Tag 3330 – Wechselwarmencontent.

Gestern hatte Greg eins seiner Thermometer abmontiert und ein Stück Holz umgeschmissen. Mehr war nicht, aber ich wurde, wenn eine Schlange das kann, vorwurfsvoll angeguckt, als ich das Zimmer verließ. Wie kann ich es auch wagen, die hungrige Schlange einfach hungern zu lassen. (Sie hungert nicht. Sie ist vielleicht hungrig, aber die können ja lange ganz ohne Futter sein. Das hat Greg nur vergessen, nehme ich an. Kleine Gehirne.)

Heute waren wir auf einer Reptilienmesse. Die Norwegische Herpetologische Vereinigung hat das ausgerichtet und das war nur eine halbe Stunde von hier. Da gab es viel zu gucken, jede Menge Tiere, Ausrüstung, Zeug, sogar Schmuck aus abgeworfener Schlangenhaut (sowas musste Pippi dann natürlich haben und würde ich große Ketten tragen, hätte ich mir so eine vielleicht auch gekauft. Aber vielleicht bastel ich mir so Ohrringe selbst). Herr Rabe guckte interessiert die Geckos und Echsen an, aber Herr Rabe will weder einen Kranzgecko noch einen Leopardgecko haben und so klassische grüne Badezimmergeckos darf man hier nicht halten, schade Schokolade. Ich bin eh nicht so dafür, irgendwas anzuschaffen, das man dann mit lebenden Insekten füttern muss, weil wuaaahhhh nein danke. Ich bin fein mit Tieren von 0-4 Beinen, darüber hinaus… nee.

Wo ich dabei bin, das sind zwar keine Reptilien oder Amphibien, aber ein paar Spinnen waren auch da. Alles Taranteln, die sind ja noch halbwegs ok, weil langsam, entspannt und so groß, dass man sie garantiert sieht.

Unter dem nächsten Bild kommen Schlangenbilder, be prepared!

Michel möchte als Zweitschlange eine Kornnatter haben, ich hingegen möchte eine Baumpython. Die wollte ich schon immer, aber die sind teuer und brauchen Tropenterrarien. Aber ich bin ja jetzt erwachsen und kann selber entscheiden, wofür ich mein Geld ausgebe, vielleicht richte ich in nem Jahr oder zwei dann ja ein Tropenterrarium ein.

Es war auf der Messe übrigens auch eine Königspython für 200.000 Kronen (knapp 25.000 €), das finde ich dann schon einigermaßen bekloppt, selbst wenn man damit züchtet und es sooooo ein seltenes Gen ist. Generell verstehe ich den Zucht- und Morph-Trend nicht so ganz, also ja, da gibt’s zum Teil schon echt hübsche Muster, aber es sind ja in erster Linie Tiere, keine Sammlerstücke. Anyway. Zurück zur Baumpython.

Muhaha.

Ich meine, die sind einfach so hübsch! Diese hier wird wahrscheinlich noch blauer mit der Zeit. Ich möchte eine klassisch grün-blaue, keinen fancy Morph.

Sie hatte wohl vergessen, dass sie eine Baumpython ist und war von ihrem Gerüst runter geklettert.

Abends haben Michel und ich Greg gefüttert (Monty nicht, erstens hat hen jetzt eine etwas erweiterte Fütterungsfrequenz, 10 Tage statt 7, und zweitens liegt Monty seit Tagen nur rum und sieht matt und genervt aus, wird sich also wahrscheinlich bald häuten. Laut Kalender kann das auch gut sein, so nach vier Ratten die hen gefressen hat) und Greg hat wie immer kein Gewese gemacht und sofort zugeschnappt. Allerdings hat hen diesmal irgendwie in den Schwanz der Ratte gebissen und musste sich dann ziemlich verrenken, um sich doch noch um den Körper zu wickeln. Das sah ein bisschen lustig aus und ich habe deshalb davon ein Foto gemacht. (Achtung, zusätzlich zur Schlange ist eine tote Ratte auf dem Bild).

Als ich das nächste mal guckte, zuppelte Greg seine Beute in eine bessere Position um sie zu fressen, also war hen scheinbar zufrieden mit hens Würgeeinsatz. Ich habe neulich übrigens erst gelernt, dass die ihre Beute nicht ersticken, sondern durch das „Würgen“ die Blutzufuhr zum Herzen und zum Gehirn unterbinden. Das geht auch wesentlich schneller als Ersticken und vor allem kann sich die Beute viel schneller nicht mehr wehren. Voll gut – aus Schlangensicht.

