Tag 2925 und 2926 – Dänemark Tag 10 und 11.

Gestern waren wir zwar etwas vernünftiger, aber nicht viel. Kurz nach Mitternacht waren wir Erwachsenen im Bett nach einer Runde (Achtung!) SkipBo. Wir mussten Bildungslücken auffüllen, ALLEIN DESHALB!

Gestern war ansonsten ein so lala-er Tag, jedenfalls für mich und sämtliche Kinder, denn Herr Igelbert und ich zwangen die Horde, mit uns an den Strand zu gehen. Klingt jetzt erstmal wie eine dieser „haha – gezwungen – zwinker“- Geschichten und das war ursprünglich auch unsere Intention. Leider war es aber dermaßen windig, dass es am Strand wirklich kaum aushaltbar war. Schon die Düne zu überqueren war gelinde gesagt schwierig, weil man wie aus einem Laubbläser mit tonnenweise Sand beschossen wurde. Wir waren echt nicht lange da, bevor wir aufgaben, und haben danach auch alle sehr gründlich geduscht, aber ich finde heute auch noch Sand in meinen Ohren und allen möglichen unaussprechbaren Körperstellen. Michel (dem es wieder besser geht, der aber noch ein bisschen hustet, wogegen Seelft ja bekanntlich helfen soll – SOFERN MAN DAMIT NICHT KILOWRISE SAND EINATMET) hatte halbwegs Spaß und sammelte einen Hut voller schwarzer Steine.

Heute war da schon viel besser, denn wir zwangen die Horde, zum Leuchtturm zu gehen. Der ist ein beliebter Ausflugsort in 20 Erwachsenenlaufminuten Entfernung und man kann auch ganz oben rauf, wenn die Oberschenkel mitmachen. Dieses Mal war es auch wirklich so, dass wir zwar 50% der Kinder sehr aktiv dort hin labern mussten, sie da aber dann kaum noch weg zu bekommen waren.

Blick gen Westen vom westlichsten Punkt Mainland-Dänemarks aus gesehen.

Auf dem Rückweg kamen wir an einem „Waffelhaus“ vorbei, von dem ich fälschlicherweise annahm, dass es da Waffeln (also diese 5-6-Herzchen-Gebäckdinger, die zwischen zwei heißen Eisen zubereitet werden) gäbe. Nein, Eiswaffeln waren gemeint. Hoppla. Wir aßen dann, weil bei allen der Magen in den Kniekehlen hing, total konsequent statt Waffeln Pommes, Burger und Hotdogs. War auch gut.

Auf dem Rückweg nahmen einige von uns die Strandroute (ich glaube, wir haben gestern einen Teil der Kinder mit Strand traumatisiert) und das war ganz wunderbar. Mit Herrn Rabe und Michel hingen wir versehentlich Frau Wunnibar und K2 ab, platschten barfuß in der Nachmittagssonne durch die ganz leichte und seichte Brandung, Michel warnte uns vor jeder einzelnen Miniqualle und rannte ansonsten immer mal wieder 50 Meter vor und wieder zurück und powerte sich aus und alle hatten es gut mit, im Gegensatz zu gestern, echt zahmem Wind. Hach! Meer at it’s best.

Nach einem späten Abendessen bekamen wir noch das Highlight des Tages – Show! Pippi tanzte, Wunnibars K1 spielte Geige, Pippi und K1 sangen (mit Unterstützung von Herrn Igelbert) und K2 machte einen improvisierten Ausdruckstanz. Das war so niedlich, alles daran, inklusive der gebastelten Eintrittskarten, Platzkarten, dem Schlange stehen und dem von K1 gewünschten leisen Applaus, dass es wirklich herzplatzmäßig war. Hachzi hachzi hachz! (Leider keine Fotos, da vor lauter Süßigkeit vergessen zu machen.)

Tag 2897 – Grüße aus Istanbul.

Die Reise nach Korea hat begonnen. Dazu passend:

Mein Weiterflug nach Seoul ist leider ein bisschen verspätet. Davon abgesehen war die Reise bisher allerdings überaus geschmeidig, die größte Katastrophe war, dass ich mir noch in der Lounge in Oslo an meinem Gepäckzettel fies in den Finger geschnitten habe. Eine Mitarbeiterin hat mir dann aber sehr schnell ein Pflaster besorgt.

