Tag 2753 – Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt!

Es ist doch Corona. Heute Morgen wachte ich wieder mit Kopfschmerzen auf und zusätzlich hatten sich die Halsschmerzen zu schleimigem, festsitzenden Husten entwickelt also machte ich doch noch mal einen Test und – damn. Schon beim Durchlaufen zweifelsohne positiv. Gut, im Nachhinein erklärt das einiges, zum Beispiel auch große Müdigkeit und schlechte Laune in den letzten Tagen, sowie dass mein Körper scheinbar den anstehenden Eisprung auf unbestimmte Zeit verschoben hat. Und die Kopfschmerzen halt. Bis auf den Zyklus könnte da aber ja auch jeder andere Erkältungsinfekt hinter stecken und bisher ist es halt auch einfach ne Erkältung. Ich habe nicht mal Fieber. Ich fühle mich noch nicht mal scheiße genug, um das Arbeiten zu lassen (Herr Rabe meinte heute nur „du hörst erst auf zu arbeiten, wenn sie die Kiste zumachen“). Die Kopfschmerzen sind tatsächlich ätzend, aber mit Pfefferminzöl und Ibuprofen erträglich – auch da bin ich größeren Kummer gewohnt. Ich gehe einfach mal optimistisch davon aus, dass drei Impfungen und eine vorherige Erkrankung tun, was sie sollen, und mich vor den kleinen und großen Gemeinheiten, die Covid in petto hat, bewahren. Etwas ärgerlich: ich hatte endlich einen Termin für die 4. Dosis, der sollte nächste Woche sein. Auf der Webseite kann man den Termin nur ändern, nicht canceln. Ich muss da also anrufen, wie im letzten Jahrhundert.

Total ärgerlich: dass ich gestern im Büro war. Hoffen wir einfach, dass ich da (mit noch negativem Test) noch nicht ansteckend war. Sonst haben es nächste Woche 4/4 GMP-InspekteurInnen.

Jetzt werde ich es mal mit Schlaf versuchen. Schlaf hilft bekanntermaßen gegen alles.

Tag 2751 und 2752 – War schon fitter.

Gestern bin ich bei Michel im Bett eingeschlafen. Mal wieder. Allerdings ging es mir auch nicht so super, ich wachte morgens schon mit Kopfschmerzen auf, die sich anfühlten, als wäre mein kompletter Kopf in einer Schraubzwinge eingespannt. Das gab sich über den Tag nicht wirklich und dass ich irgendwie noch den Tag durchgezogen habe (z.B. Michel zu einem weiteren, allerdings wohl vorläufig letzten, Diagnostiktermin fahren) war sicher nicht unbedingt hilfreich. Aber Herr Rabe war außer Haus, also musste ich ja irgendwie. Nachmittags bekam ich noch Halsschmerzen dazu und abends zwei Kinder, die Hausaufgaben machen mussten, Hurra. Pippi lernt jetzt mit größeren Zahlen rechnen, Michel musste etwas über Claude Monet lesen und dann zu jedem Absatz des Textes ein Wort schreiben. Ich durfte also auch noch erklären, wo in unserem Garten Mohn wächst und wie der aussieht, damit sich Michel etwas darunter vorstellen kann. Tipp: „große, rote Blume“ ist nicht ausreichend spezifisch. Irgendwann waren aber alle Hausaufgaben gemacht und alle Kinder satt, ich brachte Pippi ins Bett und dann Michel und dann konnte ich meine Augen nicht mehr offen halten. Mein Körper fühlte sich eh an wie durch die Mangel gedreht, weil ich auch schlimmen Muskelkater hatte (und habe), beim Ballett wohl übertrieben. Und ich hab noch gedacht, toll, wie tiefe grand plié in der zweiten du machst, super! Und das ohne „Hinsetzen“ oder Hintern hängen lassen oder Turnout vergessen. Hmmhmm. Die Quittung kam sehr schnell. Au.

