Tag 2585 – … so furchtbar reich!

Aus Gründen (Facebook-Diskussion) habe ich heute versucht, rauszukriegen, wo in Norwegen die Grenze zu Reichtum beginnt. Das ist mir nicht gelungen. Mir ist schon klar, dass es da auch verschiedene Definitionen gibt. Zum Beispiel sind wir definitiv nicht Vermögensreich, denn am Ende der Rechnung haben wir zur Zeit einfach nur nen Haufen Schulden. Aber ist es nicht schon Reichtum, in einem (zu einem kleinen Teil abbezahlten) Eigenheim zu wohnen? Viele können das nicht. Wir können auch keine enormen Erbschaften erwarten, aber immerhin ein bisschen was. [Disclaimer:ICH MÖCHTE NICHT ERBEN, IMMER NOCH NICHT, ICH MÖCHTE ALLE FAMILIENMITGLIEDER BEHALTEN SO LANGE ES GEHT.] Jedenfalls: viele erben ja auch einfach gar nichts, oder erben nur Schulden, oder alles versickert in jahrzehntelangen Erbstreits. Vielleicht sind wir einkommensreich. Aber so viel mehr als der Durchschnitt und der Median verdienen wir nun auch wieder nicht, so weit ich das sehen kann. Über den Daumen gepeilt mittig bis oben im dritten Quartil. Wenn man aber bei Familien mit 2 Kindern im Schulalter guckt, verdienen wir plötzlich deutlich mehr als der Median in dieser Gruppe (zwei Vollverdiender in verhältnismäßig gut bezahlten Jobs in dieser Lebensphase scheint dann doch wieder nicht so schrecklich häufig zu sein). Und wir leben ja verhältnismäßig günstig, also sind wir wohl sowas wie „Spar-reich“. Wir legen ziemlich viel Geld zurück jeden Monat, auf verschiedene Arten und Weisen, und das ist sowohl überaus komfortabel für meine Nerven als auch etwas, das wohl die wenigsten in dem Ausmaß betreiben können. Urlaub? Kein Problem, das liegt auf dem Sparkonto, da ist ein extra Budgetposten für in der allwissenden Excel-Tabelle. Waschmaschine kaputt? Kein Problem. Reifen runter, Schwein krank, Kinder machen Löcher in Sofabezüge? You get the picture. Wir sparen sogar gezielt auf Dinge, wie so Erwachsene, zum Beispiel kriegen wir voraussichtlich irgendwann eine neue Küche aus einem dieser elektronischen Sparschweine. Und das bringt mich zum nächsten Punkt: wir sind ungemein ressourcenstark. Wir sind gebildete Menschen mit dem Wissen, wie man sein Geld managt, oder zumindest dem Wissen, wo wir uns entsprechende Kompetenz herholen. UND wir können solche Hilfe sogar einordnen in sinnvoll und Halsabschneider UND die sinnvolle Hilfe können wir bezahlen.

Also sind wir wohl reich.

(Ok. Der Tesla vor der Tür könnte es andeuten. Aber der ist gebraucht gekauft und hat das kleine Batteriepaket!)

Tag 2492 – Miniferien!

Ich habe morgen und Montag frei, Dienstag ist Feiertag. Fast wie Urlaub, also. Ist auch schon wieder nötig, bevor ich das IT-Projekt noch ernsthaft anzünde.

Kleine Anekdote: das Nachbarsmädchen kam heute Nachmittag zu uns, um mit Pippi zu spielen und war erstaunt darüber, wie sauber und aufgeräumt es war. Pippi erklärte, dass unsere Putzhilfe gerade da gewesen sei. Wow, sagte das Nachbarsmädchen, wir haben keine Putzhilfe. Ich finde einfach Putzen richtig blöd, sagte ich (und ließ aus, dass Herr Rabe mit seinem ausgeprägten Putz-Perfektionismus bei gleichzeitiger Putz-Prokrastination in einem Haushalt mit mir sonst ein gefährliches Leben führt). Ja, meine Mama auch, aber das kostet ja Geld! Ja, sagte ich, aber das bezahle ich wirklich gerne.

Zusammengefasst: die Putzhilfe ist hier in erster Linie eine Ehelebensrettende Maßnahme, und in zweiter Linie eine Burnoutpräventionsmaßnahme für mich. Ich kann das nur empfehlen, wenn man es sich leisten kann und nicht Putzen als meditatives Hobby hat (soll’s ja geben), ist das gut investiertes Geld. So. (Und natürlich kenne ich all die feministischen Argumente dagegen und natürlich wäre es besser, keine Frau auszubeuten, damit es mir besser geht. Keine Frage. Ich kompensiere das ein wenig, indem ich versuche, sie nicht auszubeuten und auch das kann ich nur empfehlen: einfach kein*e Ausbeuter*In sein. Generell kein A****loch sein ist ein gutes Lebensmotto.)

