Tag 927 – Krisen schaffen Nähe.

So las ich es heute als Erklärung weshalb bei Instagram-Bildern, wunderhübschen Selfies mit sauber arrangiertem, stylischen #hygge-Hintergrund, ab und zu mal drunter steht, welch schlimme #Lebenskrise und #Schicksalsschläge die Person gerade durchmacht. Wort-Bild-Schere vom Feinsten. Nun. Lassen Sie es mich so formulieren: sollen die machen. Meine Krisen sind ein klitzekleines bisschen schlimmer als #ChiaPuddingIstAlle, und ich empfinde das gar nicht mal als Lebenskrise. Halt ein lokales Stimmungs-Minimum. Ich käme nicht auf die Idee, in so einem Loch ein Selfie von mir zu machen, darauf wäre wenn überhaupt auch keine schicke weiße Couch mit grau-lavendelfarbenen Kissen und farblich passenden Kerzen zu sehen, ich mittendrin, die bewollsockten Füße grazil unter den Longpulli gezogen, melancholisch aus dem Fenster sehend, während ich mir die Finger an einem warmen Kakao in einer übergroßen Tasse mit Kalenderspruch drauf wärme. Bei mir sieht das eher so aus: ich liege im Bett und, falls ich geschminkt bin (wenn es mir nicht gut geht, schminke ich mich oft nicht), ist die Schminke verlaufen (nicht die Wimperntusche, die hält auch ein paar astreine Heulkrämpfe aus). Mein Gesicht ist komplett verquollen und wird das auch zwei Tage so bleiben, vor allem um die Augen rum. Meine Nase ist knallrot. Ich habe die Decke bis zur Nase hochgezogen und starre ins Leere, die Haare stehen in alle Richtungen ab und ab und zu läuft mir eine neue Träne die Wange runter. Spricht man mich an, sage ich nichts oder es bricht alles aus mir raus, unter hässlichem, schnoddrigen Geschluchze.

Insofern: Glückwunsch. Sie sind mir alle voll nah. Oder zählt das nicht, wenn es kein Foto gibt? Verwirrend.

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Auto-Lobhudelei: Ich bin auch heute irgendwann wieder aus dem Bett aufgestanden. Das war eine fast übermenschliche Leistung.