Tag 3075 und 3076 – Emsig.

Alles muss fertig werden, eigentlich arbeite ich nur und falle abends irgendwann um. Zwischendurch irgendwann werden Bestellungen bei der Apotheke (hüben wie drüben) aufgegeben, Bücher bestellt, andere Bücher mit Click & Collect bestellt, weil Michel jetzt liest. Oder besser – ein Buch gelesen hat und man das ein bisschen pushen muss, solange er begeistert ist.

Irgendwie noch Sport (naja, ein wenig Bewegung) und Geige in den Tag gequetscht und heute Abend mit Herrn Rabe ein bisschen Fernsehen geguckt, auf unserem flecklosen Fernseher. Jetzt ist wirklich Zeit für erst Bett und dann Wochenende. Und generell ist langsam mal Zeit für Urlaub (zwei Arbeitstage noch).

Tag 3055 – Zu Hause, Müde, Spät, diesdas.

Wir haben jetzt einen neuen Fernseher, der keinen grünen Fleck in der Mitte hat. Das ist sehr schön. Eine Folge Simpsons verifizierte die Fleckfreiheit. Ansonsten war die Inspektion heute sehr seltsam, sehr schnell vorbei und wir trotzdem nicht eher zu Hause. Abends habe ich eine Dreiviertel Stunde schlecht Geige gespielt, also tatsächlich schlecht, mein Hirn war nicht ganz da und dann machen die Finger auch was sie wollen.

Tag 3048 – Müde.

Ich bin hundemüde. Zu nichts in der Lage, auch wieder Kopfschmerzen gehabt, auf dem Sofa eingeschlafen. Vielleicht sind das Nebenwirkungen eines neuen Medikaments, das ich nehme. Nicht aufregendes, ich möchte es eigentlich auch gar nicht nehmen, weil ich eben vor solchen Nebenwirkungen Angst habe. Ich werde das beobachten, jetzt aber erst mal schlafen. Vielleicht sind es auch ganz einfach Nebenwirkungen von einem Tag im Büro, mit Team-Tag (viel Zeitverschwendung), gemeinsamem Mittagessen (schon wieder Salat, ich hab keine Lust auf täglich Salat, doofe Kantine mit ihrem Fleisch-Fetisch) und einem geschlossenen Café unten im Gebäude, bei dem man normalerweise sehr teuren aber wenigstens guten Kaffe bekommt. Alles viel. Könnte halt auch das sein.

Tag 3047 – Hach.

Sie sind alle sehr lieb. Wirklich. Ich antworte auch, sobald meine rasenden Kopfschmerzen besser sind. Versprochen. Aber nach einem Tag im Büro mit der Schulsituation im Hinterkopf und auf dem Rückweg meine Gedanken und Wünsche zu dem Thema auf Norwegisch semi-geordnet aufschreibend bin ich furchtbar platt. Ich ging mich sogar zu Hause direkt hinlegen, was aber nicht half, im Gegenteil, die Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Michel ist auch alle und hat sich vorhin mit Herrn Rabe angeschrien, obwohl Herr Rabe eine Engelsgeduld hat und nur bei schlimmer Provokation laut wird. Vielleicht ist auch Herr Rabe alle, auf jeden Fall ist der erkältet. Bzw. hat seine Erkältung von neulich die Etage gewechselt und sitzt jetzt nicht mehr so sehr tief und schleimig in den Bronchien sondern in den Nebenhöhlen. Wir sind alle ein müder, geschaffter Haufen. Gut dass morgen keine Schule ist, es ist ein beweglicher Ferientag.

Tag 2984 – Zu viel.

