Ich bin auf der Palme, wegen Arbeit und wegen Tanzen. Arbeit ist das IT-Projekt, in dem schon wieder alle Lack saufen. Und zwar keinen auf Wasserbasis. Tanzen – wir hatten heute Generalprobe und da waren ziemlich viele Muttis, die auf die ganzen Gruppen aufpassten, und eine davon hatte nicht ganz auf dem Schirm, dass „Ballett für Erwachsene“ eher aus 37-jährigen als aus 7-jährigen besteht und schiss uns an, weil wir 1. uns was zu essen gekauft hatten (wir waren alle direkt von der Arbeit gekommen), wir hätten nämlich was von zu Hause mitbringen sollen; 2. dies auch verzehrt haben und das 3. ohne unsere Kostüme vorher auszuziehen. Man könnte vielleicht mit Vorbildfunktion argumentieren, aber wir waren mit anderen Erwachsenengruppen in einem Raum allein. Alls zwei von uns auf dem Bildschirm in der „großen Umkleide“ (wo alle Gruppen außer den Erwachsenen und den sehr fortgeschrittenen Gruppen sind) den Jazz-Auftritt der anderen anschauen wollten, wurden wir von der selben Dame ebenfalls angeschissen, wir sollten zurück in unseren Raum gehen, bis wir geholt werden „den Gang runter und dann rechts, einfach da warten“. Da konnte ich nicht mehr an mich halten und teilte der Dame mit, dass ich weiß, wo unsere Garderobe ist. Leuten, die so mit minimaler Macht umgehen, sollte niemand Macht geben.
Arbeit Arbeit
Tag 2341 – Der neue Alltag.
Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.
Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.
Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.
Tag 2327 – Lachs.
Neue Sitzplatzordnung (aka „feste Base, freie Platzwahl“) ausprobiert. War so geht so. Technische Schwierigkeiten, ich will meinen Stuhl wirklich WIRKLICH gerne behalten, und permanentes Umstellen des PC von lautlos (im Großraumbüro) auf Ton (in Gesprächen über Teams) nervt und wird dauernd vergessen. Wir werden sehen, was das für eine neue Routine wird.
Dafür aber gut: kein Gemecker wegen normalen Gesprächen zwischen Kolleg*Innen. Ich hege die leise (no pun intended) Hoffnung, dass Atmen und gelegentliches Frustschnauben über die Technik auf unserer neuen Etage erlaubt sein wird. Auch gut, dass ich den ganzen Tag über produktiv war, unter den Augen der Kolleg*Innen.
Die Lieblingskollegin hat Covid und es geht ihr schlecht. Wir haben nächste Woche Inspektion zusammen geplant, da weiß ich jetzt auch nicht so ganz, was ich machen soll. Die Lieblingskollegin hat es außerdem entweder aus dem Büro oder vom Weg ins Büro, weil sie sonst niemanden trifft. Das ist natürlich extra bitter. Immerhin war es nicht ich, weil ich ja letzte Woche aus Trotz gar nicht im Büro war.
Zu Hause erwartete mich mein neuer Pass. In einer Farbe, die ich irgendwie nicht erwartet hatte. Aber man kann wohl kaum den Pass (und alles damit zusammenhängende) zurückgeben, weil einer die Farbe nicht gefällt?

Von der Farbe abgesehen: wie effizient ist bitte die norwegische Passproduktion? Von Antrag bis ID-Karte im Briefkasten waren es 4 Werktage, bis zum Pass 6 Werktage. Man muss halt erst mal nen Termin kriegen, aber da ist es ja fast echt eine Option, in irgendeine Distriktskommune zu gurken, statt mehrere Monate auf einen Termin in Oslo zu warten. Das soll jetzt nicht heißen, dass Hamar ein Kaff ist! Von uns aus gesehen ist Hamar eine große Stadt. Hat immerhin mit seinen 31500 Einwohnenden fast 1/5 mehr als wir und es hat eine Uni! Quasi eine Metropole.
Tag 2402 – Ein mal inconclusive, bitte.
Herr Rabe fühlt sich nicht so gut und hatte jetzt einen „uneindeutigen“ PCR-Test. Was es nicht alles gibt. Der Rest von uns testet weiterhin eindeutig negativ, was ja irgendwie beruhigend ist. Wahrscheinlich sind unsere Immunsysteme inzwischen aus Stahl und unsere Schleimhäute verhornt und da kann sich kein Virus mehr ansiedeln. Oder so.
Die gegenwärtige Inspektion ist auch wieder auf einem anderen Level interessant. Ich habe schon ganz viel gelernt, hauptsächlich über Zeitpläne und Projektmanagement und wie das alles mit Produktionsqualität Zusammenhängen kann. Mehr kann ich nicht sagen.
