Tag 483 – WmDedgT Mombie Edition. 

Es ist der 5., Frau Brüllen will wissen: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“.

Pippi turnte gestern noch die halbe Nacht durchs Bett und spielte Guckuck-Böhh und machte allerlei anderen Quatsch, der sonst super niedlich ist, aber eben nicht, wenn in wenigen Stunden der Wecker klingelt. Irgendwann schlief sie ein. Und wir dann auch. Als ich gerade die tiefste aller Tiefschlafphasen erreicht hatte, riss mich ein Rumms und infernalisches Gebrüll aus dem Schlaf. Pippi war aus dem Bett gefallen. Hatte sich das Kinn am Nachttisch aufgerissen und war zu Recht entsetzt und brüllte und brüllte und brüllte. Als sie sich wieder beruhigt hatte, konnte ich erstmal eine Weile nicht wieder einschlafen. Kurze Zeit (ca. 4 Stunden) später wurde ich von Michel geweckt, der kurz vor dem Weckerklingeln in mein Ohr schreiflüsterte: „Mamaaaaa! Ich will aufstehen und mit dir Frühstück machen!“.

Soviel zur letzten Nacht. Natürlich wollte Michel nicht wirklich Frühstück machen, sondern sein Adventskalenderpäckchen öffnen. Dann musste ich ihm mit halb geschlossenen Augen helfen, die neuen Teile am Frosch anzubringen. Ich machte mit halb geschlossenen Augen Kaffee, fror mit halb geschlossenen Augen Brot und Brötchen ein, wusch mir mit halb geschlossenen Augen die Haare, zog mich mit halb geschlossenen Augen an und malte mir mit halb geschlossenen Augen ein Gesicht auf. Nach dem Kaffee bekam ich die Augen dann endlich ganz auf, sah, wie rot sie waren und machte sie wieder halb zu. Ich half Herrn Rabe noch, die Kinder fertig zu machen und düste dann zur Arbeit. Die frische Luft half gegen die Augenproblematik ebenso wie all die anderen Verkehrsteilnehmer, hauptsächlich die Fahrradfahrer regen mich morgens echt auf, wenn es dunkel ist und die ohne Licht, ohne Reflektoren und ganz in Schwarz auf schwarzen Fahrrädern um irgendwelche Ecken geschossen kommen. Da kann man schon mal Puls kriegen. 

Bei der Arbeit dann aaaahhh, Stressstressstress, schon zwanzig nach Acht, zack, Haarwachs, Ohrringe, Joghurt, Müsli, Laptop an (hatte ich mitgebracht, im Meetingraum ist der Computer kaputt), noch mal die Präsentation gecheckt, nen Babybild von der neugeborenen Pippi an die Stelle „und hier bin ich in Elternzeit gegangen und guckte ne Weile nicht auf nackte Proteine sondern dieses wunderhübsche Kind an“ gebastelt, ahhhh schon zehn vor neun, ab in den Meetingraum, Laptop angeschlossen (mein Stressmoment weil Apple und man weiß ja nie, war aber denkbar einfach), drei Minuten im leeren Raum rumsitzen und merken, wie die Augenlider schon wieder schwer werden, und schon kamen Leute. 

Erst Smalltalk, dann Vortrag, war ganz ok, ich war einfach sehr müde und nicht besonders entertaining, aber die Folien waren gut, Zeitplanung klappte gut (20-30 Minuten ist Vorgabe, ich redete 25 Minuten), Fragen gab es nur eine und die konnte ich gut beantworten. Wurde hinterher für den guten Überblick gelobt. 

Dann Labor, ahhhh, schon so spät, alles geschachtelt, Gel hier, Zellen da, Cytotoxicity-Test, „Siri, stell einen Timer auf eine Stunde“, kurz (wirklich sehr kurz) Mittagspause, wieder Gel, Zellen, Zellen, Zellen, meine Fresse, wieviele Zellkuturflaschen habe ich denn?*, besorgter Blick auf die Uhr, Zellen, Zellen, wieso ist es um halb zwei quasi dunkel?, Zellen, „Hast du Mittwoch Abend Zeit, was Essen zu gehen?“, Zellen, Zellen, igitt, Fibroblasten sind ja mal eklig, Zellen, ahhhhh das klappt alles nicht, den Frisör angerufen, es wird etwas später, Zellen, Zellen, Zellen einfrieren, Gel färben, Hose an, Jacke an, Reflektoren an, in Windeseile zum Frisör gerast. 