Zu viel für einen Titel, dabei ist mein Tag sehr schnell umrissen. Es geht mir immer noch mies, ich hätte den ganzen Tag nur flennen können, das ist echt kein Zustand. (Und ich möchte bitte auch mal einen PMDS-Simulator für Leute, die das nicht ernst nehmen. Genauso wie halt so einen für Periodenkrämpfe. Nur läuft man halt so ne Woche lang ohne Antrieb, voller Selbsthass und dünnhäutig* sodass man von Haut eigentlich gar nicht mehr sprechen kann, rum.) Abends habe ich den, weil das Rechtsaußen-Konservative Klimaleugnerbündnis sie doch soooooo gerne dabei hätte, vor Freude überschäumenden Grünen gesagt, dass ich das nicht verdauen kann und dann raus bin. Wenn Blockunabhängigkeit das bedeutet, bin ich da falsch. Keine Drohung, nur eine nüchterne und von meiner Seite sehr traurige Feststellung.

Danach hab ich erst mal sehr viele sehr bittere Tränen vergossen. Integrität kann echt weh tun.

Sie wollen jetzt gerne, dass ich da bleibe, weil sie echt dringend einen linken Flügel brauchen, aber ich weiß echt nicht, ob ich das schaffe, rein Kräftemäßig. Nicht nur heute oder diese Woche, ich glaube, schlau wäre das absolut nicht für mich.

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*da bricht eine schon auch mal in Tränen aus, weil ihr Platz im Büro besetzt ist. Vom Lieblingskollegen, ausgerechnet. Aber immerhin hat eine es noch aufs Klo geschafft vorher.

Tag 2971 – Platt.

Hab’s übertrieben diese Woche, Dienstag tanzen (erstes Mal nach den Ferien, neuer Kurs, neue Leute usw.), Mittwoch „Abschied“ eines hochprofilierten Mitarbeiters des Werkes (1,5 Stunden Vorlesung plus Reden und Kuchen) in den Ruhestand, anschließend weiter Arbeit bis viel zu spät, Donnerstag Vortrag, heute Geigenstunde. Vier mal im Büro gewesen. Vier mal in der Kantine gegessen. Vier mal hin und her Zug gefahren, keiner der Züge war pünktlich außer dem einen, den ich verpasst habe, weil die T-Bane zu spät kam. Einmal musste ich Bus ab Eidsvoll Verk fahren. Einmal musste ich ab Lillestrøm stehen, weil der Zug so bumsvoll war (Freitag Nachmittag im Zug nach Lillehammer, wenn gutes Wetter angekündigt ist, ist für Hartgesottene oder die mit Platzreservierung). Es ist immer noch Wasser im Bahnhof und wir kommen nur ein Mal pro Stunde nach Hause.

All das war ein bisschen zu viel, das merke ich aber erst seit es vorbei ist. Bin einfach hundemüde und noch näher am Wasser gebaut, als eh schon*. Gestern habe ich ja offenbar schon vergessen, den Beitrag zu veröffentlichen, dabei ist das ein Klick und fertig.

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*und dann gucke ich noch die letzte Folge der zweiten Staffel von The Bear, das war keine so gute Idee, schon allein weil es nicht vorbei sein soll. Das ist echt eine der besten Serien seit… immer, vermutlich. Obwohl oder gerade weil einzelne Folgen echt hart anzuschauen sind und zwar nicht, weil sie auf die Tränendrüse drücken oder irgendwie brutal sind, sondern aus anderen Gründen. Unter anderem die erste Folge ist so, wenn Sie die Serie also nicht kennen, lassen Sie sich nicht von der ersten Folge abschrecken.

Tag 2968 und 2969 – Autschn.

Gestern war die erste Ballettstunde nach den Ferien und es war fast wie immer. Nicht ganz. Ich war wie immer, habe also ohne Rücksicht auf knappe zwei Monate Pause Vollgas gegeben. Die Ballettlehrerin hat aber das Niveau ein Stück angezogen. Wir machen sogar ein paar der Übungen aus dem mörderischen Sommerkurs, unter anderem das Hüpfen auf einem Bein (klingt einfach, ne? Ist es nicht. Versuchen Sie mal auf einem Bein zu hüpfen, aber eigentlich fast (möglichst?) nur aus dem Sprungelenk, ohne den Oberkörper mitzubewegen oder sonstwie Schwung zu holen, und jedes Mal müssen Sie so hoch kommen, dass Sie den Fuß im Sprung ganz durchstrecken können. Acht mal, dann das andere Bein, dann zwei mal 4, 2, 2, 1, 1, 1, 1). Ich kam sogar ganz gut mit, habe ja auch den Sommerkurs überlebt. Aber seit heute Nachmittag fängt alles an meinem Körper an, wehzutun.

