Tag 3788 – Tüdelüüü.

… das ist eine O-Ton-Charts-Referenz. Und will damit sagen: Ich habe zu viel getrunken. Also wirklich zu viel, im Sinne von: morgen werde ich das bereuen. Aber ich hatte Spaß bei Herrn Rabes Konzert. Es war einfach super.

Und ich muss kurz eine Lobeshymne absingen. Und zwar auf gegossenen Gehörschutz in Profi-Qualität. Es war jetzt mein erstes Konzert mit den Ohrstöpseln, die ich ja in erster Linie zum Geige üben habe. Ich habe „nur“ die 10 dB-Filter drin gehabt. Und es war GÖTTLICH. Es war komplett klare Musik, aber in Zimmerlautstärke. Unterhalten geht auch noch. Nur die schrebbeligsten Höhen werden stärker gefiltert als der Rest, alles wird einen Hauch (wirklich nur einen winzigen Tacken) basslastiger, aber dass die Kreischlaute einfach ganz weg sind, ist das allemal wert. Also, falls Sie gerne auf Konzerte gehen, aber um die Gesundheit ihres Gehörs fürchten, und Sie mal 200€ (ca.) übrig haben, lohnt es sich wirklich, die Ohren mal ausgießen zu lassen.

Und falls Sie einfach nur richtig, RICHTIG gute Ohrstöpsel zum Schlafen haben wollen: das war meine beste Anschaffung des Jahres. Formgegossene Ohrstöpsel zum Schlafen, in extra weichem Silikon. Die machen aus einem Flugzeug oder einem Hotelzimmer mit indischer Hochzeit inklusive Trommelgruppe vor dem Fenster ein komplett stilles Paradies. Der Ehemann schnarcht? Wirklich??? Und das ohne irgendein Verrutschen, Rausfallen, Drücken oder sonst irgendwas. Rein und Ruhe. Jeden Cent wert.

Tag 3679 – So wie es sein sollte.

Wir hatten heute Morgen das erste Gespräch mich Michels neuem Klassenlehrer, an der neuen Schule. Wir, also Herr Rabe und ich, sind jetzt übrigens auch in dem Alter, wo einige der Lehrpersonen unserer Kinder jünger sind als wir, und das ist sehr seltsam für mich. Der neue Klassenlehrer ist schätzungsweise so Anfang 30, trägt Caps (falschrum) und Hoodie, ist tätowiert und sieht aus, als würde er viel Kraftsport betreiben. Er ist auch sehr nett. Was aber viel wichtiger ist: Michel blüht wieder so richtig auf. Selbst Mathe ist nicht mehr so schlimm, eigentlich ist alles an der neuen Schule gut, und absolut alles ist viel besser als es an der Barneskole war. Der Lehrer sagt, Michel sei sehr smart und weiß viel und kann das auch sehr gut wiedergeben und vermitteln. Das ist ja nichts Neues für uns, aber die letzten zwei Jahre kam das ja in der Schule nicht so gut an, und es ist total schön zu hören, dass er jetzt wieder Fakten rausballert. Da kann er er selbst sein und dann fällt ihm auch alles andere viel leichter. Wir haben auch zu Hause ein ganz anderes Kind. Also ja, all das ist quasi aus dem Neurodiversitäts-Lehrbuch, aber da hat die Barneskole ja komplett auf Durchzug gestellt und dann hat Michel eben mit Gewalt und mit mäßigem Erfolg das Rausblubbern von Wissen und Richtigstellungen und allgemeiner Klugscheißerei unterdrückt und war dementsprechend dann spätestens nach dem halben Schultag auch durch. Jetzt kann er das wieder machen, wird dafür wertgeschätzt und siehe da – alles läuft viel geschmeidiger und er hat auch kein Problem mehr damit, eine Schulstunde lang auf seinem Po sitzen zu bleiben. Wir müssen sogar kaum noch über Hausaufgaben streiten. Ich hab wirklich das Gefühl, dass wir unser Kind zurück haben.

