Tag 3575 und 3576 – Keine Bilder.

Gestern hatten die Kinder ein Korps-Treffen in einem Militärlager, da sind sie mit mehreren anderen Korpsen rummarschiert und haben ihre Märsche und andere Stücke gespielt und das war für die Kinder sehr schön. Es gab eine Medaille nachher, die an die Uniform zu den anderen Medaillen gepinnt wird. Ich stand derweil in dem Militärlager im Kiosk und habe Kaffee und Boller verkauft, was das Zeug hielt. Das war auch ganz gut, weil ich dann nicht so viel Zeit hatte, mich zwischen den ganzen Panzern und Waffen und olivgrünen Uniformen super unwohl zu fühlen. Ich mag diesen ganzen Militärkram echt überhaupt nicht, aber der hat 1. in Norwegen einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland und 2. jährt sich für die Norweger dieses Jahr die Befreiung ihres Landes zum 80. mal. Das ist hier ein Anlass zum feierlichen Gedenken. Generell wird ja am 8. Mai auch von vielen geflaggt, aber dieses Jahr gibt es eben einiges „Extra“, wie Korps-Treffen in Militärlagern.

Danach war etwas Stress. In zwei Stunden wurde mich selbst Umziehen und Schminken, Kinder zum Umziehen und Pippi zum Duschen nötigen, Michel zu seinem Kumpel fahren, Einkaufen und Pippi zum Packen ihrer Übernachtungssachen anhalten gequetscht. Am Ende vergaß ich leider ausgerechnet die Tiefkühltüte auszuräumen, die stand noch im Flur, als Herr Rabe und ich um Mitternacht wieder nach Hause kamen.

Herrn Rabe traf ich nämlich in Oslo, wo wir zum Burlesque-Karaoke gingen. Um 18:30, weil halt. Es war sehr sehr lustig und wir haben sogar gesungen, auf der Bühne, das arme Publikum. Aber wir hatten Spaß, das ist ja das wichtigste. Außerdem waren es wieder tolle Performances und ich Fangirle ab jetzt dann eine Dragqueen (Salty), die auch Draglesque macht. Was. Für. Eine. Show.

Weil das so früh angefangen hatte, war es aber auch früh vorbei, also hatte ich uns beim Inder noch schnell einen Tisch zu 21 Uhr reserviert. Der Pepper’n Gror, sehr zu empfehlen! Inzwischen war dann auch klar, dass Michel bei seinem Kumpel übernachten wollte, wir hatten also keine Kinderverantwortung. Das war mal wieder sehr schön. Lange Gespräche mit Herrn Rabe über alles mögliche, hach. Bei einem Spaziergang vom Bahnhof nach Hause (weil wir beide Bier getrunken hatten) setzten wir das fort. Es war wirklich ein schöner Abend.

Heute haben wir dann eine Joggingtour zum Bahnhof gemacht, um die Autos abzuholen. Spontan noch ein Haus besichtigt, das wirklich direkt am Bahnhof liegt (im Schlendertempo 5 Minuten zu Fuß). Schön groß, schöner Garten, ein Keller und eine richtige Waschküche, die Küche ist niedlich (und hat eine Echtholzarbeitsplatte, genau wie ich sie haben will), sehr viele Einbauschränke in bereits abgebeiztem Echtholz, im Keller ist eine Sauna und eine Garage gibt es auch. Es gibt aber auch keinerlei Ventilation, überall Stofffasertapeten aus den 90ern, 2 winzige Bäder, davon eins renovierungsbedürftig (inklusive Fußboden rausreißen), im Waschkeller muss ebenfalls der Boden aufgerissen und eine vernünftige Membran verlegt werden und der Abwasserablauf saniert werden und zur Drainage rund ums Haus und eventueller Feuchtigkeit im Keller sagt der Sachverständige in seinem Report „die Drainage, so vorhanden, ist entweder beschädigt oder hat ihr Lebensalter erreicht, jedenfalls scheint sie nicht zu funktionieren“. Also das Haus an sich ist wirklich schön, es gibt mir so richtige „Oma-Haus“-Vibes, aber ich schätze locker eine extra Million Kronen muss man da rein investieren, damit man sich sicher sein kann, dass einem nicht irgendwann das Fundament wegrottet. Ob ich das will… zweifelhaft. Aber am Donnerstag gucken wir vielleicht noch ein Haus an, das wo ganz anders liegt, aber einen wesentlich besseren Standard hat. Wir werden sehen. Eigentlich will ich ja auch gar nicht umziehen (auf keinen Fall, eigentlich), aber mehr Platz haben wäre schon echt schön.

