Tag 2275 – Koko Frau macht koko jobb.

Hmmja, wird Zeit, dass die Familie zurück kommt und mich davon abhält, 24/7 zu arbeiten.

Andererseits ist es auch ganz schön, wenn Michel anruft und ins Telefon brüllt „MAMA! HIER IST EIN MINK!!!“. Nehme an, der Marder ist taub, sonst wäre er vermutlich nicht einfach sitzen geblieben bei dem Lärm.

Morgen arbeite ich noch vormittags ein wenig und den Rest des Arbeitstages feiere ich ab. Freitag arbeite ich vermutlich so 2-3 Stunden und selbst das nur unter Protest. Heute hat zum Abschluss des Arbeitstages mein Outlook gestreikt, weshalb ich um [Zeit zu der man nicht arbeiten sollte] noch den (grünen) Kollegen angerufen habe, um ihn zu bitten, zu einem Meeting einzuladen. Der Kollege arbeitet auch öfter mal spät abends, wir wollen aus Gründen eine Partei zusammen gründen, die die Interessen von Spätschläfer*Innen* vertritt, und ich wusste, dass er heute noch lange arbeiten würde, aber wir haben da im Werk schon flächendeckend einen am Apfel, ja.

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*erstes Ziel: den norwegischen Begriff „B-Mensch“ ( als Gegensatz zu A-Mensch = Frühaufsteher*In) wegen abwertender Sprache abschaffen. Danach die Weltherrschaft, Abschaffung von Kernarbeitszeit für alle, Gruppenaktivitäten auch ab 22 Uhr noch und Schulbeginn gestaffelt und angepasst an individuelle Bedürfnisse von Lehrpersonen und Kindern. Wir sind empfänglich für Lobbyarbeit in Richtung Abschaffung der Uhrzeitumstellungsblödsinns. Wählt uns, wir sind super für alle, sogar für Frühaufsteher*Innen.

Tag 2274 – Außer Arbeit wenig gewesen.

Ich lebe das happy life des alleinseins. Dieser Tage beinhaltet das leider sehr viel Arbeit, das Problem bei solchen Inspektionen wie der letzte Woche ist (wenn man sie leitet) ein Haufen Nachbereitungsarbeit. Ein absurd großer Haufen. Das ist auch Zeug, das ich nicht herumliegen lassen kann, wenn hier Leute sind. Das würde ich nicht mal im Büro auf meinem Tisch liegen lassen, jedenfalls jetzt noch nicht.

Wie gesagt, das wird ein spannender Herbst.

Tag 2270 – Illegal.

Die bisher wirklich am meisten andere Inspektion ist überstanden. Zumindest der on-Site-Teil. Ich habe noch mal ganz andere, ungeahnte Level von Erwachsensein freigeschaltet und aus vollkommen unerwarteten Richtungen Lob bekommen und bin über all dem nicht in Tränen ausgebrochen, yeah. Zwischendurch wollte ich sehr gerne auf den Arm, stattdessen war ich halt Die Inspekteurin(TM). Freundlich, offen, fachlich integer und seriös. Immerhin gehört Verbergen von Gefühlen (zum Beispiel auf den Arm zu wollen) zu meinen Kernkompetenzen.

Wie viele Stunden Arbeit das nun waren, ist mit total ausgelutschtem Hirn nicht mehr so leicht festzustellen, was wohl heißt, dass es viel zu viele waren. Das sagt auch die Zeiterfassung, die mir Mecker-Mails schickt, welche Paragraphen im Arbeitszeitgesetz ich alle überschritten habe. So ca. alle, aber die für die wöchentliche Arbeitszeit kommt erst Montag.

Der Abend war zum runter kommen gedacht, sowie zum Feiern. Ich habe das diese Woche wirklich gut gemacht (wurde mir gesagt und ich versuche mir das auch selbst zu sagen – der Impostor stark in mir ist). Deshalb war ich auf dem Rückweg auch noch schnell im Vinmonopolet und habe streng nach Hübschheit des Etiketts eine Flasche veganen Biosekt gekauft, der tatsächlich sehr lecker ist. Da gehen sie hin, die staatlichen Spesen…

Man muss meinen Job schon sehr mögen, um ihn überhaupt freiwillig zu machen. Gott sei Dank liebe ich ihn nach wie vor.

Nach ausgiebigem Riechen an den Kindern und Herrn Rabe ist jetzt aber WIRKLICH Schlafenszeit. Aus verwaltungsrechtlichen Gründen müsste ich eigentlich am Wochenende noch mehr arbeiten, aber die Vorschrift übertrete ich nun auch, ist auch schon egal.

Tag 2269 – Autschn.

Als Tagesabschluss erst mal vorm Hotel volle Möhre hingelegt. Ist irgendwie auch schon egal, nur etwas peinlich. Die Hotelangestellten kamen rausgestürzt und dachten bestimmt, ich hätte gesoffen, dabei bin ich einfach nur heillos überarbeitet und müde und hab eine Stufe nicht gesehen, weil ich damit beschäftigt war, die heutigen 15 Stunden Arbeit in die Zeiterfassungsapp zu töckeln. Mein Hirn ist totaler Brei und mir graut aus Gründen schon vor den nächsten Wochen und Monaten. Und jetzt hab ich halt auch noch einen aufgeschürften Ellenbogen und eine kaputte Strumpfhose.