Und weil es ja nicht sein kann, nur in den Beinen und im Bauch, Rücken und Hintern Muskelkater zu kriegen, habe ich heute morgen dann bei der Arbeit noch ein Krafttraining für Schultern, oberen Rücken und Arme gemacht. In erster Linie, weil mir schon wieder die Schulter weh tut von am Rechner hocken.

Das wird ein feiner Muskelkater.

P.S. ich habe mir ja neue Ballettschuhe kaufen müssen, weil sich meine großen Zehen aus den alten befreit hatten, jetzt habe ich Schläppchen von Bloch, die mir erst zu klein vorkamen, die aber astrein sitzen. Endlich wandert die Sohle unter dem Ballen nicht mehr herum und nervt unsäglich dabei. Außerdem habe ich mir am Wochenende aus der Grabbelkiste beim Ballettladen ein Trikot gekauft, das mir sehr gefällt. Es fühlt sich nämlich sehr viel mehr als mein bisheriges so an, als sei man vollständig bekleidet. Nur die Farbe war nicht so klug gewählt (gut, es gab keine Wahl, Grabbelkiste halt), in grau sieht man dunkle Schweißflecken halt optimal. Oder wie ein Mädchen es ausdrückte, als wir Muttis nach dem Training aus dem Raum kamen: Puh, die stinken! (Japp, ist mir aber egal, so ist das halt, wenn man beim Sport schwitzt und älter als 10 ist.)

Tag 2895 – Warm!

Es ist jammern auf hohem Niveau, das ist mir auch klar, aber es ist so warm hier. Norwegische Hitzewelle sind 30 Grad, darüber lachen Sie wahrscheinlich, aber ich gehe langsam ein. Heute hatte Pippi mit ihrer Tanzgruppe einen Auftritt beim Dorffest und wir waren spät dran, deshalb hatte ich mich noch nicht eingecremt. Nachdem ich Pippi abgeliefert hatte, suchte ich mir also ein schattiges Plätzchen unter einer Brücke und schmierte mich mit Lichtschutzfaktor 50 ein. Dazu setzte ich noch einen Sonnenhut auf. Und dann stellte ich mich, wie so eine gute Mutter, auf den Betonplatz vor der Bühne in die pralle Sonne, mittags, und versuchte, nicht darauf zu fokussieren, wo mir überall Schweißtropfen lang liefen. Die Kinder haben super gut getanzt und ich habe auch keinen Sonnenbrand bekommen, wollte danach aber am liebsten den Fluss aussaufen (oder einfach gleich reinspringen, scheiß auf Strömung und schlechtes Vorbild und alles, WAAAAARM!!!). Zu viel mehr als vegetieren war ich danach auch eigentlich gar nicht mehr in der Lage, ich hab aber trotzdem die Wäsche von gefühlten 30 Kindern in zwei Schränke geräumt, weitere Wäsche gewaschen (trocknet immerhin auf der Terrasse super schnell), eingekauft und Essen gemacht. Letzteres war bei dem Wetter auch irgendwie sinnlos, niemand hatte Hunger – das könnte auch mit einigen Eisen den Tag über zusammen hängen. Die Kinder hingen auch nur rum bis zur Bettzeit, wo beide auf ihren Decken liegend, alle Viere von sich gestreckt für maximale Belüftung, einschliefen.

Ich versuche echt nicht zu meckern über Wärme in Norwegen, aber das grad ist mir 2-5 Grad zu warm. Dank Klimawandel ist das wohl aber erst der Anfang vom neuen Normal. So schön, echt, feini den Planeten aufgeheizt bis man in Norwegen Wein anbauen kann, in Italien aber nicht mehr. Kotzi.

Tag 2871 – Kriechen ist ja auch sehr schön.