Ich kann ehrlich gesagt immer noch nicht so ganz fassen, dass ich hier ganz alleine um die Welt fliege, das ist doch ein Fehler, wer hat denn da nicht aufgepasst, ich kann doch sowas gar nicht! Das ist nur für Erwachsene!

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Pippi ist sehr happy bei ihrem Tanz-Ferienspiel-Gedön. Ich konnte sie heute noch mit abholen, bevor mich Herr Rabe und sie am Bahnhof abgesetzt haben. Das war sehr schön, da konnte ich mich versichern, dass sie es da ausgesprochen gut hat. Hach.

So. Als nächstes melde ich mich von einem anderen Kontinent und in einer komplett anderen Zeitzone.

Tag 2893 – Dies und das.

War heute das vermutlich letzte mal vor meinem Urlaub im Büro. Seltsam. Habe die Lieblingskollegin gezwungen, mit mir Eis zu essen. Das war schön. (Drehe ansonsten weiter am Rad wegen Korea, aber was soll man machen, es wird ja so oder so passieren und dann irgendwie laufen.)

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Michel ging es heute schon viel besser, er hatte sich ja gestern auch sehr gründlich entladen. Auch das sehr ähnlich wie bei mir.

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Pippi hat am Samstag noch einen Tanzauftritt. Heute war Generalprobe dafür und – die sind ja schon sehr niedlich, diese Kleinen. Der Trainerin gebührt allerdings aller Respekt der Welt, so eine Horde kleiner Mädchen im Blick haben, ist echt nicht ohne und wäre absolut nichts für mich. Pippi freut sich sehr auf die Aufführung und hat mir vor und nach der Probe diverse Knöpfe an die Backe gelabert und dazwischen gesungen.

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Herr Rabe fährt (naja, fliegt) morgen mit seiner Arbeit auf die Färöer-Inseln. Der freut sich darauf auch. Außerdem hat er gestern den zweiten Platz beim Mario Cart-Tournier gewonnen, während ich bei der Arbeit so Sachen bespreche wie „Anträge richtig ablehnen“ und „Was ist eine sinnvolle Bußgeldhöhe“. Mir scheint, einer von uns hat den lustigeren Job.

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Es ist so warm. Ich meckere nicht darüber, aber ich meckere darüber, dass es auch so furchtbar trocken ist und ein paar Pflanzen und der Rasen schon leichte Ermüdungserscheinungen zeigen. Klimawandel, so schön.

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Der Geigenlehrer hat mir ein neues Stück gegeben. Jetzt übe ich das Presto aus der 1. Violinsonate von Bach, das ist gleichzeitig überraschend leicht (man bricht sich dabei gar nicht die Finger, faszinierend) und erwartet schwer (2 Seiten in gleichmäßigen, schnellen Sechzehnteln rauf und runter dudeln und es wie Musik klingen lassen ist nichts für Feiglinge). Es geht einfach immer noch ein bisschen weiter, noch mal 8 Takte, nochmal 4, und nochmal acht und dann, etwas überraschend in dem ganzen Fluss, zwei Schlussakkorde. Ta-Taaaa!

Tag 2848 – Gefühle.

Heute war Pippis Vorstellung, das heißt, ich konnte heute auch die ganze Vorstellung mal sehen. Bonus: die richtig guten Gruppen Tanzen auf jeder Vorstellung. Nun ist es ja so, dass ich normalerweise nicht die emotionalste Person der Welt bin, eigentlich kann ich hauptsächlich Wut offen zeigen und bin sonst recht reserviert*. Aber Musik macht schon was mit mir und Tanz macht noch viel mehr mit mir. Und so fand ich mich in einem gnädiger Weise dunklen Saal und die Tränen liefen wegen süßen Kindern (darunter Pippi) und extrem guten Modern-Gruppen, und sogar wegen extrem guten HipHop-Gruppen. Ich meine, HipHop. Aber die waren auch alle so gut und ich war auch mal gut (nicht so!) aber jetzt bin ich 38 und kriege schon Schmerzen überall bei der Vorstellung, mich so schnell zu bewegen oder mich elegant und ausdrucksstark über den Boden zu wälzen. Ich könnte natürlich jetzt Dance Mom werden und Pippi muss dann all meine unerfüllten Träume stellvertretend für mich ausleben, aber dafür bin ich mir 1. viel zu bewusst, wie bescheuert das wäre und 2. ist Pippi dafür das falsche Kind, wenn man auf die Druck ausübt, passiert nämlich meist das Gegenteil von dem, was man möchte.

