Tag 3778 – 3780 – Laune (und Ferien).

Donnerstag und gestern habe ich noch unvernünftig viel gearbeitet, damit wenigstens die meisten großen Klötze von meinem Schreibtisch sind, wenn ich Urlaub nehme. Was ich jetzt habe.

Gestern habe ich außerdem eine Geigenstunde gehabt (die war gut), mir endlich die Haare schneiden lassen (sehr gut!) und war beim Geigenbauer, Saiten kaufen. Scheiße, sind Saiten teuer. Aber ich habe ja auch gerne ein komplettes Set auf Halde liegen, weil Saiten meistens sehr plötzlich reißen.

Auf dem Rückweg von Oslo ging es mir plötzlich gar nicht gut, irgendwas hatte ich nicht vertragen oder es war nicht mehr gut oder so, aber es wollte bitte schnell raus und machte vorher auf dem Weg durchs System große Schmerzen, sodass ich mit Schweißausbrüchen im Zug saß und erst mal meinen Gürtel lockerte, damit alles wenigstens so frei wie möglich passieren konnte. Ich schaffte es nach Hause, war aber den Rest des Tages nur auf verschiedenen Sofas. Heute nach dem Frühstück war erst mal alles raus, glaube ich, da ging es mir schon viel besser.

Heute war ich mit Pippi in Oslo, erst Sachen einkaufen und dann beim Weihnachtskonzert des Lieblingskollegen. Das war sehr schön (beides).

Jetzt allerdings habe ich ziemlich Laune. Hat möglicherweise interne, aber möglicherweise auch externe Gründe. Jedenfalls… ARRRRGGGGHHH!

Lieber schlafen. Morgen ist großer Putztag.

Tag 3773 und 3774 – Piep, piep, piiieeep.

Hier ist zu viel los und ich bin zu müde für alles und zu overpeopled. Heute haben wir einen Ausflug nach Oslo gemacht, waren auf einem Weihnachtsmarkt mit Hipstergemachten Handarbeitsdingen und dann noch im Nerdladen (verkaufsoffener Sonntag). Der Weihnachtsmarkt war sehr nett, aber zum Teil auch echt sehr teuer. Was ich sehr gut fand: es gab drei Sorten Würstchen vom Grill und die veganen waren am billigsten. Gut, waren immer noch 69 Kronen…

Gestern waren zwei Vorstellungen von Pippi, erst mit ihrer Band, dann von ihrer Ballettgruppe. Beides hat sie super gemacht und wir sind sehr stolze Eltern. So groß ist die schon! Wahnsinn, wirklich.

Naja. Ist schon berechtigt, Sonntags abends einfach ins Bett zu plumpsen.

Tag 3715 – 3717 – Wochenende plus.

Freitag war eigentlich nur Arbeit. Furchtbar langweilig, wenn man nicht dabei war. Wenn man dabei war, war es nur so normal Arbeit halt. Ich habe ein Uber gebucht, das war ca. das spannendste. Abends sind Herr Rabe und ich sehr unvernünftig lange vorm Fernseher versackt. Das war aber auch schön.

Gestern waren wir Bowlen, die ganze Familie, denn das hatte Pippi sich gewünscht. Pippi war nämlich letztes Wochenende sehr traurig, dass sie nicht mit in den Trampolinpark durfte, als Michel seinen Geburtstag gefeiert hat. Nun ist es aber ja nun mal so, dass Pippis Mutter zwei Kinder durch ihren Beckenboden gepresst hat, und das mit dem Trampolin macht danach nur noch bedingt Spaß (bitte keine Tipps für Training, been there, done all of that, hat nicht funktioniert, bin sehr müde, das zu diskutieren). Deshalb Bowling. Das war auch eigentlich sehr schön, bis Pippi aufging, dass wir alle besser sind als sie und dann war Krise und Heuli und aufgelöstes Kind. Ich war in dem Alter exakt genau so und kann das sehr gut verstehen. Dass Michel dann schlaue Tipps und/oder blöde Kommentare von der Seitenlinie reinruft, macht nichts besser. Pippi spielte dann halbwegs tapfer die Runde zu Ende und wurde mit einem Slush getröstet. Danach haben wir die Kinder gezwungen, mit uns Essen zu gehen (Thai/Sushi, also für die Kinder Sushi und für die Erwachsenen Thai), weil wir Monster sind, jedenfalls wenn man Michel Glauben schenkt. Kinder, so schön. Wenn man unbedingt jemanden will, dessen Emotionen man ständig managen (also auffangen, aushalten, regulieren, erklären…) muss, empfehle ich Kinder wärmstens. Obendrein tut mir vom Bowling der rechte Ringfinger weh und er ist auch dick am Gelenk, den Ehering kriege ich nicht mehr ab. Ich hoffe sehr, dass das bis Mittwoch weg ist.

