Tag 3036 – Bis irgendwann, tschüssi und hallo.

First things first: Michel ist wieder da und er hatte ein gutes Wochenende. Herr Rabe ist krank, hat aber kein Covid. Pippi hat inzwischen ein ganzes Papierhaus für ihr Papierfigürchen gebastelt und füllt das mit einem kompletten Haushalt voller Papiergegenstände. Es würde mich nicht verwundern, wenn sie demnächst einen winzigen Papier-Stabmixer oder eine Papier-Weichspülerflasche* bastelt.

Ansonsten hatte ich heute Geigenstunde und habe meinem Lehrer mutig mein Leid geklagt und gesagt, ich brauche eine Pause von dem Sch*** Bach Presto, weil ich es inzwischen ein bisschen hasse und das nicht gut ist für das Problem, was macht, dass ich es hasse: stellenweise sehr angespannte linke Hand (Weils halt auch einfach sehr seltsam und unbequem ist von den Fingersätzen her und dabei in gnadenlos immer gleichem, schnellem Tempo ohne Pause. Und das ist noch eins der eher einfacheren Stücke. Bach hat wahrscheinlich ganz einfach Musiker*Innen gehasst.) die ich nach dem Stück, wenn ich denn mal ganz durch komme, ausschütteln muss und die sich dann anfühlt, als sei ich auf den Fingern einen Kilometer gesprintet. Ich glaube das soll nicht so. Der Lehrer war darin sehr einig und ich mache jetzt eine kleine Bach-Pause. Mein anderes Stück, Chanson Triste, habe ich in den letzten zwei Wochen soweit poliert, dass ich zufrieden war (und bekanntlich will das was heißen) und in der Stunde habe ich dann noch den Entscheidenden Letzten Tipp(TM) bekommen. Danach habe ich es noch ein Mal gespielt (und den Tipp umgesetzt) und dann meinte der Lehrer sinngemäß, gut, reicht, fertig damit. Tchaikovsky wandert also in die Schublade**. Dvorak Humoresque hatte ich mir vor zwei Wochen ausgesucht, als Kontrast zu sowohl Tchaikovsky als auch Bach. Das ist fast ein bisschen einfach und der Lehrer war heute schon ziemlich happy damit, ein paar Kleinigkeiten noch, aber ich kann ja nicht nur das üben, da langweile ich mich ja zu Tode, also drucke ich morgen neue Noten aus und gehe zurück zu Vivaldi, Violinkonzert, diesmal in a-Moll. Hurra. Neues Futter.

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*Nicht dass Sie jetzt sonstwas von uns denken: der Weichspüler sammelt bei uns immer sehr viel Staub, weil wir den nur für zwei der Sofadecken benutzen. Die waschen wir so… zwei mal im Jahr vielleicht? Oder wenn irgendwas ist eben, was drauf ausgelaufen oder so. Alles andere wird ohne Weichspüler gewaschen. Handtücher kommen für den Flauschfaktor in den Trockner.

**Oder, mal sehen. Ich kann das ja nicht einfach so weglegen. Und ich ärgere mich darüber, dass insbesondere YouTube scheinbar voll ist von Menschen, die eigentlich auf viel höherem Niveau spielen (Lehrpersonen z.B.), die dann „Schüler*innen-Stücke“ spielen. Nichts daran ist relatable für mich, ehrlich gesagt. Also, ja, nett, dass ich mir 26 Versionen zwischen super und perfekt anhören kann, aber ich hätte gerne mehr normale Leute, die halt auf dem Niveau sind, dass die Stücke noch eine Herausforderung darstellen und wo man das auch sieht und hört. Und dass man auch deutlich über 6 Jahre alt sein kann und das trotzdem nicht so aus dem Ärmel schüttelt. Kinder sind nämlich die einzigen, die man so findet, bei denen deutlich ist, dass sie noch lernen. Ich muss das mal überlegen, was ich damit mache. Bei Gelegenheit.

Tag 3035 – Rumhängen.