Im Büro ist weiterhin tote Hose. Auch das beruhigend, mit einem uneindeutigen Mann zu Hause. Ich frage mich allerdings schon ein wenig, ob es daran liegt, dass die alle gut im Homeoffice klar kommen und gar keine Notwendigkeit sehen, ins Büro zu kommen, oder ob alle mit Covid flach liegen. Wahrscheinlich stimmt ein bisschen von beidem.
So, ab ins Bett, morgen ist der letzte Tag.
Tag 2395 – 2,8/4.
Ich ackere mich durch meine großen Aufgaben und nebenher mache ich noch die ganzen kleinen und zünde nichts an, ich wäre jetzt bereit für die „Mitarbeiterin des Monats“-Plakette am Band. (Haha, als würden wir sowas vergeben. Norwegische Behörden doch nicht, hier gibts Lob nur für alle oder keine.)
Der Preis dafür ist ein bisschen hoch, das muss ich ganz ehrlich zugeben.
Pippi liest alle ihre Lesehausaufgaben ihrer Lehrerin per Sprachnachricht vor und findet das großartig. Ich finde großartig, dass ihr das so viel Spaß macht. Sie übt fleißig und langsam fruchten die Strategien, die ich versucht habe, ihr nahezubringen, wie zum Beispiel lange Wörter erst mal in kürzere Happen zu unterteilen. Ich finde die Kombination aus Papierbüchern und iPad-Teams-Sprachnachricht schon allein aus dem Grund super, dass man es damit keinem hundertprozentig recht macht, aber auch keinem hundertprozentig auf die Füße tritt.
Ebenfalls Pippi kam heute mit einem riesigen Horn an der Stirn nach Hause – beim Sport-Hort an einem Schrank den Kopf gestoßen – und fiel zu Hause dann auch noch vom Stuhl. Arme Maus, überall verbeult und zerschrammt. (Trotzdem niedlich.)
Auch Pippi fragte mich heute morgen, ob ich dann jetzt nicht mehr mit Oma und Opa reden könne. Sie war dann sehr beruhigt, als ich sagte, ich könne schon noch deutsch sprechen. Michel war am meisten damit beschäftigt, zu betonen, dass ich jetzt WÄHLEN kann. Könnte ich – nur war Stortingswahl ja grad erst. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja bald neue Wahlen, weil der Staatsminister seinen Buddy zum Zentralbankchef ernannt hat oder in der Bar keinen Abstand gehalten hat. Alternativ gäbs da noch den Finanzminister, der hat großes Potential, was richtig dämliches im Fernsehen rauszuhauen und damit die ganze Regierung reinzureiten. Wir werden sehen, reguläre Wahlen zum Storting wären erst 2025 wieder. Kommunalwahlen sind nächstes Jahr, aber da wählen durfte ich ja auch vorher schon.
Tag 2394 – Hurra!
Was sagt es über mich aus, dass ich weiß, dass ein vedtak (Beschluss) nicht varslet (angekündigt) werden muss, wenn er auf ein søknad (Antrag) hin erfolgt? Dass ich norwegisches Verwaltungsrecht zumindest ein bisschen kann. Berufsschaden. Jedenfalls bekam ich heute ein uvarslet vedtak in meiner Digipost, norwegischer geht es halt auch einfach nicht.

Ich bin also seit heute, dem 2.2.22, Norwegerin. Zack! Jetzt muss ich noch rausfinden, wo das Passkontor ist und dann kann ich bald einen norwegischen Pass haben.
Einer meiner ersten Wege daraufhin führte mich zur norwegischen Institution Nummer 1: „Polet“. Da sind ja immer nette Leute, die sich an einem Mittwoch Nachmittag sehr langweilen und eine deshalb sehr gerne beraten, und so kaufte ich eine kleine Flasche Cremant. Die teilten Herr Rabe und ich uns heute Abend.

Davor musste ich mir das aber noch auf eine zweite Art verdienen, und ich kann jetzt vermelden, dass sämtliche IT-Projekt-Defects ins System eingetöckelt sind, 25 Stück insgesamt. Weil ich am Ende ein wenig müde, ziemlich aufgeräumt und deshalb etwas albern war, nannte ich den letzten Defect sinngemäß „Lead Inspector – Es kann nur einen geben!“. Nachdem ich noch eine lange Mail mit allen unseren Fragen und Anmerkungen, die keine Defects sind, geschrieben hatte, schmiss ich feierlich meine 3 Seiten Stichpunkte-To-Do dazu weg.

Was für ein Tag!