Abends haben Herr Rabe und ich die 2. Staffel Wednesday fertig geguckt. Das war schön, wenn auch ein wenig vorhersehbar.

Heute Haushalt und Sachen für die Reise raussuchen. Ich werde sicher nicht schlafen können, bevor ich eine Packliste zumindest angefangen habe, also mache ich das gleich noch. Es wurde ein etwas späterer Abend als wünschenswert gewesen wäre, weil ich mit Michel erst noch einen Plan für seine Verpflichtungen und Freizeitgestaltung gemacht habe. Er hat da aufgrund seiner Neurodiversität grade mal wieder große Probleme, sich zu strukturieren und braucht viel Hilfe, aber wenn wir ihn (für ihn) aus dem Blauen heraus an irgendwas erinnern, das er machen soll, explodiert er ganz gerne mal und verweigert sich total. Also haben wir, nachdem er sich abgeregt hatte, uns hingesetzt und aufgelistet, was er alles machen will und was er machen muss, und was von den „muss“-Sachen eigentlich ganz gut läuft (Hausaufgaben zum Beispiel, Brotdose machen, und an den richtigen Tagen das richtige Sportzeug dabei haben) und was für ihn schwer ist. Bei den schwierigen und unbeliebten Sachen haben wir abgemacht, wann er die am besten machen kann, weil es ihn da am wenigsten nervt, und vor allem ob und wann wir ihn daran erinnern. Ich hoffe, das wird ihm ein bisschen helfen. Und ich hoffe, dass er uns vielleicht nicht jedes Mal ins Gesicht springt, wenn es eine Abmachung gibt, dass wir ihn jeden zweiten Montag fragen, ob er die Hausaufgaben für die aktuelle Zwei-Wochen-Periode schon fertig hat. Ich hoffe (und glaube eigentlich auch), dass er versteht, dass wir ihm nur helfen wollen, auch wenn sein ADHS-Gehirn Routinen furchtbar langweilig findet. Aber Struktur muss sein, sonst entgleitet (ihm) alles und es gibt dann Frust, weil er ja eigentlich xyz machen wollte oder abc hätte machen müssen.

Positiv betrachtet wird es nicht langweilig hier.

Tag 3680-3682 – Wochenende Kurzabriss.

Morgen klingelt der Wecker wieder sehr früh, ich muss also sehr schnell tippen.

Freitag war Nix. Nicht mal ne Dunstabzugshaube habe ich gekauft. Unsere Dunstabzugshaube macht nämlich nur Lärm, aber saugen tut sie nichts. Das ist jetzt irgendwie ungünstig, vor allem weil wir eine alte Ikea-Küche haben, mit einer Ikea-Dunstabzugshaube drin, die komplett andere Maße hat, als die Geräte, die laut Stiftung Warentest gut sind. Und weil die Küche alt ist (also noch Faktum und nicht Metod) kann man da auch nicht mal eben nen anderen Schrank reinsetzen. Am Freitag habe ich ziemlich viele Testberichte gelesen. Für einen Monat habe ich jetzt eine Flatrate. Die Spülmaschine muss nämlich auch eventuell neu und der Herd und dann auch der Backofen und dies und das und jenes. Also all diese Geräte tun es noch (im Gegensatz zur Dunstabzugshaube), aber speziell bei der Spülmaschine ist ein bisschen die Frage, wie lange noch.

Freitag Abend habe ich Kisten ausgepackt und einen halben Raum „fertig“ (mit großen Anführungszeichen) gemacht. Man kann da jetzt Boden sehen!

