Tag 3165 – Tief atmen.

Es schneit schon wieder. Es war grad auf den Straßen alles weggetaut und weggeregnet, selbst auf dem Hof waren nur noch Schneereste und jetzt schneit es wieder, in der Version „super nass und klebt sofort zu einer Eisschicht zusammen“. Es ist zum heulen. Ok, nicht für alle, manche wollen ja Ostern Ski laufen und bezeichnen frischen Schnee Ende März bis Anfang April als „Osterstimmung“. Ich bezeichne das als FALSCH. Osterstimmung ist singende Vögel und blühende Narzissen, deshalb heißen die ja auch OSTERglocken. Osterstimmung ist nicht weiße Eier im Schnee suchen.

Ansonsten heute langsamer Tag mit Eskalation am Ende, Streit mit Michel, auch das ist… puh, alles, und er pubertiert ja noch nicht mal. Es kann also noch sehr viel spannender hier werden, als es eh schon ist. Hurra. (Muss das mit dem nicht-Trinken noch mal überdenken… Nein. Und eigentlich sollte man darüber auch nicht frotzeln.)

Gut:

  • in meiner Geige-üben-App stolperte ich zufällig in Ray Chens Übe-Session und das war sehr unterhaltsam und auch sehr lehrreich (und andere würden bestimmt „inspirierend“ sagen, aber ich mag das Wort so gar nicht).
  • Später, als ich selbst übte, besuchte mich eine in meiner Session, mit der ich da hin und wieder Kontakt habe, eine Tierärztin aus Australien, die ebenfalls als Erwachsene das Instrument wieder aufgenommen hat und etwa das gleiche Level hat. Da konnte ich mein Leid über die Doppelgriffetüden klagen und wurde verstanden und bekam Zuspruch, Hurra! Die Etüden sind aber auch tricky, aber das Gute daran ist: die sind nur bei den ersten 2-3 Malen schlimm, danach geht es recht schnell bergauf. Ich spiele die so vielleicht 10-ish mal, einzelne Passagen öfter, bis es sich passabel anhört und nicht mehr anfühlt, als würden sich meine Finger verknoten, und dann fange ich die nächste an. Gut genug ist dabei echt gut genug, ich will damit ja nicht auftreten, ich will nur die innere Hemmschwelle vor Doppelgriffen und Akkorden abbauen und auch schneller vom Blatt ablesen können.
  • Abends, als hen aktiv war, holte ich Monty für ein paar Minuten aus dem Terrarium. Die sollen sich ja schon daran gewöhnen, angefasst zu werden. So ein mal pro Woche, sagte der Züchter, kann man das ruhig machen, sollte man vor allem am Anfang auch, weil man sie ja einfach hin und wieder anfassen MUSS (sauber machen, Tierarzt, etc.) und dann ist es halt gut, wenn sie nicht total panisch werden, weil sie das nicht kennen. Monty ließ das über sich ergehen, ohne fauchen oder sich zusammen rollen, und schnupperte irgendwann auch neugierig meine Hand an, was ganz schön kitzelte. Hach. Zurück im warmen Terrarium machte hen sich aber ohne Umwege auf in das Lüftungsloch. Happy place.

Tag 3161 – Wir reden nicht drüber.

Aus Gründen hatte ich heute über weite Strecken einen ordentlichen Scheißtag. Ich möchte bitte verpflichtende Kommunikationskurse für alle, Lektion 1: andere Menschen haben Gefühle, drauf rumtrampeln ist nicht ok.

Die Wechselwarmen machen weiter ihr Ding, Monty ist mal hier mal da, Greg sitzt unter der Kokosnuss und – ich schätze mal – verdaut. Greg hatte zwei Tage bevor wir die beiden geholt haben eine fette Maus und man sah Sonntag die Beule noch. Börps.

