Tag 2194 – Retten, was zu retten ist.

Mich nimmt die Flutkatastrophe in Deutschland sehr mit und ich bin ja komfortabel weit weg, auch, und besonders, nachrichtenmäßig. Ein kurzes Überfliegen angespülter Facebookkommentare reicht da schon, dass ich alles anzünden will, oder wen verhauen, oder am besten alles zusammen. Ich möchte ohnmächtig um mich schlagen, wenn ich, während in Deutschland Dämme und Talsperren brechen, und zeitgleich in Nordamerika reihenweise Menschen an Hitze sterben und ganze Ortschaften abbrennen, lesen muss, man müsse Wetter und Klima unterscheiden und Aktionismus sei doch jetzt fehl am Platze. Vor grad mal eineinhalb Jahren ist halb Australien abgebrannt. Absurd heiße und zum Teil auch viel zu trockene Sommer 2003, 2015, 2018, 2019, 2020. Kyrill, Kathrina, Elbehochwasser, Donauhochwasser. Wenn wir nicht langsam was machen, wann denn dann? Es ist schon zu spät für vieles, denn die Klimakatastrophe ist im Gange, es ist ganz deutlich und Leute, die davor immer noch die Augen verschließen, machen mich einfach nur rasend wütend (das macht die Ohnmacht, ich bin ja eigentlich Pazifistin, aber wenn ich mich machtlos fühle, werde ich emotional zu einem Kleinkind). Lasst uns endlich, ENDLICH was tun, damit wenigstens Teile des Planeten in 30-50 Jahren überhaupt noch bewohnbar sind, möglichst sogar in einer Form, die es den (vermutlich eng zusammengerückten) Menschen dort erlaubt, ein gutes Leben ohne Ressourcenkriege zu führen.

In 30 Jahren sind meine Kinder so alt wie ich und Herr Rabe jetzt sind. Und das sind die zeitlichen Perspektiven, die man realistisch gesehen annehmen muss. Wir haben keine Zeit mehr für „Kohleausstieg irgendwann“ und „aber der Ölfonds!“, da haben grad, mitten in Europa, in einem reichen Land mit guter Infrastruktur, mit stabilen Häusern aus Stein (*winkt der „die mit ihren Holzhütten in den USA“-Arroganz zu*), Leute alles verloren, viele sogar ihre Leben.

Solche Dinge werden immer häufiger und immer schlimmer werden. Es passiert schon, wesentlich früher, als prognostiziert.

Lasst uns was tun. Jede*r auf die eigene Art, jede*r, was in der eigenen Macht steht, aber nicht einfach weiter gar nichts machen und auf irgendeine Magie hoffen, die sich schon seit Jahrzehnten nicht blicken lässt.

Wir haben heute klein angefangen, und beantragt, uns ins Wähler*Innenverzeichnis aufnehmen zu lassen. Wählen ist wichtig (und für Auslandsdeutsche halt mit Einsatz verbunden). Außerdem haben wir an eine Hilfsorganisation gespendet, die Menschen in dieser und anderen Notsituationen hilft (eine Übersicht gibt es zum Beispiel bei der Tagesschau).

So, das war’s von mir zum Stand der Dinge, danke fürs Zuhören, ich meditiere dann mal die Klimapanik weg, damit ich nicht so eine unangenehm keifende Klimagöre bin. Nein, Scherz. Unangenehm for life. Unangenehm for das life, das auch in 30 Jahren noch lebenswert sein soll.