Danach habe ich angefangen, etwas aus Paillettenstoff zu machen und das mache ich auch so schnell nicht wieder. ÜBERALL sind jetzt Pailletten. Der Staubsauger weint auch schon.

Nur Bilder habe ich das ganze Wochenende nicht gemacht.

Tag 3560 und 3561 – Yeah!!!

Als ich beim Kindertanz war, vor ganz vielen Jahren, hatten wir eine Choreografie auf Cancan (das One-Hit-Wonder von Offenbach). Die war sehr lustig und wir hatten bunte Röcke und Schlüpper mit Rüschen auf dem Po.

Heute habe ich wieder Cancan getanzt, aber ohne Rüschen auf dem Po. Die wiederum wurden als Burlesque-Kostüm vorgeschlagen. Aber heute war Ballett, ganz seriös also, und sehr wenig Showgirly (schade, aber da sind ja hauptsächlich Kinder, nicht das Moulin-Rouge-Publikum). Es hat sehr viel Spaß gemacht, obwohl das wirklich ein saumäßig anstrengender Tanz ist. Und ein bisschen Showgirl kann man ja trotzdem machen, zum Beispiel mit dem Gesicht. Wir hatten durchgesetzt, dass wir mehr Make-Up tragen durften als sonst so und man sieht zwar (im Gegensatz zum Burlesque) das Publikum nicht, aber das macht ja nichts, man kann ja trotzdem in das schwarze Loch reingucken und ein bisschen breiter lachen als sonst so. Wenn man tatsächlich Spaß hat, ist das auch ganz leicht. Ich weiß nicht, was da passiert ist, aber ich fand heute auf der Bühne stehen gar nicht gruselig schlimm, sondern sehr empowernd. Verrückt.

Allerdings ist mein linkes Bein jetzt echt Matsche und mein Rücken freut sich auch drauf, dass ich das mit dem Radschlagen erst mal wieder lasse.

Übrigens auch total verrückt: ich bin in der Balletttruppe die größte. Ich bin ja gar nicht groß, genau genommen bin ich exakt durchschnittlich groß, in Norwegen einen oder zwei cm unter dem Durchschnitt sogar. Es ist jedenfalls extrem ungewöhnlich, dass ich irgendwo die größte bin. Auch wenn ich die Erfahrung gemacht habe, dass Leute, die mich nur von Bildern kennen, denken, ich sei sehr groß irgendwie. Bin ich nicht. (Ich bin eine Sitzriesin, mein Oberkörper ist im Verhältnis zu den Beinen sehr lang, aber das ist eine andere Geschichte.)

Apropos groß: nach dieser aufregenden Sache war ich dann noch mit Michel Marschschuhe kaufen. Nachdem Pippi neulich ja schon Größe 37 brauchte, hat Michel jetzt Größe 39. Also meine Schuhgröße. Die wachsen echt wie Unkraut, diese Kinder. Und auch für Michel kommen die Schuhe jetzt aus der Damenabteilung, weil es Kinderschuhe bis maximal Größe 37 gibt (meist nicht mal das), Herrenschuhe aber erst ab 41. Keine Ahnung, was männliche Jugendliche machen sollen. Oder generell Männer mit kleinen Füßen. Gut, dass Füße sich nicht an den als für Frauen(TM) deklarierten Schuhen stören können.

Tag 3499 – Alle wieder beisammen.

Herr Rabe und ich haben heute eine Stunde lang am Flughafen rumgestanden, aber die Belohnung kam irgendwann dann doch aus dem Terminal spaziert. Die Kinder hatten eine gute Zeit in Brighton und sind trotzdem auch froh, wieder da zu sein, zumindest Pippi. Michel hat so gar keine Lust auf Schule morgen. Verständlich.

Deutschland hat gewählt. Herr Rabe hat nicht gewählt, weil bei ihm, wie so vielen anderen Auslandsdeutschen (unter anderem wohl dem Botschafter in London), die Wahlunterlagen nicht rechtzeitig ankamen. Das ist Käse, liebes deutsches Wahlsystem.

