Tag 389 – Wilde Pinguine. 

Wir haben heute einen richtigen Sonntagsausflug gemacht, nach Rønningen, das ist quasi mitten im Wald. Schon auf dem Weg ergaben sich interessante Gespräche mit Michel: 

*wir fahren über eine Kuppe*

Michel: „Oahhh, ich kann ganz weit gucken! Bis nach Afrika!“

Wir: „hmmhmm…“

Michel: „In Trondheim gibt es auch ein Afrika.“

Ich: „Nee, Michel, Afrika ist ja ein Kontinent und…

Michel: *unterbricht mich* „In Afrika gibt es wilde Tiere. Und Dschungel. Wir fahren jetzt auch so Dschungel. Da auch wilde Tiere.“

Ich: „Ja, wilde Amseln…“

Herr Rabe: „… und Eichhörnchen…“

Michel: „… und vielleicht Bär.“

Wir haben dann noch nicht mal Eichhörnchen gesehen, was vermutlich am total überlaufenen Wanderweg zur Hütte lag. Es war nämlich „Komm raus- Tag“ mit Ponyreiten und Hindernisrennen und tausend Lagerfeuern und allem Tamtam an der Hütte. 

Da waren wir gerade los gelaufen. ca 500 m später musste Herr Rabe das Fahrrad doch wieder zum Auto zurück bringen.


Dank Michels Kumpel E. den wir auf dem Weg trafen, wurde der Weg nicht so lang (3 km hoch und runter sind mit Kleinkindern ja mitunter ein mehrstündiges Unterfangen und eine Meisterleistung der Motivationskunst – so man denn ankommt) und man konnte wieder jede Menge Norweger auf Outdoor-Modenschau beobachten. Weil einfach so den gut ausgebauten (siehe Bild) Weg in Jeans oder ähnlichem gehen, das geht für Norweger*Innen nicht. Da muss man mindestens ne hautenge Sporthose oder so ne Funktions-Tourhose (siehe Herr Rabe, der alte Norweger, auf dem Bild) anhaben, Stirnband, Woll- oder Funktionsshirt und KEINE Wanderschuhe, das machen nur (deutsche) Touristen, sondern Lauf- oder sonstige Sportschuhe. Als Assessoire eignen sich ähnlich ausstaffierte Kinder aller Altersstufen, (Rasse-)Hunde oder Beeren- und Pilzesammel-Ausrüstung (natürlich professionell). 

Genug gelästert, die Veranstaltung war dann sehr nett, Michel ritt eine Runde nach eeewigem Anstehen auf einem Pony und war sehr glücklich darüber, dass das Pony sogar die Blumen, die er extra zu diesem Zweck auf dem Weg schon gepflückt hatte, brav auffraß, es gab Waffeln und Kaffee und mitgebrachte Brötchen für alle, alles hübsch. Etwas ärgerte ich mich über das Kinderschminken, weil die Hälfte der abgefertigten Mädels als rosa Tiger da rauskam. Ja, Sie haben das richtig gelesen, ROSA. Diese Generation Kinder glaubt vielleicht nicht, dass Milch von Lila Kühen kommt, aber dafür dass die weiblichen Tiger rosa sind WEIL HALT! Ich finde, Kinderschminkmenschen sollten den Anstand besitzen und sich so einem Bullshit verweigern. Es gibt doch so viele schöne rosa Schmetterling-Blume-Fee-Gesichter, das muss doch reichen. Später sah ich dann noch ein Mädchen, dass einen rosa Batman-Schatten auf dem Gesicht hatte, aber da war mein Gehirn wohl schon wieder durch die Rosaplosion aller Orten abgestumpft, jedenfalls regte ich mich nicht auf. 

(Wenn meine willensstarke kleine Pippi irgendwann in die Rosa-Phase kommt muss ich mir entweder meinen Geschmack amputieren lassen, meine Augen ausstechen oder mir irgendwelche Nerven-Durchhalte-Drogen zusammenbrauen.)

Zurück zum Thema: irgendwann waren wir wieder am Auto, Herr Rabe hatte sogar noch ein paar Pfifferlinge gefunden, die Verabschiedung von E. ging wegen ausgepowertem Michel überraschend gut und so fuhren wir nach Hause. Insgesamt waren wir fünf Stunden draußen, im Wald, an der frischen, herbstlichen (wäääähhhhhh!!!) Luft und dass niemand im Auto einschlief, ist ein Wunder. 