Wir machen im Grunde nicht viel. Michel ist bei seinem Kumpel und kommt nicht wieder, verständlich, die sind cooler als wir. Pippi bastelt. Herr Rabe ist ein bisschen krank. Ich rödele, habe heute lange Geige geübt (zu lange, am Ende war ich unkonzentriert) und abends zu lange Lego gebaut. Sowohl Bach als auch das Lego-Set ärgern mich. Beim Lego-Set fehlen Schritte in der Anleitung und ich hatte jetzt schon zwei mal fehlende Steine. Dafür bleiben echt enorm viele kleine Fitzelsteinchen übrig, auch das hatte ich in der Ausmaß noch nicht. Beim Lego bauen muss ich mir auch einen Fingernagel quasi abgeklipst haben, was ich erst merkte als ich aufs Klo ging und in meiner Strumpfhose (immerhin eine dicke aus Baumwolle) hängen blieb. Bach ist mal wieder an einem Punkt, an dem ich ihn einfach aus dem Fenster werfen möchte, es ist immer noch das selbe, eigentlich nicht mal sonderlich schwierige Stück und es widersetzt sich meinen Fingern stellenweise echt hartnäckig.

Schlafen hilft. Gute Nacht!

Tag 3029 – Augenzucken.

Ach ja, Wochenende. Heute passierte so ca. gar nichts, das des Festhaltens würdig wäre. Das ist auch mal ganz schön. Leider reichte ausgiebig schlafen, essen, Geige spielen und Lego bauen nicht aus, um mein linkes unteres Augenlid vom Zucken abzubringen. Seit Mittwoch zuckt es ständig (mit Pausen) und lässt mich wesentlich gestresster wirken, als ich mich fühle. Ich nehme eh schon täglich Magnesium und dürfte da eigentlich keinen Mangel haben. Wenn ich mehr nehme, muss ich an anderen Stellen durch Ernährung den Nebenwirkungen entgegenwirken, was auch keine richtige Option ist. Es nervt jedenfalls kolossal. Langsam überlege ich, ob das ein Teufelskreis sein könnte: durch Stress und Nerv fängt das Auge an zu zucken, was nervt, was wiederum zu Zucken führt. Ein positiver Feedback-Loop. Nur halt einer, den eigentlich keine braucht.

So, Licht aus. Dank Normalzeit bin ich immerhin zu einer halbwegs normalen Zeit müde. Hurra!

Tag 2777 – Ferienkinder (und arbeitende Erwachsene).

Die Kinder haben nächste Woche Winterferien, das heißt, Michel wird wohl sehr viel PlayStation spielen (Hogwarts Legacy, das hat er seit letzter Woche und macht eigentlich wenig anderes seither) und dabei den Fernseher anschreien. In seinem braunen Pulli und ohne Hose, wie sich das für einen mittelgroßen Sesselpupser gehört. Pippi geht zum Sport-Hort, wo sie alles mögliche an Aktionen machen. Zum Beispiel, und das dürfte an einigen Orten noch mehr schockieren als dass Michel Hogwarts Legacy spielen darf, feiern sie nächsten Freitag Karneval. FREVEL!

Pippi hat heute schon den ganzen Tag mit ihrer Freundin N. verbracht, sie haben zusammen die Oma von N. besucht, was ich sehr begrüße, weil unseren Kindern im Leben ja irgendwie alte Leute total fehlen. Am Abend bekamen wir hier zwei total aufgekratzte Mädels abgeliefert (Omas scheinen auch in Norwegen die Enkelkinder gerne mit Süßkram zu füllen) und jetzt schläft N. bei uns. Das haben wir zugesagt, bevor wir erfuhren, dass N. gerne mal um halb fünf aufsteht. Aber da wir beide morgen arbeiten müssen, ist das vielleicht auch gar nicht so dramatisch? (DOCH!) Ich hoffe, sie schlafen wenigstens bis sechs… ansonsten können wir Pippi auch morgen Abend vergessen, die wird das heulende Elend, wenn sie zu wenig geschlafen hat. Jedenfalls wird Herr Rabe die Mädels dann morgen zum Sport-Hort bringen und wir fahren beide ins Büro – Michel kann auch alleine PlayStation spielen. Es wird aber ein kurzer Büro-Tag für beide von uns.