Es ist ja nun genauso gekommen, wie befürchtet, aber es gibt meiner Meinung nach trotzdem ein paar gute Nachrichten. Eine sehr hohe Wahlbeteiligung – Politikverdrossenheit my ass. Mehr als die Hälfte der Leute haben weder rechts gewählt noch eine Partei, die dann ja doch mit Stimmen von rechts Politik durchdrückt, wenn es ihnen passt. Und es wird mit der Linken ein überraschend starkes Gegengewicht zu den Rechten in der Opposition geben. Denke ich. Hoffe ich. Und dann gucken wir mal, was jetzt von den ganzen vorher großmäulig „ausgeschlossenen“ Koalitionen doch in Frage kommt. (Hauptsache nicht schwarz-braun. Angeblich will der Fritzl ja jetzt doch Die Brandmauer(TM) behalten, aber ich fürchte, sein Brandmäuerchen ist eine halb durchgeweichte, kniehohe Geschichte aus Pappmaché. Aber so, sorry, bescheuert ist hoffentlich nicht mal der Fritzl.)

So. Jetzt Bett. Ich werde meine neuen, gekühlten Schlafmaskenkissen ausprobieren, einfach aus Spaß.

Tag 3494 und 3495 – Kinder erfolgreich verschickt.

Huff, was für ein Akt. Zwei aufgeregte Kinder zum Packen überreden, dann dazu überreden, einen Teil der Sachen wieder auszupacken, weil sie ja gar nicht auf eine vierwöchige Reise gehen, dann dazu überreden eine der Dauer des Aufenthaltes angemessene Anzahl Unterhosen mitzunehmen. Mehrmals selbst dabei kurz vorm Meltdown sein, weil die Kinder wild durch die Gegend springen und random IRGENDWELCHE Dinge tun, die nur marginal mit Packen zu tun haben. Außerdem ist Zyklusende sehr sehr bald und es ist Laune und Migräne (gestern) und überhaupt alles.

Heute ging dann alles verhältnismäßig glatt, jedenfalls für mich, denn ich ging nur bis zur Sicherheitskontrolle mit. Wir hatten Pippi fürs unbegleitete Fliegen angemeldet, Michel konnte da ein bisschen von nutznießen, aber hatte keine „eigene“ Betreuung. Herr Rabe konnte die zwei durch die Sicherheitskontrolle und bis zur Passkontrolle begleiten, mit einem „Begleiterpass“. Da standen sie dann ewig rum, weil der Flug verspätet war, allein reisende Kinder aber erst kurz vor knapp an der Passkontrolle abgeholt werden. Aber irgendwann kam dann doch jemand und dann musste Herr Rabe „nur noch“ warten, bis das Flugzeug tatsächlich in der Luft war.

Von der Schwägerin bekamen wir Updates vom Abholen und vom Abendessen, von den Kindern selbst kam bisher gar nichts. Dann geht es ihnen wohl gut.

Herr Rabe und ich versuchen uns derweil an die Stille zu gewöhnen. Ich hab obendrein ja auch noch den Rest der Woche frei, so viel freie Zeit ohne Verantwortung, es ist der Wahnsinn!

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Heute ging ein neuer Burlesque-Kurs los, hach. Jetzt muss ich ein Korsett kaufen, ohjemine. Und ich muss auch echt mal mit meinem Fuß zum Arzt, komme mir aber etwas albern dabei vor. „Hallo, mein Zeh tut weh, zu viel gestrippt…“ Deshalb habe ich das auch seit zwei Monaten rausgeschoben, aber es wird halt einfach nicht besser. (Der sagt dann bestimmt, dass ich halt weder Ballett noch Burlesque machen sollte, bis das(TM) weg ist, aber das kommt leider gar nicht in die Tüte, schon mal gar nicht ohne zu wissen, was genau das(TM) ist. Ja, eher schwierige, starrsinnige, besserwisserige Patientin hier.)

Tag 3457 und 3458 – Irrational stolz.

Den Arbeitstag vergessen wir einfach komplett, der war doof. Alle bekloppt bei der Arbeit.

Aber danach war ich beim Ballett, und da habe ich das beste Kompliment ever bekommen. Wir haben ja eine Vertretung, weil unsere eigentliche Lehrerin ein ganz kleines Baby hat. Und die Vertretung sagte letzte Woche schon, wir hätten sehr hohes Niveau (für eine Erwachsenengruppe), das war ein bisschen süß, weil sie meinte, sie sei „positiv überrascht“. Als wären wir so Omas (und ich hab schon einige Omas beim Ballett gesehen, da schlackert so manch einer mit den Ohren). Heute meinte sie aber zu mir direkt, ich hätte sehr gutes Turnout und dann noch „du machst das schon dein ganzes Leben, hmm?“. Und ich finde, für einmal die Woche Ballett, das ich mit 22 angefangen habe, ist das sehr beachtlich. Und gerade am Tournout habe ich wirklich viel gearbeitet, weil ich da nicht viel von Natur aus von habe. Ich muss da viel drauf achten und ständig korrigieren, sonst macht meine Hüfte, was sie will. Seit einiger Zeit arbeite ich auch an meiner Fußgelenkkraft, für ein höheres, hübscheres und stabileres Releve (bestimmt mit Accents überall). Für den Tag, wo das wer lobt, sollte ich mir schon mal eine angemessene Belohnung ausdenken.