Weil Fragen kamen: man darf nicht mehr mit Lebendfutter füttern. Das ist im Tierschutzgesetzt (hüben wie drüben, kann auch eine EU-Regelung sein?) verboten. Das ist auch für die Schlangen so wesentlich sicherer, denn ein totes Futtertier wehrt sich nicht. Da diese hier aus Aufzucht kommen, kennen die auch nichts anderes, vor denen ist noch nie ne Maus weggelaufen. Aus Aufzucht vor allem deshalb, weil wir so die entsprechenden Papiere bekommen haben, dass die nicht illegal importiert sind. Man kauft dann, entsprechend der Größe, tiefgefrorene Futtertiere, die man zur Fütterung auftaut und ein bisschen warm macht, halt so Mäusewarm. Die Schlange „erlegt“ das dann, wenn man es ihr vor die Nase hält, „würgt“ es auch und frisst es dann hoffentlich ohne Tamtam auf. Königspythons können wohl schwierig mit Futter sein. Dafür macht das aber auch nicht viel, wenn die mal eine oder auch vier Mahlzeiten überspringen.

Zum Namen: Monty und R sind Wortspiele die mit „Python“ zusammenhängen. (R ist eine mathematische Programmiersprache, Python ist eine andere mathematische Programmiersprache.) Pudding, weil Vanillepudding und es generell gut ist, wenn man Tiere wie Essen nennt. Es hat auch einen Heimat-Klang, für uns aus Puddingtown.

Tag 3160 – Schlau und nicht ganz so schlau.

Bei der Arbeit haben wir heute einen Ausflug gemacht, der Lieblingskollege, die Lieblingskollegin und ich. Wir waren bei einer Fabrik, die ihre Produktionslokale erweitern wollen, und die unsere Meinung dazu hören wollten, bevor sie was dummes tun und dann nicht mehr zurück können. Wir mögen das und kommen dann auch, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. Und dann gucken wir uns bunte PowerPoint-Präsentationen an, und heute, und das war mal was Neues: auf den Boden geklebte Linien und diverse Pappkartons, die Maschinen und dergleichen repräsentieren sollten. So konnten wir von den Räumlichkeiten einen etwas räumlicheren Eindruck bekommen. Es war an alles gedacht, sogar an Stühle.

Achtung, unter dem „Stuhl“bild gibt es ein Bild von einem langen, wechselwarmen Tier ohne Beine.

Heute morgen hatten wir einen Vorfall von „neues Haustier mit kleinem Gehirn erkundet sein neues Zuhause“. Genau genommen haben wir das seither durchgehend, dazu später.

Schön auf die nicht mehr benötigte, aber fest verbaute Wandhalterung geklettert.

Es ist Blödsinn, das Tieren so zuzuschreiben, das weiß ich aber hen sah ein bisschen schuldbewusst aus, als ich hen heute Morgen so vorfand. Ich war auch erst nicht sicher, ob hen da ohne Hilfe wieder runter kommt, aber irgendwann war hen wieder auf dem Boden, ob der Vorgang elegant und/oder kontrolliert war, kann ich nicht beurteilen, da war ich nicht bei.

Danach wollte Monty direkt zu Greg rüber, da ist ein kleiner Raum um die Leuchtstoffröhre rum in der Trennwand ausgespart, eben wegen der Leuchtstoffröhre. Der Plan schien aber recht fix wieder verworfen worden zu sein, und ich fuhr halbwegs beruhigt und kopfschüttelnd zur Arbeit.

Tja. Nachmittags schickte mir Herr Rabe ein Video, wie Monty sich, auf Greg’s Seite, in (!) das Lüftungsloch gequetscht hat. Ganz oben in der Ecke des Terrariums, auf beiden Seiten, ist eine ovale Aussparung in der Wand und von außen ist da ein Lüftungsgitter. Der Terrariumsvorbesitzer hat dazu auch noch Treibholzstücke in diese Ecke geklebt, sodass man da auch garantiert keine Hand reinbekommt, und eine da chillende Schlange einfach chillen lassen muss. Da oben scheint es sehr gemütlich zu sein, Monty kam zwar immer mal wieder runter, aber klettert auch immer wieder da hoch. Greg hat das ein Mal versucht und hing dann etwas ratlos vom Baumstamm herunter, kam scheinbar nicht wieder runter und verzog sich, nachdem hen ein Holzstück als Leiter dargeboten worden war, lieber wieder in die Kokosnusshöhle.

