Tag 301 – Mein großer Spatz

Michel ist ja jetzt schon dreieinhalb. Erst dreieinhalb. Man weiß gar nicht, wie man es ausdrücken soll. Ich glaube, oft weiß er das selbst nicht. Natürlich sagt er oft, er sei „ein großer Junge“, vor allem um sich von Pippi abzugrenzen oder irgendwelchem vermeintlichen „Babykram“ zu entgehen. Andererseits will er aber auch oft Kuscheln, auf den Arm, getragen werden oder auf dem Schoß sitzen. (Exkurs: als ich klein war, hat sich meine Mutter immer beschwert, ich hätte spitze Knochen am Po. Ich fand das doof. Heute weiß ich was sie meinte.) 

Deshalb ist er auch immer noch mein Spatz: ein kleiner (dicker, Michel war ein pummeliges Baby), oft sehr dreckiger, lustiger Hüpfe-Vogel. Aber jetzt ist er eben ein großer Spatz. Halb klein, halb groß. Eben noch mein Baby, jetzt schon ein großes Kind, das alle seine Kindergartenfreunde zu uns nach Hause einlädt. Aber noch wenig Verständnis dafür hat, dass die und auch wir mitunter anderes am Nachmittag vorhaben. Aber eben ein Kind, das Freunde hat. Richtige zwischenmenschliche Präferenzen, nicht mehr nur „Ach, ich hau jedem der mit mir im Sandkasten sitzt freundlich die Schippe übern Kopp!“. Ein großes Kind mit großen Gefühlen, gerade enttäusche Freundschaft ist da ganz schlimm und bei „Der H. hat mir XYZ weggenommen! Wääähhhhhh!!!“ bricht mir das Herz. Dafür wird H. aber auch stürmisch umarmt, oder es wird so begeistert nach E. gerufen, dass die Stimme überschnappt. 

Oft scheint es im Moment so, als wüsste er selbst nicht so ganz wohin mit all seinen Gefühlen. Das sieht dann für uns oft widersprüchlich aus. Wenn zum Beispiel ein Heidentheater gemacht wird, wegen nix, weil das was er eigentlich will unsere ungeteilte Aufmerksamkeit ist. Die bekommt er ja dann auch, nur eben dass wir sauer und ungeduldig und laut (ich, Herr Rabe wird nie laut) werden. Aber einmal drin im Wutrad kommt man da wohl nicht so schnell raus. Ein anderes Beispiel ist, dass er gerne von Oma ins Bett gebracht werden möchte. Nur nicht heute. Morgen. Oder noch zwei mal Schlafen. Das sagt er jetzt seit letztem Donnerstag. Ich glaube er möchte das wirklich nachmittags gerne, er merkt dann ja auch wie sich die Oma drüber freut, aber abends, wenns auf die Bettzeit zugeht, dann wirds ihm doch zu mulmig. Ohne Mama und Papa ins Bett? Hmmnee, lieber nicht. Morgen vielleicht. 

Zu all den großen Gefühlen kommen dann noch große Gedanken, viel zu große für so einen kleinen Kopf, wie ich finde. „Mama, du alt wirst, du auch vielleicht kaputte Knochen kriegt, wie Oma. Du aufpassen, ich auch auf dich aufpassen!“ „Papa sagt, da Friedhof alte tote Leute eingegraben. Warum da so Steine drauf? Leute nicht wieder rauskommt vielleicht?“ Tja, und dann stehe ich da und hatte doch gehofft, dass wir solche Themen erst irgendwann mal besprechen müssen. Tod, Krankheit, nich immer alles glauben, was die Oma (egal welche) so sagt. Dass er alles, was kreucht und fleucht gern hat, ist ja eigentlich total schön, aber manchmal fühlt er sich für meinen Geschmack doch etwas sehr in kleine Tiere hinein. Oder überträgt von sich, das ist wohl wahrscheinlicher, wenn wir eine halb tote Fruchtfliege nach draußen gesetzt haben und er behauptet, die würde jetzt sicher Mama und Papa suchen, weil sie die vermisst hat (auch hier bricht mir dann kurz das Herz). Kein Wunder eigentlich, dass er nachts mit den Zähnen knirscht: es geht eben viel vor in ihm. 

