Tag 1005 – Geht grad so.

Gestern im Flugbuss fiel mir ein, was ich vergessen hatte: meinen Bikini. Aber jetzt soll ja das Wetter ab morgen nicht mehr so prall sein, heute schien aber die Sonne und alles war so grün und das Wasser glitzerte so verlockend zu uns rüber, also gingen wir eben doch über die Straße. Höhö. Das Meer ist nämlich direkt über die Straße! Alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und schön war’s, wenn auch in der Sonne wirklich sehr heiß und im Kleid nicht so erfrischend. Deshalb beendeten wir den Ausflug nach etwa eineinhalb Stunden und fuhren in ein „nahe“ gelegenes Einkaufzentrum, mir einen Bikini zu kaufen. Die Anführungszeichen sind dem geschuldet, dass es nah aussieht, man aber irgendwie einmal komplett um Split rumgurken muss, um da hinzukommen. Wie dem auch sei, ich kaufte im erstbesten Laden einen Bikini (in Türkis, weil <3 Türkis, in Wickeloptik oben, weil ist grad in, mit Push-up oben, weil sah gut aus und mit einem für meine Verhältnisse knappen Höschen, das noch nicht mal mein Feuermal auf dem Po komplett bedeckt. Auf meine alten Tage wird’s mir tatsächlich egal.), verkniff mir dann in Laden 2-73 nachzuschauen, ob’s sowas ähnliches nicht auch für viel billiger gegeben hätte und wegen quengeliger, müder (war spät gestern) und absolut konzentrationsloser Kinder war es dann auch schon wieder spät und bis wir wieder am Strand waren ganz schön kalt. Aber da bin ich ja härter.

(Mein Mascara ist auch härter.)

Hier noch ein paar Bilder von Strand-Ausflug 1:

(Die Kinder sind so weiß wie ich, wobei man bei Pippi schon deutlich dunklere Töne sieht als bei mir und vor allem Michel, dem weißen Spargel. Und allesamt haben wir etwa die Farbe der Steine.)

Ein paar Fossilien. Wir haben wirklich viele gefunden, von Schnecken und Moosen und so, Michel ist ganz aus dem Häuschen.

Anekdoten:

  • Michel am Geldautomaten, als die Quittung zur Abhebung rauskommt: „Hast du jetzt gewonnen, Mama?“ (in Norwegen haben wir nur alle Jubeljahre Bargeld, dafür drücken wir bei der Pfandrückgabe immer den Lotterieknopf, auf dem Pfandbon steht dann eben, ob man gewonnen hat oder nicht.)
  • Auch Michel: „Murmelmurmelmurmel?“ Ich: „Was hast du gesagt?“ – „Hatteledessu?“ – „Ich versteh dich nicht, sag’s mal auf deutsch.“ – „Hat den* Läden ssu?“ (Hupsi. Hatte er vorher auch gesagt. Auf deutsch.)
  • Pippi, die ihren ersten Stein ins Wasser schmiss. Und freudig auf das Plumpsen wartete. Was nicht kam. Es war ein Bimsstein. Und Pippi dann sehr verwirrt.
  • Pippi, die auf den Schultern von Herrn Rabe einfach einschlief.

Dochdoch, schon schön hier.

___

*typisch Michel: alle Artikel im Deutschen werden kurzerhand durch das norwegische „den“ ersetzt, Fälle gibt’s auch keine mehr, fertig ist die Laube. Manchmal zweifle ich dieses Zweisprachigkeitsding echt stark an.

Tag 267 – Gute Zeiten, nicht ganz so gute Zeiten

Was gut ist: frische Luft am Morgen. Macht wach und froh. 

Was nicht so gut ist: ich bin zu unfit, um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und danach in den 5. Stock hochzulaufen ohne im 4. Stock fast zu krepieren (und dabei von meinem super fitten Chef erwischt und überholt zu werden. Ey, der ist fast 60!!!). 

Was gut ist: meine zwei „großen“ Pipetten sind jetzt justiert. Und wieder innerhalb der Hersteller-Spec.

Was nicht so gut ist: das hat drei Stunden gedauert und war Ultra nervig und die „kleine“ Pipette kann ich wegen unzureichender Waagenauflösung leider nicht justieren. Hrmpf. 

Was gut ist: meine Zellen leben noch. 

Was nicht so gut ist: im falschen Medium (nicht meine Schuld, sondern die von Mr. I trust you).

Was gut ist: jetzt sind sie im richtigen Medium.

Was nicht so gut ist: möglicherweise überleben sie das nicht so gut, vermutlich sind sie auch etwas gestresst jetzt und das ist nicht gut für die Experimente.

Was gut ist: Pippi kommt ausgesprochen gut mit Herrn Rabe klar. Heute haben sie mich bei der Arbeit besucht und wir haben Kaffee in der Sonne getrunken. Das hat Pippi aber verschlafen. 

Soooooonne!


Was nicht so gut ist: sobald ich nach Hause komme, klebt sie sich wie mit Superkleber eingeschmiert an mich. Ich kann nicht mal aufs Klo ohne ein heulendes Baby an meinem Bein. Da waren wir schon mal weiter. Ich kanns ja auch verstehen, aber nerven tuts trotzdem. 

Was gut ist: ich habe mir einen (schweineteuren) Still-BH gekauft MIT BÜGELN (in your face, norwegische Still-BH-Industrie!) und er sitzt bombig. 

Was nicht so gut ist: „nude“ ist keine Farbe.

