Tag 3674 – SO!

Das alte Haus ist übergeben. Halleluja. Es gab keinen Stress wegen irgendwas, alles supi, 5 Sterne, gerne wieder. Oder so. Wir konnten uns auch fast gut vom alten Haus trennen.

Danach habe ich ein über Finn gefundenes, entzückendes kleines Schminktischchen abgeholt und dann haben wir den Rest des Nachmittages Pax aufgebaut. Das ging zwar überraschend gut und fix (bis auf die Schubladen auf die Schieben zu setzen, das war ein Akt, bis wir raushatten, wie das geht), aber dauert halt dann doch ne Weile.

Zum Abendessen gab es für jeden von uns Erwachsenen ein halbes Pikolöchen mit Prosecco, curtesy of ColorLine, zur Feier des Tages. Dann hatten wir einigermaßen Spaß damit, die Kinder mal zu halbwegs normalen Zeiten ins Bett zu kriegen. Beide sind außerdem total aufgeregt, weil morgen erster Schultag an einer neuen Schule ist, Pippi im mistneuen Neubau der Barneskole, Michel in der Ungdomsskole. Dementsprechend war das doch ein längerer Prozess und morgen früh wird wahrscheinlich für uns alle hart.

Tag 3310 und 3311 – Jetzt aber so richtig…

… Ferienende für alle. Michel und Pippi müssen morgen wieder zur Schule. Die Sommerferien sind so richtig komplett vorbei. Heute haben wir das einigermaßen eingeläutet mit Stundenpläne ausdrucken und Rucksäcke packen, was keins der Kinder sonderlich begeisterte. Pippi war außerdem sehr müde, nachdem sie gestern bei ihrer Freundin übernachtet hat, die immer sehr früh wach ist. Pippi, wie wir alle, ist ja eher eine Eule. Noch nicht so ausgeprägt wie Michel und ich, aber das kann ja noch werden, sie ist ja erst neun.

Gestern haben Herr Rabe und ich genossen, dass die Kinder schon so groß sind, dass sie ein paar Stunden alleine zu Hause bleiben können und sind zum Shoppen nach Oslo gefahren. Ich brauchte was für mein neues Hobby und das gibt es in einem Spezialgeschäft, das nichts mit dem Hobby zu tun hat. Alternativ hätte es das in billig und entsprechender Qualität gegeben, so in der Größenordnung, dass Leute begeisterte Rezensionen ins Netz schreiben „Hat den ganzen Abend über gehalten!“. Ja, nee, danke, dann gebe ich lieber etwas mehr Geld aus und hab was, das hält und auch passt.

Der Laden sah im Internet aus, wie einer, in den ich nicht zwingend optimal reinpasse, so vom Grad der Fancyness her. Alles sehr sehr qualitativ hochwertige Waren, zu Preisen, wo einer wie mir kurz ein „Puh!“ entfleucht, wenn sie auf das Preisschild guckt. (For the record: das was ich gekauft habe, war nicht so teuer!) In echt war der Laden sehr sehr klein, mit offenbar speziell angefertigtem Mobiliar (Schaukästen-ähnlich) bis unter die Altbau-Decke. Und voll mit Waren, ebenfalls bis unter die Decke. Dabei nicht unübersichtlich. Die Verkäuferin sah auch nicht aus, wie ich mir eine Verkäuferin dort vorgestellt hätte (Mitte bis Ende 50, gekleidet in der Art, die meine Oma als „adrett“ bezeichnet hätte, mit seidenem Halstuch und ordentlich gelegter und geföhnter Frisur), sondern war ein relativ typisches Osloer Hipstermädchen Mitte 20, mit Piercing, Tätowierungen und Pride-Bändchen. Die Verkäuferin war aber ausgesprochen gut in dem Job, wusste exakt über das Sortiment Bescheid, war höflich und zuvorkommend aber vollständig unaufdringlich und am Ende hatte der Laden an Herrn Rabe und mich deshalb auch sehr viel mehr Dinge verkauft, als wir eigentlich zu kaufen vorhatten. Unter anderem besitzen wir jetzt jeder einen eigenen Knirps, ich sogar einen mit UV-Schutz (mein koreanischer Sonnenschirm ist leider kaputt), und in dem Fall steht Knirps auch nicht für zusammenklappbare Regenschirme generell, sondern wir haben tatsächlich Markenware gekauft. Wir werden das jetzt mal ausprobieren, ob Qualität sich tatsächlich so sehr lohnt, aber da wir billige Regenschirme sonst leider sehr schnell verschleißen, nehme ich ganz stark an, dass sich die fünf Jahre Garantie doch irgendwann rechnen.

