Tag 1773 – Flashback.

Ich war so ein süßes Kind…

Meine Omi war eine große, schlanke Frau und ich hab jetzt hier so einen Seidenrock, von ihr für sich genäht, high waist und bodenlang und muss den kürzen, weil der bei mir selbst mit high heels ne Schleppe hat. Aber macht ja nichts, ich habe jetzt Nadeln für Seide. Geerbt. Seufz.

Im Garten fand ich Rosen, Waldmeister und tonnenweise wilde Erdbeeren.

Falls ich noch mal herkomme, werde ich den Waldmeister ausgraben und zumindest versuchen, den nach Norwegen einzuschleppen zu exportieren und da an irgendeinem nah gelegenen Wäldchen anzusiedeln.

Jetzt denke ich an Omis Waldmeisterbowle und bin müde und schwermütig.

Tag 1772 – Mach’s gut, Omi.

Im Garten in Norwegen blüht der Holunder.

Omi hat früher manchmal Fliedersekt gemacht, das ist ein (heute weiß ich das) milchsäurevergorener Ansatz aus Holunderblüten und Zucker. Ich durfte das trinken, auch wenn da ein bisschen Alkohol drin ist, ich durfte aber ja auch die Früchte aus Bowle haben und Berliner Weiße.

Omi macht nun nie mehr Fliedersekt und trinkt auch keine Berliner Weiße mehr.

Ich durfte noch einen halben Tag mit ihr verbringen, auch wenn sie schon den Weg angetreten hatte, war das gut. Ob sie gemerkt hat, dass wir da waren, keine Ahnung.

Als wir gingen, ging kurz drauf auch sie.

Mach’s gut, Omi. Gute Reise.