Tag 1800 – Nachgereicht.

Da bin ich gestern Abend einfach nach einem halben Glas Wein sang- und klanglos auf dem Sofa eingeschlafen und habe insgesamt fast 12 Stunden geschlafen. War wohl nötig.

Gestern ist auch nicht wirklich viel passiert, außer eines, und das ist sehr traurig, berührt uns aber nur peripher. Um die Ecke, also wirklich keine 100 Meter von uns entfernt, ist eine Scheune komplett abgebrannt. Es ging, da Scheunen (und ja auch viele Wohnhäuser hier) nun mal aus Holz gebaut sind, rasend schnell. Als die Innenarchitektin um 14 Uhr zu uns kam, sah sie nichts, keine Flammen, keinen Rauch, keine Feuerwehr. Als sie um kurz vor halb drei wieder gehen wollte, loderte das Dach der Scheune lichterloh und zwei Feuerwehrfahrzeuge plus Polizei waren vor Ort, die Feuerwehr löschte bereits. Fünf Minuten später stürzte das Dach ein, mit einem sehr deutlichen Rumms. Etwa um fünf war es so weit gelöscht, dass es nicht mehr qualmte. Es stehen jetzt noch der Schornstein und ein sehr kleiner Teil der Außenwände. Gottseidank hat da (es gibt auf dem Grundstück auch ein Wohnhaus) schon länger niemand mehr gewohnt und die Scheune dürfte mehr oder weniger leer gewesen sein. Glücklicherweise hat es auch die letzten Wochen viel geregnet, sodass die Bäume rundum und auch die anderen, nah gelegenen Wohnhäuser (viel Holz!) nicht Feuer gefangen haben. Für uns auch Glück: der Wind stand in die andere Richtung, so viel Glück hatten aber logischerweise viele nicht und die haben jetzt die Terrasse voller Asche und Rauchgeruch im Haus.

In unserem friedlichen Kaff…

Das traurigste an der Sache ist aber, dass sie die Brandstifter inzwischen gefunden haben. Die hatten kurz vorher auch schon zwei Container an der Tankstelle (!!!) angezündet, was da alles hätte passieren können, eieiei. Es waren zwei Kinder. Uff, ey.

(Plötzlich kommt es mir gar nicht mehr so schlimm vor, dass Michel so viel zu Hause rumhängt und Minecraft spielt. Es gäbe echt schlimmeres.)

Tag 1720 – Das war’s schon?

Es hat geregnet. Zum ersten Mal seit Wochen. In der neuen Regentonne sind jetzt etwa 50 L Wasser. Und dann hat es einfach aufgehört. Schon! Huff, hoffen wir mal, dass das reicht für die Pflanzen und die Landwirtschaft.

Immerhin reichte es um den norwegischen Blitz-Frühling auszulösen. Erfahrungsgemäß sind jetzt maximal 2 Wochen lang Frühling, dann ist alles grün und dann ist kurz alles gelb von Pollen und dann wieder grün. Bis Anfang September, dann wird Herbst.

Seltsam irgendwie, dass auch dieses Jahr das alles läuft wie gehabt. Wie alles: wir werden ganz normal Urlaub nehmen *müssen* zum Beispiel. Vermutlich werden Auslandsreisen halt nicht zugelassen sein, aber jetzt waren wir dieses Jahr schon einmal 5 Wochen mit den Kindern zu Hause, ohne Planschbecken oder die Möglichkeit, im See zu baden, das geht auch noch mal. Und vielleicht, mit Glück, kriegen wir ja noch ne Hütte irgendwo in Norwegen gemietet, damit uns nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Heute Nacht hatte ich einen doofen Traum und war deshalb den ganzen Tag in einer seltsamen Stimmung. Ich frage mich, wann das aufhört, wie lange muss die Schulzeit zurückliegen, damit ich nicht mehr von der Schule träume? Oder müssen mehr einschneidende oder prägende Sachen im Leben passieren, damit sich das Unterbewusstsein daran nachts abarbeiten kann und nicht auf die ollen Kamellen zurückgreifen muss? Kann mir wer das erklären?

Völlig verständnislos blicke ich nach NRW. May the odds be ever in your favor.

Tag 468 – November. 

Jeden November geht meine Laune langsam aber stetig in den Keller. Auf allen Ebenen. Das gipfelt irgendwann gegen Mitte des Monats. Da bin ich phasenweise wieder sieben Jahre alt und meine ganze kleine Welt gerät nicht nur aus den Fugen, sie klatscht an die nächste Wand und fließt dann langsam klebrig runter wie Pudding. Da ist mein Vater plötzlich (mal wieder) weg, meine Mutter hysterisch und alle anderen Erwachsenen sehr besorgt. Und irgendwann steht die Polizei vor der Tür.