Tag 1385 – Unkrankes Kind die drölfzigste.

Pippi hat ja echt ein ausnehmendes Talent dafür, im Kindergarten seltsame Symptome zu zeigen, die dann ganz schnell wieder weg sind, sobald wir sie abgeholt haben. Heute neu im Angebot:

„Pippi hat den ganzen Morgen geweint und sich um 11:15 hingelegt. Wir müssen mal gucken, wie es ihr geht wenn sie aufwacht.“

Da war es zwölf.

Um zwei schrieb ich, wie es ihr denn ginge.

Da schlief sie immernoch und ich wurde gebeten, sie abzuholen, sie sei ja offenbar nicht fit.

(Exkurs: liebe Kindergartenmitarbeiter*Innen, wenn das Kind dann zwischendurch aufwacht, dann benachrichtigen Sie doch bitte die herbeieilende Mutter, denn die überlegt vielleicht grad im Zug, ob „hat sich hingelegt“ vielleicht ein Code für ganz stark sein müssen ist und das Kind vielleicht, aber lassen wir das, diese Gedanken sollen hier nicht sein.)

Mit schwärzesten, ungebetenen Phantasien kam ich jedenfalls in den Kindergarten, da war Pippi hoch erfreut, mich zu sehen, sprang zur Demonstration ihrer Fitness in jede Matschepfütze auf dem KiTa-Gelände und rannte dann singend zum Auto.

Ich glaube, das war den Kindergärtnerinnen auch ein bisschen peinlich.

Jedenfalls, ich bin ja total froh, dass sie nicht total krank ist, sondern halt Husten und ne Rotznase hat wie auch schon seit einer kompletten Woche und eben müde war, aber Himmel. Dieses Kind. Kann es nicht einfach mal ne Woche lang nicht solche Sachen machen?

(Morgen wird dem Kindergarten Herr Rabes Nummer gegeben. Morgen kann ich leider nicht mal eben von der Arbeit losspringen und dann halt zu Hause noch eine Stunde dranhängen. Und generell kann ich das halt genauso gut oder schlecht wie Herr Rabe und immer mich kontaktieren ist nervig für mich und zeugt nicht grad von Bewusstsein für gleichberechtigte Elternschaft. Außerdem ist Herr Rabe der empathische Krankheits-Kümmerer bei uns. )

Die Schule hat auch schöne Matschepfützen.

Tag 571 – Gemischtes

Die Kinder. Die lieben Kinderchen. Ach ja. 

Gestern fiel Pippi irgendwie blöd die Treppe vorm Kindergarten runter und schrammte sich die rechte Nase, Wange und Stirn ziemlich übel auf. Jedes mal, wenn sie im Schlag irgendwie da dran kam, heulte sie vor Schmerz auf. Entsprechend bescheiden lief unsere Nacht. Und als reichte das noch nicht, fing sie an zu Husten und hat jetzt auch eine Rotznase, die wir aber nicht putzen dürfen, weil ihr das wegen der Schrammen ziemlich weh tut. Entsprechend unleidlich war sie im Kindergarten. Und was macht der Kindergarten? Fieber messen, Fieber (vorsichtshalber ungenannter Höhe) feststellen und die Eltern informieren. Die brav andackeln und das Kind, das zappelt und schreit, weil es gar nicht nach Hause will, abholen. Zu Hause hatte Pippi dann in erster Linie Hunger und danach recht fix Wickelbedarf. Und eine Temperatur von, Trommelwirbel, 37,7 Grad. Ich kann mich da schon kaum noch drüber aufregen. Es nervt mich einfach unendlich, und ja, ich werde das am Montag auch nochmal ansprechen, dass wir mitnichten zu Hause sitzen und darauf warten, ein diffus missgestimmtes Kind mit minimal erhöhter Temperatur aus der KiTa abholen zu dürfen. Dass unsere Kindkrank-Tage nach 1/6 des Jahres schon zu 3/4 aufgebraucht sind. Dass mir jeder Arzt, dem ich das Kind heute gezeigt hätte um eine Krankschreibung zu bekommen (wenn die Kindkrank-Tage aufgebraucht sind, müssen wir für jeden Extra-Tag zum Arzt), was gehustet hätte. Sowas halt. Seufz. 

Michel lernt Lügen. Schritt 1: Ausreden. 

„Mama, guck mal, das Klopapier ist ganz abgerollt! Aber ich war das nicht, das war ein Roboter. Ein unsichtbarer. Sowas passiert eben manchmal.“

Ich weiß, es ist normal, auch sowas müssen Kinder ja lernen. Ich weiß nur nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll. Heute sagte ich „Ich glaube nicht, dass das ein Roboter war, ich glaube du hast dir das grade ausgedacht, weil du dachtest, ich schimpfe. Komm, wir legen das Papier zur Seite, das kann man ja noch benutzen.“. Ich glaube, wegen des Lügens schimpfen bringt nichts, außer dass er das nächste mal besser lügt („Das war Pippi!“ wäre zumindest sehr viel wahrscheinlicher). Aber glauben heißt ja auch nicht wissen. 

Ich bin so aufgeregt wegen der USA-Reise! Noch eine Woche!

Heute war eine Dame da, die unsere neue Putzhilfe sein möchte. Die, die letztens einmal da war, war leider nur einmal da. Heute war also Liv da. Bei Liv habe ich ein besseres Gefühl. Liv ist frühpensioniert, hat einen Putzfimmel (oder wie soll man das nennen, wenn wer nach eigener Aussage nie ohne Putzhandschuhe im Gepäck verreist?) und langweilt sich. Außerdem hat sie sehr genaue Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen sie hier arbeiten möchte, was ich sehr gut finde. Unter anderem möchte sie gerne andere Produkte* benutzen, als wir haben, soll mir recht sein, sie geht das jetzt am Wochenende einkaufen und gibt mir die Rechnung dann am Montag, wenn sie hier anfängt. Sie sei sehr gründlich, sagt sie. Und ich schäme mich ein bisschen, dass jetzt jemand anderes als Herr Rabe all meine runden Ecken finden wird. 

*“So größere Mikrofasertücher, die sind grün, die gibt es nächste Woche im Angebot bei Nille. Da gibt es auch so einen großen Schwamm mit Griff, der kostet 100 Kronen, aber der hält jahrelang. Ich hab meinen schon vier Jahre und der ist immer noch in Ordnung. Und bei Obs gibt es diese Woche 4 Flaschen Jif Badezimmerspray für 100 Kronen! Das besorge ich dann auch, ich sprühe aber nicht damit, das mache ich nicht mehr, das geht zu sehr auf die Lunge, ich habe da so eine Dose, da tauche ich dann den Schwamm mit dem Griff rein und dann reicht das auch viel länger, da habt ihr mit den 4 Flaschen genug für’s restliche Jahr…“