Tag 3026 und 3027 – Fertig!

Also, Mittwoch war schlimm. Donnerstag und Freitag war wesentlich besser, aber Mittwoch war einfach furchtbar. Es hängt mir noch ein bisschen nach, weil ich noch nie bei einer Inspektion so… überladen war, dass keine Konzentration mehr möglich war. Dabei war ich in genau dieser Fabrik sogar schon mal. Und da roch es genauso und war sicher auch genauso laut. Hell sicherlich auch. Ich schiebe einen Teil der Empfindlichkeit tatsächlich auf meinen Geruchssinn, der ist manchmal halt so on Fire, dass ich beim Hereintragen des Obsttellers denke, jemand hat Schnaps mitgebracht, dabei ist es nur die Ananas. Oder heute, dass jemand Zitronenbonbons lutscht, dabei war es Mandarine auf dem Teller. Jedenfalls war es kein so gutes Erlebnis dieses Mal. Es riecht nicht schlecht in der Fabrik, im Gegenteil, es riecht halt nach beliebten Aromen für Medikamente, aber es ist sehr intensiv. Keine Ahnung, wie ich das vor vier Jahren ausgehalten hab, dieses Mal war irgendwann mein Gehirn nur noch gefüllt mit einer Mischung aus Zitronen- und Pfefferminzgeruch und dem rhythmischen Lärm der Verpackungslinie. Ich bekam Gesprächsfetzen mit, aber mehr auch nicht. So kann eine nicht so gut inspizieren, um ehrlich zu sein.

Danach platzte mir nahezu der Schädel, der gestern auch noch irgendwie wattig war. Im Labor war ich einigermaßen froh, dass die unter anderem einen Raum haben, in dem lichtempfindliche Stoffe hantiert werden. Da hätte ich mich gut länger aufhalten können. Der Rest seither war Durchgang von Dokumenten und ich habe wieder total viel gelernt und würde jetzt gerne spontan noch viel mehr über galenische Pharmazie lernen, aber haha, wann.

Apropos wann: gute Nacht!

Tag 3023 – Keine Worte.

Ich bin diffus angepisst von allem. Vermutlich einfach zu viel durch die Gegend gerödelt, zu viel gemacht, zu wenig für mich getan, das nicht daddeln am Handy war. Bügeln zähle ich nicht als „für mich“, ich hasse Bügeln und bügele meine Sachen echt nur, weil ich muss. Heute musste ich, ich hatte keine einzige gebügelte Business-Hose mehr und morgen ist Inspektion, hoppala. Ich würde niemals auf die Idee kommen, beispielsweise und total hypothetisch versteht sich, Sweatjacken oder T-Shirts zu bügeln. Ich finde auch daran nichts entspannend, ich habe mühsam unterdrückte Angst vor allem dem heißen Bügeleisen, besonders in Verbindung mit Kabeln und dergleichen, die nun mal dazu gehören. SHE-mäßig müsste Bügeln ein untragbares Risiko darstellen. Ich argwöhne, dass das Patriarchat irgendwie dran schuld ist, dass Bügeln immer noch nicht sicherer ist als 1970 und nicht wesentlich sicherer als 1870 (immerhin müssen wir das Bügeleisen nicht mehr mit glühenden Kohlen füllen, voll der Gewinn).

Anyway. Schlechte Laune. Im Werk alle bekloppt.

Aber beste Kinder, vor allem Michel, der heute sehr erwachsen und ganz ohne Rumschreien seinen Missmut über die Schule einerseits (Grund und Anlass für einen Teil der schlechten Laune auch da, leider) und andererseits die von ihm wahrgenommene Untätigkeit seiner Eltern in Haustierfragen an mich kommunizierte. Punkt für Punkt aufgezählt und dargelegt, mit Lösungsvorschlägen. Vielleicht haben wir doch einiges richtig gemacht, auch wenn wir offenbar für ihn nicht deutlich genug über seine Haustierpläne nachdenken.

Werde in Zukunft versuchen, sichtbarer zu denken.

Tag 3020-3022 Wochenende, Freitag bis Sonntag, in den 3000er Tagen – Bereit…

… für Winterschlaf. Jedenfalls nicht für das hier:

Und auch nicht für Arbeit und routinemäßiges Lunch zu Hause vergessen:

Und auch nicht für Tschüss zu Pølse sagen, auch wenn ich für sie heute ein neues Zuhause gefunden habe, wo sie zwei neue Freundinnen bekommt (wenn sie sich mit ihnen verträgt). Sie wird wohl Freitag oder Samstag abgeholt. Seufz.

Das hier war ihr Bewerbungsfoto, eingewickelt in ein Handtuch, damit sie sitzen bleibt. Die Hupe ist sonst nämlich schneller weg als das Handy zoomen kann und dann hat man nur einen unscharfen Po auf dem Bild.

Ansonsten habe ich dieses Wochenende eigentlich nur Lego gebaut*. Das war auch mal nötig.

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* und Haushalt, Einkaufen, Wäsche waschen und so. Das übliche.

Tag 3016 – Leberwurst.