Hach. Das war fast so schön, wie als eine neue beim Ballett zu mir gesagt hat, das sähe so schön und leicht bei mir aus. Schön, wenn es nach außen hin leicht aussieht, während ich mich ca. so leicht wie eine Seekuh fühle.

Ich bin sehr stolz darauf. Gutes Tournout! Ha!

Man ist nicht zu alt.

Tag 3456 – Eltern gehen aus.

Lustige Zahl heute.

Herr Rabe schleppte neulich via den Schlagzeuger seiner Band eine norwegische Punkrockband an, die ein richtig fettes Brett Musik macht und dazu… hauptsächlich Quatschtexte, zum Beispiel wie sie ewig lang Bolognesesauce (oder so?) kochen und sich dabei so richtig geil und fein vorkommen, wenn das da ewig rumköchelt und sie immer mal ein Stückchen Butter reintun. Herr Rabe wollte mit besagtem Schlagzeuger heute auf ein Konzert gehen, jaja, sagte ich damals, also letztes Jahr noch, das ist ja ewig her. Ich frotzelte noch, dass ich ja mitkommen könnte.

Heute entschied ich mich recht spontan dazu, tatsächlich mitzukommen. Ich mag solche Musik wirklich gerne, und wen juckt’s, wenn ich keinen einzigen Text kenne, das ist ja kein Karaokewettbewerb. Pippi übernachtete bei einer Freundin, Michel ist gerne mal einen Abend alleine zu Hause.

Der Schlagzeuger plus ein Haufen Kumpels wollte gerne auf der Galerie sitzen, also saßen wir da erst mal.

Auf alles vorbereitet, deshalb auch Kontaktlinsen statt Brille.

Naja also da so sitzen, das ist ganz nett, aber nicht so ganz die hundertprozentige Konzertexperience für mich. Die Ränge dort füllten sich zwar noch mit Gästelistenbesuchenden (die alle aussahen, als wären sie die Familien den Bandmitglieder, also so Mutter, Vater, Tante, Onkel, Cousine Tina und ihr Typ), die ein bisschen fehl am Platz wirkten und auch der Rest der Galerie füllte sich komplett. Aber unten war alles voll. Irgendwie leicht verlockend, um ehrlich zu sein.

Die Voracts fingen recht pünktlich um 8 an, und waren… was soll man sagen… irgendwie Troll-mäßig ausgewählt? Denn es war erst ein HipHop-DJ, der amerikanischen HipHop auflegte, und dann ein Comedian, der mit wem aus dem Publikum ein Bier exte. Sehr seltsame Geschichte. Aber um etwa neun Uhr ging es endlich los mit: Aktiv Dödshjelp. Übersetzt: Aktive Sterbehilfe. Da hatten wir auch echt lange genug auf dem Hintern gesessen.

Wie man sieht, eine 4-Bassisten-Band*.

Und es war super. Es war laut (ein Hoch auf die Ohropax-Musik-Ohrstöpsel), es war schnell, es war Quatsch und Gegröle und die Licht-Show war auch echt super. Es gab sogar Pyrotechnik und alles! Wir reden hier von einer Band, die grade mal ein (1) Album draußen hat. Der Saal war voll, die Laune gut und es stimmte alles. Nach vier oder fünf Liedern gingen Herr Rabe und ich runter und kämpften uns ein Stück nach vorne.

Da wurde getanzt, weiter vorne auch gepogt, und die ganze Stimmung war super. Sogar die paar rotzevollen Typen, die es einfach immer gibt, waren friedlich und niedlich.

Die Band spielte eineinhalb Stunden etwa, was beim durchschnittlichen Energielevel der Songs wirklich beachtlich lange ist. Es gab auch kaum Labermoderationspausen, wie bei den Ärzten. Lieder wurden kaum angesagt. Einfach Zack, nächstes, weiter geht’s.

