Tag 3318 – Im Inspektionstunnel.

Es ist schön, aber auch sauanstrengend und nicht zuletzt sauspät. Deshalb nur eine kurze Meldung, in der ich damit angebe, dass 8 Wochen Sport wirklich was bringen, nämlich

  • 4 Sekunden pro Kilometer schnelleres Gehen (da ist langsam auch einfach ne Grenze erreicht, wo ich so Schnellgehtechniken können müsste, um noch schneller gehen zu können. ansonsten müsste ich joggen, aber das möchte ich nicht, man erinnert sich vielleicht hier an meine letzte Joggingerfahrung, nach der ich zwei Tage krank war, 2018 müsste das gewesen sein)
  • Verdopplung der Liegestütze, die ich machen kann
  • 50% mehr Kniebeugen, die ich machen kann bevor ich aus Langeweile aufhöre, weil ich keinen Bock mehr zu zählen habe. Außerdem dabei wesentlich bessere Ausführung
  • 50% längere Plank
  • Flexibilität muss ich nachmessen, wenn ich zu Hause bin, ich habe hier kein Maßband mitgenommen. Nach dem Papier her zu urteilen, auf das ich Striche gemalt habe, ist das aber auch besser geworden (auch da – Klappmesserdehnung – ist irgendwann bald eine physiologische Grenze erreicht, wenn mir da nicht plötzlich die Arme wachsen, kann ich nicht noch weiter am Fuß vorbei schieben, da sind sich einfach Beine und Oberkörper gegenseitig im Weg)

Insgesamt sehr zufrieden damit. Morgen stehe ich wieder etwas früher auf, als ich müsste, um mich morgens wenigstens ein bisschen bewegen zu können, vor einem 13 Stunden Arbeitstag.

Tag 3317 – Im Wald.

Nördlich von Trondheim bin ich im Hotelzimmer angekommen. Hier ist nix außer Wald (und einer Pharmafirma halt, ne?). Hier werde ich jetzt also ne Woche sein.

Die Reise startete etwas holprig, weil mein Taxi einfach mal nicht kam. Nach 10 Minuten rief ich an und durfte mir allerlei… Unverschämtheiten anhören, die alle darauf hinausliefen, dass ich selber schuld dran bin, dass ein vier Stunden zuvor für diesen Zeitpunkt bestelltes Taxi nicht pünktlich bei mir ist. Inklusive, dass 15 Minuten von zu Hause zum Bahnhof ja eh viel zu knapp kalkuliert seien. Das ist ein Weg von 3 km, an einem Sonntagnachmittag, in Eidsvoll, einem Kaff. Ich fragte die Dame, ob sie schon mal in Eidsvoll gewesen sei, weil ich den Vorwurf so dermaßen lächerlich fand. Dochdoch, sie hätten da in Eidsvoll grade sehr viel Verkehr. Fast hätte ich gelacht, was für ein Blödsinn. Leider brauchte ich dieses Taxi einfach sehr dringend, das war nicht so lustig.

Irgendwann kam dann tatsächlich das Taxi, und der Taxifahrer erklärte mir dann auch, warum sie viel Betrieb (nicht Verkehr) haben: es war Schienenersatzverkehr zum Flughafen. Ähhhh, damit hatte ich nun zusätzlich zum verspäteten Taxi nicht gerechnet und war einigermaßen ratlos, was der Taxifahrer wohl merkte, und dann anbot, dass ich bis zum Bahnhof bezahle, und dann fährt er eh zum Flughafen und kann mich einfach mitnehmen, ohne dass ich dafür bezahle. Das war sehr lieb und rettete meinen Glauben an das Taxiunternehmen und die Menschheit ein wenig.

Durch die Verspätung (30 Minuten dann insgesamt) hatte ich grad noch so Zeit für einen Haarschnitt, das war mein Plan gewesen und deshalb bin ich überhaupt nur so früh los. Wollte so früh los. Aber dann war der laut App bis 18 Uhr offene Salon nicht offen und bis ich durch die Sicherheitskontolle beim anderen Salon war, war es 17:55. In fünf Minuten ist nicht mal mein Haar geschnitten. Hrmpf. Aber Hauptsache pünktlich am Flughafen und am Gate.

Note to self: in Trondheim am Flughafen macht um 8 das meiste zu und man bekommt dann knapp noch ein Sandwich.

Von Trondheim ging es weiter mit einem Bus-großen Propellerflugzeug, das ist nach wie vor nicht mein Ding. Aber die Lieblingskollegin hat sich netter Weise neben mich gesetzt und dann war es auch nur halb so schlimm.

Tag 3235 – 3238 – Inspektionstunnel, Heimreise, MÜDE.

Von der Inspektion darf ich ja eh nichts erzählen, aber drum rum gäbe es einiges, theoretisch. Aber dann kam es so dass ich mich in den viel zu kurzen Stunden im Flugzeug nur rumwälzte und gar nicht schlief, praktisch also seit 32 Stunden wach bin, und ich gleich einfach ins Koma falle. Also eigentlich jetzt schon, ich muss nur auf jeden Fall noch dafür sorgen, in mein eigenes Bett zu komme – noch liege ich bei Pippi.

