Tag 3464 – Planänderung.

Die Niederländerinnen riefen heute morgen an. Das konnte nichts gutes bedeuten und tat es auch nicht: sie haben ihren Anschlussflug in Paris verpasst und kommen jetzt erst morgen Abend an. Tja. Ich werde also morgen vom Hotelzimmer aus arbeiten, 5 PQRs lesen und Listen erstellen, was wir alles in den nun nur noch 4 Inspektionstagen ansehen wollen.

Heute habe ich nicht viel gemacht, es dauerte fast einen halben Tag, mich selbst aus dem Hotel zu zerren um endlich was einzukaufen. Aber jetzt habe ich mehr Wasser, als den halben Liter Wasser, den sie einer hier im Hotel am Tag gönnen. Und, viel wichtiger, ich habe Tee und kann jetzt heißes Wasser mit Geschmack trinken, in der einsamen Hoffnung, dass das meinen Husten beruhigt. Ich meine, man muss so fair sein und sagen, dass es das tatsächlich auch tut. Entweder wegen Tee oder wegen der Zufuhr großer Mengen Flüssigkeit. Ist ja egal, was, Hauptsache es wirkt. Der Spaziergang zum Supermarkt war ebenfalls nice. Ich passte eine Pause im Dauerregen ab, aber es war kühl und feucht draußen, ein Traum für meine leicht geschundenen Atemwege. Der Supermarkt überforderte mich, das haben Supermärkte ja eh schon so an sich, aber in fremden Ländern und speziell hier ist es mit 10 potenziert. Irgendwie bekam ich aber alles, was auf meiner Liste stand.

Am Nachmittag arbeitete ich ein bisschen und las dann, während ich auf Uber eats wartete, über North Carolina nach. Ich war recht zufrieden, als sich bestätigte, was ich so halb zu erinnern glaubte: das ist einer der Swing States. Was ich allerdings nicht wusste, ist, dass diesem Staat auch immer wieder „Gerrymandering“ vorgeworfen wurde. Das ist das gezielte Verschieben von Grenzen, um bestimmte Wählergruppen entweder in den Staat reinzuholen oder rauszuschieben. Gerrymandering als Begriff hat sich etabliert, weil das irgendwann damals(TM) mal so seltsame Auswüchse hatte, dass der Staat, den es betraf, aussah, wie eine bestimmte Art Salamander.

Nur wie die Waffengesetze hier sind, weiß ich noch nicht, aber ich hab ja morgen noch den ganzen Tag Zeit.

Tag 3463 – In einer anderen Zeitzone.

Hier ist es erst halb zehn, aber ich bin so froh, im Bett zu liegen. Alles hat geklappt, ich war dann jetzt auch mal anderthalb Stunden in Island, die Erkältung ist eine Erkältung aber mir tut wenigstens nicht mehr alles weh. Aber jetzt will ich echt einfach nur noch schlafen. Im Hotel habe ich zu diesem Zwecke die Klimaanlage, die auf Kühlschrank stand, erst mal komplett aus gemacht. Mal gucken, ob es morgen früh dann super kalt ist. Ich höre, typisch amerikanisches Hotel mit Papierwänden, allerdings die Klimaanlage irgendeines Nachbarn. Trotz Ohrstöpseln.

Egal. Licht aus, gute Nacht!

Tag 3460-3462 – Leicht angeschlagen.

Ich habe eine Erkältung oder sowas, es ist nervig, aber nicht wirklich schlimm. Es ist kein Covid. Fieber habe ich auch nicht. Gestern Abend schmeckte alles fad, aber heute war der Ingwertee schon wieder ordentlich scharf. Am schlimmsten finde ich die Gliederschmerzen (wie gesagt, mein Körper findet seit ein paar Jahren, dass die zwingend dazu gehören, wenn man schon mal irgendwas hat) und dass ich deshalb keinen Sport machen kann. Aber seit Mittwoch nachmittag hänge ich deshalb muffelnd in den Seilen und hasse alles. Packen habe ich heute aber geschafft und dabei festgestellt, dass mir eine Hose inklusive Gürtel abhanden gekommen ist. Wtf. Natürlich ein Gürtel, den ich sehr mag. Die Hose auch, das ist eine von drei identischen Inspektionshosen. Wer zur Hölle verschlürt eine Hose?

Morgen geht es in die USA. Wenn sich mein Körper dann immer noch in sämtlichen Knochen und Gelenken anfühlt, als wäre ich 80, werde ich wohl die ganze Zeit FFP2-Maske tragen und mich und meine Mitmenschen beglückwünschen, dass ich einen Platz mit mehr Platz gebucht habe, sodass ich wenigstens ein bisschen Abstand zu Leuten habe.

Tag 3426 und 3427 – Vorführen.