So, nun werde ich schlafen. Morgen werde ich Wäsche waschen, vielleicht, wenn ich mich danach fühle, ein kleines bisschen arbeiten und dabei den Teams-Status lila lassen und alle Mails ignorieren, mir die Haare schneiden lassen (von Frauen random Personen die bestimmt nur zufällig zu 99% Frauen sind die sicher auch irgendwie ausgebeutet werden), Kaffee trinken, Geige spielen, die Schwägerin vom Flughafen abholen und die Freiheit genießen, die man nur hat, wenn man als einzige im Haushalt frei hat, hähähä.

Tag 2113 – Piep.

Bin bei Michel eingeschlafen.

Heute:

  • Der Schrank ist jetzt fertig mit Licht und Leisten und Griffen und Spiegel innen und – hach! Bilder morgen.
  • Wir haben auch noch ein Waschmaschinen-Trockner-Dings bekommen, mit Schubladen zum Bedienen mit den Füßen.
  • Ich habe Lust, das ganze Haus innen tischlern zu lassen, muss aber erst im Lotto gewinnen.
  • Michel liest laut Lesebuch prima, muss ich mir wohl doch keine Gedanken machen.
  • Es ist wieder Kindertanzen (mal sehen wie lange) und in dem Einkaufszentrum, in dem die Tanzschule liegt, haben seit gestern wieder alle Geschäfte auf und es war bumsvoll dort. Ich fand nicht mal einen Parkplatz, bevor ich nicht drei mal im Kreis herumgekurvt war – mit Cardos, für den man ja nun keine große Lücke braucht. (Ja, wir lassen Pippi da hin gehen. Ja, wir töten damit sicher irgendwen oder züchten die neue Supermutation, aber meine/unsere Kraft, die einzigen superultrastrengen Eltern der Welt zu sein, war begrenzt und ist aufgebraucht. Unsere Inzidenz ist ok, wir ohne Impfberechtigung in den nächsten Wochen sind eh allen egal*, ich bin bei lmaa und lalala angekommen.)

*ja, macht für Geimpfte alles auf, was geht, viel Spaß, wir warten so lange draußen auf die Schnelltests, die man angeblich statt Impfung vorweisen kann (Sinn davon mal dahin gestellt) und von denen ich in Norwegen aber noch keine Spur gesehen hab, oder auf die Impfung halt, für die wir uns noch nicht mal auf Restelisten, die es auch nicht gibt, registrieren lassen können, weil wir alles dafür tun müssen, die Risikogruppen zu schützen, machen wir ja, seit über einem Jahr, und kriegen dafür noch in die Fresse. Doppelt und Dreifach. Wo die keine Angst mehr haben müssen, draufzugehen, kann der Rest sehen wo er bleibt, YOLO und „es ist rechtlich nicht haltbar, wenn Geimpfte weiter Einschränkungen erleben“ – guess what, genauso könnte man argumentieren, dass es rechtlich nicht haltbar war, dass wir alle letztes Jahr im März, April, Mai und ab Herbst wieder volle Möhre Einschränkungen erlebt haben, wo wir doch gar kein so hohes Risiko für Tod durch Covid19 haben. HABEN WIR TROTZDEM EINFACH GEMACHT DAMIT WIR KEINEN ANSTECKEN DER DANN DRAUF GEHT. Und jetzt wollt ihr ernsthaft die Arbeitsplätze in den Restaurants retten indem ihr sie öffnet? Verlogene Sch***e, man könnte ja zum Beispiel die Betriebe, insbesondere auch die Kulturbranche, denen wegen Corona Einnahmen entgangen sind, wirklich sinnvoll finanziell entschädigen. Stattdessen wird es nun auf den einzelnen Geimpften abgewälzt, den Konsum möglichst rasch wieder anzukurbeln, damit diejenigen, die hart an der Pleite langschrammen, aufhören zu nörgeln. Während der Großteil der Bedienungen in Restaurants, in Cafés, in Bars, Biergärten, und Verkäufer*Innen aller Art noch laaaaaaaaange nicht impfberechtigt sind. Wann fahren die in den „wohlverdienten Urlaub“? Ach ja, richtig, gar nicht, weil keine Impfung und seit über einem Jahr in Kurzarbeit oder Arbeitslos und gar keine Kohle dafür da.

Manchmal möchte ich allein im Wald leben, Gesellschaft ist nicht so meins, scheint mir. Zumindest die kapitalistische.

Rant over.