Tag 2108 – Fertig konferenzt.

Jöss, das war anstrengend. Aber heute war es auch ein bisschen schön, ich war nämlich ein paar Stunden ganz allein zu Hause. Herr Rabe war im Büro, der ging hier zu Hause langsam ein nach mehreren Monaten strikten Homeoffices. Ich kann das verstehen, ich bin gestern fast in Tränen ausgebrochen, weil wegen der Pandemie eine geplante Inspektion geplatzt ist. Bis ich meine Kolleg*Innen also in 3D wieder sehe, ist mindestens Juni und dann sehe ich maximal 2 von denen. Herr Rabe hat heute auch 2 gesehen, nämlich seine beiden Chefs.

Es saugt.

Was war noch? Ich war bei meiner Hausärztin. Sie ist endlich wieder da, keine Vertretungen mehr, und ich hatte das erste mal ein wirklich langes Gespräch mit ihr. So blöd die letzte Vertretung war, ich glaube, das mit der Hausärztin könnte was werden. Sie bestätigte jedenfalls, dass es saugt, alles, dass alle langsam oder schon lange „auf der Felge laufen“ und dass das auszusprechen nicht heißt, dass man depressiv ist und eine Angststörung hat, wie ihre Vertretung mir nach einem kurzen Gespräch bescheinigt hatte, was ich aber nur zufällig herausfand und ziemlich explodierte und den heutigen Termin ausmachte. Aber lassen wir das, ich bin für jetzt grad offiziell nicht depressiv diagnostiziert. (Das ist ja wie mit nem Coronatest, bloß weil ich jetzt nicht depressiv bin und auch zum Zeitpunkt des Gespräches mit der Vertretung nicht war, heißt das ja leider nicht, dass ich in einer Woche oder einem Jahr nicht depressiv sein kann.)

Ich finde allerdings immer noch bedenklich, dass einer Leute auf die ehrliche Antwort auf „wie geht’s“ gleich ne Depression bescheinigen. Weil, ich meine, es ist halt einfach alles grad scheiße, was kann ich dafür, muss ich mich halt mit arrangieren, aber schön macht es das nicht. „Es ist Pandemie, meine Oma und Schwiegermutter sind gestorben, meine Mutter war bis vor kurzem im Krankenhaus, mein Schwiegervater ist alt, wir wissen nicht, wann wir überhaupt mal wieder nach Deutschland können, wir müssen ständig umplanen, rotes Niveau, niemanden treffen, Inzidenzzahlen, Reproduktionszahlen, Impfraten, Impfpläne, Impfpässe, Öffnungspläne, Schnelltests, Pandemie, Leute sterben, Pandemie, Pandemie. Könnt besser sein, muss ich sagen. Ist alles ein bisschen viel.“ – „Aha, Depression und Angststörung.“ wtf. Aber liegt ja auch nahe, bei meiner Vorgeschichte als schwer traumatisiertes Kind (oder so, fragen Sie mich nicht, ich hab nur Fragen zu meiner Familie beantwortet, was soll ich machen, lügen?). Grrrrrrr.

Und wenn’s so wäre – warum wurde mir keine Behandlung dafür angeboten?

Die Frage ist eigentlich die wichtigste.