Tag 23

Dieser Statistikkurs fängt an mir auf die Nerven zu gehen. Heute war wieder Vorlesung, es ging um diskrete Wahrscheinlichkeitsverteilungen. Das heißt, zuerst mussten wir noch den Rest der letzten Vorlesung machen, nämlich den Satz von Bayes. Der ist sicherlich nützlich für Mediziner und Pharmazeuten und so, für mich hatte er eher einen abstrakten Reiz. So simpel, so gut, und wahrscheinlich vom Durchschnittsmediziner so verschmäht. (Für die Interessierten: es werden im Falle unseres Kurses Sensitivität und Spezifität eines Tests mit der Prävalenz einer Krankheit in Verbindung gestellt. Wenn eine Krankheit sehr selten auftritt, bedarf es einer hohen Spezifität und Sensitivität, um die tatsächlich Kranken zu diagnostizieren, aber dabei falsch positive Ergebnisse zu minimieren).

Das ist auch schon das Kernproblem das ich mit dem Kurs habe, mal abgesehen von dem nicht so ganz packenden Vortragsstil: das ist ein Kurs für Mediziner. Mediziner wenden im Idealfall die Statistiken korrekt an und verstehen grob, worum es geht. Die meisten im Kurs scheinen jedoch eher anzupeilen, irgendwie die Klausur zu bestehen und dann die Studienpunkte einzuheimsen. Oder vielleicht schlafen die auch alle mit offenen Augen, es regt mich jedenfalls kolossal auf, dieses kollektive Glotzen und Schweigen in dem Kurs. In Kombination mit dem unfähigen (oder einfach genauso genervten?) Dozenten beschleicht mich mehr und mehr die Ahnung, dass ich mir die Vorlesungen auch gut sparen könnte. Weiteres Beispiel gefällig? Nachdem die ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte für die Definition einer Zufallsvariable draufgegangen waren, hielten wir uns geschlagene dreißig Minuten mit einer Erklärung des Gesetzes der großen Zahlen auf. Das Gesetz besagt, „dass sich die relative Häufigkeit eines Zufallsergebnisses in der Regel um die theoretische Wahrscheinlichkeit eines Zufallsergebnisses stabilisiert, wenn das zu Grunde liegende Zufallsexperiment immer wieder unter denselben Voraussetzungen durchgeführt wird.“ Die Erklärung war: ich habe einen Würfel, der hat zweimal einen Punkt, zweimal zwei Punkte und zweimal drei (ein normaler Würfel mit sechs verschiedenen Seiten wäre vermutlich zu kompliziert gewesen). Wenn ich den Würfel ganz ganz oft werfe, wird der Mittelwert der Würfe immer stabiler um zwei herum pendeln. Was aber für jeden einzelnen Wurf erstmal gar nix sagt, sondern nur für den Mittelwert. Nach 10 Minuten mit diesem Beispiel wollte ich gerne aufstehen und alle anbrüllen „IST DAS DENN SO SCHWER ZU VERSTEHEN???“, aber dann wäre das Baby bestimmt aufgewacht.

Die Übungen lassen sich im Übrigen mit mittelmäßigen Excel-Kenntnissen gut lösen. Nach sechs Jahren in meinem Beruf verfüge ich über ziemlich gute Excel-Kenntnisse, zumindest was das Auswerten von medizinischen/pharmazeutischen/naturwissenschaftlichen Experimenten angeht. Da ist also auch kein Erkenntnisgewinn zu erwarten. Seufz.

So, jetzt habe ich mich aber genug ausgekotzt. Morgen muss ich zu einer geradezu absurden Zeit aufstehen um dann zur Vorlesung „Einführung in SPSS“ um 08:15 auf der Matte zu stehen. Ich werde mir viel Kaffee mitnehmen. Der hält mich erstens wach und sorgt zweitens für häufige Klo-Pausen. Und dann muss ich leider auch früher gehen, ich muss nämlich zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen um meine Schilddrüsenwerte zu kontrollieren. Ich hoffe, tausend Liter Kaffee verfälschen das Ergebnis nicht…

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