Wunderbar ist es, ihn mit seiner kleinen Schwester zu sehen. Denn meistens ist er ziemlich fürsorglich und liebevoll und stolz, so eine tolle kleine Schwester zu haben. Da wird der Oma der neue Zahn angepriesen, oder dass Pippi an den Händen läuft oder „selber“ Zähne putzt. Oder Pippi wird umarmt oder geküsst oder ihr Essen gereicht. Es ist wirklich goldig. Und auch in den nicht ganz so goldigen Momente wird nur verbal getobt und nicht ihr gegenüber.  „Du Pippi wegnehmen! Ääähhhhhh, Pippi das kaputt macht! Pippi soll nicht kaputtmachen! DU PIPPI JETZT WEGNEHMEN!!!“ Als wüsste er, dass sie nichts dafür kann. Vielleicht weiß er das ja auch. Vielleicht ist das sowas, was Kinder eben wissen, dass kleinere Kinder eben noch nicht so viel wissen. Ich glaube, Michel freut sich auch schon sehr drauf, dass Pippi auch bald in seinen Kindergarten geht. Zumindest wird den Betreuer*Innen schon versichert, dass „Pippi Geburtstag hat, bisschen älter ist, Pippi auch mit mir Kindergarten geht.“. Kein Wunder, dass die anderen Kindergartenkinder immer sagen, Pippi sei „Michels Baby“. Sie gehört ja auch irgendwie zu ihm und das ist tausend mal mehr als ich mir erhofft hatte, nach nicht ganz einem Jahr sagen zu können. Ein superduper großer Bruder ist Michel. 

Alles in allem ein rundum toller großer kleiner Spatz. 

Ja. Hachz.  

Drei Jahre und fast acht Monate. <3

Tag 300 – Ach, ihr Zwei…

Ihr raubt mir den letzten Nerv, vor allem nachts, vor allem, wenn ihr beide mit in unserem Bett liegt. 

Dabei hab ich euch doch so lieb. So doll. Vor allem, wie ihr da so beide in unserem Bett liegt, endlich eingeschlafen, nach zweimaligem Kampf und einmaligem wieder Aufwachen und orientierungslosem Rumlaufen und Weinen. Jetzt schnauft ihr hier rum und mein Herz platzt. Ach…

Tag 254 – Im Rausch. Korfu Tag 24

Die Bilder von gestern. Also, ein paar davon. 

    

   

 Und dann noch eins von heute:

 Das ist vom Kaizer’s Throne in Pelekas, sehr schön auch da. Schöne Aussicht hat man von da, davon hab ich nur keine Fotos. 

Danach fuhren wir nach Kerkyra und verfielen dem Kaufrausch. Jetzt hab ich neue Sandalen und Herr Rabe hat Gürtel und Pippi ein Kleid und Michel einen Lightning McQueen-Ballon und eine Maus aus Olivenholz. Und so weiter. Noch ein bisschen Sightseeing, gutes Essen und einen Anruf später (der Vermieter hat sich Sorgen gemacht. Ist das nicht süß?) sind wir jetzt alle komplett im Eimer aber sehr glücklich wieder im Ferienhaus. 
(Und nach dem Essen hab ich ganz genau gesehen, dass sich Pippi wohl doch endlich einen Zahn wachsen lässt. Unten rechts der Schneidezahn schimmert bläulich durch und fühlt sich hart an. Mein Baby! Schon so groß… Eben noch so Mini! Jetzt bald ein Einzahnmäuschen! Schnüff.)
 

 

Tag 253 – Pelekas. Korfu Tag 23

Jeahhhh! Auf Veröffentlichen geklickt, bevor irgendwas geschrieben ward. Tolli.

Das verdirbt mir meine Laune jetzt aber auch nicht mehr. Wir waren nämlich heute an einem absolut traumhaften Strand. Mirtiotissa Beach. Falls Sie mal nach Korfu kommen: Mirtiotissa Beach. Es ist so toll da. Die Fotos liefere ich morgen nach, wir übernachten nämlich in Pelekas und die absolut auch total tolle Pension Martini hat kein WLAN. 