Man soll ja nicht nachtragend sein. Es ist ja im Nachhinein eh auch nichts dran zu ändern. War doof, ist aber ein abgeschlossenes Kapitel. Jetzt kommt ein neues. Das macht mich froh.

Aber ich kann nicht unterdrücken, ein bisschen innerlich zu feiern, dass die Ungdomsskole so entspannt ist und bisher alles „total chill“. Das Argument für Erziehungsmethoden aus den 60ern war in der 6. und 7. Klasse ja immer, dass das die Kinder auf die Ungdomsskole vorbereiten sollte, wo angeblich gaaaaaanz andere Saiten aufgezogen werden sollten und wo alles viel strenger ist. Vielleicht gilt das ja an Elite-Internaten, aber in Pissel-Eidsvoll…? Wohl eher nicht.

Tag 3675 und 3676 – So viel los.

Uffz ich bin so müde. Zwei Tage hintereinander um sechs Uhr aufgestanden, Zack, todmüde. Ok, weil ich halt nicht um zehn schlafe.

Ich hatte ja gestern und heute noch frei, ich arbeite erst morgen wieder. Aber die Kinder hatten so aufregende Tage und Herr Rabe arbeitet wieder, sodass ich mit aufgestanden bin und gestern die Kinder auch zu ihren respektiven neuen Schulen begleitet habe. Mit dem Bus, damit die Kinder auch wissen, wie das geht. Pippi wollte dabei am liebsten, dass ich nicht gehe, Michel wollte gerne, dass ich nicht mitkomme. Dafür ist er abends extra anhänglich. Ist auch ok. Ich bin jetzt die peinliche Mutti eines coolen Teenagers.

Michels erster Tag an der Ungdomskole war „gut“. Er hat seine Zweitwahl bei der Fremdsprache bekommen, nämlich Französisch (nicht Spanisch) und ich spannte schon mal alles an, um auf alle etwaigen Reaktionen vorbereitet zu sein, aber er ist da total entspannt mit. Vielleicht ist das Gehirn über die Ferien auch ein bisschen gewachsen. Michels Klassenlehrer ist, laut Michels Aussage, „cool und ziemlich chill“. Es sind erst zwei Tage, aber ich senke da vorläufig erst mal die Schultern.

Pippis neue Schule ist ja die alte im neuen Gewand, und das Gewand ist schon wirklich sehr schön.

Ich habe gestern weiter Pax gebaut. Heute auch ein bisschen, aber nicht ganz so viel, ich musste auch noch andere Sachen mal priorisieren, zum Beispiel einen Arbeitsplatz, und einen Schminktisch (sehr wichtig!). Aber ich habe jetzt ALLE Klamotten ausgepackt und sie liegen und hängen jetzt auch ALLE im Schrank. Und es ist noch Luft. Es ist wundervoll. Kein Wechsel von Sommer- auf Winterklamotten und wieder zurück mehr, den ich im ersten Fall übereifrig mache und im zweiten Fall ewig frierend vor mir her schiebe. Es passen ALLE Klamotten gleichzeitig in den Schrank! Ebenfalls gestern habe ich im Keller Sachen eingeräumt, die im Flur im Weg standen. Das dauerte eine Weile, aber der Flur ist jetzt leer. Wenn ich richtig mitgezählt habe, habe ich 12 weitere Kartons komplett oder teilweise ausgepackt. Hi

Hurra!

Gestern und heute habe ich auch endlich mal wieder Geige geübt, weil ich heute mit einer Kollegin zum gemeinsamen Spielen eingeladen war. Das hat mich sehr nervös gemacht. Aber es war wirklich schön und hoffentlich nicht das letzte Mal.

Morgen geht es wieder ins Büro. Nach sechs Wochen. Ich habe überhaupt keine Lust.

Tag 3664 und 3665 – Letzte Tage in Frankreich.

