Tag 3848 und 3849 – Wichtige Dinge weitergeben.

(Gestern habe ich viel zu lange gearbeitet, das war unspannend und doof aber der China-Bericht ist jetzt fertig.)

Von gestern auf heute hatte Pippi Übernachtungsbesuch, von T., mit der sie auch mittwochs beim Tanzen und dann bei der Band ist. Die Mädels hatten viel Spaß und haben mir seit gestern Nachmittag schon ein Ohr abgekaut, dass sie was nähen wollen. Aber gestern war ja dann zu viel Arbeit. Also haben wir das heute gemacht. Und die Mädels haben das super gemacht, mit Anleitung und ein bisschen Hilfe (aber echt nicht soooo viel).

Pippi hat sich die kleine Handytasche gemacht, T. den Einkaufsbeutel.

Das einzige, was ich komplett übernommen habe, war, die Riemen anzunähen. Ansonsten haben die Mädels das selbst gemacht und auch ohne zu murren zwischendurch immer wieder gebügelt.

Ich bin jetzt einen kleinen Teil meiner Stoffreste los. Das ist auch sehr gut. Ich hab echt zu viel Stoff. Und nach ein bisschen Gesuche ist auch mein Tunnel-Umdreh-Dingsi wieder aufgetaucht. Bei diesen ganzen Riemen wäre das sonst echt ätzend geworden. Das Teil war irgendwie aus der Schublade gefallen und unter der Schublade liegen geblieben. Herr Rabe hat es glücklicherweise gefunden, bevor ich irgendwelche Kinder wegen Diebstahlverdachts enterben konnte.

Abends waren wir Erwachsenen in der örtlichen Kneipe, das war auch echt nett. Ein bisschen Freunde treffen und bei einem Bier loses Zeug schnacken. Also nach dem ersten halben Bier fand ich das auch nett, bis dahin war es mir zu laut und zu anstrengend alles. (Ja, das ist sicher nur so semi-gut, das so zu handhaben, aber zum Ausgleich mache ich das maximal alle paar Monate.)

So, morgen ist relativ früh Geigenstunde, deshalb muss ich jetzt schlafen. Gute Nacht.

Tag 3845 – 3847 – Piep.

Wir leben hier alle, aber es ist sehr stressig zur Zeit. Dienstag Elterngespräch mit Pippi, danach Konzert, danach Ballett, gestern Burlesque, an allen Tagen viel Arbeit. Dazu etwas Generve und Eskalation mit Michel, der sich ums Verrecken nicht um einen Platz für ein eintägiges Praktikum/Mikrojob (bezahlt, die Einnahmen gehen in die Klassenkasse) nächste Woche kümmern will oder kann. Er muss schon nur das absolute Minimum machen, nämlich eine klitzekleine Bewerbung für einen Job schreiben, den wir ihm bereits klar gemacht haben. Aber selbst das ist zu viel und führt zu Meltdown. Puh, ey, tja, hmm. Keine Ahnung.

Und ich bin auch einfach hundemüde.

Tag 3781 und 3782 – Putzputzrödel.

Ein großes Haus macht echt viel Arbeit, wer hätte das gedacht. Folgen Sie mir für weitere Tipps von Captain Obvious. Es zeigt sich auch: ich habe ein Kind, das sehr gerne hilft, vor allem bei so „Erwachsenen-“ Sachen, und eines, das… naja. Dabei viel mosert. Und versucht, sich durch besonders schludriges Arbeiten über „Orrrr gib her, ich mach das grad!“ unsererseits um die Arbeit zu drücken.

Weihnachtlich ist es irgendwie noch nicht. Keksteig ist im Kühlschrank (jaja, viel zu spät…), vielleicht hilft das ja. Und heute haben Herr Rabe und Pippi die größte Schnittblume des Jahres aus dem Garten geholt. Wir haben da so viele Tannen und Fichten, die da nicht sein sollen, und eine Tanne hatte ideale Weihnachtsbaummaße. Das ging für die Tanne nicht gut aus. Und wir haben den frischesten Weihnachtsbaum aller Zeiten.