Also, zurück zum Strand. Der liegt sehr versteckt in einer Bucht mit Steilhängen, von der Straße aus kaum zu sehen. Unten: feiner Sand, nicht weiß, sondern bronzefarben, dadurch sehr warm. Drei sehr große Felsen im Wasser, an denen sich die Wellen sehr dekorativ brechen. Naturdusche: vom Hang tröpfelt an einer Ecke etwas Süßwasser, kann man auch trinken. Da die Strömung am Strand einen kleinen Hügel geschaffen hat, über den nur die Ausläufer jeder vielleicht zehnten Welle drüberschwappen, ist dahinter ein kleines Babybecken, vielleicht 5-25 cm tief, je nach Stelle, und recht warm. Die Großen baden im Meer, es geht so mittelflach rein, aber ohne Steine und sonstiges störendes Gedön. Dafür aber teilweise mit Wellen, die schon recht kräftig und hoch werden können und Strömung und so, also schwimmen sollte man können, auch wenn man nicht weit reingeht. Und noch was sollte einen nicht stören, wenn man dahin geht (und ehrlich, gehen Sie da hin, es ist wirklich ein Traum!), nämlich Nacktheit. Es ist nämlich auch ein inoffizieller FKK-Strand (dazu gleich mehr). 

Jedenfalls, es war so toll. Die Kinder in ihren UV-Schutz-Klamotten* sehen ja eh schon so niedlich aus. Dann hat Michel auch mega Spaß an Wellen und rannte mit mir zusammen erstmal fünfzig mal rein und raus, ließ sich manchmal umschubsen, hüpfte und johlte und qietschte und fand alles ganz toll. Gestern war er mit Herrn Rabe beim Frisör** und jetzt sind seine ausgeblichenen Haare ganz kurz, ein richtiger Sommerschnitt, und er sieht einfach zum Knutschen aus mit seinen großen braunen Augen, den hellblonden Haaren, dem braunen Nacken und den gaaaaanz kleinen Sommersprossen auf der Nase***. Und Pippi, die kleine Maus, plantschte überglücklich in dem Babybecken herum****, aß Sand, probierte vom Meerwasser, aß Sesamstange, tunkte sie angelüllert in den Sand und aß sie danach noch weiter, hatte also den Spaß ihres Lebens. Kurz: mein Herz war kurz vorm Platzen. 

FKK. Öhm ja, von mir aus, ich bin ja auch gerne nackt, aber doch lieber zu Hause und meine empfindlichsten Körperteile möchte ich als sehr sonnenempfindlicher Mensch eher nicht der Sonne aussetzen. Sonnenbrand auf Still-Brustwarzen? Ahhhhh, nee, danke. Aber wenn andere gerne nackt in der Sonne liegen, bitte, mich störts nicht. Aber ein paar Fragen wirft es doch schon auf (in meinem Kopf jedenfalls).

– Ist so ein Hodensack nicht auch sehr sonnenempfindlich? Oder ein Penis? Ich stelle mir das Aua vor. 

– Warum um alles in der Welt bräunt man(n) sein Poloch? Oder geht es um die Unterseite des Hodensacks? Oder war es doch eine Yoga-Übung, die ihn dazu veranlasste, seinen Hintern der Sonne entgegenzurecken?

– Wie lange muss man schon FKK-Bräunen bis die Haut aussieht als könne man nach dem Tod der Person ohne jegliche Nachbehandlung daraus exklusive Handtaschen machen?

– Wird Schamhaar nicht grau? Warum nicht? 

Vielleicht können Sie mir ja mit der ein oder anderen Frage weiterhelfen, ich bin ehrlich interessiert.

Zum Abenessen in einem Imbiss gewesen. Zum Nachtisch bekamen wir drei kleine Eis aufs Haus (ist hier so üblich, dass der Nachtisch einfach so kommt), sonst hätte ich mir noch ne Portion Gurkenjoghurt mit Knoblauch (aka Tzatziki) bestellt. So lecker. Und die nächsten drei Tage werden wir wohl etwas riechen. 

*Ja, ich weiß, möglicherweise ist das übertrieben. Aber es geht viel schneller, als die blöde Eincremerei. Und Sonnencreme ist teuer und nicht wiederbenutzbar. 

**Ich war nicht beim Frisör. Erstens weiß ich grad Frisurtechnisch nicht so ganz was ich will (Tipps, anyone? Kurz und blond und viele aber dünne sind se…) und außerdem lagen da Wachtürme rum. 

