Tag 2330 – Ende 30.

Die Welt geht vor die Hunde, Baby, aber Leute haben trotzdem Geburtstag, sogar so signifikante Geburtstage wie der 37. passieren täglich überall auf der Welt.

Ich finde älter werden weiterhin im Großen und Ganzen gut. Die Haare werden grau, das Gesucht wird ein bisschen faltig, der Bauch, der Po und die Arme werden weicher (gut, das würde mehr Training vermutlich richten, ähäm). All das ist gut. Wehwehchen, hier mal Rücken, da mal Knie, werden schleichend mehr, das ist nicht so schön. Was aber eigentlich am Besten ist, ist, dass mir, ebenfalls schleichend, eine innere Scheißegalhaltung gegenüber äußeren Erwartungen wächst. Man kann’s eh nicht allen recht machen und der Versuch ist voll anstrengend, warum sollte ich das also tun? Bester Effekt des Älterwerdens. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es sogar noch bis zum 20. Abijubiläum, die so weit auszubauen, dass ich da hin gehe und nicht, wie beim 10. den Organisatoren mit „eher schieße ich mir in den Fuß“ antworte.

Geburtstag war so weit allerdings unspektakulär. Ich habe mich sehr über viele Glückwünsche gefreut und mein bestes Geschenk ist ein sehr kleiner Kaktus/Sukkulent in Herzform von Michel, sowie dass sich die Kinder damit angefreundet haben, Essen zu gehen, und sich dort sogar benommen haben. Pippi hat der Bedienung im indischen Restaurant ein deutsches Buch vorgelesen, das war schon ziemlich niedlich. Der Kuchen ist lecker, wenn auch die Glasur nicht gut temperiert war und nicht knackig wurde. Herr Rabe hat sich um alle Kaffees des Tages gekümmert und war mit Michel beim Zahnarzt. Ich habe in Frieden gearbeitet und habe im Flow auch noch ein Meeting vergessen.

(Derweil behauptet der Kriegsverbrecher, er hätte von dem Krankenhaus gar nichts gewusst und überhaupt würde man keine Zivilisten angreifen. Ich habe keine Worte mehr für diese Abscheulichkeit.)

Tag 1222 – Hmmmmmmplöt.

Heute mehr oder weniger unterschwellig über vieles geärgert. Erst morgens die langsamen Kinder, wie können die so unfassbar langsam sein, bitte? Dann Herrn Rabe, der auf meinen Mental Load noch fröhlich draufpackt, dann über Preise von Dingen, Technik, die nicht tut wie sie soll, kaputte Kopfhörer, verschlürte Handschuhe, verpasste Züge, echt schwer abzusägende Bäume, und so weiter und so fort.

Aber auf der anderen Seite hab ich den Baum jetzt abgesägt, hatte wegen des Zugs einen extra Kaffee, die Handschuhe lagen noch im 1. Laden, mein neues Handy hätte für diese Kopfhörer eh nen Adapter gebraucht und da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber Bluetooth-Kopfhörer kauft, Herr Rabe frickelt an der Technik (da ist Code auf unserem Fernseher, genau jetzt!), das große Kind wird sich über seine neuen schicken Klamotten sicher sehr freuen, Herr Rabe und ich haben uns ein wenig angemotzt und dann bleiben nur noch die langsamen Kinder. Die müssen halt früher raus.

Wirklich doof gelaufen ist ein Test, den wir heute unternommen haben, ob nämlich Michel allergisch auf die Katze von Nachbarn von Bekannten reagiert, die demnächst umziehen. Wenn nicht, hätte hier ein sehr großer, sehr sehr flauschiger Maine-Coon-Norwegische-Waldkatze-Perser-Kater einziehen können, nun wird er leider zur Wohnungskatze downgegraded. Denn Michel reagierte. Nicht stark, nicht so eindeutig wie auch schon, aber eben schon. Mich macht das sehr traurig, ich möchte doch so gerne eine Katze haben, aber nicht so dringend, dass ich riskiere, dass Michel allergisches Asthma entwickelt. Werde wohl oder übel erst eine Hyposensibilisierung anleiern müssen, die muss dann durch sein muss (dauert halt) und zu der Zeit darf hier keine Katze wohnen. Das ist echt eine doofe Aussicht, zumal ich mir schon gut vorstellen kann, wie auf solcherlei Wünsche hier reagiert wird. Gut, wir könnten die Hausstaubmilbenallergie vorschieben und dass er, wenn wir zu Besuch bei Leuten sind, da nicht schlafen kann ohne Antihistamine. Ich habe echt Angst vor Asthma. Hyposensibilisierung hilft genau gegen die Entwicklung von allergischem Asthma.

Andererseits muss er dann da jede Woche hin, vermutlich in die Poliklinik, eine Stunde Fahrzeit entfernt, zu Praxiszeiten. Hahaha. Keine Katze. Keine Übernachtungen ohne Pillen.

Abends dann aber immerhin noch mal herzlich gelacht über so Aussteiger-Vögel, die Aussteiger-Beratung für nur drülfzig Geld anbieten und sich damit ihr nices Aussteigerleben finanzieren. Top gepflegter Instagramaccount, Smartphone, Reiseblog, beseeltes, „Erleuchteteres“ Geseier inklusive. Joa. Spoiler: funzt so lange prima bis der Typ, der deinen zum mobilen Tiny-Haus umgebauten Bauwagen wegen Motorschaden am diesen ziehenden Dieseljeep von anno dazumal reparieren soll, halt auch erfolgreich aus seinem Angestellten-Hamsterrad ausgestiegen ist und auf der Nachbarinsel nun Aussteigerberatung für drülfzig Geld anbietet. Nachwuchs ist auch keiner da, weil die alle keine Ahnung haben, wie ein Motor funktioniert, weil nach Lesen und Schreiben und vielleicht ein bisschen plusminusmalgeteilt in der Schule ja nix mehr kommt, was irgendeine Relevanz fürs Leben hat und deshalb kann man das mit der Schule ja gleich sein lassen. Merkste selbst, ne?