Samstag haben wir Pippis Geburtstag mit ihren Klassenkameradinnen nachgefeiert. Dazu hatten wir die Ballettschule gemietet, und das heißt, die machen alles, wir müssen nur Kuchen und Limo und so mitbringen. Das war recht entspannt für uns so. Die Mädels hatten super Spaß mit dem großen Airtrack und Stoptanzen und Stille Post. Langsam sind sie auch so groß, dass es nicht aus reiner Überforderung irgendwann Tränen gibt. Alles sehr schön. Wir haben sogar eine Freundin von Pippi mitsamt Papa danach noch auf einen Tee zu uns eingeladen, und das obwohl hier doch das Chaos immer noch herrscht. Aber die Freundin wohnt drei Orte weiter (das ist keine Klassenkameradin, sondern ein Mädchen, das Pippi mal im Schwimmbad aufgegabelt hat) und sie sehen sich nicht so oft. Der Papa ist auch sehr nett, und wirkt nicht judgy, was Chaos angeht. Und bevor der erst noch ne halbe Stunde nach Hause gurkt, und dann wieder zu uns und zurück, haben wir ihn halt mit eingeladen. Und es war auch sehr nett. Gerne wieder. (Was ist los mit mir???)

Ok, abends bin ich dann einfach wehrlos eingepennt. Wir hatten Sushi gegessen und danach war ich satt und weil ich fror, war ich auch dick eingepackt und, tja.

Heute haben die Kinder mit dem Korps auf einer Konfirmation gespielt, das hat Tradition, dass der Korps bei den Konfirmationen der Mitglieder spielt. Michel hat auch noch mal einige Fragen zur möglichen Konfirmation (christlich vs. humanistisch vs. irgendwas selbst geklöppeltes) gestellt. So langsam reift es in ihm, dass die Wahl auf ihn zukommt, ob er nun will oder nicht. Die Kinder haben schön gespielt. Memo an mich: Pippis Uniforms-Handschuhe sind zu klein und vor allem kaputt, die müssen ausgetauscht werden.

Danach haben wir hier herum gerödelt. Ich habe das Kaminzimmer (wie das klingt!) von einigen Kisten befreit und weitere drei Kisten ausgepackt. Das klingt wenig, aber ich habe auch viele, viele Bücherkisten zur Hälfte ausgepackt, nämlich die Bücher, die oben ins Wohnzimmer dürfen. Die stehen jetzt im Regal. Da stehen jetzt auch Blumen. Und Deko. Und Bilder. So langsam wird es persönlich und heimelig. Außerdem habe ich viele Kisten da hin geräumt, wo ihr Inhalt am Ende mal sein soll. Jetzt stehen nur noch ganz wenige Kisten einfach wahllos im Kaminzimmer rum. Aber das sind Kisten mit Inhalten, die wir entweder noch nicht auspacken können, weil uns Möbel fehlen, um es rein zu räumen (Bücher zum Beispiel) oder für die ich mich wirklich so gar nicht zuständig fühle. Ich wohne hier ja nicht alleine.

Abends haben wir eine Dunstabzugshaube bestellt. Wegen Lieferzeit habe ich jetzt knapp zwei Wochen, um wen aufzutreiben, der uns ein neues 150 mm-Loch in die Küchenwand macht, weil, wie gesagt, die Maße von allen Geräten, die nicht Ikea sind, anders sind, als die von Ikea. Und die existierende Lösung sieht bereits so aus, als sei da was passend gemacht worden, was vorher nicht so richtig gepasst hat. Das wird also potentiell noch ein bisschen spaßig alles.

Tag 3682 und 3683 – Müde, Laune, alles.

Das PMDS ist diesen Monat wirklich sehr schlimm. Gestern habe ich es ganz drei Stunden im Büro ausgehalten, dann bin ich wieder nach Hause. Das hing auch damit zusammen, dass mir jemand meinen Stuhl geklaut hatte, und nicht mal nen anderen an meinen Arbeitsplatz gestellt hat. Das hat mich sehr aus der Bahn geworfen.

Abends war ich bei einem vorläufig geheimen Projekt. Geheim, weil ich das erst noch ein bisschen probieren will, und gucken, ob ich dabei bleibe. Nett war es jedenfalls.