***Hat tatsächlich meine Haut geerbt, das arme Kind. 

****Ja, genau, das Baby, das vor ein paar Monaten beim Kontakt mit Badewasser noch jedes Mal Zeter und Mordio geschrien hat. 

Tag 236 – Hübsche Bilder und schreiendes Baby. Korfu Tag 6

Das blöde Internet ist blöd. Deshalb gibt’s jetzt bloß die drei Bilder, die ich erfolgreich in Instagram hochgeladen habe. Wir waren nämlich heute in Paleoperitheia (Alt Perithia) und da war es zum Ausrasten schön. Man muss sich das so vorstellen: damals, als es noch Piraten gab, die Küstendörfer überfielen, wohnten die Leute lieber in den Bergen. Irgendwann gab es keine Piraten mehr und die Bergdörfer wurden verlassen und verfielen. Und wieder später wurden diese hübschen Ruinen wiederentdeckt, teilweise gekauft und restauriert und jetzt ist da ein Dorf, das zu 90% aus hübschen Ruinen besteht und die restlichen Häuser sind sehr schön restauriert und beinhalten Tavernen und ein Minihotel. Und das ganze im Frühling: alles blüht, ist grün, summt und LEBT! Es. Ist. So. Schön. 


So, und damit jetzt zu dem unschönen Teil des Tages (bevor mich hier noch alle hassen wegen dieses Urlaubs und meines dauernden Generves damit). Pippi hasst Auto fahren. Da oben auf den Berg hoch ist von uns aus nicht weit. Vielleicht 20 Minuten. Aber mit hysterisch brüllendem Baby auf der Rückbank kommt einem das vor wie ne Weltreise. Und oben angekommen graut einem schon vor der Rückfahrt. Die tatsächlich auch genauso schlimm wurde. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass es hier so extrem ist. Aber jede einzelne Autofahrt hier ist furchtbar. Zu Hause gehen immerhin so 30-50% der Autofahrten. Es ist auch egal, ob ich hinten sitze, ob wir mit ihr reden, sie was zum Spielen hat, satt ist, müde ist, wach und fröhlich ist, alles Wurscht. Michel bemüht sich redlich, Quatsch für sie zu machen, dann geht es ein Minibisschen besser. Aber irgendwann meinte er heute auch (sich die Ohren zuhaltend): „Warum Pippi so brüllt? Pippi soll nich so laut weinen!“. Tja. Finde ich auch. Kann ich aber nicht ändern und bricht mir auch das Herz. 

Was mir auch das Herz bricht: im Moment (bittebittebitte lass es nur im Moment sein!!!) brüllt Pippi untröstlich los, sobald ich kurz weg bin. Also zum Beispiel, wenn ich laufen gehe. Oder Michel ins Bett bringe. Oder aufs Klo gehe und die Tür hinter mir schließe. Und mit untröstlich meine ich untröstlich. Herr Rabe hat alles probiert, es hilft eigentlich nur mit ihr Duschen zu gehen. Aber das kann der ja nicht stundenlang oder dreimal am Tag machen. Und in vier Wochen muss ich wieder arbeiten. Das wird ja sicher ganz toll für uns alle. Nicht. Und das wo ich eh schon so keinen Bock auf Arbeiten habe. Hrmpf. 

Was gut war (Herr Paul hat recht: man sollte nicht so negativ abschließen mit dem Tag): Michels Erzählungen aus seinem früheren Leben als Ameise und wie er den Ameisen aus Kieselsteinchen ein Haus gebaut hat. Und dass ich meine Steuererklärung innerhalb von fünf Minuten inklusive Einloggen heute am Handy erledigt hab. 

 
    

Tag 232 – <3 Korfu Tag 2

Es. Ist. So. Schön. Hier.

Also erstmal: das Wetter. Es ist warm und sonnig. Hurra! Ich persönlich finde auch das Meer nicht kalt, die Griechen natürlich schon, aber naja, da sind wir halt anderes gewohnt. Man merkte es als wir heute am Strand waren: alle anderen waren da in Jacke und langen Hosen. Wir so: T-Shirt, kurze Hose, barfuß. Wheeeee! Im Wasser waren wir erstmal nur bis zu den Füßen, es war aber auch schon fünf Uhr.

