Tag 2290 – Ausflug in die große Stadt.

Das war alles sehr aufregend, so aufregend, dass ich direkt erst mal ohne jegliches Plastikgeld (und echtes Geld haben wir ja eh nie) los bin. Weil Pippi alles blockierte und ein riesiges Theater machte, hatte ich auch keine Zeit, noch mal zurück nach Hause zu fahren. Bloß gut, dass ich den besten Mann der Welt hab, der mir am Bahnhof einen Kaffee besorgt hatte und dort auf mich wartete. Bester Mann.

Bei der Arbeit ist der Lack weiter besonders billig. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, ein heftiges gesichtspalmen, kombiniert mit jemanden schütteln wollen und Aaaarrrrgh muss reichen. *hust* Mitarbeiterbefragung *hust*

Trotz allem war heute wirklich vieles sehr hach, ich arbeite ja gern und mag meinen Job und die anderen Inspekteure und es tut tatsächlich gut, mal wieder aus dem Haus zu kommen. Muss ich weiterhin nicht jeden Tag haben, aber so ab und an ist das ja doch nett, zusammen Mittag zu essen.

Der technische Test heute lief zum Großteil überraschend gut. Danach feilten die Kollegin, der Kollege und ich an einer höflichen Version von „Euer Sound ist unterirdisch, wir verstehen quasi nichts weil es furchtbar hallt, habt ihr vielleicht Räume, die nicht komplett nackt sind?“. Die Antwort folgte wenig später und sie sind furchtbar sorry for the inconvenience. Naja, dafür machen wir ja den Test, alles gut.

Abends Michel bei den Hausaufgaben geholfen. Er sollte 10 Kleidungsstücke auf Englisch anhand eines Bildes benennen, zur Auswahl standen 10 Begriffe. Als letztes sollte er nicht benutzte Wörter auflisten, was ihn sehr aufregte, weil er ja alle 10 benutzt hatte. Michel kennt jetzt das Wort „none“* und ich frage mich, was mit Menschen generell eigentlich los ist, dass sie so seltsame Fragen stellen. *hust* Mitarbeiterbefragung *hust*.

Michel ins Bett gebracht und dabei so schön friedlich mit dem warmen Kind gekuschelt, dass ich selbst mit eingeschlafen bin. Ist halt anstrengend, so ein Ausflug ins Büro. Michel hat selbst in Rekordzeit geschlafen, was super für alle ist, er braucht ja eigentlich seinen Schlaf ziemlich dringend, kriegt aber wegen der großen Hürden beim Einschlafen oft zu wenig.

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*Konnte grad so widerstehen, ihm N.A. beizubringen.

Tag 2288 – Nichts zu erzählen.

Den halben Tag verbrachte ich in Wollsocken, Wollpuschen, Strumpfhose, T-Shirt und Onesie vorm Computer (den Strompreisen bockig trotzend). Den Rest des Tages kreiste ich um die Kinder, abends fuhr ich zum Ballett. Die Babysittermama weiß jetzt aus erster Hand, wie das mit Michel und Schlafen momentan* ist und immerhin teilt jemand meine Sicht, dass das nicht mehr so ganz innerhalb des Normalen liegt. Was wir machen sollen, weiß sie aber auch nicht.

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*momentan as in „seit Monaten, oder Jahren, eigentlich schon immer, seit er aus dem Säuglingsalter raus ist“

Tag 2280 – Morgen mehr.

Michel ist jetzt neun, und das und alles, was damit zu tun hatte heute, ist super. Rundum superes Kind, meiner bescheidenen und natürlich absolut objektiven Meinung nach.

Es gab Frühstück mit Kuchen, Geschenke (unter anderem ein Kristall-/Halbedelsteinausgrabeset, das er am liebsten SOFORT, also noch vor dem Frühstück, ausprobiert hätte) und Abendessen nach Wunsch – der Wunsch war das Gasthaus Zur Goldenen Möwe.

Dazwischen, also zwischen Schule und Abendessen, war ich nicht da, sondern im Büro (in echt! Mit Menschen!) und als ich abends wieder aufwachte, nachdem ich in Michels Bett eingeschlafen war (die Migräne war heute Vormittag langsam zurück gekommen und dann den Großteil des Tages bei mir geblieben, und außerdem brennt alles und Menschen sind anstrengend und überhaupt), war eine neue Mail in meinem Postfach, die mich einfach nur WAS ZUR…? denken ließ. Darüber rege ich mich seither auf und deshalb mache ich jetzt hier Schluss. Morgen Schadensbegrenzung und hoffentlich genug Zeit um mit Michels Minecraft-Lego vorführen zu lassen. Er hat da inzwischen eine recht imposante Welt zusammen.