Es war rundum richtig gut. Nur hinterher 45 Minuten an der Garderobe anstehen, das war nicht so cool.

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*natürlich nicht 4 Bassisten. Das ist ein Insider.

Tag 3430 – Schubidu.

Zu allererst mal Danke für alle Ihre lieben Worte! Ich freue mich da wirklich sehr drüber! Weiß gar nicht, was ich sagen soll, ohne dass es cheesy wird. Sie sind alle sehr lieb!

Von der Arbeit gibt es heute nicht so richtig was zu erzählen. Viele sind schon im Urlaub. Ich schiebe eine ruhige Kugel und reiße mir zur Abwechslung mal nicht ein Bein aus, um irgendwas „fertig“ zu kriegen, als gäbe es kein nächstes Jahr. Was es gibt, ist ein sehr gut gefülltes Überstundenkonto, und das wird dann jetzt mal ein klitzekleines bisschen reduziert, so 30-45 Minuten an 2-3 Tagen der Woche. Wow, nicht wahr.

Heute habe ich zum Beispiel die Zeit genutzt, um früh nach Hause zu fahren weil ich schon um 17 Uhr Ballett hatte. Das war eine Sonderstunde, eigentlich ist das Semester vorbei, aber wir Erwachsenen wollten gerne ne Extra-Stunde machen und durften die Räumlichkeiten netterweise nutzen. Unsere Vertretungslehrerin hat uns ganz schön gequält und ich sehe schlimmen Wadenmuskelkater in meiner näheren Zukunft. Aber schön war’s. Danach haben wir alle noch einen Kaffee zusammen getrunken, das war auch sehr schön. Ich mag die Ballettladies sehr gern. Hach.

Abends Geige geübt, das war auch sehr schön. Und jetzt Bett, das ist noch viel schöner.

So langsam freue ich mich auch auf Weihnachten. Im selben Takt wie sich meine Schultern senken, steigt bei mir die Weihnachtsstimmung.

(Mich dünkt, man sagt auf deutsch gar nicht „im selben Takt“, kann das sein? Schade eigentlich, denn es ist ein schöner Ausdruck. Hiermit ist er im Zweifel eingeführt. So.)

Tag 3426 und 3427 – Vorführen.

Ich muss sehr kurz machen, weil ich echt kurz vorm Koma bin. Ich vertiefe das dann morgen alles, in wacher, und vielleicht mit Fotos. Es ist jetzt ja vollbracht, und ich kann wieder andere Dinge tun. So wie bloggen. Und Geige spielen.

Michel hatte gestern Weihnachtsball, eine Tradition an seiner Schule für die Siebtklässler. Das ist ja deren letztes Jahr an dieser Schule und statt Weihnachtsfeier machen sie dann einen Ball. Michel war sehr stylisch im mintgrünen Anzug unterwegs. Mit Krawatte und allem. Viele der Mädchen trugen „richtige“ Ballkleider, was Michel doof fand, weil er dann da dauernd drauf getreten ist. Aber apropos Mädchen: Michel hat eine Rede gehalten, bei der er die Mädchen der Stufe besungen hat. Das hat ihn seit längerem sehr beschäftigt und einen Meltdown hatte er auch deshalb schon, aber dann haben wir uns Dienstag hingesetzt, zusammen die Rede geschrieben und er hat die geübt und auf Kärtchen dabei gehabt und es dann auch durchgezogen und viel Lob bekommen. Gestern auf dem Weg zum Ball fragte er mich noch „Mama, du tanzt doch auf Bühnen, hast du irgendwelche Tipps?“ und ich sagte nicht, dass ich komplett abdrehe, bevor ich auf eine Bühne gehe, und ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 bin. Sondern ich sagte „Man muss immer dran denken: man stirbt nicht. Man denkt das, aber es ist nicht so.“ (Ja, hmm, ob das jetzt so pädagogisch sinnvoll war, aber er ist 12.)

Schlaue Gedanken, die mich nicht davon abhielten, ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 zu sein. Heute. Zwei mal. Wobei das eine mal sogar recht gechillt war, jedenfalls wenn das zweite mal der Maßstab ist.

Heute Morgen hatte ich so eine Art Show-Inspektion. Dabei haben eine Kollegin und ich eine interne Datenbank inspiziert. Während all unsere Kolleginnen und Kollegen zuguckten. Hurra. Aber trotzdem nichts gegen…

… Trommelwirbel…

… ein Solo bei einer Burlesque-Show. Komplett mit ausziehen und allem. Mit selbst gemachter Choreographie. In selbst gemachtem Kostüm. Nach einem viertel Jahr Kurs.