Hach, es ist schon wirklich schön hier. Gestern haben wir hauptsächlich herumgegammelt, Herr Rabe war mit Michel noch mal shoppen (Michel hat jetzt neue, schwarze T-Shirts) ich habe Geige gespielt und sowas. Abends waren wir am Strand.

Herr Rabe musste wenigstens ein Mal im Urlaub den Drachen auspacken.

Heute waren wir auch noch mal am Strand und im Wasser und all das war sehr schön. Die Mädels buddelten Michel am Strand ein, womit alle sehr zufrieden waren und ich las ein Buch fertig. Ich werde das Meer echt vermissen. Vielleicht muss ich doch öfter mal in den Fjord hüpfen, egal wie kalt der ist. (Kein Eisbaden. So weit ist die Midlifecrisis noch nicht fortgeschritten.) Abends waren wir noch mal im Restaurant und haben noch mal Moules/frites gegessen, weil wir alle gerne mögen, wenn Dinge vorhersehbar lecker sind. Nach dem Essen waren Herr Rabe und ich dann noch eine Runde allein auf dem Abend-Markt und jetzt habe ich noch mehr Andenken-Ohrringe von französischen Handwerkerinnen. Das begossen wir mit einem lokalen Bier in einem Biergarten mit Sand drin und Hipstermusik und fühlten uns nahezu jung und frisch.

Morgen wird alles ins Auto gestopft und dann geht es auf die verlängerte Heimreise. Ein bisschen traurig bin ich, aber ich freue mich auch auf zu Hause.

Tag 3663 – Noch mal Markt und noch mal Strand.

Mittwochs ist hier, wie wir ja seit letzter Woche wissen, Markt. Und das ist voll. Bunt. Laut. Aber dieses Mal wussten wir das ja alles und wenn man darauf vorbereitet ist, ist das ja auch halb so schlimm alles. Bis auf eine Tasche für Michel und einen Jahresvorrat Nougat (hoppala) haben wir auch nichts gekauft.

Dafür haben wir hinterher ganz viel Zeug bestellt, Vorräte zum Mitnehmen nach Norwegen.

Am recht späten Nachmittag waren wir dann nochmal alle am Strand und die meisten auch im Wasser, weil es recht warm, Sonnenschein und wenig Wind war. Hach, das war schön. Hach, hach.

Abends gab es Zwiebelsuppe, also für die Erwachsenen. Die Kinder aßen Nudeln. Dafür pupsen die heute Nacht wahrscheinlich auch weniger.

Tag 3653 und 3654 – Herrlich!

Kaum Fotos gemacht, aber wir hatten schon zwei sehr schöne Tage hier. Beide Tage waren wir am Wasser, gestern etwas unvorbereitet und bei maximaler Flut, was nicht schlau war, weil man dann zu den verbleibenden 3 Metern Strand über Steine und Bohlen kraxeln muss. Außerdem war ich nicht eingecremt und es war zwar bewölkt und ein recht niedriger UV-Index, aber dann doch minimal zu viel Sonne für mich. Pippi hopste sofort ins Wasser und war dann da kaum noch raus zu kriegen. Wir Erwachsenen hatten keine Badekleidung dabei (es war, wie gesagt, alles sehr unvorbereitet).

Heute haben wir das dann noch mal in richtig gemacht, sind bei Ebbe und gründlich eingecremt (plus Sonnenhut für mich) und in Badekleidung los und es war super. Ja, ich und auch Herr Rabe waren auch schwimmen, damit wir besser auf Pippi aufpassen konnten, aber mich musste sie jetzt auch nicht grad intensiv beknien. Das Wasser ist wirklich nicht kalt, ich schätze, die Wassertemperatur ist hier im Ärmelkanal jetzt so bei 20 Grad (-ish), es ist minimaler Wellengang, keine (wirklich gar keine) Quallen, kein Tang, sehr klares Wasser und es geht ewig lang flach rein, was super ist mit so Kindern wie Pippi. Ich freue mich schon richtig auf einen neuen Ausflug zum Strand morgen.