Danach kam ich nach Hause zu einer total verzweifelten Pippi, die Rotz und Wasser heulte, wegen Hausaufgaben. Verständlich, es war auch schon spät und wenn man total aufgelöst ist, machen sich Hausaufgaben auch nicht gut. Aber sie wollte unbedingt alle Hausaufgaben gestern Abend machen, obwohl sie bis Donnerstag Abend dafür Zeit hat. Es ist manchmal nicht leicht für sie. Am Ende schlief sie ohne Zähneputzen halb auf mir liegend ein.

Heute Morgen ging das mit den Hausaufgaben aber leider weiter und am Ende musste sie mit dem Fahrrad zur Schule fahren, weil sie den Bus nicht mehr bekommen hätte. Eigentlich finde ich Fahrrad fahren grad nicht so super, weil ihr Helm nicht mehr gut passt und sie auch kein Schloss hat, weil sie es verschlürt hat (und nicht Bescheid gesagt). Unter Androhung, dass, wenn das Fahrrad geklaut wird, sie ein neues vom Sparkonto kaufen muss, fuhr sie dann. Das Fahrrad wurde nicht geklaut und sie war auch noch pünktlich. Aber meine Güte, warum habe ich zwei so sture Kinder bekommen? Niemand hier ist doch stur! (Scherz. Wir Eltern sind beide sehr Meinungsstark.)

Homeoffice heute ging viel besser als Office-office gestern. Vielleicht sollte ich einfach auch auf Laune mehr Rücksicht nehmen.

Insgesamt, ebenfalls aufgrund von Hormonen, müde und antriebslos. Nicht mal Ballett heute hat das großartig geändert. Ich war damit letzte Woche beim Hausarzt und er überweist mich an eine Gynäkologin, also es wird immerhin irgendwas getan. Außerdem hat er allerlei Blutuntersuchungen angeordnet, bei denen aber nur rauskam, dass ich diverse Hormone in diversen Mengen an diesem Tag zu dieser Zeit im Blut hatte. Daraus lässt sich erst mal exakt gar nichts ableiten.

Alles sehr schön also.

Tag 3662 – Spaß zu zweit und zu dritt.

Herr Rabe und ich haben gestern im Maislabyrinth das extra harte Labyrinth angefangen, aber dann waren die Handyakkus leer und für dieses Labyrinth braucht man tatsächlich eine App. Außerdem waren wir nicht gut genug ausgerüstet mit Übersetzungstools. Die Labyrinthe da, inklusive aller Rätsel und Hinweise, sind nämlich ausschließlich auf Französisch. Heute sind wir aber mit geladenen Handys mit entsprechenden Apps drauf noch mal hin, weil das ja nicht geht, dass wir da so ein angefangenes Projekt haben. Wir hatten dann zu zweit viel Spaß und haben auch alle Rätsel bis auf eines selbständig gelöst. Bei dem einen hat uns Chat GPT geholfen. Ich habe zwar die Erklärung von Chat GPT zu diesem Rätsel nicht so ganz kapiert, aber die Lösung war richtig. Anyway. Wir kamen irgendwann heile wieder aus dem Labyrinth und hatten Spaß unterwegs. Unsere Lösung am Ende war auch richtig.

Konzentration!

Währenddessen war Frau Wunnibar mit den drei Mädels am Strand. Eigentlich wollten wir danach mit Michel nachkommen, aber da war es so windig geworden, dass die Mädels keinen Bock mehr hatten. Sie wollten lieber weiter im Wohnzimmer des Ferienhauses eine komplette Burganlage aus Stühlen und Bettdecken bauen. Aber Herr Rabe und ich wollten schon gerne noch an den Strand (pffft, Wind!) und auch Michel sanft zwingen. Also machten wir das, aber erst später, nämlich nach einem Einkauf und nachdem eine Quiche ihren Weg in den Ofen gefunden hatte. Sehr leckere Quiche übrigens, und ganz einfach: Zwiebel und Knoblauch kurz anbraten, 200 g gefrorenen Rahmspinat dazu, würzen. Quicheteig (hier aus dem Supermarkt, was für ein Luxus!) in die Form, Spinat drauf, eine Packung zerbröseltem Feta obendrauf verteilen. Drei Eier und 200 mL Sahne verquirlen, würzen und das wiederum oben drauf gießen. Bei 180-200 Grad, je nachdem ob man dem Rezept oder der Verpackung des Quicheteigs folgt, 40-45 Minuten backen, bis es lecker aussieht eben. Das ist sogar für mich Spinat in einer tolerierbaren Form. Die andere ist roher Blattspinat, aber bitte nicht zu viel, im Salat und so ein mal im Jahr esse ich Rahmspinat mit Kartoffeln und Spiegelei.