Tag 3240 – Bloß nicht hinsetzen.

Es ist 19 Uhr. Ich bin sehr gut hier angekommen, der Flug war problemlos, die Passkontrolle war problemlos. Gut, es gab einen Zwischenfall als wir alle am Gepäckband standen und darauf warteten, dass das Koffer ausspuckt, es gab nämlich einen Feueralarm und das war brutal laut und mit Lichtblitzen. Und natürlich überall, es gab keinen Ort, wo kein Feueralarm war. (Nimm das, Brandschutzschulung der Uni Bielefeld 2004 „Wenn’s brennt, geht erst mal irgendwo hin wo‘s nicht brennt.“) Selbst mit AirPods auf Noise Cancelling war es kaum zu ertragen, so laut war es. Gehen konnten wir aber auch nicht, wurde uns über die Lautsprecher gesagt. Es war am Ende falscher Alarm, aber da 10 Minuten im schrillen Alarm mit Lichtblitzen sitzen, war unschön. Danach ging es immerhin problemlos weiter, ich bekam sofort ein Taxi und war exakt 12 Stunden, nachdem ich zu Hause aufgebrochen war, im Hotel.

Ich habe wieder das gleiche Zimmer wie 2022, das ist etwas kurios. Also auch das Zimmer. Die Klimaanlage darf hier auch nur tagsüber rumlärmen, heute Nacht wird die eiskalt ausgestöpselt.

Ich habe dann ausgepackt, einen Spaziergang zum Supermarkt gemacht, Wasser gekauft, geduscht und mich sogar geschminkt, um meinem Körper zu signalisieren: es ist noch nicht Bettzeit. Es ist TAG! Ich warte auf die deutschen Inspektoren, damit wir Essen gehen können, aber so langsam wird es hart, mich wach zu halten. Das Bett sieht verlockend aus und wäre ich nicht auch furchtbar hungrig, könnte das hier übel ausgehen. Ich will ja auch nicht morgen früh um 4 Uhr senkrecht im Bett stehen.

Die deutschen Inspektoren sind jetzt wohl gerade eingetrudelt, kriegen es gleich mit hungriger und müder Frau Rabe zu tun, naja naja, das werden sie wohl überleben.

Man kann hier Gerolsteiner kaufen. Voll günstig auch. Nur 4 Dollar der Liter, oder 6 Dollar für 2 Liter.

Tag 3239 – Auf gepackten Koffern.

Den Tag über gearbeitet (halbherzig, es ist seltsam im Homeoffice wenn niemand anderes arbeitet) und ein bisschen mit dem Lieblingskollegen gechattet. Weil er direkt aus dem Urlaub in den Streik getreten ist, kommunizieren wir einfach weiter über Facebook Messenger. Mit der Teamleiterin kann ich ja über Teams kommunizieren, mit einigen anderen Kolleginnen schreibe ich SMS und mit einer WhatsApp. Es ist trotzdem komisch.

Danach habe ich gepackt. Zwei Hosen hängen noch im Bad, weil die Hosenbünde noch nicht ganz trocken sind. Bis auf Badezimmersachen, Ladegeräte etc. ist aber alles im Koffer. Und etwas extra im Kabinenkoffer, ich bin ja paranoid und habe alles für den ersten Inspektionstag im Handgepäck, für den Fall der Fälle. Ich hatte sogar (reichlich) Platz für das Reisekissen. Dieses Mal habe ich auch an einen Sonnenhut gedacht. Yeah. Morgen kann es recht entspannt losgehen, denke ich.

Packen beinhaltete das Verräumen von gefühlten 5 Tonnen gewaschener Wäsche, aber das ist jetzt auch endlich erledigt. Außerdem musste ich ein bisschen bügeln. Jetzt sind zwei Wäschekörbe frei und müssen nicht mehr vor dem Kleiderschrank rumstehen, schade, dass ich davon nichts habe.

Abends brachte ich beide Rübennasen ins Bett und beide beschwerten sich, dass es viel zu warm sei und es unmöglich zu schlafen und dann schlief Pippi nach 5 Minuten und Michel nach 15 trotzdem. Es ist tatsächlich relativ warm, aber ich glaube die Kinder reagieren eher darauf, dass es recht feucht ist. Laut Hygrometer in der Küche sind fast 60% Luftfeuchtigkeit, da kann man Pythons halten aber wir Raben sind das gar nicht mehr gewohnt, wir hatten jetzt monatelang furztrockene Luft im Haus (20 bis maximal 40%). Aber bei immer mal wieder Gewittern und ansonsten wegen warm gekippten Fenstern (unsere Fenster kippen nach unten auf, das macht so viel mehr Sinn in Anbetracht von Wetter als das deutsche Standard-Kippfenster) haben wir hier drin halt Termitenbauähnliche Bedingungen und Kinder, die sich wegen der Hitze (22 Grad) beschweren.

Ich werd die drei anderen Raben vermissen. Aber ist ja auch nur 8 Tage.

Tag 3219 – Check.