Beim Frisör wars sehr schön. Ich mag den. Und ich hab jetzt sehr viel weniger Wolle auf dem Kopf. Und ich bekam einen Kaffee. Viel Liebe dafür. Dafür entdeckte ich im Frisörspiegel die ersten echt ernstzunehmenden Falten. Die gute Nachricht: alles Lachfalten um die Augen, da kann ich gut mit leben. 

Dann nach Hause, ich hatte 45 Minuten, bevor ich wieder los musste, die Kinder abholen. Ich machte den Fernseher an und um nicht einzuschlafen, lackierte ich mir die Fingernägel. Unterlack und zwei Schichten blau-grün aus dem Adventskalender schaffte ich, dann hätte ich zeitlich die Wahl zwischen Überlack oder Kaffee. Die Wahl fiel auf Kaffee. War so halb schlau, der Kaffee machte mich zwar etwas wacher, aber dafür ruinierte ich mir an einem Finger durch die Handschuhe die ich zum Kinder abholen anzog, den Lack. 

Mit Kaffee die Kinder abgeholt, waren mit einem anderen Kind die letzten. 25 Minuten vor Ende. Tjanun. Fahrradanhänger zum Buggy umgebaut, da stimmte aber irgendwas  nicht, im Endeffekt fuhr ich die Kinder mit angehobenem Vorderrad nach Hause. Braucht man dann auch keinen Sport mehr nach. 

Zu Hauso wollte Michel wie immer Shaun das Schaf gucken und Pippi was essen, also machte ich beides bereit. Ich korrigierte den vermackelten Zeigefingernagellack mittels Lack und einem Zahnstocher. Dann las ich ein bisschen in der mit Essen/Fernsehen erkauften Ruhe den Feedreader leer und freute mich über alles irgendwie. Ich war ganz selig am Ende. Vor allem freute ich mich dass es Frau Novemberregen besser geht und sie wieder öfter bloggt. Am liebsten hätte ich sie und meine anderen Feedreaderinhalte durchs Telefon umarmt. Komische Adventsanwandlungen sind das. 

Zeitgleich mit Herrn Rabes Heimkehr fing ich an, die Pizza zu belegen, die es eigentlich gestern geben sollte, aber dann aus Gründen doch nicht gab. Dann halt heute. Die war auch sehr lecker, auch wenn es etwas Übung bedarf, den Teig nicht auszurollen (geht eh nicht bei dem, der ist zu weich) sondern in Form zu ziehen/fließen zu lassen. Zwei der Pizzen waren dann auch für meinen Geschmack zu dick und zu klein. Mehr Üben. Schlimm. 

Nach dem Essen war Pippi gelinde gesagt ungehalten. Sie hatte auch schon wieder die ganze Zeit die Finger im Mund. Und sabberte wie verrückt. Der vierte Backenzahn ist ja auch schon seit bestimmt drei Tagen durch, da kann man schon mal wieder zahnen. (Hier mütterliches Haareraufen vorstellen.) Ich wickelte die protestierende Pippi, zog ihr ihren Schlafi an und putzte ihr zwei der zehn Zähne, danach brüllte sie so, dass ich’s einfach dabei beließ. Besser als nix. Dann steckte ich sie in die Trage und verzog mich mit ihr ins dunkle Schlafzimmer, wo sie nach zwei Minuten Gemecker einschlief. Dann holte ich Glitzerzeig, Überlack und Trockentropfen und verzog mich mit dem Kram und dem schlafenden Kind umgewickelt wieder vor den Fernseher. Ich schaffte nochmal dreißig Minuten Gilmore Girls (meine Güte sind die neuen Folgen langweilig!) bevor Pippi zu brüllen anfing. Aber immerhin sind die Fingernägel jetzt fertig lackiert. 