Michel hat mir aufgetragen, aus Oslo einen Tacker mitzubringen. Er hat heute im Probenraum von Herr Rabes neuem Musikkumpel nämlich einen Tacker gefunden und war hellauf begeistert, aber der Uralt-Tacker, den ich von meiner Oma geerbt hab, entspricht nicht ganz seinen Vorstellungen. Ich glaube, wir haben im Büro noch welche, die niemand braucht, falls die nicht alle weggeworfen wurden. Das Kind ist manchmal seltsam, aber wenn es einen Tacker begehrt, soll es einen Tacker bekommen.

Tag 2763 – Grusel.

Heute waren Herr Rabe, Pippi und ich Schlittschuh laufen. Michel hatte keine Lust, aber der Rest von uns wollte frische Luft und Tageslicht kombinieren. Es herrschte auch morgens noch strahlender Sonnenschein, bis wir loskamen war es etwas bewölkt aber immer noch gut und dann fuhren wir zur Eisbahn. Die liegt so 5 Meter höher als zu Hause, und wir fuhren gefühlt einfach in eine Wolke hinein, die da auf dem Boden festgeklebt war. „Eisbahn“ klingt so fancy, da kippt halt der Sportverein, der auch den Sport-Hort anbietet, im Winter sehr viele Kubikmeter Wasser auf den Sportplatz und dann hat man da einen Eisring, auf dem auch Eisschnelllauf trainiert wird. Aber es ist immer nett im Winter da ein bisschen zu laufen, es kostet nichts und ist halt ums Eck. Normalerweise wird ja auch auf dem Schulhof eine Eisbahn gemacht, aber da stehen jetzt Containerbauten herum, weil die Schule aus allen Nähten platzt. Die Schule wäre noch näher als der Sport-Hort-Sportplatz. Aber dafür wäre da heute nicht so ein Nebel gewesen. Endlich mal Nebelschlussleuchten- und Nebelscheinwerferwetter! Man konnte vom einem Ende der Eisbahn das andere Ende nicht mehr sehen und es war alles ein bisschen gruselig, aber sehr angenehme weil sehr feuchte Luft für frisch coronagenesene Lungen. Ich ließ es weiter ruhig angehen und fuhr in Pippi-Tempo entspannt ein paar Ründchen. Als der Nebel bei Pippi dazu geführt hatte, dass alle aus dem Helm (der eine eingebaute Mütze hat) herausguckenden Haare zu steifen Eiszapfen gefroren waren, fuhren wir nach Hause und tauten Pippi in der Badewanne auf und uns von innen mit Kaffee. Ach ja, das war mal wieder sehr schön.

P.S. auch sehr inklusiv das ganze, heute waren vier Einwanderinnen mit uns auf der Eisbahn, wohl alle aus der selben Familie, zwischen ca. Pippis Alter und etwas älter als ich, die eine seltsame Sprache sprachen, die ich nicht zuordnen konnte (vielleicht Indonesisch?) und die zum Teil sehr deutlich zum ersten Mal auf Schlittschuhen liefen. Das war ein bisschen drollig, aber es hatten alle Beteiligten sehr viel Spaß und zumindest wir waren auch sehr ermutigend. (Norweger reden ja nicht freiwillig mit Fremden, aber Einwanderer finden sich immer schnell.) Es gibt da so Pinguine, an denen man sich festhalten kann, wenn man noch nicht so sicher auf den Schlittschuhen ist, aber eigentlich sind die für Kinder und das machte die Mutter der Familie mit dem Pinguin nicht weniger drollig. Ich bin ziemlich sicher, dass ich so auf Skiern aussehe, es ist also wirklich nicht böse gemeint, das drollig. Schlittschuh laufen gehört hier halt dazu, Kinder lernen das allerspätestens in der Grundschule und manche Mütter machen dann gerne mit, mich freut das immer sehr.