(Ich hab gar keine Zeit dafür, dass alles brennt.)

Tag 2275 – Koko Frau macht koko jobb.

Hmmja, wird Zeit, dass die Familie zurück kommt und mich davon abhält, 24/7 zu arbeiten.

Andererseits ist es auch ganz schön, wenn Michel anruft und ins Telefon brüllt „MAMA! HIER IST EIN MINK!!!“. Nehme an, der Marder ist taub, sonst wäre er vermutlich nicht einfach sitzen geblieben bei dem Lärm.

Morgen arbeite ich noch vormittags ein wenig und den Rest des Arbeitstages feiere ich ab. Freitag arbeite ich vermutlich so 2-3 Stunden und selbst das nur unter Protest. Heute hat zum Abschluss des Arbeitstages mein Outlook gestreikt, weshalb ich um [Zeit zu der man nicht arbeiten sollte] noch den (grünen) Kollegen angerufen habe, um ihn zu bitten, zu einem Meeting einzuladen. Der Kollege arbeitet auch öfter mal spät abends, wir wollen aus Gründen eine Partei zusammen gründen, die die Interessen von Spätschläfer*Innen* vertritt, und ich wusste, dass er heute noch lange arbeiten würde, aber wir haben da im Werk schon flächendeckend einen am Apfel, ja.

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*erstes Ziel: den norwegischen Begriff „B-Mensch“ ( als Gegensatz zu A-Mensch = Frühaufsteher*In) wegen abwertender Sprache abschaffen. Danach die Weltherrschaft, Abschaffung von Kernarbeitszeit für alle, Gruppenaktivitäten auch ab 22 Uhr noch und Schulbeginn gestaffelt und angepasst an individuelle Bedürfnisse von Lehrpersonen und Kindern. Wir sind empfänglich für Lobbyarbeit in Richtung Abschaffung der Uhrzeitumstellungsblödsinns. Wählt uns, wir sind super für alle, sogar für Frühaufsteher*Innen.

Tag 2274 – Außer Arbeit wenig gewesen.

Ich lebe das happy life des alleinseins. Dieser Tage beinhaltet das leider sehr viel Arbeit, das Problem bei solchen Inspektionen wie der letzte Woche ist (wenn man sie leitet) ein Haufen Nachbereitungsarbeit. Ein absurd großer Haufen. Das ist auch Zeug, das ich nicht herumliegen lassen kann, wenn hier Leute sind. Das würde ich nicht mal im Büro auf meinem Tisch liegen lassen, jedenfalls jetzt noch nicht.

Wie gesagt, das wird ein spannender Herbst.

Tag 2259 – Platt aber happy.

Der Ausflug in die Großstadt war schön, sehr schön, ich hab sehr produktiv gearbeitet, fühlte mich sehr professionell und all das, danach wie so ne Supermutti Pippi pünktlich abgeholt, alle Kinder zu Freizeitaktivitäten gefahren und wieder abgeholt und mit Michel Post abgeschickt, und danach noch mit selbstgebackenem (!) Kuchen zum politischen Treffen. Das klingt jetzt wirklich alles sogar in meinen Ohren, als wär ich irgendsoein Übermensch, aber ich liege jetzt im Bett und bin so müde wie seit langem nicht mehr.

Ab und zu so ein Tag ist bestimmt trotzdem gut fürs Selbstwertgefühl. Vielleicht ist es doch ne gute Idee, sich auf 2 Tage Büro die Woche einzustellen und an den Tagen dann zwischen den Meetings all den Kleinscheiß wegzuschaffen, der mit seinen 5 Minuten hier, 15 Minuten da die To-Do-Liste verstopft.

Tag 2258 – Keine Kapazitäten für kreative Titel.

Morgen ist Montag, da müssen alle früh aufstehen, ich besonders, denn ich werde in diesem Büro in der großen Stadt arbeiten. Uiuiui. Fast so wie 2019 jeden Tag. Neu ist, dass ich dann zum Mittagessen woanders hinfahre, denn wir machen Sprint planning in Präsenz im Büro der IT-Firma. Vorher gibt’s Lunch mit dem Entwicklungsteam und das ist schon alles ein bisschen aufregend, immerhin haben wir zwar echt viel Zeit in Meetings miteinander verbracht, aber uns noch nie in 3D gesehen. UIUIUI! Es ist auch der erste Sprint, an dessen Planung ich wirklich aktiv beteiligt sein werde, weil wir jetzt tatsächlich ans Implementieren gehen, Design ist fertig.

Insofern alles sehr spannend. Wie ging denn das nochmal mit den Bahntickets, welches Parkticket kann ich kaufen, ups, der Bus korrespondiert* nicht mehr mit dem Zug, oh je und Ruter hat ne neue App und die ist ja mal, äh, scheiße.