Bling, Bling! 😍

Seither liege ich mit Pippi im Bett und schreibe den Tag auf. Könnte schlimmer sein. Gleich Stricke ich noch ein bisschen bei der letzten halben Stunde Gilmore Girls „Spring“ und dann geht’s früh ins Bett. 

*6 96er Platten, 23 75cm^2 Flaschen, 8 175 cm^2 Flaschen. Tendenz leider immer noch steigend. Aber nicht mehr lange, juchuh! 

Tag 440 – Die Geschichte mit dem Nagellack. 

Ich und Nagellack. Never ending story. 

Meine Mutter machte sich zu Tanzturnieren immer Nagellack drauf. Ich fand, das sah toll aus, auch, weil sie die schon vorher ordentlich lang wachsen ließ. Es waren eben die 90er, dazu Tanzturniere (eine eh etwas eigene Welt), da wurde wochenlang auf Länge gezüchtet. Ich wollte das auch, aber es klappte nie, weil meine Nägel einfach zu brüchig waren. Ich nehme mal an, wegen Pubertät und Hormontralala, aber damals machte mich das echt fertig und ich tat alles, um meine Nägel in Form zu kriegen. Ich schluckte Biotin und Calcium, kaufte mir eine Glasfeile, schmiss alle Nagelscheren in die Ecke und pinselte ständig Klarlack auf die Nägel, damit da bloß nichts splitterte. Und es splitterte doch immer. Beziehungsweise es blätterte. Meine Fingernägel schilferten vorne quasi einfach ab und das auch schon bevor sie überhaupt eine nennenswerte Länge erreichten. Damals spielte ich ja auch noch Geige, da war eh nix mit wirklich langen Fingernägeln. Nun ja, was ich auch tat, meine Fingernägel blätterten vor sich hin, also gab ich es irgendwann auf und fand mich damit ab, nie schön lackierte Fingernägel zu haben, vor allem nicht länger als ein paar Stunden. 

Fast forward 8 Jahre. Ich stehe im rossmann und suche Make-up für meine eigene standesamtliche Hochzeit aus. *kreiiiisch* Schlagartig ver-x-facht sich mein Schminkearsenal, ich besitze nun richtiges Make-up, meinen ersten Concealer (damals noch gegen Pickel), Lidschatten in anderen Farben als Schwarz und Weiß, Rouge und Puder. Kopfschmerzen bereitet mir Lippenstift und Nagellack. Mein Kleid hat eine große aufgestickte Rose, vielleicht was in richtig knalligem Rot? Sieht das nicht zu puffig aus? Egal. Ich kaufe mir so einen superultragehtniewiederabkussechten Lippen-Lack und einen dazu passenden roten Nagellack 60second Quick-dry von Manhattan. Für 2,95€ oder so. Einen Tag vor der Hochzeit lackiere ich nachmittags meine über Wochen (!) in einen akzeptablen Zustand gebrachten Fingernägel, in zwei Schichten, das Ergebnis ist echt schön und ich bin sehr zufrieden mit mir. Den Rest des Tages fasse ich nichts an. Am Morgen erwache ich mit leichten Spuren auf den Nägeln, das Fell meines Teddybärs hat sich abgedrückt. Ich habe allerdings schlimmere Sorgen, denn es stellt sich heraus, dass es quasi unmöglich ist, sich mit vor Aufregung zitternden Händen selbst zu schminken. Irgendwie schaffe ich es aber doch, wir heiraten tatsächlich, das Lippenzeug hält, ebenso der Nagellack, nix splittert, und die Farbe passt sowohl zu dem Rot der Rose als auch dem Rot meiner Schuhe. Es ist ganz wunderbar. 