Tag 2747 – Wochenende.

Fing nicht so super an, mit Migräne und Sozialkater. Ging irgendwann besser durch viel Selbst-Pampering, das aus Sport, Körperpflege, Geige und sich wie ein vollwertiges, verantwortliches, erwachsenes Familienmitglied fühlen (einkaufen, Essen machen, Wäsche waschen und so weiter) bestand. Abends habe ich The Bear zu Ende geguckt und jetzt ist mir ganz warm ums Herz. Die Serie war in norwegischen Medien wärmstens empfohlen worden, deshalb hab ich überhaupt rein geschaut. Anfangs war ich allerdings sehr skeptisch und brauchte ungelogen nach der Hälfte der ersten Folge eine Pause und konnte erst am nächsten Tag weitergucken. Keine Sorge, da ist nichts brutal oder so, aber die erste (und die siebte) Folge ist einfach unglaublich stressig, so sehr, dass ich mich fragte, ob irgendwer das freiwillig guckt. Eine Freundin versicherte mir aber, dass es besser wird und das wird es auch. Und es lohnt sich. Jetzt habe ich das Bedürfnis, die Serie direkt noch mal von vorne zu gucken, weil die so gut ist. So gut. 8 kurze Folgen sind auch ein überschaubarer Zeitaufwand. Disn** +. Hint hint.

Tag 2699 – Nicht viel zu erzählen.

Heute waren Pippi und ihr Übernachtungsbesuch um sechs Uhr wach. Ich war das nicht, also nicht wirklich, allerdings lag Michel bei uns schniefend im Bett und bevor ich um sechs Uhr morgens alle, inklusive Besuchskind, anschreie, habe ich mich in Michels Bett verkrochen, mit Ohrenstöpseln die Kinder ausgeblendet und noch eine ganze Weile weiter geschlafen. Danach der übliche Sonntagskram, Schweinchen sauber machen, Blumen gießen und so weiter. Dann rief ich meine Mutter an, während Herr Rabe mit Michel ein Lebkuchenhaus bastelte und Pippi inzwischen von allen Nachbarsmädchen gleichzeitig Besuch hatte. Als die weg waren, bastelte Herr Rabe ein weiteres Lebkuchenhaus mit Pippi.

Nachdem ich Pippi (die innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend schlief) ins Bett gebracht hatte, pröddelte ich noch ein bisschen in der Küche herum, brachte Müll raus und so, spielte eine knappe halbe Stunde Geige und ging dann baden.

Sonst war nix.

Tag 2642 – Platt und so weiter.

Während Herr Rabe heute mit Carona voller aufgekratzter Jungs in den Trampolinpark fuhr, um Michels Geburtstag (vor-) zu feiern, fuhr ich mit Pippi ins Schwimmbad. Man muss das nutzen, dass 1.-3.-Klässler*Innen, die in der Kommune zur Schule gehen, da freien Eintritt bekommen. Außerdem fand Pippi natürlich extrem ungerecht, dass sie nicht mit in den Trampolinpark konnte.

Herr Rabe klingelten nachher die Ohren, aber es war wohl gut.

Mir klingelte nachher auch alles Mögliche, aber auch Pippi hatte Spaß.

Nachmittags versuchte ich erfolglos, einige Menschen zwecks Listenerstellung für die Kommunalwahl nächstes Jahr zu erreichen. Der einzige, den ich erreichte, meinte, ich sei eigentlich doch auch ne tolle Kandidatin. Ja, äh, danke für‘s Kompliment, aber nein danke und darum geht’s ja auch gar nicht, sondern um dich! (Sagte ich nicht, oder besser: ich hörte nach danke fürs Kompliment auf.)

Danach räumte ich sehr lange die seit Wochen angestaute Wäsche in die Kinderschränke. Haben die viel Klamotten, ey. Vor allem wenn sich alles so im Elternschlafzimmer stapelt, in unterschiedlichen Stadien des Zusammengelegtseins (vorher, während und nachher – wenn nämlich schon mal wer im Korb gewühlt und alles wieder auseinandergerupft hat).

