Tag 2051 – Vorbereitungen, Nachbereitungen, zu viel Arbeit.

Jaja, nee, keine Ahnung wie die Zeiterfassung drauf kommt, ich schöbe zu viele Überstunden.

Grad fällt alles zwischen Stühle, dabei machen wir gar keine richtigen Inspektionen. Fristen werden gerissen, Arbeit bleibt liegen, und trotzdem Überstunden. Mein Kalender für die nächsten Wochen ist schon wieder so voll, dass ich gar nicht weiß, wie da jemals Inspektionen reingepasst haben.

Ach und hab ich erwähnt, dass ich eine coole Bestimmerinnenrolle für ein Projekt(TM) übernommen hab? Die Rolle ist echt cool, das Projekt(TM) interessant und nützlich und all das, aber heute habe ich die veranschlagte Arbeitsleistung, die von mir in diesem Projekt(TM) erwartet wird, bekommen und sehe nun endgültig schwarz für Inspektionen im nächsten halben Jahr. Alternativ muss eine gewisse Projektleitung ihre Ansprüche etwas justieren. Ich mag meinen Job ja gerade auch, weil ich inspizieren mag. Es gibt auch ein paar Hersteller, die ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste stehen, die ich mir ungern „wegnehmen“ lassen möchte. (Mal abgesehen davon, dass das heißen würde, dass sich meine Kollegin in ein anderes Regelwerk einlesen müsste, in dem ich schon recht gut im Thema bin.) Nunja. Es kommt wie es kommt, nicht wahr? Vielleicht kann ich mich auch doch noch klonen.

Nächste Woche ist Selbstinspektion, öfter mal was Neues, im Werk, Hurra Abwechslung. Ich freue mich schon ein bisschen darauf, hier mal wieder rauszukommen. Ich kann die Tage, die ich seit inzwischen fast einem Jahr im Büro war, immernoch an zwei Händen (ok, vielleicht muss ich einen Fuß zur Hilfe nehmen) abzählen. Und die Luft ist raus, muss ich sagen. Und das sogar, obwohl wir „bei der Arbeit“ jetzt auch jemanden haben, die an Covid-19 erkrankt ist. Da kam es aber über Familienmitglieder und sie war seit lange vor der vermuteten Ansteckung nicht im Büro. Trotzdem kacke und wir drücken alle Daumen, dass sie nicht schwer oder lang anhaltend erkrankt.

Selbstinspektion, genau. Muss vorbereitet werden. Mir wurde immer gesagt, dass man irgendwann an den Punkt kommt, wo gründliche Vorbereitung Luxus ist, von gründlicher Nachbereitung NACH der Inspektion mal ganz zu schweigen. Ich hab das immer für schlechtes Zeitmanagement gehalten, muss ich zugeben, aber da ich trotz noch mal dransetzen um halb zehn morgen um neun schlecht vorbereitet zu diesem Meeting erscheinen werde, muss ich wohl einsehen, dass das von mir ziemlich arrogant gedacht war.

Tjaja.

Unten auf dem Sofa sitzt Herr Rabe und bereitet Dinge für die Beerdigung seiner Mutter vor. Er kann nicht, wenn ich neben ihm sitze, sagt er. Die Beerdigung wird für die meisten online stattfinden, weil ja zur Zeit sich niemand auf an irgendeinen Tag geltende Regeln verlassen kann.

Pandemie soll jetzt bitte endlich weg gehen.

Tag 1800 – Nachgereicht.

Da bin ich gestern Abend einfach nach einem halben Glas Wein sang- und klanglos auf dem Sofa eingeschlafen und habe insgesamt fast 12 Stunden geschlafen. War wohl nötig.