Ich betrachte das im Übrigen immer noch als sehr großen Luxus, einfach in so einen fancy Laden spazieren zu können, und spontan mehrere Regenschirme für (für Regenschirme) echt viel Geld mitzunehmen, weil wir billige Regenschirme satt haben. Ich bin mir sehr bewusst, wie privilegiert das ist, bei uns, speziell auch bei mir als ich Kind war, war das lange anders, da musste der 3€-Regenschirm es halt einfach tun. Ok, ich habe als Kind sämtliche Regenschirme einfach verklüngelt. Da hätte ich mir auch keinen teuren Regenschirm gegeben… anyway, es ist ein großer Luxus*, sich so Eskapaden leisten zu können.

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*ebenfalls großer Luxus: sich seiner eigenen Kompensationsstrategien so sicher sein, dass man darauf vertrauen kann, dass man diese Schirme nicht verklüngeln wird. Ein Hoch aufs Erwachsensein.

Tag 2729 – Must I, Miss Sophie?

Muss morgen wieder arbeiten, meh. Lust habe ich nicht, ein Arbeitschat verrät, dass da schon wieder erwartet wird, dass wir IT-Projektmäßig alles stehen und liegen lassen und springen und eigentlich möchte ich nur ungern direkt morgens meine Chefin anrufen und nachfragen, was da los ist und ob irgendjemand vor hat, sich da zu involvieren, oder ob ich erst wieder rumschreien soll. Ich nehme an, alle denken, es wird schon wer sagen, was zu machen ist, die sind ja auch alle noch nicht so lange im Projekt wie ich, ich weiß, dass niemand da was konkretes sagen wird, sie erwarten einfach, dass wir machen. Also muss ich vermutlich sagen, was zu machen ist, aber das ist auch schon wieder ne Rolle, die ich nicht haben will und zu der ich nie Ja gesagt habe. Genau genommen gibt es bei uns jemanden, der dafür bezahlt wird, soll der es machen, ey*.

Nun ja. So kann man sich den letzten Ferientag auch versauen. Nächstes mal lösche ich Teams über die Ferien vom Handy.

Ansonsten war heute recht entspannt, ich war sogar bei klirrender Kälte draußen spazieren. „Nur“ spazieren, weil ich gestern ein At-Home Balletttraining gemacht habe, das mir zornigen Muskelkater beschert hat. Stange ohne Stange (oder, weil at home, Stuhllehne) ist eine sehr effektive Trainingsform, ganz sicher, aber au. Ich habe sogar Muskelkater zwischen den Rippen. Was gut ist, offenbar hab ich meinen Core sehr kompakt gehabt, aber au!

Ich habe ein neues Geigenprojektlein ausgedruckt, als nächstes spiele ich Meditation von Massenet, das sieht machbarer aus als Bach. Hat auch nur eine Seite, das ist ja quasi nichts.

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*aus Gründen ist die Einstellung von absolut allen, die ich bisher im IT-Projekt getroffen habe, dass sie es dann doch lieber selbst machen, als das er es macht. Aber ich habe ja generell eine leicht destruktive Haltung gegenüber dem Projekt angenommen, in der ich Dinge mit voller Absicht zu Demonstrationszwecken gegen die Wand fahren lasse statt sie um jeden Preis zu verhindern (der Preis sind meine Nerven und schlussendlich meine Gesundheit), vielleicht jetzt auch dieses Ding.