Was Greg nicht weiß: damit geht hen dann auch in den 10-Tages-Rhythmus, weil das jetzt die nächste Futtertiergröße (60-90 g) ist.

Tag 3328 und 3329 – Hier passiert Nix.

Irgendwie nur Arbeit und sonst nichts spannendes. Am spannendsten (vielleicht) ist dass ich hier in Michels Zimmer sitze, weil er hoffentlich mal langsam schläft, man da aber nie so ganz sicher sein kann, und ich höre, wie Greg herumrödelt. Greg hat vermutlich Hunger und kriegt auch morgen was, aber halt morgen erst. Ich bin sehr gespannt, ob ich gleich sehen kann, was Greg da angestellt hat, es klang wie komplette Ummöblierung.

Tag 3327 – Noch weiter außerhalb der Komfortzone.

Der Kurs, das neue Hobby, wie man es nun nennt, hat mich heute vor eine echte Herausforderung gestellt. Wir sollten Gefühle darstellen. Mein einziges Gefühl dazu: HAHAHA NOPE WO IST DIE TÜR TSCHÖMITÖ!!! Aber… Scheiße mit Schwung und es ist ja auch wieder nur ne andere Art Maske. Ne selbstsichere, professionelle Person darstellen kann ich inzwischen auf Knopfdruck, dann kann ich auch ne selbstsichere Person mit Bühnenpräsenz sein, und wenn’s unbedingt sein muss auch eine bubbly fröhliche Person. Bei letzterer komme ich mir halt richtig dämlich vor, aber was soll’s. Scheiße mit Schwung.

Jetzt ist aber sowas von Bettzeit, muss mich erst mal von dem Kurs erholen, puh.

Tag 3326 – Vier Bier!

Heute, während wir Apfelpfannkuchen aßen und ich ganz sentimental war, aber meine Kinder mich nur verständnislos fragten, was ich an Äpfeln in Pfannkuchen gut finde, hatte ich mit den Kindern ein Gespräch.

Pippi: „Mama? Hast du schon mal Bier getrunken?“

Ich: „Ja.“

Pippi, geschockt: „Und Wein?“

Ich: „Ja, auch Wein.“

Pippi, mich ansehend als hätte ich grad gesagt, dass ich mir jedes Wochenende die Nasenscheidewand wegkokse: „Und glaubst du, Papa hat das auch schon mal gemacht?“

Ich, mühsam Lachen unterdrückend: „Ja, Papa hat auch schon mal Bier und Wein getrunken.“

Pippi: „Weißt du was? Als von N. die Katze gestorben ist, hat der Papa von N. vier Bier getrunken! Ehrlich wahr!“

Ich: „…“

Pippi: „… alkoholfreie!“

Ich, weiter mühsam Lachen unterdrückend: „Also ich trinke auch gerne alkoholfreies Bier.“

Michel: „Ich hab das mal probiert, aber ich mag das nicht.“

Ich: „Muss man ja auch nicht, das ist halt eigentlich auch für Erwachsene, auch wenn kein Alkohol drin ist.“

Michel: „Vielleicht mag ich das ja jetzt. Können wir mal nen Film gucken?“

Ich: „Wie, nen Bier-Film? Damit du alkoholfreies Bier probieren kannst?“

Michel: „Ja. Können wir Der Hobbit 2 gucken?“

Ich: „…“

Pippi: „In Deutschland trinken die Leute viel mehr Bier.“

Ich: „…“

Michel: „Ja, die haben da sogar nen ganzen Tag für.“

Ich: „???“

Michel: „Ja. Oktoberfest.“

Es folgte noch eine kleine Aufklärung über das Oktoberfest und dass gar nicht in ganz Deutschland Oktoberfest ist und so, aber den Auszug oben wollte ich Ihnen nicht vorenthalten.

(Und den Kindern erzähle ich nichts davon, was Herr Rabe und ich alles schon zusammen erlebt haben, wo Bier, Wein und andere alkoholische Getränke involviert waren. Oder dass wir auch mit den Eltern von N. schon mal nicht-alkoholfreie Getränke genossen haben.)