Ich muss sehr kurz machen, weil ich echt kurz vorm Koma bin. Ich vertiefe das dann morgen alles, in wacher, und vielleicht mit Fotos. Es ist jetzt ja vollbracht, und ich kann wieder andere Dinge tun. So wie bloggen. Und Geige spielen.

Michel hatte gestern Weihnachtsball, eine Tradition an seiner Schule für die Siebtklässler. Das ist ja deren letztes Jahr an dieser Schule und statt Weihnachtsfeier machen sie dann einen Ball. Michel war sehr stylisch im mintgrünen Anzug unterwegs. Mit Krawatte und allem. Viele der Mädchen trugen „richtige“ Ballkleider, was Michel doof fand, weil er dann da dauernd drauf getreten ist. Aber apropos Mädchen: Michel hat eine Rede gehalten, bei der er die Mädchen der Stufe besungen hat. Das hat ihn seit längerem sehr beschäftigt und einen Meltdown hatte er auch deshalb schon, aber dann haben wir uns Dienstag hingesetzt, zusammen die Rede geschrieben und er hat die geübt und auf Kärtchen dabei gehabt und es dann auch durchgezogen und viel Lob bekommen. Gestern auf dem Weg zum Ball fragte er mich noch „Mama, du tanzt doch auf Bühnen, hast du irgendwelche Tipps?“ und ich sagte nicht, dass ich komplett abdrehe, bevor ich auf eine Bühne gehe, und ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 bin. Sondern ich sagte „Man muss immer dran denken: man stirbt nicht. Man denkt das, aber es ist nicht so.“ (Ja, hmm, ob das jetzt so pädagogisch sinnvoll war, aber er ist 12.)

Schlaue Gedanken, die mich nicht davon abhielten, ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 zu sein. Heute. Zwei mal. Wobei das eine mal sogar recht gechillt war, jedenfalls wenn das zweite mal der Maßstab ist.

Heute Morgen hatte ich so eine Art Show-Inspektion. Dabei haben eine Kollegin und ich eine interne Datenbank inspiziert. Während all unsere Kolleginnen und Kollegen zuguckten. Hurra. Aber trotzdem nichts gegen…

… Trommelwirbel…

… ein Solo bei einer Burlesque-Show. Komplett mit ausziehen und allem. Mit selbst gemachter Choreographie. In selbst gemachtem Kostüm. Nach einem viertel Jahr Kurs.

(Und zwei Gruppennummern.)

So, da wissen Sie das jetzt auch.

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Tag 3415 und 3416 – So. Müde.

Da ich von Sonntag auf Montag ja irgendwie immer scheiße schlafe, war ich gestern absurd müde. Ich kam nach Hause und… schlief einfach ein. Ballett ist für mich ausgefallen wegen verpennt. Also scheinbar war das nötig, aber als ich dann ins Bett musste, war ich natürlich wieder wach. Und heute dann müde bei der Inspektion. Die letzte des Jahres und sehr entspannt. Das ist der Hersteller, bei dem ich das allererste Mal auf einer Inspektion mit war – in einer anderen Zeitrechnung, gefühlt, das war ja sogar pre-Covid. Die sind beim Hersteller sehr ordentlich und vielleicht wird uns (mich und die Lieblingskollegin) der Lieblingskollege für immer aufziehen, nämlich, wenn wir auch morgen einfach nichts finden, und ohne irgendwas zu meckern nach Hause gehen. Das wäre das erste mal. Also nicht nur für mich, sondern für norwegische Herstellerinspektionen generell.

Auch wenn wir da morgen gegebenenfalls sehr früh raus sind, bin ich erst sehr spät zu Hause, wegen Hobbykurs. Es ist schon alles gepackt, und damit meine ich ALLES, gefühlt der halbe Hausstand. Gut, dass ich einen großen Rucksack habe. (Eh, weil mein kleiner Alltagsrucksack leider am Reißverschluss kaputt gegangen ist, und ich noch auf Info von Samsonite warte, ob das ein Garantiefall ist. Ich finde ja, ein so teurer Rucksack muss mehr als 10 Monate halten, auch die Reißverschlüsse, aber wir werden sehen.)

So langsam reicht‘s dann für mich auch echt mit Black Friday/Cyber Monday/Hauptsache Kaufen. Die Werbung überall geht mir jetzt langsam doch echt auf den Pinsel. Ich will da gar nicht die Moralkeule schwingen, wer sich immer schon ne Heißluftfritteuse gewünscht hat und ein bisschen Zeit hat, kann ja an diesen Tagen echte Schnäppchen schießen, Aber das Zugeballer mit Werbung nervt mich. Ich kündige schon dauernd alles möglichen Werbe-Mails, aber trotzdem kriege ich pro Woche zur Zeit so 200 mails. Fast alles Werbung. Und ich brauche echt keine 5 Menstruationstassen…

Tag Dingens.