Tag 2727 – Frohes Neues!

Kleiner Nachtrag zu gestern:

– die elektrischen Zahnbürsten. Nach gründlicher Recherche musste ich ja auch da die nehmen, die man hier bekommt, deshalb sind Happy Brush und co., so gut die auch bei Stiftung Warentest abgeschnitten haben mögen, leider raus. Irgendwann lerne ich das mal und spare mir die Recherche. Jedenfalls war die Auswahl begrenzt auf das Verfügbare und dann waren manche im Angebot und andere nicht und deshalb haben Herr Rabe und ich jetzt jeweils eine Sonicare (die zweitneueste Version) und die Kinder haben Oral B irgendwas, nicht i-O, wesentlich günstiger aber laut der Recherchen trotzdem sehr gut. Ich bin weiterhin begeistert und das Zahnfleischbluten hält sich selbst unter Einbeziehung der Zyklusvariationen seither echt in Grenzen. Der Unterschied zum Putzen von Hand ist ein Unterschied wie vom Kettcar zum Auto. Auch für Kinder, die nicht sooooo begeistert die Zeit aufwenden, die Zähne gründlich zu putzen, kann ich das empfehlen, weil bei selbem Zeit- und Gründlichkeitsaufwand die Zähne einfach wesentlich sauberer werden. Vibrationssignale helfen auch dabei, zu wissen, wann man genug geputzt hat, aber an die muss man sich ja als ungeduldiger 10-Jähriger nicht zwingend halten, nicht wahr.

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Wir sind gut und entspannt rüber gekommen. Heute waren die Nachbarn zum Resteessen da und das war auch sehr nett, außerdem ein guter Anlass zumindest die untere Etage in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Jetzt Bett, morgen haben die Kinder wieder Schule und Herr Rabe muss arbeiten, also müssen alle früh raus. Ich habe zwar frei, aber darf dafür so schöne Sachen machen wie beim Hausarzt anrufen und fragen, ob es eine Alternative zu diesem ekligen Penicillinsaft gibt, weil ich mein Kind nicht mit körperlicher Gewalt dazu zwingen werde, das Zeug zu nehmen und wir uns aber dem Punkt annähern, wo das nötig wäre, um die zehn Tage durchzuziehen. Hurra.

Tag 1817 – Zu Hause ist’s doch am schönsten.

Endlich wieder zu Hause. Mein Kopfkissen, meine Matratze, mein Kühlschrank mit meiner Ordnung. Meine Kaffeemaschine (fürs nächste Mal: die funktioniert am besten, wenn man sie einstöpselt).

Morgen ist mein Urlaub vorbei und ich mag nicht, irgendwie. Vielleicht sind fünf Wochen Urlaub zu lang. Ich fühle mich, als wäre ich komplett raus.

Das heißt auch, früh aufstehen. Ob ich das noch kann?

Michel und Pippi gehen morgen wieder in ihre Betreuungseinrichtungen. Michel in den Hort, Pippi beginnt ihr letztes Kindergartenjahr. Nur noch ein Jahr Kindergarten für sie, und damit auch für uns als Familie. Das fühlt sich seltsam an.

Die Meerschweinchen hatten eine gute Woche ohne uns. Alle drei haben ein bisschen zugenommen, sogar Muffin, obwohl der offenbar ein bisschen auf die Mütze bekommen hat. Irgendwer hat ihm wohl ordentlich in den A… gebissen. Ich vermute, Pølse war’s, die ist nämlich sonst die Königin, Muffin scheint das aber nicht uneingeschränkt so zu sehen. Vermutlich hat er aufgemuckt und den Hintern versohlt bekommen. Passiert bei Rudeltieren, muss ich dann mal ein Auge drauf behalten, sowohl ob alles heilt wie es soll als auch ob sie die Rangordnung bald mal geklärt bekommen.

Mehr habe ich nicht zu erzählen. Pippi wäre sicher sauer, wenn ich schreiben würde, dass ihre Eltern nachts den von ihr gemopsten und versteckten Schlüssel eine halbe Stunde lang im ganzen Haus gesucht, schlussendlich aber auch gefunden haben. (Dieses Kind, ey!)