Heute haben wir, wegen einer spontanen Planänderung, den Kindern Hosen gekauft. Pippis Lieblingsjeans hat inzwischen zwei dicke Löcher, eins am Po und eins im Schritt. Und Michel möchte plötzlich doch auch Jeans tragen. Beide Kinder wachsen wie Unkraut. Also waren wir bei den großen Ketten und jetzt haben die Kinder die Jeans ihres jeweiligen Begehrens. Ich verkneife mir den Kindern gegenüber jeglichen Kommentar, dass Baggy auch 1999 schon eigentlich scheiße aussah. Das dürfen sie selber lernen und sie sind beide aus dem Alter raus, wo wir sie noch dazu zwingen konnten, bestimmte Dinge anzuziehen oder nicht anzuziehen. This too shall pass.

So gehen hier die Vorweihnachtstage ins Land. Zwischendurch versuche ich irgendwie, mir das hier zu erschließen:

Ohne die ganzen Vorschläge und kleinen Noten habe ich jetzt, glaube ich, die ersten vier Zeilen Rhythmisch verstanden. Hurra. Aber das Zählen ist allein schon ne Herausforderung und dann kommt noch dazu, dass mein Bogen gar nicht vier Meter lang ist. Die Markierungen sind übriges von meinem Geigenlehrer, aus Zeiten, wo er selbst daran arbeitete. Das ist sein Buch, ich darf das leihen. Rode 24 Capricen ist das, und die sind überraschend schön, aber wirklich hart.

Und Laune ist auch. Gestern Abend war’s echt fies.

Tag 3773 und 3774 – Piep, piep, piiieeep.

Hier ist zu viel los und ich bin zu müde für alles und zu overpeopled. Heute haben wir einen Ausflug nach Oslo gemacht, waren auf einem Weihnachtsmarkt mit Hipstergemachten Handarbeitsdingen und dann noch im Nerdladen (verkaufsoffener Sonntag). Der Weihnachtsmarkt war sehr nett, aber zum Teil auch echt sehr teuer. Was ich sehr gut fand: es gab drei Sorten Würstchen vom Grill und die veganen waren am billigsten. Gut, waren immer noch 69 Kronen…

Gestern waren zwei Vorstellungen von Pippi, erst mit ihrer Band, dann von ihrer Ballettgruppe. Beides hat sie super gemacht und wir sind sehr stolze Eltern. So groß ist die schon! Wahnsinn, wirklich.

Naja. Ist schon berechtigt, Sonntags abends einfach ins Bett zu plumpsen.

Tag 3709 – Teenager.

Happy Birthday, Michel! Jetzt ist er schon 13 Jahre alt, das ist wirklich nicht zu fassen, wie diese Kinder einfach wie Unkraut wachsen und groß werden. Ich könnte mir allerdings grad keinen besseren 13-Jährigen wünschen, denn ich finde, dass er einfach so gut ist, wie er ist. Lustig, nerdig, fürsorglich, mit einem sehr großen Herz für alles und alle und einem überbordenden Gerechtigkeitssinn. Schlau ist er auch und natürlich sehr gut aussehend, wie sollte es auch anders sein, bei der Mischung an Genen. Diverse Schulprobleme scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben (Klopf auf Holz!) und dadurch kommt er auch besser mit seinen anderen kleinen Baustellen klar. Lediglich Bildschirmzeit ist ein ewiges Nervthema. Aber mei, wenn das unser größtes Problem ist, geht es uns wohl wirklich sehr gut.

Die Geschenke kamen auch sehr gut an, hier baut er einen von Pippi geschenkten PlusPlus-Zwerg zusammen, der im Dunkeln leuchtet. Später spielten sie noch friedlich zusammen Mario Cart auf der neuen Switch (nicht wirklich ausschließlich seine, aber eine, auf der zumindest keine kleineren Kinder spielen sollen, weil die dann seine Accounts kaputt machen). Michel hat gewonnen, gegen Herrn Rabe auch. Alles war heute sehr harmonisch.

(Minus den Part wo ich beim Backen versehentlich einen Teller zerdeppert habe und sehr gestresst und laut fluchend die Scherben aufsammelte und dann hektisch einen der zwei Staubsauger suchte, weil ich eigentlich echt keine Zeit für kaputte Teller hatte. Aber darüber reden wir jetzt nicht.)