Ich mache das mit dem Nagellack noch ein paar Mal. Das Nagelbruchproblem habe ich längst nicht mehr so stark, also geht das. Nicht oft, weil erst arbeite ich immer viel und dann habe ich auch noch einen Bulli, an dem ich herumschraube, -flexe, -schleife und -schweiße, dann habe ich Kinder und irgendwie nie Zeit für einen halben Tag Nix-anfassen können. Trotzdem ist irgendwann dieser mein einziger Nagellack leer. Ich kaufe mir einen neuen, diesmal von Essie, weil ich mir mal was gönnen will, also warum nicht einen Nagellack für verrückte 139 Kronen. Und weil ich zwischendurch diesen Artikel von dasnuf gelesen habe, kaufe ich noch einen Unterlack. Haha! 

Denkste. Immer immer immer wieder habe ich dieses Problem: 

12 Stunden zwischen Nägel lackieren und Bett und trotzdem ist am Morgen alles vermackelt.


Das war vor einer Woche, am Abend vorher (für die Hochzeit nämlich lackiert) war noch alles schick gewesen. Aber im Gegensatz zu vor sieben Jahren habe ich jetzt Twitter, da frage ich herum, was ich wohl falsch mache, dass das immer passiert. Ich bekomme folgende Antworten: 

  • Dünner lackieren (viiieeeel dünner!)
  • Mehrere Schichten**
  • Jede Schicht gut trocknen lassen
  • Schnelltrockentropfen nehmen
  • Guten Überlack nehmen

Es wird noch angemerkt, das man das im Laufe einer Mausfolge schaffen kann. Ich glaube von letzterem kein Wort, aber ich renne in Berlin am Bahnhof noch zum Douglas und kaufe das hier:


Und dann lege ich los. Dienstag Abend: Nagellack runter, alles wirklich gut waschen, mit Spüli, damit das Fett von den Nägeln ist. Dann Unterlack und die erste Farbschicht von meinem mittlerweile vierten (!) und auch in Deutschland frisch gekauften Nagellack. Ich lackiere so dünn wie es geht. Das Ergebnis ist total ömmelig. Echt. Frustriert gehe ich ins Bett und erwarte schon die Macken am Morgen. Aber da sind keine. Eigentlich nur um einen angepissten „Hier, Ihr Schlaumeier, so sieht das aus, wenn ich mehrere Schichten ganz dünn lackiere!“-Tweet schreiben zu können, lackiere ich noch eine zweite Schicht drauf und trockne sie mit den Schnelltrockentropfen, die ich besitze seit ich sie das erste Mal sah, weil ich mir davon versprach, wenigstens ein paar Stunden nach dem Lackieren wieder Sachen anfassen zu können. Das Ergebnis ist ganz ordentlich, wie ich finde. Etwa eine Stunde später traue ich mich, den Überlack draufzumachen. Er trocknet blitzschnell und ist danach glashart. Es ist ein Wunder (naja, fast). 

Tadaaaa!


Ich kann sogar noch am gleichen Tag die übergemalten Stellen wegknibbeln, ohne dass es Macken gibt. Hurra! Und das Beste, an das ich fast nicht geglaubt habe: keine Spuren am nächsten Morgen! Es funktioniert! Heureka!

Gehalten hat es bis heute, da kann ich plötzlich Teile des Nagellacks einfach von meinen Fingernägeln abziehen, das ist etwas schön gruselig (für Freunde der Fitzelei). Ich fasse also zusammen:

  • Unterlack (all-in-one base, Essie)
  • Zwei dünne Schichten Nagellack (watermelon, Essie)
  • Quick-e-drops (Essie)
  • Überlack (good-to-go, Essie)

Zwischendurch immer alles schön trocknen lassen. Vermutlich geht das alles auch mit Zeug von anderen Marken, die hab ich aber nicht im Schrank. 

Das mache ich jetzt öfter, muss ja noch am Fernziel Mausfolge arbeiten. 

*das sind so 12 €. Und ja, ich weiß, dass der in Deutschland nur 8 kostet. Norwegen halt. Ist bestimmt irgendeine tolle Extra-Steuer drauf. 

**ich hab eh schon seit immer zwei Schichten gemacht. Nur dünn waren sie wohl eher nicht.