Weil ich morgen Carona zum Service fahre, bei dem auch die Reifen gewechselt werden, wuppte ich „mal grad“ die Winterreifen ins Auto. Die sind scheiße schwer. Macht keinen Spaß, die durch die Gegend zu tragen.

Dann war irgendwie schon 18 Uhr, die Erwachsenen hatten Hunger, aber keine Lust zu kochen, also taute ich Mac‘n‘Cheese auf.

Essen, Kinder ins Bett, Geige gespielt und Geige eingepackt, weil auch die morgen zum Service geht (wenn ich eh auf langer Jobreise bin, darf der Geigenbauer die ganzen „nackten“ Ecken mit Lack bedecken, damit ich nicht mehr mit dem Staubtuch am Holz hängen bleibe). Brotdosen gemacht, aufgeräumt, Wäsche angestellt, und jetzt freue ich mich auf das Zähne putzen. Wir haben für uns Erwachsene absolute Luxus-Zahnbürsten (elektrisch und im Angebot, sonst wären mir die auch echt zu teuer gewesen) gekauft, da fühlen sich die Zähne nach dem Putzen echt an, wie nach ner Zahnreinigung beim Zahnarzt. So glatt und sauber bis an den Zahnfleischrand und, es ist ein Wunder, aber ich kriege nicht mal Zahnfleischbluten davon. Ich kann da gerne in zwei Wochen noch mal ein Update zu geben, weil ich am Zyklusende immer gern so ziemlich überall blute (Zahnfleisch, Nase…). Aber bisher bin ich sehr begeistert.

Außerdem bin ich gespannt, ob ich recht damit habe, dass die Zahnbürste auf irgendwas zwischen A und C summt.

Update: C it is, aber ein bisschen flat, 258,9 Hertz.

Tag 2627 – Wochenenddinge.

Also, Pippi hat mich ja zum Backen gezwungen und es ist gut, dass ich zu Herrn Rabes Geburtstag schon mal so nen Unfall mit Butter-Schoko-Ei-Masse hatte und jetzt weiß, dass man das mit zusätzlichen Eiern gerettet bekommt. Und wenn man den Zucker auch tatsächlich in den Teig tut, statt ihn daneben zu stellen, schmeckt der Teig auch gar nicht so komisch. Morgens schon backen sollte ich lieber lassen, glaube ich. Aber die Muffins waren lecker.

Pippi war sehr aufgeregt und zur Abwechslung mal nicht viel zu spät, sondern stand schon zehn Minuten vor Abfahrt drängelnd an der Tür. Pippi und ihr Freund – ein sehr norwegisch aussehender Drittklässler mit hellblondem Haar und blauen Augen – benahmen sich erstmal wie Hundewelpen, die sich auf der Wiese treffen, und hüpften wild umeinander rum, aber sie beruhigten sich irgendwann. Pippi packte ihre Muffins aus, ich unterhielt mich kurz mit dem Papa, sagte Pippi noch mal schnell, dass sie keinen Scheiß machen soll und dann fuhr ich zu einem Treffen im überparteilichen Frauennetzwerk, wo es um Kommunalpolitik und den Einfluss von Sitzungszeitpunkt und -Vergütung auf die Zusammensetzung der politischen Gruppen ging. Das war sehr nett, aber auch sehr ernüchternd. Mein Eindruck, dass Kommunalpolitik vorwiegend von Männern 50+ gemacht wird, trifft exakt zu. Frauen sind bis zu dem Zeitpunkt, wo sie Kinder bekommen, politisch aktiv, verschwinden dann 7-8 Jahre lang komplett aus den politischen Arenen und erholen sich von dieser Pause nie. Statistisch gesehen*. Da gibt es nämlich eine ganz frische kleine Untersuchung aus dem „Gleichstellungszentrum“ von Norwegen zu, die sich das für Norwegen angeschaut hat. Es gibt durchaus Kommunen, die Sitzungen am Tag abhalten, es gibt Kommunen, die die Politiker*Innen angemessen bis fürstlich entschädigen, es gibt Kommunen, die Babysitterkosten übernehmen (und auch da eine weite Spanne, was die Höhe der Kostenübernahme angeht). Aber all das entscheidet die einzelne Kommune und deshalb gibt es in diesen Punkten komplett absurde Unterschiede in Norwegens 356 Kommunen. Für mich nehme ich mit: das ist alles nicht gottgegeben, nicht mal gesetzlich geregelt, also ist es möglich, bessere, inklusivere Arbeitsweisen zu entwickeln. Tschakka.