Morgen feiert er mit seinen beiden besten Freunden (beide mindestens genauso nerdig wie Michel) im Indoor-Trampolinpark. Das hat er sich so gewünscht, also soll es so sein. Ich backe morgen früh noch glutenfreie Brownies*, damit der eine Freund auch Kuchen essen kann, Chips und Cola sind auch besorgt, das werden wir schon schaukeln. Sie sind ja keine Kleinkinder mehr, sondern, schockierend, Teenager.

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*mit einer Backmischung, die ich aber schon mal gemacht habe und die Brownies sind echt lecker, die stehen denen mit Weizenmehl wirklich in nichts nach.

Tag 3697 und 3698 – In der Hauptstadt.

Die Kinder haben Ferien. Das heißt, es ist auch kein Korps, kein Musikunterricht, kein Ballett. Das entzerrt hier zu Hause so einiges. Das ist schön.

Pippi hatte sich gestern gewünscht, mit zu meiner Arbeit kommen zu können. In den Sommerferien war sie ja mal bei Herr Rabes Arbeit, gestern also bei mir. Ich hatte sie gewarnt, dass das furchtbar langweilig sein würde, aber sie fand es ganz gut. Ein bisschen Langeweile ist ja auch mal ganz gesund. Und ich hab jetzt einen viel schöneren Büroplatz.

Unsere Kantine konnte mal so gar nicht punkten (das ist wirklich nicht überraschend), aber unsere Kaffeemaschine, in der man Kakao holen kann, dafür umso mehr.

Nach der Arbeit machte ich Pippi noch glücklicher, indem wir Schuhe kaufen gingen. Ihre herbsttauglichen Schuhe befanden sich in einem unverantwortbaren Zustand der Auflösung. Es sind günstige Wanderschuhe aus der Damenabteilung geworden und Pippi ist überaus zufrieden. So Kindersachen sind nicht mehr ganz so populär. Hach ja.

Michel fuhr heute nicht mit mir zur Arbeit, sondern nachmittags ganz allein nach Oslo. Dort traf ich ihn am Bahnhof. Es hat wirklich gut geklappt, wir haben zwischendurch ein paar mal telefoniert, weil er aufgeregt war, aber er war rechtzeitig (zwanzig Minuten zu früh) am Bahnhof, hat sein Fahrrad ordentlich angeschlossen, saß im richtigen Zug und ist an der richtigen Haltestelle ausgestiegen. Meine Kinder sind jetzt beide so groß, dass man die alleine (mit Hilfestellung per Telefonsupport) auf den ÖPNV loslassen kann! Pippi ist jetzt nämlich auch schon ein paar mal alleine zum Tanzen gefahren – mit dem ÖPNV dauert das, weil wir in einem Kaff wohnen, eine Stunde. Sie hat das super gemacht und ist sicher einen Meter dabei gewachsen. Und heute eben Michel, der ganz allein mit dem großen Zug fährt. Meine Babies…

In Oslo trafen wir uns, weil Michel zum Friseur gehen wollte, die Frisur nachschneiden. Jetzt sieht er wieder sehr fresh aus. Und weil auch dieses Kind Bedarf an Kleidung hatte, waren wir ebenfalls in dem selben Laden wie gestern und kauften eine Jacke für den Herbst und je nachdem wie der so wird vielleicht noch einen guten Teil Winter. Ich möchte es nicht Übergangsjacke nennen, das klingt so nach rausgeschmissenem Geld. Ich suchte Michel zwei wasserfeste, gefütterte, schwarze Jacken raus, er suchte eine aus. Ich fragte, ob er zufrieden sei, oder ob er lieber was anderes hätte, nicht schwarz zum Beispiel, er sagte, „Ja, orange!“, dann lachten wir beide und bezahlten die schwarze Jacke. Michel hat den Tag auch sehr gut gemeistert. Aber es ist schon auch interessant, an welchen Punkten meine Kinder Hilfe brauchen und wo nicht, und wie unterschiedlich das zwischen den beiden ist.