Tag 2392 – Der alltägliche…
Das Hamsterrad schlägt voll zu. Weiß nicht, was von den ganzen total dringlichen Dingen ich priorisieren soll. Zur Auswahl stehen:
- IT-Projekt. Wenn ich das nicht diese Woche mache, ist dieser Sprint für uns gegessen, was ich bis dahin nicht abgeliefert hab, wird frühestens im übernächsten Sprint gefixt, und dann sind wir eigentlich schon, haha, fertig. Außer mir kann es niemand machen, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde, macht es niemand. Davon geht dann die Welt nicht unter, das wird nur richtig teuer, oder meine armen Kolleginnen und Kollegen kriegen ein Produkt voller Fehler und gefährlicher Fallstricke.
- Inspektion von nächster Woche vorbereiten. Unvorbereitet sein ist eine richtig beschissene Idee.
- Report zur Inspektion vor anderthalb Wochen schreiben. Frist 30 Tage (inklusive diverser Durchgänge und Gedön, für das man gut nochmal ne Woche einkalkulieren kann), nächste Woche werd ich da nichts dran machen wegen nächster Inspektion, je später, desto schwieriger wird es.
- Oppfølging (was das auch immer auf Deutsch heißt, vielleicht sowas wie Nachverfolgung?) einer Firma, die schon seit Weihnachten auf Antwort wartet und mich aber so mit Dokumentation bewirft, dass ich unter dem Haufen einfach ersaufe. Keine Hilfe möglich, der Kollege ersäuft auch unter seinem Kram und die Kollegin hat COVID. Mögliche Konsequenz, wenn ich nicht langsam mal zu Potte komme: mein Name und Worte wie faul, langsam, unverhältnismäßig, Paragraphenreiter in der Zeitung. Hmm.
Und das sind nur die großen Brocken. Dazu kommt der Kleinscheiß, Webseitenänderungen, Anfragen, Meetings… Ächz.
Und zu Hause (ok, Arbeit ist ja auch zu Hause) ein Kind, das ums Verrecken nicht schlafen kann. Es ist zum Haareraufen.
Heute gut: Pippi kriegt etwas andere Bücher zu lesen, als ihre Klassenkamerad*Innen, weil sie sich mit kleinen Buchstaben und langen Wörtern noch schwer tut. Das Buch der Woche hat sie heute aber nahezu ohne Theater mit Hilfe gelesen und sich auch sehr gefreut, als sie die Sätze dann nach dem Entziffern noch mal im ganzen „vorlesen“ konnte. Sie merkt sich die dann einfach, aber die Lehrerin sagt, das ist in Ordnung, solange sie dabei die Wörter anguckt. Die Lehrerin wird schon wissen, was sie tut, und ich bin froh, wenn Pippi Erfolgserlebnisse hat, statt täglich über den Hausaufgaben in Tränen auszubrechen, weil sie „nicht lesen kann“.
Tag 2387 – Kopf in den Sand.
Heute im Büro lief es im Prinzip gut, nur förderte das, was wir taten – im IT-Projekt herumtesten – einige Seltsamkeiten zutage. Darum muss ich mich morgen kümmern, einiges lässt sich vermutlich aufklären, einiges ist halt einfach falsch, und einiges ist im System komisch, unpraktisch, schlecht zu finden, redundant und so weiter. Außerdem haben wir alle zwar brav mit verschiedenen Leveln an Rechten getestet, aber in egal welchem Level haben wir zu viele Rechte, was dann halt, weil ich mit irre lustigen Menschen zusammenarbeite, dazu führt, dass wir in der Testumgebung jetzt die Inspekteure Mickey Mouse und Donald Duck haben, die als „Inspekteurrolle“ (in der Realität sowas schnarchiges wie „Revisor GMP“) „DasHierDarfIchGarNichtAnlegen“ haben. Ich habe mal ausprobiert, was ich als „normaler“ Inspektionsadmin denn so alles löschen darf (in der Theorie nichts) und das Ergebnis war persönlich berauschend (ALLES kann ich! Hurrrhurrrhurrr so viel Macht!) aber leider nicht so, wie wir es in der Rechtematrize definiert hatten. Aber dafür testet man ja, um sowas zu finden, BEVOR man es tatsächlich umsetzt und so welche wie ich aus purer Neugierde mal gucken, was passiert, wenn man auf das Papierkorbsymbol klickt.
Jedenfalls kommt morgen der langweiligere Teil des Testens, nämlich das Erstellen diverser „Defects“, die passender Weise einen Käfer als Symbol haben. Heute war recht lustig eigentlich, aber morgen… hmm. Mal gucken wie das wird.