Weil nach dem Treffen bei Pippi wohl noch alles rosig war, fuhr ich kurz nach Hause, machte eine Einkaufsliste und erntete den Holunder, bevor er überreif wird. Dann holte ich Pippi ab und wir fuhren einkaufen und Eier holen und Pippi vermisste ihren Freund gleich sofort ganz schrecklich. Nawwww.

Zu Hause machte ich direkt Essen, viel zu viel, weil die Kinder nicht wirklich Hunger hatten und Herr Rabe ja gar nicht da ist. Nach dem Essen spielte ich eine Weile Geige, dann brachte ich die Kinder ins Bett und dann wollte ich nur kurz die Holunderbeeren von den Rispen abmachen und Saft kochen und dann vorm Fernseher abhängen, aber dann dauerte das mit den Beeren irgendwie fast anderthalb Stunden. Nachdem ich die Beeren fertig gekocht hatte, bemerkte ich diesen blinden Passagier unten am Topf – viel zu spät. RIP.

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*Männerbeteiligung geht Anfang 30 kurz etwas zurück, ist aber nach 1-1,5 Jahren bereits auf dem vorherigen Niveau.

Tag 2614 – Vorhersehbar.

Schon wieder so spät im Bett, heute haben wir den dritten Teil der Fantastic Beasts-Serie geguckt. Irgendwie finde ich enttäuschend offensichtlich, dass es noch mindestens einen weiteren Film geben wird. Die sind ja schon nicht schlecht, aber schon auch sehr kommerz-ig und wenig raffiniert im Plot, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Ansonsten war heute viel Care-Gedöns. Einkaufen, Eier holen, Schweinchen versetzen, Finanzkram. Etwa das doppelte an Stromrechnung für August bezahlt wie letztes Jahr im August, trotz Stütze und obwohl wir noch nicht (mit Elektrizität) heizen. Das wird ein fieser Winter*. Ebenfalls für den Wocheneinkauf geschätzte 20% mehr bezahlt als vor 2 Jahren. Awesome. Gleich mal noch den Leitzins steil nach oben schrauben, damit wir endlich aufhören, unser Geld in i-Phones und Autos Brot und ein warmes Haus zu stecken.

Genug Genörgel. Im Grunde geht es uns ja noch gut, wir können unser Haus schon noch aufwärmen und wir kaufen weiterhin die Biomilch und die etwas besseren Brötchen. Außerdem verdient sich der Norwegische Staat grad einen goldenen Fjord an den Gas- und Elektrizitätspreisen, irgendwann und irgendwie kommt uns das ja auch zugute. Aber so jetzt grad akut haben Leute, bei denen alles schon letztes Jahr auf Kante genäht war, nicht viel zu lachen. Die Tafeln sagen schon, sie haben wesentlich mehr Nachfrage als Angebot und es kommen immer mehr.

Seufz.

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*Dabei hab ich schon jeden Monat, in dem die Stromrechnung unter einem (gefühlt hohen) bestimmten Betrag lag, die Differenz zu diesem Betrag zurückgelegt, für die Wintermonate. So dachte ich, ich könne mir mein eigenes Abschlagssystem basteln, um Vorhersehbarkeit bei den monatlichen Stromausgaben zu schaffen. Allerdings habe ich nicht mal im Traum mit den jetzigen Preisen gerechnet und deshalb den „Abschlag“ zu niedrig angesetzt. Tja. Muss ich wohl ne fette Nachzahlung von mir fordern.