Insgesamt zwei schöne Tage mit den beiden wertvollsten Schätzen.

Tag 3680-3682 – Wochenende Kurzabriss.

Morgen klingelt der Wecker wieder sehr früh, ich muss also sehr schnell tippen.

Freitag war Nix. Nicht mal ne Dunstabzugshaube habe ich gekauft. Unsere Dunstabzugshaube macht nämlich nur Lärm, aber saugen tut sie nichts. Das ist jetzt irgendwie ungünstig, vor allem weil wir eine alte Ikea-Küche haben, mit einer Ikea-Dunstabzugshaube drin, die komplett andere Maße hat, als die Geräte, die laut Stiftung Warentest gut sind. Und weil die Küche alt ist (also noch Faktum und nicht Metod) kann man da auch nicht mal eben nen anderen Schrank reinsetzen. Am Freitag habe ich ziemlich viele Testberichte gelesen. Für einen Monat habe ich jetzt eine Flatrate. Die Spülmaschine muss nämlich auch eventuell neu und der Herd und dann auch der Backofen und dies und das und jenes. Also all diese Geräte tun es noch (im Gegensatz zur Dunstabzugshaube), aber speziell bei der Spülmaschine ist ein bisschen die Frage, wie lange noch.

Freitag Abend habe ich Kisten ausgepackt und einen halben Raum „fertig“ (mit großen Anführungszeichen) gemacht. Man kann da jetzt Boden sehen!

Samstag haben wir Pippis Geburtstag mit ihren Klassenkameradinnen nachgefeiert. Dazu hatten wir die Ballettschule gemietet, und das heißt, die machen alles, wir müssen nur Kuchen und Limo und so mitbringen. Das war recht entspannt für uns so. Die Mädels hatten super Spaß mit dem großen Airtrack und Stoptanzen und Stille Post. Langsam sind sie auch so groß, dass es nicht aus reiner Überforderung irgendwann Tränen gibt. Alles sehr schön. Wir haben sogar eine Freundin von Pippi mitsamt Papa danach noch auf einen Tee zu uns eingeladen, und das obwohl hier doch das Chaos immer noch herrscht. Aber die Freundin wohnt drei Orte weiter (das ist keine Klassenkameradin, sondern ein Mädchen, das Pippi mal im Schwimmbad aufgegabelt hat) und sie sehen sich nicht so oft. Der Papa ist auch sehr nett, und wirkt nicht judgy, was Chaos angeht. Und bevor der erst noch ne halbe Stunde nach Hause gurkt, und dann wieder zu uns und zurück, haben wir ihn halt mit eingeladen. Und es war auch sehr nett. Gerne wieder. (Was ist los mit mir???)

Ok, abends bin ich dann einfach wehrlos eingepennt. Wir hatten Sushi gegessen und danach war ich satt und weil ich fror, war ich auch dick eingepackt und, tja.

Heute haben die Kinder mit dem Korps auf einer Konfirmation gespielt, das hat Tradition, dass der Korps bei den Konfirmationen der Mitglieder spielt. Michel hat auch noch mal einige Fragen zur möglichen Konfirmation (christlich vs. humanistisch vs. irgendwas selbst geklöppeltes) gestellt. So langsam reift es in ihm, dass die Wahl auf ihn zukommt, ob er nun will oder nicht. Die Kinder haben schön gespielt. Memo an mich: Pippis Uniforms-Handschuhe sind zu klein und vor allem kaputt, die müssen ausgetauscht werden.

Danach haben wir hier herum gerödelt. Ich habe das Kaminzimmer (wie das klingt!) von einigen Kisten befreit und weitere drei Kisten ausgepackt. Das klingt wenig, aber ich habe auch viele, viele Bücherkisten zur Hälfte ausgepackt, nämlich die Bücher, die oben ins Wohnzimmer dürfen. Die stehen jetzt im Regal. Da stehen jetzt auch Blumen. Und Deko. Und Bilder. So langsam wird es persönlich und heimelig. Außerdem habe ich viele Kisten da hin geräumt, wo ihr Inhalt am Ende mal sein soll. Jetzt stehen nur noch ganz wenige Kisten einfach wahllos im Kaminzimmer rum. Aber das sind Kisten mit Inhalten, die wir entweder noch nicht auspacken können, weil uns Möbel fehlen, um es rein zu räumen (Bücher zum Beispiel) oder für die ich mich wirklich so gar nicht zuständig fühle. Ich wohne hier ja nicht alleine.