Tag 3325 – Einfach schw…arbeiten.

Nun ja, ich bin ja doch zur Arbeit gefahren, habe da drölfzig Meetings gehabt und bin dann wieder nach Hause. Morgens vorher hab ich noch einen Blazer zur Reinigung gebracht (eine Tätigkeit, bei der ich mich immer unfassbar erwachsen fühle) und nachmittags nach der Arbeit habe ich mein Piercing im Ohr (Rook) wieder einsetzen lassen (eine Tätigkeit, bei der ich mich immer wie so eine flippige Jugendliche fühle).

Abends war endlich wieder Ballett, das war toll, obwohl oder vielleicht weil unsere Lehrerin eine Schwangerschaftsvertretung hat. Die zieht nämlich ein ganz gutes Tempo durch, das Hirn und Körper fordert. Hach Hach.

Fun fact: jede Menge Kraft- und Konditionstraining hilft auch beim besser Tanzen, ich muss nur echt dran denken, vorher die tägliche Magnesiumtablette* zu nehmen, sonst gibt’s Wadenkrämpfe. Aber die Körpermitte und die Fußgelenke sind jetzt wesentlich stabiler, springen geht länger ohne röchelnd zusammenzubrechen** und ganz davon ab ist es auch viel angenehmer, wenn man seinen Körper im Spiegel auch angucken mag und beim Springen nicht irgendwelche Ex-Muskeln*** unkontrolliert herum-boingsen.

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*Hilft vor allem bei besserem Schlaf und etwas besser zu managenden PMDS-Symptomen, nehme ich schon sehr lange

**Achtung TMI: der Beckenboden leider trotzdem so „hahaha, ham wa wieder Tränen gelacht, ne?“

***Das ist was, was mir früher nicht so klar war, aber eigentlich logisch ist: wenn man mal viel Muskelmasse hatte und die dann nicht mehr so viel benutzt, lösen sich die Muskeln nicht einfach auf oder werden schlagartig zu Fett, die werden einfach schlapp und unbrauchbar. Selbst wenn man sie anspannt, sind sie irgendwann, also so nach 3-4 Jahren nur seltener sportlicher Benutzung, zwar noch da, aber etwa so stark und definiert wie ein nasses Handtuch. Und diese Masse an Muskelfasern macht dann so Sachen wie Winkeärmchen, „dicke“ Knie und nen „dicken“ Hintern. Und bei Bewegung bewegt sich das auch alles unkontrolliert mit. Schwabbeln trifft es nicht so ganz, es ist eher so ein gummiartiges Hüpfen. Und ich mag es ganz und gar nicht an mir. (Generell möchte ich nicht, dass mein Körper sich einfach so, ohne dass ich das angestrengt habe, verändert, ich finde das inakzeptabel vom Körper, pfui, böser Körper!)

Tag 3324 – Hrmpf.

Die guten Dinge zuerst: ich habe sehr gründlich ausgeschlafen, den sonntags geöffneten Friseursalon am Flughafen genutzt und danach auch die Farbe wieder aufgefrischt. Fühle mich jetzt wieder weniger unordentlich auf dem Kopf. Es ist außerdem für die Putzhilfe aufgeräumt und ich habe Geige gespielt und Sport gemacht. Ich habe auch kein Kind zur Adoption freigegeben.

Ansonsten bin ich bei aller Liebe noch nicht wieder bereit für eine neue Arbeitswoche. Ich möchte das nicht. Eine Mischung aus Hormonen und dem Knochenjob der vergangenen Woche macht, dass ich mich einfach weigern will. Kann mir wer ne Entschuldigung schreiben „Renana hat wirklich so gar keine Lust auf was anderes als Kakao trinkend im Bett rumgammeln und kann deshalb morgen nicht zur Arbeit kommen“?

Gnarf.

Tag 3323 – Entspannung pur!