Außerdem lösen sich möglicherweise morgen auch einige andere Dinge. Das wäre sehr schön. Mehr dazu dann.

Hier noch ein Bild, was ich bei einem Abendspaziergang mit Herrn Rabe gestern gemacht habe. Da ganz hinten ist England.

Übrigens haben Herr Rabe und ich heute unter Einsatz all unseres sehr holprigen Duolingo-Französisch Croissants und Baguette gekauft. Wie so ganz schlimme Touristen.

Tag 3630 und 3631 – Von Getränken.

Ich sollte echt, wirklich ganz im Ernst, keinen Champagner trinken. Spätestens am nächsten Morgen bereue ich das. Heute zum Beispiel, weil wir gestern mit der Schwägerin auf das neue Haus angestoßen haben. Das war nett, aber mein Kopf heute morgen war nicht so nett.

Heute habe ich dafür auch nur Cola getrunken – aber spät. Auch das ist nicht so schlau (für mich), weil ich jetzt wach bin.

Der Grund, warum ich spät abends noch Cola trank, war, dass Herr Rabe mit seiner Band im lokalen Pub (der, der bei Hans voller Wasser gelaufen ist) ein Konzert gespielt hat. Ich musste danach noch fahren, nämlich Michel von seinem besten Freund abholen und die Schwägerin nach Hause bringen (ich wäre gelaufen, aber dann wäre nichts von den beiden Dingen möglich gewesen). Das Konzert war bombe, wirklich guter Sound und gut besucht (für ein wenig beworbenes Pub-Konzert). Wesentlich mehr Leute hätten in den Pub nicht rein gepasst. Ich glaube, auch der Getränkeumsatz war durchaus anständig, win-win also für die Band und die Pubbetreiberinnen.

Hier ein paar Bilder.

Tag 3575 und 3576 – Keine Bilder.

Gestern hatten die Kinder ein Korps-Treffen in einem Militärlager, da sind sie mit mehreren anderen Korpsen rummarschiert und haben ihre Märsche und andere Stücke gespielt und das war für die Kinder sehr schön. Es gab eine Medaille nachher, die an die Uniform zu den anderen Medaillen gepinnt wird. Ich stand derweil in dem Militärlager im Kiosk und habe Kaffee und Boller verkauft, was das Zeug hielt. Das war auch ganz gut, weil ich dann nicht so viel Zeit hatte, mich zwischen den ganzen Panzern und Waffen und olivgrünen Uniformen super unwohl zu fühlen. Ich mag diesen ganzen Militärkram echt überhaupt nicht, aber der hat 1. in Norwegen einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und 2. jährt sich für die Norweger dieses Jahr die Befreiung ihres Landes zum 80. mal. Das ist hier ein Anlass zum feierlichen Gedenken. Generell wird ja am 8. Mai auch von vielen geflaggt, aber dieses Jahr gibt es eben einiges „Extra“, wie Korps-Treffen in Militärlagern.

Danach war etwas Stress. In zwei Stunden wurde mich selbst Umziehen und Schminken, Kinder zum Umziehen und Pippi zum Duschen nötigen, Michel zu seinem Kumpel fahren, Einkaufen und Pippi zum Packen ihrer Übernachtungssachen anhalten gequetscht. Am Ende vergaß ich leider ausgerechnet die Tiefkühltüte auszuräumen, die stand noch im Flur, als Herr Rabe und ich um Mitternacht wieder nach Hause kamen.

Herrn Rabe traf ich nämlich in Oslo, wo wir zum Burlesque-Karaoke gingen. Um 18:30, weil halt. Es war sehr sehr lustig und wir haben sogar gesungen, auf der Bühne, das arme Publikum. Aber wir hatten Spaß, das ist ja das wichtigste. Außerdem waren es wieder tolle Performances und ich Fangirle ab jetzt dann eine Dragqueen (Salty), die auch Draglesque macht. Was. Für. Eine. Show.