Drei der Kinder und Jugendlichen sind mir sehr aufgefallen, da war der eine Junge, der unglaublich viel Spaß hatte und mitsang (das macht Pippi auch, und ich mache das auch, aber nicht bei Shows), das große Mädchen das unfassbar gut HipHop tanzt und passabel alles andere, aber wirklich überragend eben HipHop (alle Styles) und das eine blonde Mädchen mit den langen Haaren (ok, das trifft auf ca. 80% der Tänzerinnen hier zu…), das aus der Jane-Fonda-Gedächtnisgruppe (I‘m so exited) herausstach, weil sie nicht nur wie der Rest der Gruppe die komplette 3-Minuten-Killer-Choreografie technisch sauber und voller Energie ausführte, sondern, Achtung, auch noch nen schönen Kopf/Hals dabei hatte. Ich hatte mal eine Ballettlehrerin, die sagte, man spricht beim Tanzen mit dem Brustbein, den Schultern und dem Kopf, und bei diesem Mädchen war das sehr gut zu sehen, auch was das für die Linien ausmacht. Ich hoffe, die werden alle entsprechend gefördert. So. Das war mein Senf als Hilfs-Dance-Mom.

Einziger Minuspunkt: es war zu laut. Und viel zu viele Menschen – die zum Teil auch noch mit mir reden wollten. In Summe waren das dann wohl in den letzten Tagen leider ein bisschen viele Dinge außerhalb meiner halt doch ziemlich begrenzten Komfortzone und als wir wieder zu Hause waren, war mein Akku so leer, dass ich mich erst mal ins Bett legte – besser jedenfalls als direkt wieder loszuheulen, diesmal aus Erschöpfung. Trotz 8 Stunden Schlaf letzte Nacht schlief ich noch mal fast zwei Stunden. Dann ging’s wieder.

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* kalt, sagen einige. Sieht aber nur so aus, ehrlich.

Tag 2824 – Sonnenschein.

Laune war heute etwas besser. Dafür verantwortlich waren sicherlich einerseits das Wetter (strahlender Sonnenschein, 12 Grad, nicht mal am Meer nennenswert Wind) und andererseits Pippi, die, da der große Bruder mit Papa und Onkel im Kino war, mit dem Rest von uns rumhängen musste.

Wir waren in einem Buch- und Bastelkramsladen, wo wir aber nichts gefunden haben außer Squishy-Toys, jetzt haben Pippi und ich je einen. Es sind welche von der Art, wie sie das BUP hat, die finde ich toll. Pippi auch. Ist auch mit Glitzer. Ich kann es schlecht beschreiben, es sind diese Gelbälle, bei denen man Teile durch ein Netz drückt und dann entstehen große und kleine „Blasen“, die man auch wieder rein drücken oder einfach zurück flupschen lassen kann.

Dann waren wir Kaffee trinken, Pippi hat sich da ein riesiges Croissant mit Käse und Tomaten ausgesucht, aus Erfahrung ging ich davon aus, dass ich mindestens die Hälfte davon essen würde, aber Pippi hat sich das ganze Ding reingezogen. Ich glaube, da wächst bald eine schon wieder. Dann hat sie auf dem Kunstrasen neben dem Café eine Schrillion Räder geschlagen, sehr zur Begeisterung aller anwesenden Ü-60-Menschen. Es war aber auch zuckersüß, wie sie übte und übte, bis sie vier Räder hintereinander schlagen konnte, und sich zwischendurch immer mal wieder theatralisch auf den Rücken plumpsen ließ, aber sofort wieder lachend aufsprang, um von vorne anzufangen. Hachz!