Gestern ist auch nicht wirklich viel passiert, außer eines, und das ist sehr traurig, berührt uns aber nur peripher. Um die Ecke, also wirklich keine 100 Meter von uns entfernt, ist eine Scheune komplett abgebrannt. Es ging, da Scheunen (und ja auch viele Wohnhäuser hier) nun mal aus Holz gebaut sind, rasend schnell. Als die Innenarchitektin um 14 Uhr zu uns kam, sah sie nichts, keine Flammen, keinen Rauch, keine Feuerwehr. Als sie um kurz vor halb drei wieder gehen wollte, loderte das Dach der Scheune lichterloh und zwei Feuerwehrfahrzeuge plus Polizei waren vor Ort, die Feuerwehr löschte bereits. Fünf Minuten später stürzte das Dach ein, mit einem sehr deutlichen Rumms. Etwa um fünf war es so weit gelöscht, dass es nicht mehr qualmte. Es stehen jetzt noch der Schornstein und ein sehr kleiner Teil der Außenwände. Gottseidank hat da (es gibt auf dem Grundstück auch ein Wohnhaus) schon länger niemand mehr gewohnt und die Scheune dürfte mehr oder weniger leer gewesen sein. Glücklicherweise hat es auch die letzten Wochen viel geregnet, sodass die Bäume rundum und auch die anderen, nah gelegenen Wohnhäuser (viel Holz!) nicht Feuer gefangen haben. Für uns auch Glück: der Wind stand in die andere Richtung, so viel Glück hatten aber logischerweise viele nicht und die haben jetzt die Terrasse voller Asche und Rauchgeruch im Haus.

In unserem friedlichen Kaff…

Das traurigste an der Sache ist aber, dass sie die Brandstifter inzwischen gefunden haben. Die hatten kurz vorher auch schon zwei Container an der Tankstelle (!!!) angezündet, was da alles hätte passieren können, eieiei. Es waren zwei Kinder. Uff, ey.

(Plötzlich kommt es mir gar nicht mehr so schlimm vor, dass Michel so viel zu Hause rumhängt und Minecraft spielt. Es gäbe echt schlimmeres.)

Tag 1720 – Das war’s schon?

Es hat geregnet. Zum ersten Mal seit Wochen. In der neuen Regentonne sind jetzt etwa 50 L Wasser. Und dann hat es einfach aufgehört. Schon! Huff, hoffen wir mal, dass das reicht für die Pflanzen und die Landwirtschaft.

Immerhin reichte es um den norwegischen Blitz-Frühling auszulösen. Erfahrungsgemäß sind jetzt maximal 2 Wochen lang Frühling, dann ist alles grün und dann ist kurz alles gelb von Pollen und dann wieder grün. Bis Anfang September, dann wird Herbst.

Seltsam irgendwie, dass auch dieses Jahr das alles läuft wie gehabt. Wie alles: wir werden ganz normal Urlaub nehmen *müssen* zum Beispiel. Vermutlich werden Auslandsreisen halt nicht zugelassen sein, aber jetzt waren wir dieses Jahr schon einmal 5 Wochen mit den Kindern zu Hause, ohne Planschbecken oder die Möglichkeit, im See zu baden, das geht auch noch mal. Und vielleicht, mit Glück, kriegen wir ja noch ne Hütte irgendwo in Norwegen gemietet, damit uns nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Heute Nacht hatte ich einen doofen Traum und war deshalb den ganzen Tag in einer seltsamen Stimmung. Ich frage mich, wann das aufhört, wie lange muss die Schulzeit zurückliegen, damit ich nicht mehr von der Schule träume? Oder müssen mehr einschneidende oder prägende Sachen im Leben passieren, damit sich das Unterbewusstsein daran nachts abarbeiten kann und nicht auf die ollen Kamellen zurückgreifen muss? Kann mir wer das erklären?

Völlig verständnislos blicke ich nach NRW. May the odds be ever in your favor.

Tag 468 – November. 

Jeden November geht meine Laune langsam aber stetig in den Keller. Auf allen Ebenen. Das gipfelt irgendwann gegen Mitte des Monats. Da bin ich phasenweise wieder sieben Jahre alt und meine ganze kleine Welt gerät nicht nur aus den Fugen, sie klatscht an die nächste Wand und fließt dann langsam klebrig runter wie Pudding. Da ist mein Vater plötzlich (mal wieder) weg, meine Mutter hysterisch und alle anderen Erwachsenen sehr besorgt. Und irgendwann steht die Polizei vor der Tür.