Tag 11

Eigentlich möchte ich seit Tagen über das schlechte Gewissen schreiben, das ich gegenüber dem großen Kind habe, seit das Baby da ist. Darüber, dass es nichts damit zu tun hat was ich dachte was mir ein schlechtes Gewissen machen würde. Allerdings ist das irgendwie noch so unausgereifter Gedankenquark, da muss erstmal Ordnung rein, dann kann ich drüber schreiben.

Heute war wieder schönes Wetter, langsam gewöhne ich mich dran und langsam wird es auch etwas peinlich, dass ich im Wechsel die selben zwei identischen (!) Hosen trage, weil ich dachte für die ein, zwei Tage lohne es sich nicht, die Sommersachen vom Schrank zu holen. Jetzt lohnt es sich aber wirklich nicht mehr, der Sommer soll wohl spätestens Ende nächster Woche vorbei sein und der Schrank ist sehr hoch und die Leiter wackelig. Obwohl sicher auch Herr Rabe auf die Leiter steigen würde, bäte ich ihn darum. Aber egal. Es lohnt nicht mehr und ich hab ja die zwei Hosen. So.
Wegen des schönen Wetters bin ich nach meinem Mittagessen mit der netten Kollegin (wir wollen das jetzt jede Woche machen, dann gibts für sie mal was warmes und für mich überhaupt was zum Mittag) zu Fuß fast bis nach Hause gegangen, am Fluss entlang. Wenn gutes Wetter ist, ist die Stadt hier fast kitschig schön und spazieren gehen finde ich eh gut, das Baby und ich brauchen ja auch frische Luft und coffee to go macht so auch viel mehr Sinn. Am Fluss liegt der Dom und am anderen Ufer gibt es eine Promenade, die dann direkt in die Altstadt übergeht mit putzigen kleinen bunten Holzhäuschen, in denen sehr reiche Menschen wohnen, den Wohnungspreisen nach zu Urteilen jedenfalls. Überall sonnten sich Menschen, das Semester hat auch gerade angefangen, deshalb hatte ca. die Hälfte der Menschen Alibi-Bücher mit schlau klingenden Titeln neben sich liegen, während sie ihren post-Urlaubs-Blick über den Fluss schweifen ließen. Kurzum: es war super schön und ich im ca. 5. Himmel, bis ich in den Bus stieg (für den letzten Kilometer bergauf war ich dann doch zu faul und die Strecke ist dann auch nicht mehr so schön). Da wurde ich sofort von einer älteren Dame angepampt weil ich den Kinderwagen ja doch bitteschön andersrum hinstellen könnte, so würde sie ja da gar nicht durchpassen. Dass der Kinderwagen egal in welcher relativen Ausrichtung zum ihm umgebenden Raum immer gleich groß ist, schien ihr nicht bewusst zu sein. Auch dass ich mir fast den Fuß abbrach bei dem Versuch in der anderen Position die Bremse erst fest- und zwei Stationen später wieder aufzubekommen interessierte sie offenkundig nicht. Mein bissiges freundliches „Ha det!“ zum Abschied wurde konsequent ignoriert. Nach der Busfahrt hatte ich mich von meiner guten Laune erholt und ging lieber schnell nach Hause und ließ mich vom Baby vollspucken.

Der Rest des Tages war wie immer. Kind abholen, Eis, Spielplatz, Wäsche, Essen, mehr Wäsche, im Garten rumgehangen. Unsere Nachbarn haben im Garten eine Hängematte aufgehängt, das ist sehr nett von ihnen. Findet auch das Kind. Das Kind begrüßt auch dass es im Brunnen im Park wieder Wasser gibt (wieso wird das überhaupt dauernd abgelassen und dann wieder befüllt?) und feierte das heute indem es sich nackt auszog und reinsprang. Wir sind die Weirdos, deren Kinder nackt im Brunnen sitzen, während sie selbst mit Babykotze auf dem T-Shirt ihre Augenringe zählen. Und haste gesehn? Die Frau hat immer die gleiche Hose an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s