40-45 Minuten sind genug für ein Mal zum Strand gehen, dort frierend im Wind das Kind belabern, sich endlich auszuziehen, dann 20-30 Minuten herumzuplantschen (wegen Wellen und Sog wieder ohne richtiges Schwimmen, aber bei den Wellen brauchte man das auch nicht, man wurde trotzdem gut nass überall und bekam eine gratis Massage gleich dazu), dann das Kind, über dessen Spaßlevel ich strenge Auflage des Stillschweigens bekam, dazu belabern, aus dem Wasser auch wieder rauszukommen, dann grob abtrocknen und zurück gehen. Es war, wegen des Windes, im Wasser wärmer als draußen und es war, wegen der Wellen, ein Heidenspaß. Also für Herrn Rabe und mich, das Kind hatte möglicherweise Spaß, eventuell, ich darf da ja nichts zu sagen. Mega. Ich werde das Meer echt vermissen. Wir haben es schon sehr gut hier.

Der Wind sorgt für händefreies Abtrocknen und blogfreundliche Kinderfotos.

Ich glaube, es war ganz gut, dass wir Michel dazu gezwungen haben, aber dass es auch nur wir drei waren. Da muss er nicht cool sein.

Pippi war heute übrigens ganz allein ein Eis kaufen. Auf Französisch und dann, als die eingeübten Phrasen nicht mehr reichten, auf Englisch. Problemlos. Meine Güte, sind unsere Kinder schon groß.

Tag 3657 – Schiefer Haussegen.

Pippi ist ja jetzt 10 und ich glaube, 10 ist ein schwieriges Alter. Natürlich freuen wir uns alle schon ganz doll auf tatsächliche Pubertät, aber die Präpubertäre Phase ist auch schon nicht ohne und birgt einiges Konfliktpotential. Und generelles Meltdownpotential. Am meisten betrifft das natürlich Pippi, das ist ja auch nicht schön, wenn man ein Mal am Tag bei den Eltern zu Kreuze kriechen und sich für rotzgöriges Verhalten entschuldigen muss. Weil man ja eigentlich dann doch gar nicht ausziehen will und eigentlich doch die Eltern auch ganz okaye Menschen sind, selbst wenn deren Geduld für rotzgöriges Verhalten endlich ist.

Heute war so ein Tag, da war es extra schwierig und ein Einkaufstrip mit allen wurde vorzeitig beendet, obwohl Pippi ihr Geburtstags-Shopping versprochen worden war. Das führte komischerweise nicht zu Deeskalation. Aber nach einem Stück Baguette und einem halben Croissant und ein paar ruhigen Worten im Ferienhaus ging es bei Pippi wieder. Bei Herrn Rabe eher nicht so, der war noch sehr sauer und fand das auch falsch, aber ich hatte den Eindruck, dass Pippi vor allem ein *exklusives* Shoppingerlebnis möchte, mit 1:1-Zeit mit einem Erwachsenen (zum Bezahlen und Klamotten tragen). Also fuhren wir noch mal los. Wir sprachen auch im Auto darüber, was da vorher falsch gelaufen war. Aber es war dann wirklich sehr nett mit Pippi und sie hat sich auch an die vorher gesetzten Regeln gehalten (nur so und so viele Teile und maximal so und so viele Euro). Sie hat auch Sachen wieder weg gehängt, um andere Sachen kaufen zu können, und hoffentlich dabei was über Priorisierung gelernt.

Am Ende hatte ich ein sehr zufriedenes Kind, mit Teilen aus drei Läden (weil sie sich das so überlegt hatte, dass das Geld möglichst breit verteilt werden muss), das im Auto auf der viertelstündigen Rückfahrt einschlief. Die Teile sind alle nicht mein Geschmack, sondern ihrer. Ich habe zum ersten Mal einen Primark betreten. Wir sind nicht in den Sephora reingegangen. Und auch nicht in diverse Modeschmuckläden. Wir hatten zu zweit eine schöne Zeit. Und bei Herrn Rabe entschuldigt hat sie sich auch.