Wozu mit kein „was gut ist“ einfällt und was einfach total für’n Eimer ist: ich vertrage irgendwas nicht. Irgendwas macht mir ab dem frühen Nachmittag Bauchschmerzen und kurz drauf muss ich immer an die Frauen aus der Activia-Werbung denken, die in pastellfarbenen Blusen in sehr weißen Küchen und Wohnzimmern ihren ebenfalls in Pastelltönen gekleideten Freundinnen, Müttern und Töchtern schamvoll offenbaren: „Ich fühle mich so aufgebläht!“. Das zieht sich dann bis in die Nacht. Erst dachte ich an den Frühstücks-Joghurt, aber der ist es nicht. Dann dachte ich an die Eisentabletten, aber die sind es auch nicht. Bleibt: Müsli oder ein Bestandteil davon (unwahrscheinlich, leider) oder (und das wäre für mich wirklich schlimm) Vollkornbrot. 

Tag 233 – Sonne, Strand und Meer. Korfu Tag 3

Also erstmal weil hier die Frage kam: wir sind im Norden Korfus, in der Nähe von Acharavi. Wenn man vom Strand aus geradeaus guckt, sieht man die Küste von Albanien. Da werden wir wohl auch mal einen Tagesausflug hin machen. Leider ist Paxos entsprechend weit weg, das müssen wir mal schauen, ob wir die Muße haben, durch die komplette Insel (und über diese kurvigen, buckeligen, engen Gruselstraßen) zu fahren. 

Heute waren wir wieder am Strand. Dieses Mal früher und länger. So lange, dass Michel den halben Strand umgegraben hat und auch Pippi hat ihren ersten Kontakt mit Sand gehabt und wollte gar nicht mehr weg. Die Ferienhausvermieter hatten heute morgen jede Menge Sandspielzeug hier gelassen, sodass Michel sich kaum entscheiden konnte, ob er lieber den Bagger oder das Boot oder die große Schaufel mitnehmen will…

 

Käseweißer Michel. Mal sehen, ob sich an seiner Hautfarbe im Laufe des Urlaubs was ändert, oder ob er die Haut seiner Mutter geerbt hat (ich hoffe es nicht). An seinem rechten Knie eine fette Schürfwunde, die gestern in der steilen Einfahrt entstand und lange und laut beklagt wurde.


 

Pippi aß größere Mengen Sand und ließ sich auch durch den Hinweis, dass der den üblichen Weg raus finden wird und das möglicherweise etwas scheuert nicht davon abbringen. Außerdem perfektionierte sie den Pinzettengriff an einigen kleinen Blättchen und Ästchen.

  

Ich passte auf, dass sich Pippi nichts lebendiges in den Mund steckt und machte derweil ein kleines Sportprogramm. Herr Rabe lachte über mich und meine Fahrradfahrsitups (für die schräge und untere Bauchmuskulatur) und wieder mal finde ich es ungerecht, dass immer die Frau* die Babys austrägt und sich hinterher mit Scheiß wie schlaffem Beckenboden und auseinanderklaffenden Bauchmuskeln herumschlagen muss. Selbst wenn die Männer* co-schwanger werden, beschränkt sich das ja nur auf vermehrtes futtern (meist auch nur von Süßkram, ohne die Klischee-Saure Gurke). Ich hab jedenfalls noch nicht von Männern* mit Hyperemesis gravidarum oder Symphysenlockerung gehört (Moment, haben Männer* überhaupt eine Symphyse?). Aber egal, ich bin abgeschweift. Jedenfalls zog ich mein Sportprogrämmchen durch. Pippi aß fast eine ganze Scheibe Brot und stillte danach halbherzig ein Minibisschen. Und erzählte mir dabei grinsend was. Da brach ich das Stillen dann ab. Michel aß auch ein bisschen Brot, dann fiel ein Teil in den Sanf und sorgte fast für einen Eklat, aber glücklicherweise hatte Herr Rabe noch eine Extrascheibe eingepackt, sodass Michel nicht verhungern musste. 

Als es etwas frischer wurde brachen wir langsam wieder nach Hause auf. Sehr langsam. Wir grüßten die Schafe (Milchrasse, eindeutig. Ganz schön dicke Euter (?) können so Schafe haben.), Michel pflückte dauernd Blumen, wir sahen Schmetterlinge und Bienen und Hummeln und Wespen und ich weiß nicht was noch für Krabbelgetier. Und dann duschten wir draußen am Ferienhaus den Sand und die Sonnencreme (und die unheilige Verbindung von beidem an Michels Körper) runter. Warm, die Dusche hat nämlich auch solargewärmtes Wasser. 

Da ging dann auch das Internet wieder, das war nämlich irgendwie kaputt gewesen heute morgen. Wir sind da ja schon etwas süchtig…

Und zum glorreichen Abschluss kam noch N., als wir gerade auf der Terasse zu Abend aßen (DER FETAKÄSE!!!) und gab Michel ein Piratenstrandtuch, obwohl wir nur zwei Strandtücher „bestellt“ hatten, weil: als würde Michel am Strand auf einem Handtuch sitzen, haha. Egal, Michel freute sich natürlich tierisch.

Jetzt schlafen die Kinder. Herr Rabe sitzt noch bei Michel, mal sehen ob er da eingeschlafen ist. Eigentlich wollten wir nämlich ein Glas Wein zusammen trinken. 

Ja, es ist ganz ok hier ;)

* die Sternchen sind Platzhalter für alle die sich in der gängigen Definition von Frau/Mann nicht wiederfinden. Babys gebären können setzt schließlich nur einen Uterus voraus, nicht mehr und nicht weniger. Und der/die Partner*In eines Menschen mit Uterus kann ja jede*R sein.