Dann waren wir im Asda und haben Badezusätze für zu Hause und Strumpfhosen für Pippi gekauft. Die kleine Rübennase mit der Rabenkinderüblichen Strichmännchenfigur braucht Strumpfhosengröße 9-10 Jahre, sonst hängt ihr der Schritt irgendwo auf Halbmast am Oberschenkel. Es musste dann auch noch ein Kleid mit Schmetterlingen und ein Haar-… Dings mit, ein buntes 90er-Haarband, das um den Kopf gewickelt und an der Stirn geknotet wird. Wie ein Stirnband, aber es geht im Nacken lang und unter den Haaren her, nicht zwingend über die Ohren… Ähh, keine Ahnung wie das heißt.

Auf dem Rückweg ließ die Schwägerin uns zwei dann am Strand raus, wo Pippi wieder mal „nur mit den Füßen“ ins Wasser ging, weshalb sie sich danach umziehen musste. Natürlich in das neue Kleid, die neue Strumpfhose und das Stirnband. Dazu hatte sie noch ein bisschen rosa Lippenpflege aufgetragen und SEIT WANN IST DENN DIESES KIND SO GROẞ??? Die war neulich noch so! (Sehr klein halt.) Ich bin schockiert.

Danach waren wir mit der gesamten Familie lecker essen, in einem türkischen Restaurant. Pippi war kurz vorm Verhungern (ich sag doch, die wächst bald) und schob sich schon mal jede Menge Fladenbrot als Vorspeise rein. Michel aß Sucuk und Pommes und hat mit Sucuk jetzt sein Speisenrepertoire erweitert. Hurra. Obwohl, nein, weil die kriegen wir zu Hause ja nur in der Großstadt, ohje. Als sich das Restaurant mit lauteren Gästen füllte, wurde Pippi (nur Korrelation, keine Kausalität) sehr müde und kuschelig und musste sehr dringend auf meinem Schoß sein (eigentlich ist sie ja doch noch nicht so groß), was mir ganz recht war, da konnte ich den Trubel und Geräuschpegel besser ausblenden.

Als Tagesabschluss brachte ich sie noch ins Bett, wo sie erst ein Giggelmäuschen sondergleichen war, aber nach ein bisschen Erzählen dann doch wie üblich einfach umkippte und schlagartig einschlief. Schnarchend. Hach.

Tag 2790 – Knete.

Pippi hat heute Übernachtungsbesuch. Ihre Freundin M., mit der sie auch schon zusammen im Kindergarten war und jetzt in einer Klasse ist (meine erste Begegnung mit M. war, dass ein anderes Kind bei der Eingewöhnung von Pippi krähte „M. HAT IN DIE SPIELKÜCHE GEPULLERT!“ und mit Spielküche tatsächlich das Möbelstück meinte, aber das ist ein anderes Thema) ist heute schon seit mittags hier gewesen und wir waren unter anderem mit den beiden und dem Nachbarsmädchen N. Schlittschuhlaufen. Dieses Mal in strahlendem Sonnenschein statt im dichten Nebel, was wirklich sehr schön war. Ich hoffe, dass sich das Eis noch ein bisschen hält, für die Kinder ist das echt super und manche Erwachsene (also… wir) fahren ja auch sehr gern ein bisschen im Kreis herum. Aber ich schweife schon wieder ab. Auf der Rückfahrt unterhielten sich die Mädchen darüber wie lange sie sich schon kennen (naja, das halbe Leben ist schon auch nicht wenig) und was sie alles schon miteinander erlebt haben. Und so durften wir folgendes Gespräch belauschen:

„Weißt du noch, wie I. [Sohn der Nähmutter, Anm. d. Red.] im Kindergarten einen Wettkampf hatte, wer am meisten Knete essen kann?“ „Ja, hehe, du hast voll viel Knete gegessen.“ „Ja, ich hab gewonnen!“

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Related dazu wissen wir jetzt auch, dass Pippi nicht gern mit Knete spielt, weil sie das an den Händen eklig findet. Interessant. Und nein, Pippi war nicht das Kind, das den Kneteesswettbewerb gewonnen hat.

Tag 2776 – Sie werden so schnell groß.

Als erstes eine kleine Fortsetzung von gestern: vermutlich war der Grund meiner Bauchschmerzen und Magenverstimmung schimmeliges Brot, an dem ich den Schimmel erst heute gesehen hab.