Nun. Jetzt schnell schlafen, sonst wird das morgen auch noch alles das plus müde.

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* ich habe ein dumpfes Gefühl, dass man das auf Deutsch so nicht sagt. Jedenfalls: der Zug fährt jetzt 4 Minuten früher und von einem anderen Gleis, der Bus fährt aber wie immer. Das heißt, dass man mit dem Bus, der früher 4 Minuten vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof ankam, jetzt dem Zug noch hinterherwinken und dann 15 Minuten warten darf. Wer sich das ausgedacht hat,will ich mal wissen. Möge die Person ständig 15 Minuten im strömenden Regen auf zugigen Bahnhöfen warten.

Tag 2249 – Allein, buhuhuuu.

Herr Rabe ist SCHON WIEDER auf einem Wochenendtrip, empörend! Nein, Quatsch, es sei ihm sehr gegönnt.

Ich bin heute morgen ordentlich erkältet aufgewacht, das kommt von den Kindern und bei niemandem von uns ist es Corona. Was gut ist, auch wenn erkältet sein ziemlich saugt.

Weiterhin habe ich heute viel zu lange gearbeitet, aber so ist das leider öfter mal bei uns. Wir bekommen eine*n weitere*n Inspektør*In nach Ausschreibung und Bewerbungsrunde plus Kündigungsfrist, sowie eine Consultant im Herbst und Winter, weil unser Corona-Backlog plus Backlog von vorher plus IT-Projekt leider machen, dass wir sonst absaufen. Mein Arbeitstag zum Beispiel wurde so lang wegen des IT-Projektes. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Prognosen passen und wir bis Ende des Jahres damit fürs erste durch sind, aus verschiedenen Gründen.

Leider hab ich die Vermutung, dass ich nicht die einzige bin, die ziemlich rotiert, sondern dass das quer durch die Organisation geht.

Heute wurde der Plan für die Sitzplatzorganisation im Büro vorgestellt, den ich ja sozusagen mit ausgeheckt habe. Ich hoffe, es kündigen jetzt nicht gleich alle. (Liebe Arbeitgeber*Innen, überlegen Sie sich wirklich, WIRKLICH gut, ob es sich nicht vielleicht doch rechnet, mehr Platz zu mieten, wenn man dadurch sehr großen Unmut, ein paar Kündigungen und Produktivitätsverluste (wegen viel Unruhe, Umstellung, etc.) vermeiden kann. Besonders wenn Sie keine hippe Designbude sind, sondern eine leicht staubige Behörde.)

So, jetzt muss ich sehr dringend schlafen, begleitet vom Schnurcheln der Kinder geht das bestimmt gut. Hach, hach.

Tag 2245 – Zurück im Homeoffice.

Es fühlt sich an, als hätte ich zwei Jobs. Inspektion – so wie letzte Woche – und „der ganze Rest“. Heute zum Beispiel: 1 Dialog um kommende Inspektion, 2 Dialoge um vergangene Inspektionen, 1 Inspektion formell abgeschlossen, diverse Archiviererei, 1 Rechnung approved (die Flüge letzte Woche), Einarbeitungspläne für mich und zwei Kolleg*Innen an den richten Stellen in SharePoint speichern, IT-Projekt, GMDP-Meeting, Meeting wegen Inspektion letzter Woche, 1 langes Draft Document zum Kommentieren gelesen (und nichts zum Kommentieren gefunden, alle meine Kommentare aus der letzten Runde waren bereits aufgenommen worden), diverse (so… 20, ich hatte länger nicht mehr reingeschaut, ähäm. Ich geb mir selbst ein Finding dafür) interne SOPs gelesen bzw. die Änderungen zur vorherigen Version angeschaut. Nebenher noch Bankkram, den ich gerne in der Öffnungszeit der Bank erledigt haben wollte. Uff, Ja. Weiß auch nicht, wie das in sieben Stunden Arbeitszeit im Sommer passen soll.

Ach ja, um ein neues Handy hab ich auch gebeten, nachdem meines unglücklich beim Aussteigen aus dem Auto aus der Hosentasche fiel und der Bildschirm trotz Bumper drum und extra Glas drauf seither von einem (neuen) Extraglas festgehalten werden muss. Man muss aber auch dazu sagen, dass ich bereits vor neun Monaten und die meisten anderen Angestellten vor knapp einem Jahr neue Handys hätten kriegen müssen, aber CovidhomeofficekeinGeldhomeofficeCovid das verhindert hat. Ich fühle mich deshalb also nicht unverschämt.