Abends haben wir eine Dunstabzugshaube bestellt. Wegen Lieferzeit habe ich jetzt knapp zwei Wochen, um wen aufzutreiben, der uns ein neues 150 mm-Loch in die Küchenwand macht, weil, wie gesagt, die Maße von allen Geräten, die nicht Ikea sind, anders sind, als die von Ikea. Und die existierende Lösung sieht bereits so aus, als sei da was passend gemacht worden, was vorher nicht so richtig gepasst hat. Das wird also potentiell noch ein bisschen spaßig alles.

Tag 3679 – So wie es sein sollte.

Wir hatten heute Morgen das erste Gespräch mich Michels neuem Klassenlehrer, an der neuen Schule. Wir, also Herr Rabe und ich, sind jetzt übrigens auch in dem Alter, wo einige der Lehrpersonen unserer Kinder jünger sind als wir, und das ist sehr seltsam für mich. Der neue Klassenlehrer ist schätzungsweise so Anfang 30, trägt Caps (falschrum) und Hoodie, ist tätowiert und sieht aus, als würde er viel Kraftsport betreiben. Er ist auch sehr nett. Was aber viel wichtiger ist: Michel blüht wieder so richtig auf. Selbst Mathe ist nicht mehr so schlimm, eigentlich ist alles an der neuen Schule gut, und absolut alles ist viel besser als es an der Barneskole war. Der Lehrer sagt, Michel sei sehr smart und weiß viel und kann das auch sehr gut wiedergeben und vermitteln. Das ist ja nichts Neues für uns, aber die letzten zwei Jahre kam das ja in der Schule nicht so gut an, und es ist total schön zu hören, dass er jetzt wieder Fakten rausballert. Da kann er er selbst sein und dann fällt ihm auch alles andere viel leichter. Wir haben auch zu Hause ein ganz anderes Kind. Also ja, all das ist quasi aus dem Neurodiversitäts-Lehrbuch, aber da hat die Barneskole ja komplett auf Durchzug gestellt und dann hat Michel eben mit Gewalt und mit mäßigem Erfolg das Rausblubbern von Wissen und Richtigstellungen und allgemeiner Klugscheißerei unterdrückt und war dementsprechend dann spätestens nach dem halben Schultag auch durch. Jetzt kann er das wieder machen, wird dafür wertgeschätzt und siehe da – alles läuft viel geschmeidiger und er hat auch kein Problem mehr damit, eine Schulstunde lang auf seinem Po sitzen zu bleiben. Wir müssen sogar kaum noch über Hausaufgaben streiten. Ich hab wirklich das Gefühl, dass wir unser Kind zurück haben.

Man soll ja nicht nachtragend sein. Es ist ja im Nachhinein eh auch nichts dran zu ändern. War doof, ist aber ein abgeschlossenes Kapitel. Jetzt kommt ein neues. Das macht mich froh.

Aber ich kann nicht unterdrücken, ein bisschen innerlich zu feiern, dass die Ungdomsskole so entspannt ist und bisher alles „total chill“. Das Argument für Erziehungsmethoden aus den 60ern war in der 6. und 7. Klasse ja immer, dass das die Kinder auf die Ungdomsskole vorbereiten sollte, wo angeblich gaaaaaanz andere Saiten aufgezogen werden sollten und wo alles viel strenger ist. Vielleicht gilt das ja an Elite-Internaten, aber in Pissel-Eidsvoll…? Wohl eher nicht.

Tag 3674 – SO!

Das alte Haus ist übergeben. Halleluja. Es gab keinen Stress wegen irgendwas, alles supi, 5 Sterne, gerne wieder. Oder so. Wir konnten uns auch fast gut vom alten Haus trennen.