Heute waren so halbwegs normale Wochenenddinge auf dem Plan. Michel sind schon wieder seine Winterschuhe zu klein geworden. Pippis Winterschuhe passen zwar (grad noch so), sind aber so fertig, dass sie ständig durchweichen, was auch kein Zustand ist. Pippi kann aber bis zum Ende des Winters ein Paar von Michel auftragen, das wir aufgehoben haben. Da mussten nur neue Einlegesohlen rein. Außerdem hat Pippi ab übernächster Woche Schwimmunterricht in der Schule und brauchte dafür eine Badekappe. Wir fuhren also nach Jessheim, um Schuhe, Einlegesohlen und eine Badekappe zu kaufen. Aus Gründen kauften wir ein Mikrofon samt Ständer, Schuhe, Einlegesohlen, eine Badekappe und einen Badeanzug.

Teile der Gründe sind: die Kinder wachsen wie Unkraut. Michels Füße wachsen vor allem nach vorn (der kriegt sehr lange Zehen, sehr seltsam, das hat von uns eigentlich niemand) und er hat jetzt Größe 37 erreicht. Bald müssen wir Erwachsenenschuhe für ihn kaufen, mir graut jetzt schon davor, weil die ja tendenziell noch weniger haltbar sind, als Kinderschuhe (bei denen man wenigstens davon ausgeht, dass die Kinder damit auch mal durch den Dreck robben und durch Pfützen latschen). Pippi hat jetzt einen anständigen Schwimm-Badeanzug und sieht erschreckend groß darin aus. Beide Kinder haben ja den Körperbau von Strichmännchen, mit absurd langen Beinen (auch das muss irgendwie Generationen übersprungen haben oder verwächst sich noch) und Badekleidung verstärkt diesen Eindruck noch mal ungemein.

Pippi liest jetzt auch immer mehr, sie tat sich damit anfangs ein bisschen schwer, aber jetzt wird alles immer laut* vorgelesen, auch das „Bitte hängen Sie anprobierte Waren zurück“-Schild in der Umkleidekabine. Und auch die verfügbaren WiFis und HotSpots auf dem Telefon, und deshalb heißt Herr Rabes Telefon jetzt „I P Hone“. Manchmal ist sie echt zum Knutschen niedlich.

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*generell ist Pippi ja ein Kind, bei dem man sich eigentlich nie fragen muss, wo es ist, weil sie einfach immer Geräusche produziert. Meistens in Form von Reden oder Singen.

Tag 2746 – Schultern senken.

So, die erste Inspektionswoche 2023 ist überstanden. Kann ja mal passieren, dass dann im Footer der Observationsliste noch 2022 steht.

Ich mag meinen Job immer noch.

Heute waren wir um zwanzig nach vier fertig, deshalb war ich um kurz nach halb sechs zu Hause (das wäre auch früher gegangen, aber Cardos war wieder von innen die Scheibe zugefroren und ich musste erst warten, bis die aufgetaut war). Dadurch konnte ich zum ersten Mal diese Woche Essen machen und sogar zwei Kinder ins Bett verfrachten und Herr Rabe konnte dadurch zu einer Musiksession gehen. Voll gut. Ich glaube, Michel fand auch schön, sehr ausgiebig mit mir zu kuscheln, ich fand das jedenfalls schön und bin nur irgendwann wieder aus seinem Bett aufgestanden, weil ich gerne noch ne Runde Bewegung einschieben wollte. Man sitzt ja doch viel auf dem Hintern bei Inspektionen. So langsam tat mir diverses weh, lustiger Weise unter anderem die Füße, aber die steckten ja auch stundenlang in Winterschuhen und konnten sich nicht bewegen, das sind die ja auch nicht mehr gewohnt. Aber eine Runde YouTube-Ballett und schon tut mir alles anders weh als vorher und die Füße sogar gar nicht mehr, toll!

Die Woche war tatsächlich so alles in allem gut. Freue mich trotzdem auf ein Wochenende ohne viel Kommunikation.

Tag 2736 – Pippis Lebensweisheiten.