Danach Resteessen mit Pfifferlings-Add-On und Pinguinpulliprojekt. 

Der wirre Blick ist der Uhrzeit geschuldet.

Tag 388 – Tagwerk.

Dank Herr Rabe und seiner Kinderbetreuungsskills habe ich jetzt zwei neue T-Shirts. 

Nämlich Lucille und Shelly. Für große Worte bin ich jetzt gerade viel zu platt, deshalb lasse ich einfach Bilder sprechen, die Bilder sind zwar auch schlecht, weil ich die selbst machen musste, weil Herr Rabe schon schlief, aber was solls. Also hier:

Nummer eins: Shelly, als Kurzarm-Version, weil meine T-Shirts alle Löcher haben.


Shelly geht wirklich ganz einfach, allerdings würde ich beim nächsten Mal, weil ich ja jetzt weiß, dass das mit dem Kragen schon so passt, doch die Ärmel-und Seitennaht in eins Schließen, nachdem der Ärmel schon eingepasst ist. Das führt sonst zu Gemurkse in der Achsel *hust*.


Kragen-Detail.


Nummer zwei: Lucille, auch als Kurzarm-Version und erstmal schlicht, zum Üben. Vielleicht mache ich noch ne Blume oder ne Schleife dran.


Kleiner Tipp: Oberarmumfang > Handgelenkumfang, die 23 cm Armbündchen reichen bei der Kurzarmversion so eben, wenn der Stoff sehr stretchy ist (so wie dieser). Sonst gefällt mir der Schnitt sehr gut, obwohl ich meistens nicht so auf gerafftes stehe (vor allem an den Schultern).


Was bleibt zu sagen? Hmm, vielleicht dass die Größe bei beiden S ist, das passt gut (gruselig aber wahr: ich bin wieder bei fast der gleichen Figur wie vor Pippi (ja, als ich die Hyperthyreose hatte und furchtbar abnahm, genau!) und deutlich schlanker als vor Michel), dass ich mich wie bei allen Schnittmustern wieder gefragt habe, ob XXL-tragende Menschen wirklich automatisch auch immer längere Arme haben, dass die Stoffbedarf-Abgaben wohl auf Größe XXL berechnet sind und ich jetzt massig Stoff übrig habe und dass ich mir, hoffentlich morgen schon, einen Lucille-Rollkragenpulli mit Pinguinkragen machen werde. Weil, Pinguine! 

Tag 203 – Fertig. Und der Knopf?

Ich habe den Rock fertig. Wegen Fusselei und muss eh nochmal gebügelt werden und spät gibt’s aber erst morgen Fotos. Spät wurde es wegen der dämlichen Nähanleitung. Die ist für die ersten (zum Teil fast trivialen) Schritte suuuuuper ausführlich und zu jedem Pups gibt’s auch noch ein Bildchen dazu. Und dann ist den Schreibern scheinbar die Lust ausgegangen, jedenfalls wirds dann nach hinten hin immer dünner, bis da nur noch so Sachen stehen wie „Den Bund falten, bügeln und annähen.“ Plus ein paar richtig bekloppte Dinger (die Gürtelschlaufen nachträglich annähen??? Wie??? Brauch ich da so ne Hightech-Nähmaschine, bei der ich im Zweifel auch von hinten unten um die Ecke nähen kann?), die mich mal wieder zum Auftrennen gezwungen haben und mich ordentlich schwitzen und fluchen ließen. Eine Kennzeichnung der zu verstärkenden Teile wäre auch nett gewesen, beim nächsten Mal weiß ichs dann, welche Teile Bügelleinen brauchen, dieser Rock ist ja stretchy und muss einfach an der Frau in Form gezuppelt werden. Und wenn ich mich an die Anleitung gehalten hätte, säße ich jetzt doof da und hätte den Knopf noch in der Hand, der wird nämlich in der Anleitung gar nicht erwähnt. Ist aber auf dem Bild mit drauf und steht auch in der Zutatenliste. Gut dass ich ein Schlaupenis bin und mir selber ausgedacht hab, wie ich den Knopf anbringe. Jetzt hab ich auch mal die Knopflochnähfunktion meiner Nähmaschine ausprobiert. Funktioniert. Und ich weiß jetzt, dass Michels Spielzeughammer zum Festkloppen von so Niet-Jeans-Knöpfen taugt. 

Und ja, er passt. Puuuhhhhh.