Da sind wir auch schon beim zweiten Punkt gewesen: da ist richtiges Meer und ein richtiger Strand in 400 m Entfernung!!! Ich raste aus.

Es gibt einen Garten, der zu der Ferienwohnung gehört. In dem Garten wachsen Zitronen und Orangen. Reife Orangen hängen grad nicht am Baum, Zitronen aber schon. Und sie sind lecker und kaum sauer und ich will auch Zitronenbäume überall wachsen haben!

Die Kinder fühlen sich pudelwohl. Pippi will immerzu nach draußen, sobald die Tür auf ist, ist sie schon unterwegs. Leider sind hier Steintreppen und so gefährliche Dinge, deshalb müssen wir immer mindestens ein Auge auf sie haben. Michel ist im siebten Himmel, weil die ohnehin sehr Kinderfreundlichen Griechen ihm am laufenden Band Süßigkeiten zustecken. Hier ein Bonbon, da ein Keks… Außerdem gibt’s hier Tiere, dies bei uns nicht gibt. Wir haben schon ein paar Geckos gesehen und einen kleinen Tausendfüßler. Und tausend Ameisen, Fliegen, Bienen, Spinnen und zwei Wanzen. Und am Strand kann man buddeln.

Alles ist grün! Grüüühühüüüün! Frühling, blühende Blumen! Ich hätte fast vergessen, wie das aussieht.

Blümel flückchen! <3

Die Vermieter sind wirklich total nett. D. hat uns heute erstmal zum Einkaufen gefahren (die Tomaten! DIE TOMATEN!!! Und griechischer Joghurt, den ich sofort heiraten möchte!), hat uns dortselbst mit Rat und Tat zur Seite gestanden und dann noch in der Gegend rumkutschiert und uns Tavernen und Eisdielen und Strände empfohlen. Ok, die Tavernen am Strand machen erst in zwei bis vier Wochen auf, aber es gibt auch welche, die schon geöffnet sind. Die sind dann eben etwas landestypischer und nicht so auf Touristen ausgelegt. Und auch N. ist super nett, hat uns Extrapreise für ALLES gemacht und sagt dauernd „und wenn ihr noch was braucht, wir sind direkt da, kein Problem, meldet euch einfach, das geht ganz einfach, machen wir sofort…“.

Und ab morgen (oder so) ist dann auch der Pool sauber und benutzbar („Aber noch kalt, da geht ihr sicher nicht rein…“ wenn die wüssten!).

Was nicht so ganz so cool ist: man sieht, dass die griechische Wirtschaft echt runter ist. Straßen sind kaputt, in den Orten sind die Fassaden extrem dreckig und kaputt, super viel Leerstand. Alle Autos hier sind verbeult und rostig. Überall stehen Bauruinen. Angefangene Rohbauten, an denen nicht weitergearbeitet wird, weil entweder der Bauherr pleite gegangen ist oder es keine Baugenehmigung für den (vorsorglich schon mal angefangenen) Bau gibt. Und nachdem die gute alte Korruption ja international irgendwie in Verruf geraten ist, kann man auch keinen Baubehördler mehr schmieren. Tja, dann steht das Ding da und keiner macht dran weiter. Schade für die Landschaft.

So, jetzt ruft der Reiseführer, ich muss mir mal ein wenig basic Vokabular aneignen. Ist ja peinlich, wenn man nicht mal Danke auf Griechisch sagen kann. Wo die doch hier alle so nett sind!

Hachz.

Tag 224 – 8 Monate

Mein liebes kleines Mausemädchen,

Jetzt bist du schon acht Monate alt. Acht Monate die vergingen wie im Zeitraffer. Vor fünf Minuten bist du das erste Mal gekrabbelt. Gestern warst du noch ein kleines Minibaby, das mich zum ersten Mal angelächelt hat und damit mein Herz zum platzen brachte. Vorgestern hielt ich dich zum ersten Mal im Arm, zeternd und nass und blau und wunderschön. Vor einer Woche streichelte ich meine runde Babymurmel – nur um sofort von dir in die Rippen oder die Blase oder gegen die Beckenknochen geknufft zu werden. Und vor drei Wochen hielt ich das Stäbchen in der Hand, mit den sehr deutlichen zwei Strichen drauf und dachte gleichzeitig „Hupsi“ und „Wie schön“.