Die kreative Auslegung von „Set bestehend aus Hose und separat verkauftem Pulli“ als „1 Teil“ war so überzeugend, dass ich ein Auge zugedrückt habe.

Hier noch das kuriose Bild des Tages: ein Laundromat direkt auf dem Parkplatz des Shopping-Centers. Shop and wash, oder so.

Tag 3634 und 3635 – Endspurt.

So, Urlaub. Morgen noch fünf Minuten arbeiten, weil eine Firma heute erst um halb acht abends was (fristgerecht) eingereicht hat und ich da schon am Grillen war. Aber dann ist es auch echt gut. Bis Mitte August. Hurra.

Gestern war ansonsten das ereignisreichste, dass die Züge zurück von der Arbeit nicht fuhren und Herr Rabe und ich ein bisschen in Oslo festsaßen, wo wir gezwungenermaßen Eis essen mussten. (Die Eisdiele erfordert bessere Planung. Merken für‘s nächste Mal. Es war voll und Leute standen vor dem Tresen und gingen davor auch immer wieder auf und ab und dann sollte ich bestellen, bevor ich überhaupt den ganzen Tresen gesehen hatte. Ahaha. Nein. Totale Überforderung. Und dann bin ich leider angehalten und es geht bei mir alles noch langsamer.)

Heute hatte Pippi einen Abenteuertag. Erst war sie mit Herr Rabe bei der Arbeit und hat jetzt eine neue Freundin, nämlich die Tochter der Chefin von Herrn Rabe, die auch mit zur Arbeit geschleift wurde. Abends waren wir Grillen mit Herr Rabes Band und die anderen beiden haben nur Söhne, also dümpelte Pippi mit vier Jungs zwischen 8 und 13 Jahren herum und machte sehr viel Quatsch. Irgendwann wollten sie zur neuen Schule (die ist da 100 Meter entfernt), was sie auch durften, da kletterte Pippi auf einen Baum und kam nicht mehr herunter, weil sie oben der Mut verließ. Mit gutem Zureden von Herr Rabe, den einer der Jungs geholt hatte, ging es dann. Zurück auf dem Hof brachten die Kinder Wasserbomben zum Platzen, weshalb wir ein triefnasses und dreckiges Kind mit nach Hause nahmen. Selbiges ging dann duschen und schlief danach wie ein Stein zufrieden ein.

Das andere Kind hat derweil heute ganze drei mal nach Bildschirmzeit gefragt (und drei mal 15 Minuten bekommen), scheint also eine gute Zeit zu haben.

Tag 3623 – Unterbrechung.

Heute haben wir ausgeschlafen. Also ich zumindest. Herr Rabe musste ein bisschen arbeiten. Aber Pippi hat beim Mini Dance Camp übernachtet und deshalb musste niemand heute früh raus um sie zu wecken und aus dem Haus zu bekommen. Hurra!

Nachmittags waren wir alle bei der Vorstellung, die es beim Mini Dance Camp immer als Abschluss der Woche gibt. Das war sehr schön, es ist wirklich beeindruckend, was die innerhalb einer Woche so auf die Beine gestellt bekommen. Unsere erwachsenen Beine und Rücken fanden auch gut, mal nicht den halben Tag auf dem Festivalgelände zu stehen. Aber, apropos Rücken: das ging erstaunlich gut, wie vermutet half Bewegung und inzwischen tut es kaum noch weh. Mittwoch war ich noch recht unelegant, wenn ich mich mal auf den Boden setzen wollte. Aber jetzt tun mir die Füße und Knie viel mehr weh geht es wieder alles fast normal. Zurück zu Pippi: das war eine schöne Vorstellung und es ist wirklich schön, dass sie so einen Spaß am Tanzen und am Zusammensein mit den anderen Kindern hat.

Wir waren dann dementsprechend heute erst spät auf dem Festival. Wir haben sicher auch einiges verpasst heute, aber was soll’s, wie gesagt, wir sind auch nicht mehr 20. Da niemand von uns großes Interesse an ultra darkem Gehämmer-Metal hatte, ließ ich mir kurzerhand die Ohren ausspritzen.