Weil das so früh angefangen hatte, war es aber auch früh vorbei, also hatte ich uns beim Inder noch schnell einen Tisch zu 21 Uhr reserviert. Der Pepper’n Gror, sehr zu empfehlen! Inzwischen war dann auch klar, dass Michel bei seinem Kumpel übernachten wollte, wir hatten also keine Kinderverantwortung. Das war mal wieder sehr schön. Lange Gespräche mit Herrn Rabe über alles mögliche, hach. Bei einem Spaziergang vom Bahnhof nach Hause (weil wir beide Bier getrunken hatten) setzten wir das fort. Es war wirklich ein schöner Abend.

Heute haben wir dann eine Joggingtour zum Bahnhof gemacht, um die Autos abzuholen. Spontan noch ein Haus besichtigt, das wirklich direkt am Bahnhof liegt (im Schlendertempo 5 Minuten zu Fuß). Schön groß, schöner Garten, ein Keller und eine richtige Waschküche, die Küche ist niedlich (und hat eine Echtholzarbeitsplatte, genau wie ich sie haben will), sehr viele Einbauschränke in bereits abgebeiztem Echtholz, im Keller ist eine Sauna und eine Garage gibt es auch. Es gibt aber auch keinerlei Ventilation, überall Stofffasertapeten aus den 90ern, 2 winzige Bäder, davon eins renovierungsbedürftig (inklusive Fußboden rausreißen), im Waschkeller muss ebenfalls der Boden aufgerissen und eine vernünftige Membran verlegt werden und der Abwasserablauf saniert werden und zur Drainage rund ums Haus und eventueller Feuchtigkeit im Keller sagt der Sachverständige in seinem Report „die Drainage, so vorhanden, ist entweder beschädigt oder hat ihr Lebensalter erreicht, jedenfalls scheint sie nicht zu funktionieren“. Also das Haus an sich ist wirklich schön, es gibt mir so richtige „Oma-Haus“-Vibes, aber ich schätze locker eine extra Million Kronen muss man da rein investieren, damit man sich sicher sein kann, dass einem nicht irgendwann das Fundament wegrottet. Ob ich das will… zweifelhaft. Aber am Donnerstag gucken wir vielleicht noch ein Haus an, das wo ganz anders liegt, aber einen wesentlich besseren Standard hat. Wir werden sehen. Eigentlich will ich ja auch gar nicht umziehen (auf keinen Fall, eigentlich), aber mehr Platz haben wäre schon echt schön.

Danach habe ich angefangen, etwas aus Paillettenstoff zu machen und das mache ich auch so schnell nicht wieder. ÜBERALL sind jetzt Pailletten. Der Staubsauger weint auch schon.

Nur Bilder habe ich das ganze Wochenende nicht gemacht.

Tag 3560 und 3561 – Yeah!!!

Als ich beim Kindertanz war, vor ganz vielen Jahren, hatten wir eine Choreografie auf Cancan (das One-Hit-Wonder von Offenbach). Die war sehr lustig und wir hatten bunte Röcke und Schlüpper mit Rüschen auf dem Po.

Heute habe ich wieder Cancan getanzt, aber ohne Rüschen auf dem Po. Die wiederum wurden als Burlesque-Kostüm vorgeschlagen. Aber heute war Ballett, ganz seriös also, und sehr wenig Showgirly (schade, aber da sind ja hauptsächlich Kinder, nicht das Moulin-Rouge-Publikum). Es hat sehr viel Spaß gemacht, obwohl das wirklich ein saumäßig anstrengender Tanz ist. Und ein bisschen Showgirl kann man ja trotzdem machen, zum Beispiel mit dem Gesicht. Wir hatten durchgesetzt, dass wir mehr Make-Up tragen durften als sonst so und man sieht zwar (im Gegensatz zum Burlesque) das Publikum nicht, aber das macht ja nichts, man kann ja trotzdem in das schwarze Loch reingucken und ein bisschen breiter lachen als sonst so. Wenn man tatsächlich Spaß hat, ist das auch ganz leicht. Ich weiß nicht, was da passiert ist, aber ich fand heute auf der Bühne stehen gar nicht gruselig schlimm, sondern sehr empowernd. Verrückt.