Jetzt liegst du hier auf meinem Bauch und verpennst den Tag. Du bist krank, Fieber und Rotznase und Gesabber. Dein Papa meint, du kriegst Zähne. Ich glaube nicht daran. Obwohl es zu dir passen würde, alles ganz anders zu machen als dein großer Bruder und die ersten Zähne unter größtmöglichem Trara zu bekommen. Manchmal macht es mich wahnsinnig, wie starrsinnig du bist, und wie sehr du mich und NUR mich brauchst. Papa scheinst du ganz ok zu finden – solange du ihn von meinem Schoß aus beobachten kannst. Bei jedem neuen Menschen ziehst du das vorwurfsvollste Gesicht, das ich je gesehen hab und weinst, bis ich dir ausreichend glaubhaft versichert habe, dass ich in deiner Nähe bleibe. Und egal bei wem du bist, wenn dir auffällt, dass ich nicht in deinem Wohlfühlradius von 5 Metern bin, brüllst du bis ich angelaufen komme. Wenn du dann auf meinem Arm bist, lachst du und siehst den anderen Menschen mit diesem „Siehste? Das ist meine Mama, die hab ich lieb, die ist toll!“-Blick an. Das muss für die anderen ganz schön verletzend sein. Aber du weißt halt, was du willst. 

Überhaupt deine Blicke. Als wir neulich Geburtstag feierten, hattest du alles voll im Blick und wundertest dich ganz offensichtlich sehr über unser Treiben. Dein Gesichtsausdruck in Richtung der Bestrn Freundin sagte wirklich eindeutig „Die sind ja ganz nett, aber eben leider alle irre…“. Sogar das „Ganz ruhig, gleich kommt jemand der Sie an einen ganz schönen Ort bringt!“-Lächeln hast du schon voll drauf. Dein großer Bruder fand (und findet) es gut, wenn man sich für ihn zum Affen machte. Du scheinst das alles zu durchschauen und würdigst es höchstens mit einem „Gaaaanz toll, Mama!“-Blick. Würdest du klatschen können, würdest du wohl noch ein Slow-Clap dazu machen. Dafür lachst du über ganz andere Sachen. Dein Spiegelbild. Bauchpupse. Deine eigenen Pupse. Wenn ich pfeife. Wenn ich schnalze. Wenn Michel Quatsch macht. Essen. Trinken. Wenn du das Babypixibuch gefunden hast und dessen behauptete Unkaputtbarkeit testest. Michels Autos. 

Du kannst schon so viel und bist doch unersättlich darin, Neues zu lernen. Grade Rollen gelernt? Du willst krabbeln. Du kannst krabbeln? Du willst stehen. Du ziehst dich selbst an Sachen hoch und stehst? Du lässt los, frei stehen ist jetzt das Einzige was zählt. Dabei nimmst du Rückschläge (meistens in Form von Umfallen, Hinfallen, Wegrutschen) nicht gerade gelassen hin, es scheint auch nicht in erster Linie der Schmerz, die Beule oder die Schramme zu sein, die dich schreien lässt. Du bist wütend. Auf den weggerutschten Hocker, auf den Schrank, der da steht und der dir einfach gegen den Kopf gesprungen ist, auf deine eigenen Beine, die eben doch noch nicht so ganz sicher stehen. Kurzes Zorngeheul und getröstet werden und du bist bereit für den nächsten Versuch. Unermüdlich. Mein starkes kleines Mädchen. 

Heute rieche ich an deinem Kopf. Den ganzen Tag. Ein bisschen erinnert es mich an den Neugeborenenduft von vor ein paar Monaten. Aber es ist so viel dazu gekommen. So viel Zuhause und Liebe und Familie. Ein Duft, der genauso gewachsen ist wie du. Und der mich unbeschreiblich glücklich macht. Wie du. 

Murch!

Deine Mama

Tag 208 – Hyttetur

Heute haben wir einen wunderwunderwunderbaren Ausflug zur Hütte gemacht, wie die Norweger das halt so machen am Sonntag. Es war sonnig, kalt, Schnee und frische Luft. Ja, der Satz „Es war Schnee.“ ist sehr falsch, das ist mir gerade aber sowas von egal! 