Ansonsten hab ich mal wieder festgestellt, dass Michel mit seinen fast neun Jahren im Schlaf immer noch fast aussieht, wie er als Baby ausgesehen hat. Mein Baby, hach.

Mein Baby hat sich mit dem Fahrrad langgelegt und sich das Kinn fies aufgeschürft, sodass es sowohl mit als auch ohne Pflaster gemein brennt. Armes Baby. Das andere Baby hat sich die Knie auf der Kunstrasenbahn aufgeschürft. Beides arme Babies. Herr Rabe hat heute seine zweite Imfdosis bekommen. Armer Gatte. Ich muss demnächst ne kleinere Bank ausrauben, um die ganzen Pflaster finanzieren zu können. Arme Frau Rabe.

Tag 2219 – Hrmpfgrml.

Ich bin ein wenig grummelig-schlechtlaunig. Ohne echten Anlass, also sind’s wahrscheinlich bloß Hormone.

Was heute sehr gut war: Michel hat ja gestern und heute an einem Korps-Projekt teilgenommen, wo sie Stomp gemacht haben. Heute war ein kleines Konzert für die Eltern, das war richtig cool (und sehr laut), sie haben unter anderem mit leuchtenden Plastik-Drumsticks auf Plastikfässer eingedroschen. Sehr gut war auch, dass ich da ne Mundbinde auf hatte (norwegisches Mundbindentragen ist wieder beim Status vom Juni 2020 angekommen, als würden die Dinger auch wieder 5€ pro Stück kosten…), weil so schwer unterdrückbares Schmunzeln einfacher zu verstecken ist. Aber es war halt auch wirklich wie so eine Klischee-Schulaufführung, wenn alles sich (rhythmisch nahezu einheitlich) mit einem letzten Crescendo zum finalen „BUMM!“ steigert und dann hört man noch ein einzelnes, aber beherztes „bumm.“ hinterher. Das wichtigste ist ja, dass es Michel Spaß gemacht hat und das hat es wohl. Die Korps-Leute sind halt auch eine nette und leicht weirde Truppe, er kennt ja zumindest die Erwachsenen da auch schon aus der Schule, und auch viele Kinder hatte ich zumindest schon mal gesehen (das heißt natürlich für Michel nichts, der sagte auch beim Schwimmkurs zu mir „Ich glaube, das da ist ein Junge aus meiner Klasse.“).

Projekt „Überstunden abfeiern“ läuft leider nicht so super. Trotz Stomp-Aufführung, Pass beantragen und ein Paket Ökofleisch abholen mitten am Tag. Das Problem ist, dass die Arbeit gar nicht automatisch weniger wird, wenn man versucht, nur 5,5-6 Stunden am Tag zu arbeiten. Die reicht normalerweise ja eher so für mindestens 9 Arbeitsstunden am Tag (ja, das haben Sie richtig gelesen, ich hab auch mal ausgerechnet, dass die Inspektoren bei uns im Schnitt 120 % arbeiten, aber bei uns arbeitet leider kein Wayne, den das interessieren könnte… Wahrscheinlich hat Wayne wegen dem Gehalt nicht angemessener Arbeitsbelastung gekündigt) und so ist es eigentlich auch jetzt, es bleibt also was liegen. Manche Sachen kann ich relativ gefahrlos erst mal liegen lassen, andere nicht, so einfach ist das. So abgestumpft, dass ich Fristen verstreichen lassen kann oder völlig unvorbereitet in Meetings gehe, zu denen man im Vorfeld einen Haufen Zeug hätte lesen müssen, bin ich auch noch nicht. Solange meine Chefin im Urlaub ist und ich das deshalb nicht mit ihr besprechen kann, nennt sich mein Workaround Schatten-Buchführung. Letztlich ist ja ein Teil des Problems, dass ich nicht so viel Ferien genommen habe, wie ursprünglich beabsichtigt, weil ich stattdessen ja krank geschrieben war. Da kann man nicht einfach sagen „Tja, dann feier die Stunden halt woanders ab, aber bitte bis Ende August und deine Arbeitsaufgaben werden kein Mü reduziert“, so läuft das nicht, nicht mal im öffentlichen Dienst. Grade im öffentlichen Dienst und mit fachorganisierten Angestellten nicht (hier Sonnebrillensmiley denken).

Wir werden sehen, was das alles noch gibt. Erst mal habe ich ja nächste Woche auch noch mal frei, die Überstunden eben. ich freu mich, es ist zwar Mittwoch einiges los, an den anderen Tagen sind die Kinder allerdings mindestens halbtags aus dem Haus, Hurra!

Und morgen werde ich ein bisschen mit Pivotdiagrammen herumprotzen, hähähä. Weil ich’s nämlich kann.