Nach der letzten Woche haben wir heute direkt mal Pippis Geburtstag mit den Mädchen aus ihrer Klasse nachgefeiert. Das war laut, bunt, leicht chaotisch aber friedlich. Wir beglückwünschen uns an dieser Stelle kurz dafür, doch zwei Backmischungen gekauft zu haben, denn nur ein Blech Brownies wäre tatsächlich zu wenig gewesen. 9 Mädchen zwischen 8 und 9 Jahren hauen ganz gut rein. Ein Mädchen hatte Angst vor Wunderkerzen, ich fühlte da sehr mit und dann haben wir die Wunderkerze in Form einer 9 doch lieber erst nach dem Geburtstag angemacht. Zwischendurch haben Herr Rabe und ich doch lieber noch mal schnell die Backmischungspackungen aus dem Müll gefischt, um zu gucken, ob da auch WIRKLICH keine Laktose drin ist. Wie das halt so ist. Es ist wirklich keine Laktose drin und das ist auch einer der Gründe, weshalb wir für so Geburtstage etc. Backmischungen kaufen. Es ist damit etwas einfacher, keinen unabsichtlich zu vergiften. Die Kinder wissen erfahrungsgemäß auch nicht zu schätzen, wenn man 3 Stunden mit Liebe (oder, in meinem Fall gestern Abend, todmüde) in der Küche gestanden und gebacken hat. Mit unseren begrenzten zeitlichen Ressourcen greifen wir da dankbar auf Conveniencewaren zurück.

Das Wetter war super, wir konnten für Pippi sogar die Flagge raushängen (das machen wir an ihrem tatsächlichen Geburtstag ja nicht) und jetzt denken hoffentlich nicht alle Nachbarn, wir würden hier groß die zweite Hochzeit von [Prinzessin] Märtha Louise begehen. Die auf dem Trampolin hüpfende und allerlei Draußenspielzeug verteilende Mädchenhorde dürfte aber zumindest ein Hinweis gewesen sein.

Alle hatten eine gute Zeit, glaube ich. Ich hab das auch überlebt, das wird mit dem steigenden Alter der Kinder auch alles einfacher. Hachja.

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Anekdote: Michel wollte gerne den kleinen Hobbit lesen, am liebsten auf Englisch*, aber wir haben ihn nur auf Deutsch da. Auf der ersten Seite fragte er, was das für Zeichen seien? Runen, sagte ich, die kann man nicht lesen, es sei denn, man ist ein Zwerg. „Aber ich bin ein Zwerg!“ sagte Michel und grinste verschmitzt. Und ja, mein Zwerg ist er auch mit fast 1,60 m und bald meiner Schuhgröße noch. Hachhachja.

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*auf Englisch fand ich auf die Schnelle nur die Hunger Games Trilogie, da weiß ich jetzt nicht ob das schon so gut ist, von Kindern, die sich gegenseitig (oft ziemlich brutal) umbringen, zu lesen. Andererseits hab ich in dem Alter höchst erbauliches von Gudrun Pausewang gelesen, und wenig später tonnenweise Hohlbein… und dann den Herrn der Ringe, tatsächlich. Vielleicht unterschätze ich ihn da auch.

Tag 3321 – Bald ist es geschafft.

Morgen noch. Heute haben die Lieblingskollegin und ich eine kleine Futzelinspektion eingeschoben, bevor es morgen wieder zu dem alle Zeit des Tages fressenden Hersteller geht. Ich mag nicht mehr, ich mag schlafen und ein Leben haben.

(Man muss den Job schon sehr heiß und innig lieben, um nach einer Woche mit an die 70 Arbeitsstunden nicht zu wünschen, man hätte irgendwas schönes als Job, sowas wie Blumenkränze binden oder aufs Meer starren.)

Tag 3320 – Der helle W…

Es entgleist hier mit der Arbeit, ich bin völlig gar. Um überhaupt noch sowas wie Kontrolle über einen kleinen Teil zu haben, bin ich die letzten drei Tage außerdem eine Stunde eher aufgestanden, um Sport zu machen. Morgen werde ich das nicht tun, weil ich finde, 6 Stunden Schlaf müssen schon auch drin sein. Aber mit ein bisschen Glück und Daumen drücken sind ich und die Lieblingskollegin morgen vor dem Lieblingskollegen wieder im Hotel und dann werde ich einfach in Windeseile rausrennen und Sport machen, bevor irgendwer auf die Idee kommt, dass wir entweder essen oder arbeiten könnten.

Essen, apropos: heute gab es für mich Heilbutt im Restaurant, das ist einfach immer sehr lecker. Beim Hersteller müssen alle zusammen mit mir Blumen (und Fisch) essen, weil der Einfachheit halber halt für alle Pesco-vegetarisches Essen bestellt wurde. Hehe.