Heute war alles nur minimal besser, aber weil ich mir das so vorgenommen hatte, fuhr ich ins Büro. Da schmiss ich nicht den Computer aus dem Fenster und fing auch nicht aus Frust über Word an zu heulen, das war mein größter Erfolg des Vormittags. Den Tag über trank ich sehr viel Pfefferminztee, was die Halsschmerzen (kein Covid laut Test, sonst wäre ich nirgendwo hin gegangen) in Schach hielt. Am Nachmittag arbeitete ich stoisch diverse Unannehmlichkeiten weg und kam da gut voran, was ja auch mal schön ist.

Jetzt Bett, schon wieder sehr spät, aber ich wollte noch auf die Waschmaschine warten. Da drin war nämlich (nebst einigen Kinderklamotten) meine Mütze, mit der ich aus Mangel an Alternativen die Frontscheibe von Cardos trocken gewischt habe, nachdem die Klimaanlage sie endlich aufgetaut hatte. Also von innen. Außen kann ich ja kratzen, aber Cardos friert auch gern von innen zu. Danach war die Mütze nass, aber die Scheibe frei, aber gleichzeitig ist das meine eine warme Mütze und meine Lieblingsmütze ebenfalls und morgen keine Mütze haben ist keine Option. Das ist die heutige Ausrede für spätes Schlafen.

Tag 2750 – Niere im Angebot.

Leichte Gebrauchsspuren, aber wir brauchen das Geld, Michel braucht eine Zahnspange.

Spaß beiseite, niemand hier ist überrascht und das macht uns jetzt auch nicht arm, aber ich habe heute trotzdem einen leichten Schock bekommen, als ich nach dem allerersten Termin bezahlen sollte. Donnerstag geht es weiter mit Abdrücke machen. Und mit blechen.

Damit zusammenhängend muss ich mal loswerden, wie faszinierend ich Röntgenbilder vom Gebiss finde. Michel hat ja noch ein paar (wenige) Milchzähne, da ist der Kiefer einfach noch voller als eh schon, und dann diese super langen Zahnwurzeln überall! Ich habe ja mal ein Praktikum bei einem Zahntechniker gemacht und finde all sowas total spannend.

P.S. Wie normal ist es wohl, dass ich mich an dieses Praktikum noch extrem lebhaft erinnern kann? Das ist über 20 Jahre her und war nur 14 Tage lang. Ich habe Gipsgebisse gegossen, Goldzähne abgestrahlt, Drähte gebogen, Zähne aus Knete geformt und mir kleine Schlüsselanhänger in Gebissform gemacht, aus echtem Gebiss-Material. Ich weiß noch wie es roch, sich anhörte, wie schwierig es ist, Gips blasenfrei zu gießen und dass es lustig ist, sich mit der Sandstrahlpistole ein bisschen gegen den Finger zu strahlen (der aber in einem sehr dicken Handschuh steckte). Ich bekam Ärger, weil ich Gips im Gummipott habe antrocknen lassen und hackte mir beim Versuch, den Gips aus dem Topf rauszukloppen, mit dem Meißel in die Hand. Ich durfte dabei sein, wie einer Person ohne Zähne ein Abdruck von der Kieferleiste gemacht wurde und am Ende schrieb ich einen Praktikumsbericht über die Folgen von Zahnverlust und wie man sie mit Prothesen umgeht, der mehr eine theoretische zahnmedizinische Abhandlung war als das, was normalerweise von einer Zehntklässlerin nach einem zweiwöchigen Berufspraktikum erwartet wird. Ich fand alles an dem Praktikum super (minus das mit dem Gips), weil ich den ganzen Tag unter relativ nerdigen Erwachsenen sein durfte und Zeug lernen durfte, für das man eigentlich Abi braucht. Beste zwei Wochen der ganzen Mittelstufe.

Tag 2749 – Offenbar anstrengend.