Am Freitag hat Herr Rabe einem Kollegen eine Kraxe abgekauft, er hatte bei der Arbeit erwähnt, dass wir für den Urlaub eine gebrauchte suchen und dann sagte jemand „Ach, ich hab eine, die krieg ich nicht verkauft.“. Tja, und heute wurde sie ausprobiert. Weil ich paranoid bin, dass sie frieren könnte, habe ich Pippi folgendes angezogen:

  • Body
  • Wollstrumpfhose
  • Dünnen Wollanzug
  • Dicke Wollhose
  • Wollsocken
  • Nikijacke
  • Wolljacke
  • Mütze
  • Handschuhe
  • Fellschuhe

Und dann in die Trage. Sie konnte sich zwar kaum bewegen, fand das aber nicht weiter schlimm und guckte den Hinweg über in der Gegend herum. Michel, der tapfere Schneezwerg, lief mit nur wenig Genörgel den Berg hoch. Das dauerte natürlich ein bisschen, auch wenn es nur etwas mehr als ein Kilometer war, mit so kurzen Beinen und stetig bergauf ist das schon auch anstrengend. Wir motivierten ihn mit Eis, das es auf der Hütte sicherlich gäbe. 

Nach einer knappen Stunde waren wir oben auf dem Berg angekommen und suchten uns einen freien Platz in der Hütte. Es gab genau einen freien Tisch. Und kein Eis. Um Katastrophen (also einen Wutanfall ähnlich dem gestrigen) abzuwenden, gestanden wir Michel freie Wahl beim Gebäck zu, in logischer Folge aß er einen kompletten Riesen-Schokomuffin. Pippi aß zwei Maispinns, stillte dann ausgiebig und zog sich als Nachtisch eine komplette Banane rein. Wir tranken Kaffee und aßen Bulle und Käsebrötchen. Dann nochmal alle schnell Pipi (aufm Plumpsklo: ahhhhhh, ist das kalt von unten!!!) und wieder zurück, diesmal den längeren Weg (2,5 km). 

Michel rannte den größten Teil des Weges befeuert durch den Schokomuffin und zwei Gläser Saft den Berg runter, dass mir schon vom Zugucken ganz anders wurde. Ich trabte so gut es ging hinterher, rief ab und an, worauf er auch immer stehen blieb und mit rot leuchtenden Wangen auf mich wartete. Pippi schlief nach wenigen Metern wahrscheinlich wegen des Bananenvollen Magens ein und sah sehr niedlich aus, wie sie so das (extra dafür vorgesehene) Kissen vollsabberte:

  
Noch ein Selfie mit allen am See und dann weiter dem Kind nach den Berg runtergerannt. Im Endeffekt dauerte der Rückweg genauso lange wie der Hinweg und alle kamen rotwangig und aufgeräumt wieder am Auto an.

Zu Hause holten wir uns eine Pizza von dem Restaurant, wo wir am Mittwoch gewesen waren (wieder sehr lecker und nicht sooo teuer!), ich brachte Michel ins Bett, kochte sehr fix Gelee aus dem von der besten Freundin mitgebrachten Holundersaft und schaute dann mit der besten Freundin Tatort. 

Hachz. So könnte es öfter sein. <3

Tag 206 – Wie besoffen

Von Freundschaft betrunken, geht das? Mein Kopf ist ganz leicht gerade, ich bin quatschig und lache über meine vergeblichen Versuche, Pistazien zu essen und bin allgemein unbeschwert. Dies ist, was ich heute trank:

  • 2 Kaffee
  • 1 L Stilltee
  • 2 große Gläser Wasser
  • 1 kleines Bier, „Clausthaler Juleøl“, alkoholfrei 

Hach ja, die beste Freundin könnte ruhig öfter zu Besuch kommen. 

(Hier übrigens die Taschenhose, die ich Michel gestern genäht habe und die heute stolz zum Kindergarten ausgeführt wurde: 
   
 Ist mir ganz gut gelungen, wie ich finde. Nur etwas zu lang ist sie (absichtlich) und die Kordel ist zu kurz, weil ich nicht bedacht habe, dass da ja noch Knoten reinkommen, damit sie nicht in den Knopflöchern verschwindet. Aber es geht schon noch, ne Schleife zu machen. Halt ne sehr kleine.)