Leberwurst ist ja so etwa eins der ekligsten Nahrungsmittel überhaupt. Farbe, Konsistenz, Geruch – wäh. Grob oder fein, egal – wäh. Da lasse ich auch nicht mit mir diskutieren, wäh. In Norwegen erfreut sich die Leberwurst größter Beliebtheit, vor allem als Eisenquelle für Kleinkinder. Was sicherlich überhaupt nichts damit zu tun hat, dass die mit einem fröhlichen Kindergesicht von anno AlsAllesNochWieFrüherWar und in großen Lettern den grandiosen Eisengehalt anpreisend beworben wird. Neulich dann aber Skandal! Leberwurst für Kinder (ja, es gibt offenbar noch mal extra Kinderleberwurst, auf der nicht das fröhliche Kind ist! Oder vielleicht ein noch fröhlicheres Kind? Man weiß es nicht) enthält voll viel „Müll“, Wasser und Gewürze! Und sowas gibt man Kindern!!! Große Aufregung. Währenddessen waren Herr Rabe und ich einigermaßen verwirrt, denken die denn echt, Leberwurst sei nur pürierte Leber in Dosen? Ist das nicht allgemein bekannt, dass das in erster Linie zur Unkenntlichkeit vermantschte Schlachtabfälle mit eben Gewürzen sind, also (billige) Wurst generell, aber Leberwurst besonders? Mal abgesehen davon, dass Leber ja nun auch nicht sonderlich gesund ist. Hmm lecker, die Müllhalde des Körpers essen, in der sich all die unausscheidbaren Stoffe sammeln. Ich mag übrigens Leber generell auch nicht. Merkt man kaum, ne? Meine Kinder sind glücklicherweise auch ohne Leberwurst beide über 1,30 m groß geworden. Bisher, Trend weiter steigend.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte: der Lieblingskollege macht seit nunmehr einer Woche einen auf beleidigte Leberwurst und benimmt sich wie ein Kleinkind, dem man seine Grinsekinddosen-Leberwurst-Stulle weggenommen hat. So langsam fällt mir nichts mehr dazu ein, als hart mit den Augen zu rollen. Ich fürchte, Erziehungstipps fruchten bei Ü50-Jährigen auch nicht mehr, auch nicht, wenn die sich benehmen, als wären sie höchstens 1/10 so alt. Lebensziel: den Kindern ein vernünftiges Konfliktverhalten beibringen.

Tag 3014 und 3015 – Alleinschwein.

Der Tag lief nicht so ganz wie geplant. Denn während ich mit einer Freundin telefonierte und Herr Rabe Wäsche aufhängte und kein Kind zu Hause war, sagte Herr Rabe plötzlich: Warum liegt denn das Schwein auf dem Rücken?

Tja.

Meerschweinchen liegen normalerweise nicht auf dem Rücken. Marshmallow, die gestern noch wie immer war und über die ich noch lachte, weil sie, zusammen mit Pølse, demonstrativ mit den Forderpfoten auf dem Futternapf stand, einen langen Hals machte und mich anquiekte (gefräßige Speckels), lag aber auf dem Rücken, mit Augen auf und einer Körpertemperatur, die ziemlich genau der Umgebungstemperatur entsprach. Sie muss einfach tot umgefallen sein. Was ja irgendwie gut ist, wenigstens kein Siechtum wie bei Muffin. Aber trotzdem einfach sehr plötzlich. Es gab keinerlei Anzeichen, keinen Gewichtsverlust, sie fraß normal und war normal aktiv, ich hab normal viele und normal geformte Köttel gefunden. Können Meerschweinchen Herzinfarkte oder ähnliches haben? Ich hoffe es irgendwie.

Als Pippi nach Hause kam, flossen natürlich erst mal einige Tränen bei ihr, aber sie war froh, dass wir Marshmallow noch nicht beerdigt hatten. Michel trug es mit augenscheinlich größerer Fassung, sagte aber sofort, was ich auch gedacht hatte: jetzt ist Pølse alleine, und das geht nicht, sie muss Gesellschaft haben, sie ist ein Rudeltier.

Was wir jetzt machen, wissen wir noch nicht so ganz. Es gibt zwei Möglichkeiten: wir holen wieder weitere Schweinchen dazu oder wir suchen für Pølse ein neues Zuhause mit anderen Schweinchen. Sie ist halt für ein Meerschweinchen langsam ziemlich alt (ca. 6 Jahre), so alte Meerschweinchen habe ich noch nie in den Kleinanzeigen (bei Finn, leider der einzige Ort, wo man überhaupt Meerschweinchen außerhalb von Zoohandlungen und von Züchtern bekommt) gesehen. Wenn wir jetzt also 2-3 jüngere Meerschweinchen dazu holen würden, hätten wir erst mal 3-4 Meerschweinchen, aber über kurz oder lang wieder 2-3. Die Frage ist, wie lange wir das so rausschieben wollen.

Ach, es ist schwierig.

(Ja, ein bisschen war es auch vorhersehbar, aber ich hab die Augen davor verschlossen, weil es so schwierig war, ein drittes, älteres Meerschweinchen zu bekommen. Pølse und Marshmallow waren immer schon zusammen gewesen und kamen so gut miteinander aus, dass ich einfach so getan habe, als würden sie eines Tages einfach beide gleichzeitig tot umfallen. Asche auf mein Haupt, war doof, merke ich selbst, ja.)

Marshmallow wurde am Abend noch standesgemäß beigesetzt, in einem Pappkarton unter dem Kirschbaum. Pippi half kräftig mit, Michel wollte nicht.

So ist halt das Leben mit Kleinnagern, am Ende hat man einen kleinen Pappkartonfriedhof im Garten. Ich werde das hübscheste aller Schweinchen jedenfalls vermissen.