Tag 1454 – Tatsächlich Ferienende.

Rekord. 22:09 und ich bin im Bett. Alles ist bereit außer meiner Motivation, die suche ich noch. Morgen geht es wieder los, Hort, Kindergarten, 2 Vollzeitjobs. Brotdosen im Kühlschrank, Kleid rausgelegt, Schuhe überlegt, Make-up überlegt. Heute noch drülfzig Maschinen Wäsche gewaschen, zum drülfzigsten Mal die Sonnencremeversauten Hemden des Mannes und Sohnes in die Sonne gehängt, was zum drülfzigsten mal kaum was gebracht hat. Seit dem 17. Mai laboriere ich mit diesen Hemden rum, das nächste mal gibts schwarze Hemden kann der Mann das selbst versuchen oder dran denken, sich und das Kind reichlich vorher einzucremen. Bisher am meisten rausgerissen hat das Zeug mit dem Werbespruch „milde Bleiche ohne Chlor“, direkt auf die Flecken in den feuchten Stoff gerieben und sehr lange einwirken lassen. Das habe ich mehrmals gemacht. Genau wie Sonnenlicht. Trotzdem noch kein Ergebnis erzielt, das ich noch mal anziehen würde. Michels Hemd war ganz neu. Ein mal angezogen. Hrmpf.

Egal. Jedenfalls heute sehr viel gemacht, Kindersachen sortiert (Pippi ist ohne Witz in den letzten 5 Wochen eine komplette Größe gewachsen, 98 ist passé, und auch insgesamt ist sie plötzlich ein richtig großes Kind. Bei Michel war das nie so! Der wuchs (und wächst) immer schön gleichmäßig) und für jedes Kind eine Ikea-Tüte mit Zeug zum Mitnehmen in die Betreuungseinrichtungen gepackt. Durch die Wintersachen gegangen, aufgeschrieben (es lebe Wunderlist!), was wir noch brauchen, kurz entschlossen eine Skihose und einen Winteranzug für Pippi bestellt und für Michel eine gebrauchte Skihose gekauft. Falls ich Lust dazu habe, gäbe es in Lillestrøm wohl auch die einigermaßen* bewährte Helly Hansen Rider-Hose in 128, müsste man halt mal hinfahren, eventuell schaffe ich das ja auf dem Rückweg von der Arbeit irgendwann nächste Woche. Da bekäme ich in jedem Fall auch Gummistiefel für Michel, insofern wäre das ganz gut. Andererseits ist August. Ich möchte noch nicht an Winter denken.

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Die nächsten zwei Wochen, das fand ich heute raus, werden Arbeitswegtechnisch spannend, weil die T-Bane auf dem für mich relevanten Streckenabschnitt gesperrt ist. Ich wunderte mich schon, warum die Ruter-App mich immer mit dem Flugbus zur Arbeit schicken wollte, jetzt weiß ich den Grund und auch, dass die Flugbuslinien 2 und 5 in meinem MonatsJahresticket enthalten sind. Juhu! Morgen werde ich also mit dem Flugbus zur Arbeit fahren und wie ich zurückkomme, muss ich mal sehen.

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Ein wunderbares Telefonat geführt und eins den ganzen Tag wegprokrastiniert. Wenn ich groß bin, rufe ich immer alle an, die ich will, wenn ich das will und warte nicht erst, bis es dann peinlich ist, dass man sich erst jetzt meldet.

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*letzte Saison hat er die ja komplett durchgerockt, sodass ich sie am Ende wirklich nur noch in die Tonne kloppen konnte. Eigentlich war die schon Wochen vorher im Eimer. Dieses Kind muss aber auch irgendwie lernen, dass es nicht ratsam ist, auf den Knien mit Split gestreute Eispisten runterzurodeln, deshalb weigerte ich mich recht lange, die kaputte Hose zu ersetzen und flickte die Löcher nur so gut es eben ging.