Allerdings ist mein linkes Bein jetzt echt Matsche und mein Rücken freut sich auch drauf, dass ich das mit dem Radschlagen erst mal wieder lasse.

Übrigens auch total verrückt: ich bin in der Balletttruppe die größte. Ich bin ja gar nicht groß, genau genommen bin ich exakt durchschnittlich groß, in Norwegen einen oder zwei cm unter dem Durchschnitt sogar. Es ist jedenfalls extrem ungewöhnlich, dass ich irgendwo die größte bin. Auch wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass Leute, die mich nur von Bildern kennen, denken, ich sei sehr groß irgendwie. Bin ich nicht. (Ich bin eine Sitzriesin, mein Oberkörper ist im Verhältnis zu den Beinen sehr lang, aber das ist eine andere Geschichte.)

Apropos groß: nach dieser aufregenden Sache war ich dann noch mit Michel Marschschuhe kaufen. Nachdem Pippi neulich ja schon Größe 37 brauchte, hat Michel jetzt Größe 39. Also meine Schuhgröße. Die wachsen echt wie Unkraut, diese Kinder. Und auch für Michel kommen die Schuhe jetzt aus der Damenabteilung, weil es Kinderschuhe bis maximal Größe 37 gibt (meist nicht mal das), Herrenschuhe aber erst ab 41. Keine Ahnung, was männliche Jugendliche machen sollen. Oder generell Männer mit kleinen Füßen. Gut, dass Füße sich nicht an den als für Frauen(TM) deklarierten Schuhen stören können.

Tag 3499 – Alle wieder beisammen.

Herr Rabe und ich haben heute eine Stunde lang am Flughafen rumgestanden, aber die Belohnung kam irgendwann dann doch aus dem Terminal spaziert. Die Kinder hatten eine gute Zeit in Brighton und sind trotzdem auch froh, wieder da zu sein, zumindest Pippi. Michel hat so gar keine Lust auf Schule morgen. Verständlich.

Deutschland hat gewählt. Herr Rabe hat nicht gewählt, weil bei ihm, wie so vielen anderen Auslandsdeutschen (unter anderem wohl dem Botschafter in London), die Wahlunterlagen nicht rechtzeitig ankamen. Das ist Käse, liebes deutsches Wahlsystem.

Es ist ja nun genauso gekommen, wie befürchtet, aber es gibt meiner Meinung nach trotzdem ein paar gute Nachrichten. Eine sehr hohe Wahlbeteiligung – Politikverdrossenheit my ass. Mehr als die Hälfte der Leute haben weder rechts gewählt noch eine Partei, die dann ja doch mit Stimmen von rechts Politik durchdrückt, wenn es ihnen passt. Und es wird mit der Linken ein überraschend starkes Gegengewicht zu den Rechten in der Opposition geben. Denke ich. Hoffe ich. Und dann gucken wir mal, was jetzt von den ganzen vorher großmäulig „ausgeschlossenen“ Koalitionen doch in Frage kommt. (Hauptsache nicht schwarz-braun. Angeblich will der Fritzl ja jetzt doch Die Brandmauer(TM) behalten, aber ich fürchte, sein Brandmäuerchen ist eine halb durchgeweichte, kniehohe Geschichte aus Pappmaché. Aber so, sorry, bescheuert ist hoffentlich nicht mal der Fritzl.)

So. Jetzt Bett. Ich werde meine neuen, gekühlten Schlafmaskenkissen ausprobieren, einfach aus Spaß.