Derweil sind echt viele krank, arbeiten in Isolation nach positivem Test oder mit kranken Kindern zu Hause, oder arbeiten halt gar nicht, weil auch mancher „milde“ Verlauf ganz schön heftig sein kann. Wir schreiben weiter täglich Infektionsrekorde und sind inzwischen norwegenweit bei einer 7-Tages-Inzidenz von über 2000, aber das Gesundheitssystem ist noch alive and kicking also machen wir vermutlich nächste Woche weiter auf. Ist schon angekündigt.

Was da steht: „Gesundheitsministerin: Große Erleichterungen in Norwegen nächste Woche
Dänemark hebt zum 1. Februar alle Restriktionen auf – Das ist der Übergang in eine neue Zeit
FHI: Besser heute angesteckt werden, als später“
May the odds be ever in our favor.
Tag 2386 – Kopfarbeit.
Heute war Ballett, wir waren wieder nur zu viert. Beim warm machen knackte was in meinem linken Fußgelenk und danach zwirbelte es bei unbedachter Belastung immer mal wieder, als wäre irgendwas verklemmt. Insofern ließ ich es ruhig angehen und konzentrierte mich lieber auf sehr bewusste Bewegungen, das ist sowieso gut, egal was man macht. Allerdings bin ich nicht gut genug, als dass sich bei großer Konzentration auf die Fußgelenke nicht sofort anderswo Seltsamkeiten einschleichen würden, wie hängende Hände oder ein Kopf, der sich ums Verrecken nicht mitdrehen will. Naja. Nächste Woche ziehe ich wieder die extra dicken Wollsocken an, damit die Fußgelenke auf jeden Fall nicht eiskalt sind, wenn wir anfangen. Oder ich hab Omicron. Wer weiß.
Morgen fahre ich ins Büro. Vielleicht denke ich ja dran, Fotos von der Trostlosigkeit des langsam leerer werdenden Großraumbüros zu machen. Unser free seating wird wohl bald beginnen und überall verschwinden die persönlichen Dinge. Ich selbst habe keine Dinge von zu Hause an meinem Arbeitsplatz, keine Kinderfotos, keine gemalten Bilder, keine Ü-Ei-Figurensammlung und keine Topfpflanze, aber es stört mich auch bei anderen nicht, die das haben, im Gegenteil. Aber weiße Tische mit grauen Trennwänden, weißen Schränken, schwarzen Bildschirmen und schwarzen Stühlen, Reihe an Reihe, erinnert an Galeere. Mein persönliches Grauen, nur getoppt von der Vorstellung, dass um mich rum dann auch noch vier Leute in drei verschiedenen Teams-Meetings sitzen und in ihre Headsetmikrofone labern.
Insofern muss ich mich noch darauf vorbereiten, morgen und vor allem in Zukunft in das immer unpersönlichere Büro zu fahren. Die physische Zusammenarbeit muss das wett machen, sonst lockt mich in Zukunft da nicht vieles hin.
Wir sind doch keine Ameisen.
Tag 2379 – Bettschwer.
Hurra, frohlocket, es ist wieder Ballett. Ich fürchte, ich werde das morgen bereuen, aber es war sehr gut, beziehungsweise hat einfach sehr gut getan. Wir waren vier Teilnehmerinnen, das ist gegenüber dem letzten Termin vor den Ferien eine glatte Verdopplung, aber immer noch sehr komfortabel wenig. Natürlich sind das immer noch 4 eigentlich nicht nötige* Kontakte, aber es sind immerhin nur 4 und nicht 12. Man kann dann sogar Abstand halten, der ja nur leider nichts bringt, wenn man kreuz und quer durch die Aerosolwolken der anderen durch einen geschlossenen Raum hopst.
Nach dem Sport und allem danach (Haushalt…) bin ich jetzt aber ganz schön platt. Morgen fahre ich ins Großraumbüro, dafür habe ich schon gepackt, weil ich kaum noch weiß, wie das geht, zum Arbeiten irgendwo hin zu fahren. Morgen fahre ich hin, weil wir ein technisches Test-Meeting mit einer Firma haben, die wir Donnerstag fern-inspizieren – noch so was, wo ich kaum noch weiß, wie das geht. Donnerstag bin ich also auch schon wieder im Büro. Huiuiui.
Ich freue mich ja schon ein bisschen darauf. Großstadtfeeling!
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*allerdings ist nach zwei Jahren Pandemie sowohl Sport, als auch „mal rauskommen“, als auch wohldosierter Kontakt mit Menschen in 3D ziemlich nötig, bei mir jedenfalls. Am wichtigsten ist „mal an was anderes denken als Arbeit, Kinder und Pandemie“.