Danach habe ich ein über Finn gefundenes, entzückendes kleines Schminktischchen abgeholt und dann haben wir den Rest des Nachmittages Pax aufgebaut. Das ging zwar überraschend gut und fix (bis auf die Schubladen auf die Schieben zu setzen, das war ein Akt, bis wir raushatten, wie das geht), aber dauert halt dann doch ne Weile.

Zum Abendessen gab es für jeden von uns Erwachsenen ein halbes Pikolöchen mit Prosecco, curtesy of ColorLine, zur Feier des Tages. Dann hatten wir einigermaßen Spaß damit, die Kinder mal zu halbwegs normalen Zeiten ins Bett zu kriegen. Beide sind außerdem total aufgeregt, weil morgen erster Schultag an einer neuen Schule ist, Pippi im mistneuen Neubau der Barneskole, Michel in der Ungdomsskole. Dementsprechend war das doch ein längerer Prozess und morgen früh wird wahrscheinlich für uns alle hart.

Tag 3671 – Putzeputz.

Sonntag (jetzt doch erst Sonntag, nicht morgen, auf Wunsch des Käufers) müssen wir das Haus übergeben und anders als in Deutschland reicht da nicht besenrein, sondern es muss so sauber sein, dass man aus jeder Ecke essen kann. Auch aus den Ecken hinterm Kühlschrank, aus den Ritzen vom Gummi der Spülmaschine und aus dem Kamin. Weil ich aber wirklich nicht mehr tagelang da rummachen will, haben wir heute 90% des noch zu tuenden Restes erledigt. Den Rest möchte ich gerne morgen Vormittag fertig machen. Alles, was danach noch kommt, ist Bonus, darunter fallen Aktivitäten wie noch mal Unkraut jäten und Rasen mähen. Ok, der Rasen müsste dringend gemäht werden, aber das darf der Käufer auch selbst machen. So.

Was ich gemacht habe heute, war den Rhabarber zu teilen. Im neuen Haus ist zwar ein Rhabarber hinter der Garage, aber ich habe da heute mal geguckt und der hat nur ein Blatt, vermutlich hält die Erde da nicht genug Wasser. Ich habe auch keine Johannisbeeren gesehen, vielleicht sind die auch gestorben. Ich werde also für den ausgebuddelten Teil „meines“ Rhabarbers ein schattiges, feuchtes Plätzchen suchen und dann Daumen drücken, dass er angeht, auch wenn es nicht die ideale Zeit ist, Rhabarber zu teilen.

(Also, ich habe auch sehr viel anderes gemacht, geschleppt und geputzt, aber das mit dem Rhabarber war nur für mich, weil ich das so wollte.)

Zwischendurch war ich noch mit Michel beim Kieferorthopäden, der… irgendwie aufgegeben hat? Also, der Überbiss von Michel ist jetzt auf ein okayes Maß reduziert, aber mit der losen Spange kommt man da jetzt nicht mehr weiter und… dann halt nicht, oder so. Sehr seltsam. Der Kieferorthopäde sagt, der Rest wäre auch eher kosmetisch (klingt teuer) und ob es überhaupt geht, ohne Zähne zu ziehen um mehr Platz zu machen, ist fraglich (klingt unschön). Der Kieferorthopäde sagt auch, mit dem Rest-Überbiss kann Michel leben und mit schiefen Zähnen auch, es sei halt die Frage, ob wir noch mehr machen *wollen* (klingt noch teurer). Michel möchte aber gerne gerade Zähne haben. Verständlicher Weise. Und er möchte das auch lieber jetzt, wo alle diverse Apparate im Mund haben, als irgendwann Mitte Zwanzig, wenn er Geld dafür zusammengespart hat. Auch das sehr verständlich. Aber seine Mutter möchte lieber gar nicht erst wissen, was eine zu hundert Prozent selbst bezahlte Zahnregulierung wohl kostet, wo schon die medizinisch notwendige echt viel Geld an Zuzahlungen gekostet hat. (Plus alle vier bis sechs Wochen ne halbe Stunde pro Weg das Kind durch die Gegend fahren.)

Seufz.

Jetzt lieber schnell schlafen, morgen muss noch mal gesaugt und gewischt werden.

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P.S. Die Batterie von meinem Fahrrad ist aufgetaucht, aber der Computer und der Schlüssel leider nicht.