Wir hatten hier ja vor Weihnachten einen heftigen Disput, weil das eine Kind dem anderen Kind gespoilert hat, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Und zwar nicht so rum, wie Sie jetzt vielleicht denken. Pippi hat anhand dieser Geschichte gelernt, dass man lieber keinem sagt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Aber natürlich muss trotzdem sichergestellt sein, dass auch die Weihnachtsmanngläubigen rechtzeitig auf den brutalen Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, Pippi hat sich da also folgendes überlegt:

Wenn die Kinder ausziehen, müssen die Eltern mit ihnen quasi The Talk haben. Da sagen die Eltern dann, hör zu, liebes Kind, es gibt da etwas, das wir dir sagen müssen. Es gibt den Weihnachtsmann gar nicht. Das waren immer wir, mit den Geschenken. Aber wenn du selbst mal Kinder hast, ist es ganz wichtig, dass du ihnen sagst, die Geschenke kommen vom Weihnachtsmann. Das Kind weiß das ja sonst gar nicht.

So, Sie wissen jetzt Bescheid. Bitte informieren Sie ihre erwachsenen Kinder (wenn sie welche haben), dass gar nicht der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, sie selbiges aber bitte ihren Kindern auch wieder weis machen sollen. Wir freuen uns derweil die nächsten 11-12 Jahre vor, weil wir GARANTIERT und mit Schulabgängerin-Spätteenie-Pippi hinsetzen werden, ganz ernst, und ihr sagen werden, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Wir wollen ja unsere elterlichen Pflichten erfüllen. Mit Verweis auf den 10. Januar 2023.

Tag 2704 – Mehr Lazarett.

Uff ey, zwei kranke Männer (männliche Männer, vor allem die U1,50m-Fraktion) sind echt grenzwertig vom Ertrage-Faktor her.

Pippi hat das Konzert durchgezogen, ist aber auf dem Rückweg eingeschlafen. Was nicht schlimm war, weil ich so guten Gewissens mit ihr vom einem Ende der (langgezogenen) Kommune zum anderen fahren konnte, um ein Paket abzuholen. Das war nämlich aus irgendeinem unerfindlichen Grund zum Paketshop am südlichsten Zipfel der Kommune geliefert worden, und weil die aus ebenfalls unerfindlichen Gründen eine falsche Telefonnummer von mir haben, hätte ich es da auch fast verpasst abzuholen. Ich habe mich nur gewundert, wo das Paket bleibt, deshalb habe ich nachgeforscht und siehe da – da ist das Paket in effing Dal. Aber wenn man eh schon mit schlafendem Kind im Auto sitzt, kann man da ja mal hin fahren. Es war übrigens ein denkbar spannender Gegenstand, den ich da bestellt hatte – ein neuer Aufsatz für den Pürierstab. Kostet quasi das gleiche wie ein neuer Pürierstab, aber es ist ja nur das Messer stumpf und schartig, nicht das ganze Gerät schrottreif. Den Nachkauf von Verschleißteilen könnte man trotzdem günstiger gestalten, liebe Firma Bosch.

Das Adventskonzert war gar nicht schlecht. Entweder sind meine Ohren inzwischen abgestumpft, oder der Schulkorps, vor allem der Hauptkorps, haben richtig viel geübt. Einzig die Tuba muss noch dran arbeiten, nicht als erste fertig sein zu wollen. Aber es war wirklich ein massiver, qualitativer Unterschied zu vor zwei Jahren. Pippi hat auch sehr schön getrommelt und dann den Rest des Konzerts singend auf meinem Schoß gesessen. Bei Weihnachtsliedern ist sie sehr textsicher (ok, sie ist immer textsicher und singt nach ein Mal hören jedes Lied mit, im Zweifel halt in Phantasie-Englisch). Und sehr niedlich.

Vor dem Konzert bin ich übrigens eingeknickt und habe der kleinen Rübennase Glitzerschuhe mit einem Mini Absatz gekauft. Glitzer!!! Das sind die schönsten Schuhe der Welt, wenn man Pippi fragt, und der Absatz ist magisch: 2 cm Absatz machen Pippi 10 cm größer! Stellen Sie sich ein immens stolzes kleines Mädchen vor, in Glitzerschuhen und Anzughose, trommelnd. Manchmal könnte ich sie auffressen, weil sie so niedlich ist.