Inspektion überstanden. War verhältnismäßig ok, spannend, aber kann (im Sinne von darf) nichts dazu erzählen. Aber ist erledigt jetzt, Check, nächste Aufgabe. Montag geht’s zu einem Kurs in die Schweiz.

Danach wie üblich ziemlich Pudding, und (wetterbedingt? Es war ziemlich eklig draußen, so als würde es jeden Moment regnen, aber es kam nichts. Der Nieser, der nicht rauskommt, in Wetterform) leicht migränig. Einkaufen vorm Feiertag, ein bisschen eine darüber einigermaßen schockierte Schlange (Monty) „bekuscheln“ (auf meinen Armen rumliegen und -kriechen lassen) und mich an der tatsächlich immens beruhigenden Wirkung dessen erfreuen. Dann die ihrerseits darüber sicher beruhigte Schlange zurücksetzen und das zweite Kind ins Bett bringen. Meine beiden Kinder sind sehr niedlich, wenn sie schlafen, ich habe das heute noch mal verifiziert. Da sehen die gar nicht aus wie 8 und 11.

Jetzt muss ich aber auch schlafen. Vielleicht auch niedlich, das wage ich aber nicht zu behaupten.

Tag 3192 – Frau Rabe ordnet wieder Dinge.

Inspektion ist tatsächlich wesentlich weniger schlimm als sie beim selben Hersteller auch schon war. Wesentlich. Ich schreibe mir einen Teil davon selbst zu, weil ich in die echt viel Zeit und Geduld und Nerven gesteckt habe, damit die auf ein okayes Niveau kommen. Wider Erwarten haben sie dann aber tatsächlich von sich aus noch weiter Sachen verbessert und jetzt ist es echt ok, da zu sein. Was nicht okay ist, ist unsere (also des Werkes Direktoratets) IT. Gestern früh riskierte der Computer meiner Kollegin einen „versehentlichen“ Sturz aus dem 6. Stock, weil er sich weigerte, sich mit allen unseren Cloud-Systemen zu verbinden. Was schon doof ist, weil das Direktorat ja beschlossen hat, dass *Glitzer- und Konfettikanone vorstellen* Cloudbasierte Systeme und *mehr Glitzerkonfetti* Software as a service die totale Offenbarung sind. Oder wie ich sage: oha, die Direktion hat wieder neue Wörter gelernt, schnallt euch an, liebe Kinder. Jedenfalls ist alles was wir haben jetzt in der Cloud, in der einen oder anderen Form. Zugriff auf diese Daten ist also essentiell. Und den hatte meine Kollegin nicht. In der nächsten halben Stunde wurde ich Zeugin, wie meine Kollegin mit der IT-Hotline alle Phasen der Krisenbewältigung durchlebte. Nach einer viertel Stunde ging ich dem Hersteller Bescheid sagen, dass wir noch ein bisschen brauchen. Nach der halben Stunde hörte ich mich sagen: „Pass auf, das bringt nichts, fahr ins Büro und tausch den Computer aus. Ich sage im Büro Bescheid, dass du kommst. Und ich mache das hier schon.“, worauf meine Kollegin sehr dankbar ins Büro fuhr. Nervenzusammenbruch knapp abgewendet. Und ich schaukelte dann, nach einem Anruf bei meinem Lieblings-nicht-direkten-Kollegen, nämlich dem IT-Mann(TM) die Inspektion total souverän und seriös für die nächsten eineinhalb Stunden alleine. Ich weiß das, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, mir selbst anerkennend nickend über die Schulter zu gucken. Spontane Begehung der Ventilationsanlage war in der Schaukelung inklusive, ohne irgendeine Form von geistiger oder tatsächlicher Vorbereitung. Ich sah mir dabei so zu und war imponiert darüber, dass ich nicht schreiend im Kreis gelaufen bin, sondern das Gegenteil passierte. Also, ja, ich bin nach solchen Tagen trotzdem so erschossen, dass ich abends einschlafe, sobald ich mich irgendwo hin setze, aber in der Situation selbst war ich total ruhig und fokussiert und habe das, für jemanden der keine Planänderung mag, sehr souverän gelöst.

Wahrscheinlich klingt das komisch, aber ich hätte einfach wirklich nicht gedacht, dass ich das so ruhig und versammelt hinbekomme, so total spontan.

Noch so was, nur konkreter: aus Gründen musste ich heute nicht nur Salat (mit Dressing) und warmes Mittagessen (mit Sauce) vom selben Teller essen, sondern es lag auch alles übereinander, damit auch ja alles nach allem schmeckt. Und ich habe das nahezu ohne Meckern gegessen (aus Hunger). Erst den Salat mit so wenig Buttersausce wie möglich, dann die Kartoffeln und den Fisch mit möglichst wenig, inzwischen lauwarmer, Vinaigrette.

Ich bin sehr zufrieden mit mir. Ok, ich muss mir noch was einfallen lassen, wie man „bitte mach nicht solche Schmatzgeräusche*“ in höflich formuliert. Aber sonst echt zufrieden.

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* vor allem nicht, wenn du gar nicht isst!