also nur für den Fall der Fälle, ne? No pressure.

Tag 3507 – Fertig.

Jesus, was ein langer Tag. Inspizier, inspizier, kein, nada, null, Tageslicht gesehen. Bis auf für Klo nicht mal den Meetingraum verlassen. Ächz.

Morgen den ganzen Tag plant tour, anders anstrengend.

Ich bin schon sehr zufrieden mit mir, dass ich abends im Hotelzimmer noch ein kleines Workout eingeschoben habe. Wider dem körperlichem Verfall. Leider habe ich auch gar nicht mal so gut geschlafen, ich hatte irgendwie Angst, zu verschlafen und war deshalb dauernd wach. Blöd.

Tag 3506 – 200 km nach Süden.

Bin gut im Hotel angekommen und freue mich auf Schlafen. Das Bett ist bequem und die Decke warm, das Reisekissen ist bezogen, die Schlafmaske bereit, die Ohrenstöpsel sitzen. Alle möglichen Wecker sind gestellt.

Eine Woche hier. Könnte sehr viel Arbeit und ansonsten sehr langweilig werden. Die Langeweile setzt schon ein. Aber ich habe ein Buch dabei, das ich jetzt lesen werde, bis die Matratze und die warme Decke ihren endgültigen Effekt haben.

Tag 3504 und 3505 – „Allein“.

Herr Rabe ist mit seiner Arbeit eine sehr norwegische Aktivität ausüben, nämlich auf einer Hütte sein. Morgen kommt er zurück, wir klatschen kurz ab und dann fahre ich auf eine Inspektion. Zwar in Norwegen, aber ich bin trotzdem die ganze Woche weg.

Weil Herr Rabe nicht da ist, bin ich hier alleine zuständig und weil ich in der Situation wirklich Angst hatte, von der für heute geplanten zweiten Gürtelroseimpfung wieder so ausgeknockt zu werden, wie nach der ersten Dosis, habe ich den Termin um zwei Wochen verschoben. Vorher habe ich den Beipackzettel und die Produktinformation durchgelesen, ob das auch wirklich kein Problem ist und nein, ist es wirklich gar nicht.

Pippi übernachtet heute bei einer Freundin, ich bin also mit Michel alleine. Michel sieht man am Wochenende eher selten, der spielt die meiste Zeit Minecraft, Roblox oder Fortnite. Zum Essen kommt er mal raus, oder um zum dritten mal zu fragen, wann Herr Rabe wieder kommt oder bei welcher Freundin denn Pippi genau schläft. Oder was „wir“ morgen machen, das ist seine Lieblingsfrage. Ich verstehe das Bedürfnis dahinter, nämlich möglichst genau Bescheid zu wissen, was passieren wird, sehr gut, aber manchmal amüsiert es mich doch, denn Michel ist am Wochenende wirklich nur mit Gewalt zu was anderem als Computer spielen zu bewegen. Was wir anderen machen, könnte ihm ja so gesehen ziemlich egal sein. Aber nein, er muss das alles ganz dringend wissen.

Was ich morgen mache: Aufstehen, Frühstück, Sport, Packen, Geige, Baden, Aufräumen (vielleicht nicht in dieser Reihenfolge), eventuell die üblichen Wochenenddinge wie Wasser am Aquarium tauschen und Blumen gießen, Essen machen, Essen und dann die Kollegin am Flughafen einsammeln und zum Ort fahren, wo wir dann eine Woche lang sind. Da ist auch ungefähr nichts außer dem Hersteller.

Jetzt mache ich mal das Licht aus, damit das morgen nicht doch noch in Stress ausartet.

Tag 3500 und 3501 – Arbeit, Arbeit.

Gestern war mal wieder so ein Kacktag bei der Arbeit. Ehrlich, wenn ich den eigentlichen Job nicht so mögen würde, ne? Für die Organisation oder die Chefinnen und Chefs bleibe ich jedenfalls nicht da. Die interessieren sich ja auch allesamt nicht für mich (oder irgendwelche anderen Angestellten), außer dass ich gefälligst meinen Job machen soll ohne zu meckern. Während alles, was irgendwie den Hauch von „Extra“ hat, zusammengestrichen wird. Hrmpf.

Heute Homeoffice, das ist schon viel besser, da muss ich wenigstens nicht auch noch für einen Salat mit sehr dürftigen Mengen satt machendem Zubehör 50 Kronen hinblättern. Und ich muss nicht in der lauten Kantine essen.

Und ich kann Michel zum Kieferorthopäden fahren, wo ich dann davon überrumpelt werde, dass die Praxis irgendwie verkauft wurde (?) und der Kieferorthopäde jetzt nicht mehr da ist, dafür aber zwei neue. Und auch irgendwie null Helferinnen? Es ist alles etwas seltsam. Aber die Behandlung soll so weiter laufen, wie gehabt. Neuer Termin nach Ostern. Der neue Kieferorthopäde ist auch wirklich nett, das ist es nicht, ich war nur sehr überrascht.

Abends Geige gespielt und mich darin gesonnt, dass mein Lehrer am Sonntag sehr viel Lob für mich hatte. Aufgrund von Erkältung hatte ich die Stunde kurzfristig auf online umgebucht, dann bin ich auch weniger nervös. Ich wollte aber wirklich in erster Linie nicht meinen Lehrer anstecken, der ist ja auch Gesangslehrer und professioneller Sänger. Muss ja nicht sein, meine Viren mehr als nötig zu verteilen. Gestern war ich dann abends auch nicht beim Ballett, aus dem selben Grund. Aber im Büro war ich, das sagt jetzt sicher ganz viel über meine Prioritäten aus. Fit genug für Sport bin ich nämlich durchaus, Herr Rabe und ich haben gestern und heute auch fleißig das Programm durchgezogen. (Gedenken Sie so ca. übermorgen ruhig Herrn Rabe, ich sehe schrecklichen Muskelkater am Horizont aufziehen.)

Apropos Geige: ich muss jetzt wirklich eigentlich immer mit Gehörschutz üben, weil irgendwas passiert ist, das macht, dass ich jetzt viel mehr Geräusch erzeuge als vor ein paar… ja tatsächlich Wochen noch. Es ist laut. Und danach klingeln meine Ohren, besonders das linke, was mir gar nicht gefällt.

Älter werden ist nichts für Feiglinge.