In diesem Büro (irgs, Menschen!) gewesen, ganzen Tag in Meetings gesessen, soziales Tralala mitgemacht (25-jähriges Dienstjubiläum einer Kollegin), nach der Arbeit noch Sport gemacht (nach der Arbeit weil mir vor der Arbeit der Zug, den ich dafür hätte erwischen müssen, vor der Nase weggefahren ist), bei Michel im Bett eingeschlafen. Wenn ich beim Mittagessen schon am liebsten mein Essen mit in den Keller nehmen und allein essen würde, ist das wohl ein Zeichen für Overpeopeling.

Zu Essen gab es auch nichts vernünftiges. Der vegetarische Montag ist wohl gestorben, sie haben scheinbar wirklich so ausdauernd ihr abschreckendes vegetarisches Essen gekocht, dass sich genug Leute beschwert haben, also gab es heute Bratwurst. Für mich Salatbar, aber auch da war die Auswahl zum heulen (Proteine? Schon mal gehört? Hüttenkäse zählt nicht und der gehört auch nicht auf Salat). Das also zusätzlich dazu, dass wir da nach wie vor frieren und alle mit Wollpullis und Schals sitzen. Wirklich verlockend, ins Büro zu kommen, doch doch. Das Werk macht es so richtig attraktiv.

Werde jetzt einfach weiter schlafen. Michel hat sich netterweise auch schon zu mir gesellt, damit ich mich nicht allzu doll umstellen muss. Lieb.

Tag 2748 – Aufatmen.

Erholungstag. Ich war etwa eine Stunde allein zu Hause, das war schön. In der Zeit habe ich die Meerschweinchen sauber gemacht. Danach habe ich einen sehr schnellen Spaziergang gemacht, schnell vor allem deshalb, weil es saukalt war und ich nur eine Sportleggings anhatte, das wurde ziemlich schnell ziemlich kalt an den Oberschenkeln. Da hilft nur Bewegung und die Motivation, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen. Der Plan ging also voll auf. Spazieren gehen geht auch mit Schwitzen. Und dabei an den Beinen frieren.

Auch ansonsten habe ich heute alles mögliche gemacht, das ich mag und ich finde sogar, „Meditation“ klingt schon echt ganz ok. Dann gucke ich mir noch mal auf YouTube die Aufnahme von Ray Chen an und dann weine ich in meine Überheblichkeit und versuche es noch mal mit deutlicheren Dynamikwechseln und dann fällt mir wieder ein, dass ich mich nicht mit den Chens und Hahns dieser Welt vergleichen sollte, weil das nur zu Frust führen kann. Dann kommt Michel und sagt „Du spielst sehr gut“ und das reicht mir an Publikumskritik. Es ist schon echt ok, so für ein Hobby, ohne Lehrperson und mit etwas unter 40 Stunden Üben am Tag.

Morgen geht die neue Woche los. Bin ich bereit? Naja. Es wird schon gehen.

Tag 2747 – Wochenende.

Fing nicht so super an, mit Migräne und Sozialkater. Ging irgendwann besser durch viel Selbst-Pampering, das aus Sport, Körperpflege, Geige und sich wie ein vollwertiges, verantwortliches, erwachsenes Familienmitglied fühlen (einkaufen, Essen machen, Wäsche waschen und so weiter) bestand. Abends habe ich The Bear zu Ende geguckt und jetzt ist mir ganz warm ums Herz. Die Serie war in norwegischen Medien wärmstens empfohlen worden, deshalb hab ich überhaupt rein geschaut. Anfangs war ich allerdings sehr skeptisch und brauchte ungelogen nach der Hälfte der ersten Folge eine Pause und konnte erst am nächsten Tag weitergucken. Keine Sorge, da ist nichts brutal oder so, aber die erste (und die siebte) Folge ist einfach unglaublich stressig, so sehr, dass ich mich fragte, ob irgendwer das freiwillig guckt. Eine Freundin versicherte mir aber, dass es besser wird und das wird es auch. Und es lohnt sich. Jetzt habe ich das Bedürfnis, die Serie direkt noch mal von vorne zu gucken, weil die so gut ist. So gut. 8 kurze Folgen sind auch ein überschaubarer Zeitaufwand. Disn** +. Hint hint.