Wir haben also eine Trennwand, die zumindest eine Schlange an nichts hindert (Monty wurde dabei beobachtet: hen geht oben drüber. Da sind so 15 mm Platz gelassen, bewusst, wegen der Luftzirkulation) und mindestens eine kletterwütige Schlange, die auf das Lüftungsloch steht. Das werden wir wohl noch verbessern müssen, Monty kann auch gerne einen Kletterbaum haben, solange hen auf hens Seite bleibt. Ich mache mir nicht viel Sorgen um Rivalität und auch nicht um Fortpflanzung, sie sind ja noch recht klein und da sollte beides noch kein Thema sein (vor allem, wenn es tatsächlich beides Weibchen sind) aber aus Prinzip hätte ich schon gern gewusst, dass es möglich ist, eine Schlange davon abzuhalten, irgendwo hinzugehen, wo sie nicht hin soll. Wenn sie Futter kriegen, müssen sie eh getrennt werden, das ist zwar noch nicht akut aber das Problem kommt ja sehr bald auf uns zu.

Das nächste Haustier wird ein Delphin, Rabe, Tintenfisch oder Schwein, irgendwas, das nicht so doof ist jedenfalls.

Tag 3158 und 3159 – 39!

Ich fühle mich höchstens einen Tag älter als 38.

Das war ein schöner Geburtstag. Es gab Kuchen (den ich mir selber gebacken habe, nach diesem Rezept: https://rabensalat.blog/2016/03/11/tag-213-vergessenes-nachgereicht/, wie jedes Jahr, aber jetzt neu auch mit Holundergelee aus Holunderbeeren vom eigenen Strauch), Geschenke (unter anderem das Zweitparfüm, das ich mir wegen kein Alltagsduft, eigentlich echt teuer und niemand braucht zwei Parfüms im Sommer nicht gekauft habe), Geige, Sport, sehr leckeres Essen bei dem neuen und wirklich gut besuchten indischen Restaurant, das hier im Kaff aufgemacht hat und liebe Kinder. Ich hatte mir von Pippi liebe Kinder gewünscht, das meinte sie aber, kann man nicht verschenken. Also habe ich mir liebe Kinder mit Schleife drum gewünscht, aber das zweifelte sie an, dass es das gibt. Tja. Schleife drum hatten sie jedenfalls beide heute nicht.

Michel und ich haben außerdem einen Ausflug unternommen und jetzt wohnen hier Greg und Monty R Pudding. Für diejenigen, die keine Ohnbeiner sehen wollen: das Kuchenfoto kommt zuerst, aber auch nur eins. Danach zwei kleine Königspythons.

Hurra for meg!
Greg Diabolo – Michels
Monty R Pudding – meins

Nachdem ich letzte Woche ja noch angezweifelt hatte, dass die wirklich auf die Lampen klettern können, haben wir so Gitter besorgt. Das sieht nicht ganz so schön aus, erfüllt aber seinen Zweck. Und das allererste, was Greg macht, war, sich zwischen das Gitter und die Seitenwand zu klemmen und ausgiebig die Decke des Terrariums zu erkunden. Wir haben die Lampe und das Gitter daraufhin noch mal versetzt, damit hen das nicht macht. Hen? Tja, also vor drei Wochen meinte der Züchter noch, es seien beides Männchen. Heute meinte er, es sind doch beides Weibchen. Wahrscheinlich jedenfalls. Vielleicht auch nicht. Sieht von außen halt erst mal alles gleich aus. Aber ist ja eigentlich auch egal, wir wollen ja nicht züchten und zusammen wohnen sollen sie auch nicht.

Eins der ersten Dinge, die Monty machte, war, sich – statt in eins der liebevoll besorgten/gebastelten und aufgebauten Verstecke in den verschiedenen Temperaturzonen des Terrariums – unter hens Wasserschale zu legen. Haustiere sind auch irgendwie alle gleich.

Um ehrlich zu sein, freue ich mich wie ein kleines Kind, ich hab darauf quasi über 25 Jahre gewartet. Hihi. Ein gutes Geschenk von mir an mich.