Morgen noch, dann kann ich hoffentlich erst mal einfach schlafen. Schlafen wäre super.

Tag 2268 – Spontane Nicht-Aussicht.

Bekam Ja zu meinem Hotelaufenthalt, habe bereits heiß geduscht und liege jetzt im Bett. Morgen klingelt der Wecker um viertel vor sieben, dann muss ich die Augen weit genug aufkriegen, um meine Tablette zu schlucken und dann kann ich noch ein bisschen dösen. Im Vergleich zu heute früh wird das also ein Fest.

Dahinter ist zwar sowas wie ne Aussicht (auf einen nicht betretbaren Innenhof), aber auch eine Spiegelung und naja, das ist dann doch zu privat.

Tag 2266 – So. Müde.

Ich bin noch dabei, von der Arbeit nach Hause zu kriechen. Bei der nächsten Inspektion in Oslo, die abends so ewig lang zu werden droht, frage ich mal vorsichtig an, ob ich nicht in Oslo in ein Hotel kann.

Immerhin muss ich morgen erst eine halbe Stunde später los, weil ich heute viel (und ich meine VIEL) zu früh da war, und das trotz zehnminütiger Verspätung des Zuges. Seltsame neue Ruter-App ist seltsam.

Tag 2242 – Voll.

Herr Rabe bezeichnete mich als „voll“, und meinte damit nicht betrunken, sondern von allem anderen voll. Ich bin wieder zu Hause, habe alle Kinder gedrückt und eines in den Schlaf gekuschelt, habe mit Herrn Rabe geknutscht und dann lief ich ein bisschen über nach der Woche. Emotional übervoll und ausgelutscht, Überdosis Menschen, kalter Entzug von der Familie, lieben Worten und ständigem Körperkontakt, Überdosis Arbeit und das sehr verwirrende Gefühl, das alles sehr gerne genau so zu machen, und trotzdem nach einer Woche [ok, es waren 2 Inspektionen und, weiß nicht, so 70 Arbeitsstunden?] komplett durchgenudelt zu sein.

Es ist wirr und ich muss jetzt sehr dringend schlafen. Am Wochenende möchte ich nur in Notfällen mit Menschen außerhalb meiner Familie reden, das erscheint mir als Sofortmaßnahme ratsam.

Tag 2241 – Piep.

Ja hmm das war nichts mit dem nahezu normal langen Arbeitstag, danken wir alle meiner Excel-Clumsyness und der der Kollegin, was eine Scheiße, aber jetzt wenigstens behoben.

Die Pandemie lässt man in Norwegen weiter durch die Kinder eskalieren, es gibt exakt null Maßnahmen dagegen, wurde heute durch die Pressekonferenz bestätigt. Als Trostpflaster sollen jetzt aber die 12-15-Jährigen eine Impfung angeboten bekommen. Aber nur eine Dosis, weil man weiß ja nicht*, vielleicht sind zwei Dosen ja gefährlich** und eine Dosis reicht ja auch***.

Zum Heulen. Alles einfach nur noch zum Heulen. Nicht mal Fische hab ich gesehen.

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*doch

**nein

***nein

Tag 2238 und 2239 – Im Kaninchenbau.

Eigentlich könnte ich vermutlich die nächsten Tage auch gleich mit drauf schreiben. Es kommt grad vieles zusammen: Inspektion generell (viel Arbeit), erste on-site Inspektion seit fast einem Jahr (aufregend!), sehr viele Menschen auf einmal, sehr enger Kontakt mit Menschen, die ich seit vielen Monaten nur auf Bildschirmen gesehen habe und dass ich all das auch vermisst habe.

Trotzdem schlaucht das natürlich ungemein. Gestern bin ich abends über einer Folge RuPauls Drag Race eingeschlafen und habe dann beschlossen, nicht zu bloggen sondern einfach das Licht auszuschalten.

Anekdoten:

  • Meine Kollegin wurde bereits Mette-Marit genannt. Die Ähnlichkeit ist, äh, frappierend, oder so, so wie bei Äpfeln und Melonen ca.
  • Heute haben wir in schicker Krankenpflegekluft gearbeitet
  • Ich habe zwar alles Metall aus meinen Ohren entfernt bekommen, aber den einen Ring kriege ich nicht mehr rein
  • Eigentlich hätte ich hier nur ein paar Socken mit hinnehmen müssen (merken für‘s nächste Mal)
  • Es gibt hier zwei brauchbare Restaurants, plus das Hotelrestaurant, aber der Koch des Hotelrestaurants ist krank, also fällt das weg. Es gibt also wohl 2 x Pizza und 2 x Sushi.

Ich lieb meinen Job sehr. Er ist bekloppt aber liebenswert.

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Norwegen hat binnen einer Woche Dänemark und Schweden überholt und ist jetzt Pandemie-Erster aber wir haben die Pandemie überhaupt nicht losgelassen, nein nein! Üüüüüberhaupt gar nicht! (Hier hartes Augenzucken vorstellen.)