Tag 2746 – Schultern senken.

So, die erste Inspektionswoche 2023 ist überstanden. Kann ja mal passieren, dass dann im Footer der Observationsliste noch 2022 steht.

Ich mag meinen Job immer noch.

Heute waren wir um zwanzig nach vier fertig, deshalb war ich um kurz nach halb sechs zu Hause (das wäre auch früher gegangen, aber Cardos war wieder von innen die Scheibe zugefroren und ich musste erst warten, bis die aufgetaut war). Dadurch konnte ich zum ersten Mal diese Woche Essen machen und sogar zwei Kinder ins Bett verfrachten und Herr Rabe konnte dadurch zu einer Musiksession gehen. Voll gut. Ich glaube, Michel fand auch schön, sehr ausgiebig mit mir zu kuscheln, ich fand das jedenfalls schön und bin nur irgendwann wieder aus seinem Bett aufgestanden, weil ich gerne noch ne Runde Bewegung einschieben wollte. Man sitzt ja doch viel auf dem Hintern bei Inspektionen. So langsam tat mir diverses weh, lustiger Weise unter anderem die Füße, aber die steckten ja auch stundenlang in Winterschuhen und konnten sich nicht bewegen, das sind die ja auch nicht mehr gewohnt. Aber eine Runde YouTube-Ballett und schon tut mir alles anders weh als vorher und die Füße sogar gar nicht mehr, toll!

Die Woche war tatsächlich so alles in allem gut. Freue mich trotzdem auf ein Wochenende ohne viel Kommunikation.

Tag 2744 – Piep!

Immer noch im Tunnel. Es ist gar nicht so schlimm, habe bisher sogar jeden Abend noch ein Kind ins Bett bringen können, weil ich früh genug zu Hause war. Aber mein Kopf ist beschäftigt und da ist wenig Platz für anderes als Dinge, die ich nicht erzählen darf.

Ich kann ja ein bisschen herumorakeln: heute habe ich ein Analysegerät kennengelernt, von dem ich noch nie auch nur gehört hatte. Teile der Hardware hätten auch in Newtons Labor stehen können und wären da nicht aufgefallen und als der Techniker mir erklärte, was das Instrument tut, musste ich kurz einen „der verarscht mich doch!“-Impuls unterdrücken, weil sich das alles seeeehr esoterisch anhörte. Aber das ist eine freigaberelevante Methode, also ganz und gar nicht esoterisch. Ich stand derweil so neben mir und bewunderte mich ein wenig dafür, wie ich es schaffte, ein professionelles Gesicht zu behalten und halbwegs so zu scheinen, als würde ich verstehen, was mir da erzählt wurde. Mein Job ist schon manchmal sehr merkwürdig. Das Gute an dem Analysegerät: es wird von einem Computer gesteuert und die Daten mit einer Software analysiert und DAS wiederum nehme ich inzwischen recht schnell und gezielt auseinander. Auch gut: ich hab wieder was ganz neues gelernt, etwas abgefahrenes, mit nah an Null Anwendungsbereich, herrlich.

Tag 2743 – Im Tunnel.

Grad ganz schlechter Empfang, bin noch bis Freitag im Inspektionstunnel. Was aber echt auch was für sich hat, weil es echt gut ist, sich eine Woche wirklich auf was fokussieren zu können, statt stündlich das Thema wechseln zu sollen und sich dabei noch zu Vorgesetzten und anderen Mitmenschen sozial verhalten zu müssen. Inspektion ist anders, da kann ich so viele Fragen stellen, wie ich will, niemand nimmt mir übel, dass ich „immer nur Probleme sehe“ und bis auf den Kollegen sehe ich die alle nur alle Jubeljahre bei Inspektionen (bei dieser Firma war ich sogar tatsächlich schon mal). Dagegen finde ich einen Manic Meeting Monday im Büro wesentlich anstrengender, ehrlich gesagt. Vielleicht spricht da aber auch grad die bisher sehr übersichtliche Findings-Liste aus mir. Wer weiß.