(Und zwei Gruppennummern.)

So, da wissen Sie das jetzt auch.

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Tag 3410 und 3411 – Spaß!

Hach, der Hobbykurs macht so viel Freude. Und ist auch nach wie vor sehr weit von Komfortzone entfernt, aber man gewöhnt sich da irgendwie tatsächlich dran. Jede Woche eine neue Komfortzonenchallenge. Heute ging tatsächlich bei mir was schief, und wir haben alle drüber gelacht und es war sehr wholesome. Es war sogar mir Ankündigung, ich sagte, wenn ich das so mache, dann passiert doch folgendes? Die Lehrerin so neeeeiiin, pass auf… und dann hab ich das ausprobiert und es kam, wie ich vorhergesagt hatte. In anderen Gruppen wäre ich vor Scham gestorben.

Morgen ist so ein ätzendes Ganztagsmeeting bei der Arbeit. Meine Chefin liebt die ja. Es werden verschiedenste Gründe gesucht, nicht teilzunehmen und die sind auch alle valide, nur ich hab keine. Der Lieblingskollege ist noch auf dem Rückweg aus Amsterdam. Da er Ruhezeiten einhalten muss, kann er leider, leider nicht vor 13 Uhr teilnehmen. Die Lieblingskollegin hat aus unerfindlichen Gründen (die eventuell Mykoplasma heißen, aber das ist nur eine Vermutung, weil andere Leute mit ähnlichen Symptomen zur Zeit irgendwie alle Mykoplasma haben) keine Stimme und wird vielleicht da sein und dann aber kräftig schweigen. Eine weitere Kollegin wird Montag operiert und vermeidet Mykoplasma-Menschenansammlungen, um nicht krank zu werden. Und so weiter. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Wir haben die Agenda letzte Woche bekommen und seither graut es mir davor. Seither frage ich mich im Übrigen auch, ob man mit 60 eigentlich noch Zeitmanagement lernen kann. Das wäre für gewisse Personen bei uns mal eine sinnvolle Weiterbildung. Aber wir werden ja morgen sehen, ob der hanebüchene Zeitplan so irrwitzig ist, wie ich vermute (und meiner Chefin auch gesagt habe, dass ich das für wenig sinnvoll halte, weil ich Probleme gerne löse, bevor sie entstehen).

Tag 3405 und 3406 – Zu zweit ist schöner als allein.

Gestern… war. Ich war bei der Arbeit, ich sah immer noch aus wie ein Zombie-Kaninchen, ich tat da Dinge, manche davon waren sinnvoll. Jemand saß an meinem Platz, der ja nun offiziell meiner ist, mit Schild. Da kriege ich ganz leicht Aggressionen, aber die schlucke ich runter, und sage nur „Ja, heute brauche ich diesen Platz aber.“

Herr Rabe und ich machen jetzt zusammen Sport. Herr Rabe hat sich das ja jetzt seit ein paar Monaten angeguckt, gesehen, dass es wirkt und da er auch selber gerne wieder fitter werden möchte, machen wir das eben ein paar mal die Woche zusammen (Herr Rabe geht nicht mit zum Ballett. Noch nicht. Hähä).

Ebenfalls heute zusammen gemacht: wir waren bei einer weiteren Burlesque-Show in Oslo, und das war auch wieder super. Herr Rabe fand es auch sehr gut, der ist ja für solcherlei Quatsch immer gerne zu haben. Dieses Mal war eine Performerin aus den USA dabei und DU MEINE GÜTE, wie gut die war. Einfach toll.

Ich denke seither drüber nach, wie die das machen, dass die Strings mitunter nicht zwischen den Pobacken verschwinden sondern magisch „oben drauf“ liegen bleiben. Ich tippe auf sehr feine Feinstrumpfhosen unten drunter, genau abschließend mit der Unterwäsche. Weil… wenn ich nen String anziehe (was ich seit vielen, vielen Jahren nicht getan habe), sieht das nicht so aus. Und bei denen auch nicht immer, sondern eben nur bei bestimmten Outfits. Faszinierend.

Mit Herrn Rabe zusammen ist das jedenfalls auch sehr schön, sowas anzugucken. Und wie schön ist das erst, dass wir inzwischen so große Kinder haben, dass das auch mal wieder zusammen geht.