Mit der Show war das Tanzsemester vorbei – allerdings ist es ja bis zu den Sommerferien noch eine Weile hin, selbst wenn man großzügige 17.-Mai-Ferien einplant. Die Tanzschule bietet deshalb „Sommerkurse“ an, die von dieser Woche bis zu den Sommerferien gehen. Und weil ich ja Dienstags eigentlich gar nicht so gut kann, und außerdem eigentlich auch nur Ballett machen will (Alternativ gäbe es für Erwachsene noch „Kraft und Flexibilität“, das habe ich letztes Jahr gemacht und naja, das kann ich halt auch zu Hause machen…), habe ich mich mutig zu einem Kurs „Ballett Niveau 3-4, Jugendliche und Erwachsene, wahlfrei Spitze“ angemeldet. Wohl wissend, dass ich da vermutlich allein unter 16-Jährigen sein werde.

War ich dann gar nicht. Erstens war noch eine andere Mutti aus meinem Ballettkurs da, zweitens waren die anderen alle im Schnitt eher 15 als 16. Mit nur ganz wenigen Ausnahmen (die im Wesentlichen von der Ü-35-Fraktion ausgemacht wurden) hatten auch alle Spitzenschuhe an. Auf denen waren immerhin nicht alle gleich sicher. Immerhin! Aber ich habe mich echt lange nicht so unfit, unflexibel und, naja, ähm, dick, gefühlt, wie heute. Gegen die elfengleichen Grazien wirke ich eher wie… Gimli der Zwerg, ohne den Bart. Ich halte irgendwie mit in der Schlacht, aber das ist anstrengend wie Sau und man sieht es auch – während die anderen ungerührt ihre Pfeile abschießen und über die Häupter der Feinde tänzeln. Bei mir: triefend nasses Trikot, Schweiß läuft die knallrote Glomse runter. Nach dem 2. Durchgang Hopsen auf einem Fuß bin ich schon froh, wenn ich überhaupt noch merklich vom Boden abhebe, davon den springenden Fuß auch noch jedes Mal durchzustrecken fangen wir gar nicht erst an. Bei Drehungen falle ich nahezu um, weil keine Kraft und keine Konzentration mehr übrig ist, ich stehe einer Elfe im Weg, alles dreht sich, ich möchte im Boden versinken.

Die Elfen sehen derweil aus, als hätten sie grad einen entspannten Spaziergang im lauen Abendlüftchen unternommen. Keine Andeutung von Anstrengung ziert ihre Gesichter, während sie den gefühlt 2000. Sprung tadellos ausführen.

Ok ich übertreibe vielleicht ein bisschen, aber echt nicht viel. Ich merke jetzt schon einen gigantischen Muskelkater heraufziehen und bin dehydriert vom Schwitzen. Und ich frage mich, ob ich mit 15-16 auch so war und es einfach nicht mehr weiß.

Aufgeben ist jedenfalls keine Option. Spitzenschuhe kaufen auch nicht.

Tag 2837 – Müde zu Hause.

Wenn man im Taxi zum Flughafen (8 Minuten Fahrtzeit) schon nahezu einschläft, war die Inspektion anstrengend. Es ist ein wenig faszinierend, wie ich und der Lieblingskollege gut gelaunt und sachlich sind, solange wir mit der Firma zusammen sitzen, und danach sind wir (gemeinsam) missmutig und/oder albern und/oder lästern und/oder ich bringe ihm was über Neurodiversität bei. In der Mittagspause gehen wir nahtlos zu Diskussionen über Himbeeren und Wintergärten über, sobald alle den Raum verlassen haben, diskutieren wir das fachliche oder gehen schnell den weiteren Plan durch. Aber all das schlaucht auch ziemlich und eisige (schockierte) Stimmung beim Closing Meeting ist auch nicht grad was, mit dem ich gut umgehen kann. Und nach drei so Tagen bin ich dann halt platt – der Lieblingskollege allerdings auch, und der hat ca. 5 mal so viel Erfahrung wie ich. Beruhigend irgendwie.

Trotz Flugverspätung konnte ich abends noch Michel ins Bett bringen, das war sehr schön.