Tag 796 – Das Gespräch.

Sie wollen jetzt sicher wissen, wie es lief, oder?

Tja, wenn ich das mal so gut benennen könnte.

Ganz gut, glaube ich. Ich war da (in neuen, dunkelblauen Wildleder-Stiefeletten, die ich sehr schick finde und die zu kaufen überraschend wenig Zeit in Anspruch genommen hat) und auch sehr pünktlich. Ich war nicht übermäßig nervös, eher so gut nervös, aber ich glaube, ich sah zum Beispiel nicht besonders Tomatig aus (was sonst sehr schnell passiert) oder habe gestammelt. Die Firma ist in einem Haus, das, darauf möchte ich wetten, von einem Studikollegen des Architekten des Pirsenterets in Trondheim ist, alles sehr hell und offen und modern. Ich wurde erst kurz in eine Art Warteraum gesetzt, da war auch eine Garderobe, da ließ ich meinen Rucksack und meinen Regenmantel und dann sah ich mir Firmenbroschüren an, bis eine ältere Dame kam und mich fragte, was ich denn trinken wolle (WASSEROHNEKOHLENSÄURE brüllte die Bewerbungstrainerin in meinem Kopf). Dann kam noch ein netter Mann, stellte sich als Leiter der Virusentwicklung vor und wir suchten den richtigen Meetingraum. Da saßen dann die ältere Dame, die sich als Leiterin der gesamten Forschung und Entwicklung vorstellte (und deren Vornamen ich leider nicht verstand, hrmhrm) und die K., mit der ich schon zwei mal telefoniert habe.

Tja, und dann… äh. Also, erst gab es eine Präsentation über die Firma (die wird mir immer sympathischer, je mehr ich über sie erfahre), dann stellte ich mich, was ich so gemacht habe, mache und zu machen vorhabe vor, dann gab es einen Abgleich der Stellenbeschreibung mit meinen Erfahrungen, da war ich ehrlich (jo, HMS kann ich nicht offiziell, finde das aber interessant und traue mir zu, das in nullkommanix zu lernen, nein, ich kann keinen Autoklaven selbst reparieren*, aber ich weiß ziemlich gut, was daran kaputt gehen kann und vor allem weiß ich, wie man testet, ob so ein Autoklav auch tut, was er soll.) und überhaupt fand ich mich angemessen nett, offen, lustig und auch einigermaßen kompetent, es wurden noch ein paar Fragen gestellt („Wenn Sie einen Forscher haben, der seine geplante Geräterequalifizierung nicht rechtzeitig macht, was machen Sie?“) und dann waren plötzlich eineinhalb Stunden rum.

Aber wie es lief? Ähh keine Ahnung. Das werde ich nächste Woche erfahren. Bis dahin atme ich dann in eine Tüte.

*das war auch nicht gefordert. Es stellte sich heraus, dass das Ding dauernd kaputt ist, dann vom Servicetechniker repariert wird und dann geht es direkt an einer anderen Stelle kaputt. Sie vermuten, dass der Servicetechniker murkst.