Tag 1020 – Schwere Gespräche.

„Mama, gibt es Leute, die Kinder klauen?“

Mein erster Reflex war „Nein, nicht hier, nicht euch, ich passe einfach immer auf euch auf und lasse euch nicht aus den Augen, nienienieniemals!“, aber das stimmt ja nun leider nicht. Michel fährt schon manchmal allein zum Kindergarten und im Zweifel reicht ja einmal kurz nicht hingeschaut. Also führten Michel und ich ein Gespräch, das mir sehr schwer fiel, weil das mein Herz herausreißt, schockgefriert, in Tausend Stücke schlägt und die Brösel zu Stein werden lässt, wenn ich daran denke, was manchen Kindern angetan wird. Michel nahm das ganze auch in seiner ganzen Fünfjährigenart nicht so wirklich ernst und ich kann ihm ja auch nicht „Vergewaltigt, erwürgt, im Wald verscharrt“ erklären, da müsste ich weinen und er hätte vermutlich Albträume, deshalb ließ ich es bei „böse Menschen“* und dass er nie, nie, NIE!!! bei irgendwem mitgehen darf, den (oder die) er nicht kennt, auch nicht wenn der (oder die) seinen Namen kennt oder unsere Namen, oder Babykatzen/echte Dinoeier/Eis/Lollis im Auto hat. Einfach nie. Für den Fall, dass wer sagt, „Deine Eltern haben gesagt/sind im Krankenhaus/können grad nicht…“ soll er nach dem Passwort fragen und wenn das nicht sofort kommt, rennen, so schnell er kann, dahin wo Leute sind.

Bleibt zu hoffen, dass er jetzt keine große Angst bekommt, er das nienienie anwenden muss und wenn, dass er nicht wirklich versucht, die Bösen mit seinem Fahrradschloss zu fesseln oder unter dem Tisch** heimlich die Polizei anzurufen.

Und irgendwann ist mir bestimmt auch nicht mehr übel.

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*Er kam auf die Idee, dass die ihn auf dem Lagerfeuer grillen wollen und das ist zwar weniger realistisch, aber doch ausreichend makaber um es einfach so stehen zu lassen.

**Woher der Tisch nun plötzlich kam, oder auch das Telefon, man weiß es nicht.