Piep. Muss nachzählen, welcher Tag ist.

Ich bin wieder zu Hause. Es ist auch alles gut, aber das war eine sehr anstrengende Jobreise. Sehr sehr anstrengend. Sehr wenig Schlaf. Jetzt ist, nach indischer Zeit, halb drei Uhr morgens und ich kann kaum noch die Augen offen halten.

Eben Michel von seinem besten Freund abgeholt, steht da die Feuerwehr mit Blaulicht vorm Haus und Feuerwehrleute mit Rauchmasken kommen aus dem Haus. Wäre fast in Panik verfallen, wenn nicht die Mutter des Freundes in Seelenruhe vorm Haus gestanden hätte. Es hatte im Schornstein gebrannt, wahrscheinlich ein Vogelnest in Verbindung mit Ruß, unschöne Sache, aber es ist alles gut gegangen, bis auf abgeplatzte Farbe am Kamin sind keine Schäden entstanden. Dadurch hat sie es überhaupt bemerkt: die Farbe fing an Blasen zu werfen und zu stinken. Sie hat dann die Quelle des Gestanks gesucht. Aber bei sowas kann sehr schnell sehr viel Schlimmeres passieren, weil eben das Kaminrohr von innen brennt und sehr sehr heiß wird. Gruselig.

Tag 3392 – Hups, so spät schon.

Eine Stunde und fünfzehn Minuten hin, neuneinhalb Stunden Arbeit, eine Stunde und fünfundvierzig Minuten zurück (wegen Verkehr) und dann noch mal Arbeit. Essen, in dem Restaurant, in dem nicht laute live Musik ist, aber auch kein Buffet. Deshalb alles ein bisschen hassen, ich will pineapple tandoori und alles mit paneer vom Buffet. Aber nach so Tagen ertragen weder der Lieblingskollege noch ich noch live Musik beim Essen. Und dann ist auch schon elf.

Übrigens, womit man eine Inspektørin wesentlich pissiger macht, als wenn man sie drum bittet, sich zur Begehung der Produktionsräume abzuschminken: wenn man sie nicht drum bittet und sie dann voll geschminkt in sämtliche Räume (CNC und D, denn C und B ist morgen erst) spaziert.

Sehr seltsame Sache auch, der ich noch auf den Grund gehen werde: alle haben Schuhe in der gleichen Größe, die den allermeisten viel zu groß ist, an.

Tag 3390 und 3391 – Alles dreht sich um Schlafen.

Gestern: geschlafen bis mittags (Ortszeit), Frühstück in Form von Mittagessen, danach Arbeit. Wundern, warum ich so müde bin, des Rätsels Lösung: kein Kaffee. Löslicher Kaffe auf dem Zimmer ist grauenvoll, aber hilft trotzdem.

Abends müde wie Sau, direkt eingeschlafen.

Nach vier Stunden Schlaf plötzlich grundlos hellwach. Eine Stunde im Bett gewälzt und um halb vier aufgegeben. Gelesen und um fünf Uhr in den Fitnessraum gegangen. Um sieben beim Frühstück aufgelaufen, frisch, gestriegelt und gebügelt. Frühstück, dabei fast alles mögliche verschluckt, weil Nachrichten aus Deutschland gelesen. Eine Stunde Fahrt zum Hersteller. Inspektion, powered by Cola, Kaffe und nach dem Mittagessen auch jede Stunde einmal aufstehen und auf dem Flur herumlaufen, um nicht einzuschlafen. Eine Stunde zurück, wegen Verkehr konnte ich da auch nicht die Augen zu machen.

Arbeit.

Essen.

(So müde.)

Den Lieblingskollegen in die Kunst des Kluster-Spielens eingeweiht.

Jetzt Bett. Hoffentlich Schlaf. Länger als bis halb drei bitte.

Tag 3389 – Muss schlafen.

Im Gegensatz zum Lieblingskollegen habe ich im Flugzeug nur sehr kurz genickert. Jetzt ist es hier schon nach 4 Uhr, die Klimaanlage ist super laut, ich hab letzte Nacht vielleicht so vier Stunden geschlafen, und ich bin echt platt. Um zwei Erfahrungen reicher bin ich auch: in Frankfurt am Flughafen in der Lounge sah ich eine Maus, konnte meinen Augen (und meinem müden Gehirn) nicht ganz trauen, aber dann sah der Lieblingskollege sie auch. Und hier am Zielort kam unser Pickup nicht. Letzteres ist nachts um halb drei gar nicht mal so lustig und erquicklich. Am Ende ging es dann ja gut, aber gut für die Nerven ist das nicht gewesen.

So, und damit: gute Nachr!