Es gab nämlich da einen Hörgeräteakustiker, der ein Angebot hatte. Ich kriege dann, wenn wir aus dem Urlaub wieder da sind, „richtigen“ Gehörschutz, angepasst auf meine (scheinbar sehr kleinen und sehr gewundenen) Gehörgänge. Und auch gleich welchen zum Schlafen, dann bin ich da weg von sicher nicht so umweltfreundlichen Silikon-Wegwerfprodukten.

Als heute tatsächlich einzige Band schauten wir uns Kaizer‘s Orchestra an, eine Band, die im Vorfeld für Aufregung gesorgt hatte, weil die ganzen Metalheads EMPÖRT waren, dass eine so un-metalige Band Headliner dort sein darf. Ich kannte die nicht (dachte ich. Mir fiel dann ein, dass ich die glaube ich sogar mal live gesehen habe, 2008 in Stockholm.) und es ist halt tatsächlich kein Metal. Es ist aber auch nicht wie irgendwas anderes. Es ist sehr eigen. Insofern war es eine nette Abwechslung und eine Pause vom Gehämmer. Stimmung haben die auch gemacht und die Musik ist durchaus gut, aber halt mit nichts so richtig zu vergleichen. Außer uns waren aber auch Ultrafans da, das macht natürlich die Stimmung auch gut. Insgesamt mein Eindruck: kann man durchaus mal anhören, aber ich glaube, die Band hasst oder liebt man, mit nichts dazwischen.

Jetzt Bett. Die müden Beine ausruhen.

Tag 3562 – Tanzshow und Rest vom Wochenende.

Heute hatte Pippi ihre Tanzaufführung und meine Güte, ist die groß geworden. Ich habe leider davon kein vernünftiges Foto machen können, weil die Zappelmaus ständig herumhampelt, aber mit so einem strengen Ballett-Dutt und einem Trägertopp mit Strickjäckchen drüber sieht sie einfach aus, wie ein richtiges Ballettmädchen. Da ich ihr außerdem meinen langen Hals vererbt habe und sie alterstypisch eigentlich nur aus Armen und Beinen besteht, nochmal extra doll. Natürlich hat sie auch am allerbesten von allen getanzt, da bin ich selbstverständlich ganz neutral und objektiv.

Was sie tatsächlich ist, ist die größte in ihrer Gruppe. Aber es steht ja auch an, dass sie die Gruppe wechselt, weil sie nach dem Sommer ja schon in die 5. Klasse geht. Meine Güte, wo ist die Zeit geblieben, die war doch neulich noch so (hier Andeutung von irgendwas in Oberschenkelhöhe vorstellen).

Ich sehe schon kommen, dass wir zum nächsten Semester schon wieder neue Ballettsachen kaufen müssen, weil sie da einfach rauswächst.

Auch der Rest der Show war sehr gut. Die haben da schon wirklich gute Tänzerinnen in der Ballettschule. Und eine nicht mal volle Hand Jungs, alle im HipHop und alle noch unter 12. Eine Schande.

Danach machten wir, also Herr Rabe und ich, Wochenenddinge, wie Sport, Bandprobe und Wechseln des Aquarienwassers. Wie immer halt.

Eine weitere wirklich gute Nachricht: der Frühling ist da. Besorgniserregend früh und viel zu trocken, Klimakrise sei dank, aber dass man ohne Winterjacke raus kann und alles wieder grün wird und die Vögel singen kann mich ja trotzdem freuen. Die dicken Hummeln sind auch wieder unterwegs (und sterben unter Linden, das macht mich traurig, warum sind Hummeln so dumm?). Ehrlich gesagt freue ich mich zu dieser Zeit über jedes Zeichen von Leben, selbst über die dicken Spinnen, die sich jetzt wieder auf den Terrassenplanken sonnen. (Solange die draußen bleiben, können die auch unter der Terrasse wohnen, da bin ich ja großzügig. Ich hätte nur gerne so nen Spinnen-Bannkreis etwa auf der Schwelle der Terrassentür.) Gartentechnisch bin ich gespannt, ob ich dieses Jahr die Weide zu starb beschnitten habe, auch wenn Herr Rabe sagt, das sei quasi nicht möglich.